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Veröffentlicht am 09.06.2024

Rückkehr nach Irland

Long Island
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Zunächst sollte man wissen, dass dieser Roman die Fortsetzung von Brooklyn ist. Natürlich kann man ihn auch lesen, ohne das andere Buch zu kennen, aber es hilft halt doch, vorher um die Entwicklungen der ...

Zunächst sollte man wissen, dass dieser Roman die Fortsetzung von Brooklyn ist. Natürlich kann man ihn auch lesen, ohne das andere Buch zu kennen, aber es hilft halt doch, vorher um die Entwicklungen der Figuren zu wissen. Eilis, einst aus Irland ausgewandert, wird von ihrem Ehemann Tony betrogen. Nun steht ein uneheliches Kind ins Haus und das wortwörtlich, denn der betrogene Ehemann will es bei Eilis und Tony vor die Tür legen, sobald es geboren ist. Tonys italienischstämmige Großfamilie findet das in Ordnung, schließlich ist es ihr eigen Fleisch und Blut. Eilis ist wie vor den Kopf geschlagen und fliegt in ihre alte Heimat, wo sie seinerzeit selbst verbrannte Erde zurückgelassen hatte: Kurz nachdem sie in Amerika geheiratet hatte, war sie wegen ihrer verstorbenen Schwester zurückgekommen, hat ihre Ehe verschwiegen und sich in Jim verliebt und diesen dann aber ohne einen Abschied zurückgelassen, weil ihre Ehe über drei Ecke dann doch die Runde in Irland gemacht hat. So und jetzt ist sie wieder da und alles geht von vorne los.

Ich hatte mich sehr auf diesen Roman gefreut und wollte ihn wirklich mögen. Leider konnten mich weder die Charaktere noch die Geschichte überzeugen. Auf dem Klappentext heißt es: mitreißend, aufwühlend, unwiderstehlich. So habe ich das Buch in weiten Teilen leider gar nicht empfunden. Sicherlich versteht es der Autor, das zerrissene Innenleben seiner Figuren darzustellen. Immer wieder stehen Gedanken und Handeln im Gegensatz. Die unterschiedlichen Perspektiven verdeutlichen, wie verschieden die Figuren Situationen wahrnehmen. Das ist aufschlussreich und interessant, manchmal humorvoll zu lesen. Jim ist nämlich mittlerweile mit Eilis vormals bester Freundin Nancy (nun verwitwet) zusammen, sie halten die Beziehung aber noch geheim. Sobald aber Eilis auftaucht, ist es, als hätte Jim nur darauf gewartet, erzählt ihr aber seinerseits nichts von der geplanten Hochzeit mit Nancy.

Auch die Szenen, die das irische Dorfleben beleben, sind wunderbar und bringen Zeitkolorit in den Roman, der zu Beginn der 1970er spielt. Der Text liest sich flüssig und schnell. Aber die Handlung insgesamt ist voll von Heimlichkeiten, unausgesprochenen Gefühlen, wohl auch unsicheren Gefühlen und alle drehen sich praktisch permanent im Kreis und - so sehe ich es - um sich selbst. Das trägt den Roman für mich nicht über die gut 300 Seiten.

Ich freue mich wirklich für alle, die dieses Buch als Bereicherung empfinden und mit dem Gefühlsleben der drei Hauptfiguren mitfiebern können. Übrigens ist die Verfilmung von Brooklyn eine gute Möglichkeit, die Vorgeschichte in kurzer Zeit kennenzulernen. Figuren und Handlung überzeugen hier wesentlich besser.

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Veröffentlicht am 21.05.2024

Es sind bloß Träume!

Der Schattenmörder
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Schmackhafte Thrillerzutaten: Ein 25 Jahre zurückliegender brutaler Mord, ein fieser und unheimlicher Junge, der seine Freunde beeinflusst, ein finsterer Wald, der nur "Die Schatten" genannt wird, Träume, ...

Schmackhafte Thrillerzutaten: Ein 25 Jahre zurückliegender brutaler Mord, ein fieser und unheimlicher Junge, der seine Freunde beeinflusst, ein finsterer Wald, der nur "Die Schatten" genannt wird, Träume, in die man hineinschlüpfen kann und einer, der nicht mitmachen wollte - Paul. Als seine Mutter im Sterben liegt, kehr er in seinen Heimatort zurück und ist sofort wieder von den Erinnerungen überwältigt. Zu allem Überfluss versucht seine außerdem an Demenz erkrankte Mutter ihm etwas mitzuteilen, aber das einzige, was Paul zunächst entdeckt, ist ein mit blutigen Handabdrücken übersäter Dachboden in seinem Elternhaus.

Die Geschichte wird einmal aus der Ich-Perspektive von Paul geschildert und einmal aus der Personalen Erzählperspektive der Ermittlerin Amanda Beck. Außerdem wechseln die Zeitebenen immer wieder zwischen der Zeit des Mordes vor 25 Jahren und heute hin und her. Langsam setzt sich aus den Erinnerungen und Rückblicken die Geschichte zusammen, die Paul dazu veranlaßt hat, seinem Heimatort den Rücken zu kehren. Pauls Mitschüler Charlie Crabtree wird schnell vom fragwürdig zum gruseligen Charakter in diesem Buch. Er hat ein Faible für Klarträume, also Träume, die man als solche wahrnimmt und in denen man frei entscheiden kann, was man macht. Diese Träume nehmen bald eine Besorgnis erregende Richtung ein. Gerade dieser Aspekt des Buches erinnert stark an Stephen King und das ist sicherlich auch beabsichtigt, denn seine Werke werden öfter erwähnt.

Trotz eines wirklich guten Twists zum Ende hin, verzettelt sich der Thriller für mich in zahlreichen Elementen, die bewußt Spannung erzeugen sollen und dann irgendwie zusammengebracht werden müssen. Das Buch beginnt wirklich stark, baut Neugier und Gruselatmosphäre auf, die aber dann in einer eher banalen Auflösung verpufft und auf dem Weg dahin auch schon an Spannung eingebüßt hat. Da muss so viel erklärt werden, warum und wieso und eigentlich interessiert es dann (leider) auch gar nicht mehr, weil es schon etwas konstruiert wirkt.

Ein gut lesbarer Thriller mit einem klasse Twist, auf den ich auch reingefallen bin - sorgfältiger lesen! -, aber ansonsten kein Highlight für mich.

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Veröffentlicht am 07.05.2024

Der Paulstädter Friedhof

Das Feld
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Was hätten die Toten noch zu sagen, wenn sie ihre Stimmen aus dem Grab erheben könnten? Auf dem Paulstädter Gottesacker können wir diese vielfältigen ausgesprochenen Gedanken hören, die die Ruhenden umtreiben. ...

Was hätten die Toten noch zu sagen, wenn sie ihre Stimmen aus dem Grab erheben könnten? Auf dem Paulstädter Gottesacker können wir diese vielfältigen ausgesprochenen Gedanken hören, die die Ruhenden umtreiben. 29 mal kommen sie zu Wort, die Bürgerinnen und Bürger des kleinen Ortes, inklusive Pfarrer und Bürgermeister. Von Erinnerungen, die mehrere Seiten lang sind, bis zu einem Ein-Wort-Satz als einzige Aussage ist alles dabei. Die Kapitel beleuchten ein ganzes Leben oder nur einen Moment. Die Erinnerungen sind mit einander verwoben und ergänzen sich, was bei einem kleinen Ort nicht überraschen kann. So setzt sich Paulstadt in Teilen aus dem Erzählten zusammen und bleibt doch irgendwie nicht greifbar.

Die Beschäftigung mit der Endlichkeit des Lebens sorgt für schöne Sätze, die zum Nachdenken anregen: "Als junger Mann wollte er die Zeit vertreiben, später wollte er sie anhalten, und nun, da er alt war, wünschte er sich nichts sehnlicher, als sie zurückzugewinnen." (S. 11) Die Sprache hat mir sehr gut gefallen, allerdings konnte mich das Konzept nicht so packen. Trotz der Verbindungen der Kapitel untereinander blieben sie kleine Erzählinseln und so interessant auch einige Passagen waren, waren sie wiederum zu kurz, um sich darauf einzulassen. Ich wäre lieber bei einigen Personen geblieben und hätte mehr von ihrem Leben erfahren mögen.

Einen Teil habe ich als Hörbuch gehört, gelesen vom Autor Robert Seethaler selbst.

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Veröffentlicht am 01.05.2024

Serienauftakt aus Schweden

Sturmrot
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Tove Alsterdal hat das schwedische Krimi-Rad nicht neu erfunden, im Gegenteil, sie verwendet bewährte Elemente: Polizistin Eira kehrt aus der Großstadt zurück in ihre Heimat auf dem Land. Dort geschieht ...

Tove Alsterdal hat das schwedische Krimi-Rad nicht neu erfunden, im Gegenteil, sie verwendet bewährte Elemente: Polizistin Eira kehrt aus der Großstadt zurück in ihre Heimat auf dem Land. Dort geschieht ein Mord, der mit einem alten Fall zusammenhängt, an den sie sich aus ihrer Kindheit noch gut erinnern kann. Damals wurde ein 14-Jähriger für den Mord an der hübschen Lina verurteilt. Im Verlauf der Handlung gibt es noch einige Zutaten, die man schon öfter gelesen hat.

Der Krimi liest sich dennoch gut, die Handlung bietet gelegentlich Überraschungen, allerdings auch einiges, was man sich schon denken konnte. Letztlich werden drei Fälle aus unterschiedlichen Zeiträumen mit einander verwoben, was die Geschichte etwas komplexer macht, als viele andere. Eira ist ein interessanter Charakter, die neben dem aktuellen Mordfall noch mit ihrer an Demenz erkrankten Mutter und zwei attraktiven männlichen Kollegen jonglieren muss.

Das Ende des Buches hat mich, sagen wir mal, nicht verblüfft. Insgesamt ein solider schwedischer Krimi, der sich gut lesen läßt, aber nicht sehr viel Neues bietet und dem ein dramatischer Höhepunkt fehlt.

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Veröffentlicht am 15.03.2024

Geheimnisse und Schweigen im Übermaß

Kranichland
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Kranichland ist ein Sehnsuchtsland; dorthin ziehen die Kraniche im Herbst und Marlene beneidet sie um diese Freiheit. Sie hat 1968 in Ost-Berlin nicht die Möglichkeit zu reisen, wohin sie möchte. Gemeinsam ...

Kranichland ist ein Sehnsuchtsland; dorthin ziehen die Kraniche im Herbst und Marlene beneidet sie um diese Freiheit. Sie hat 1968 in Ost-Berlin nicht die Möglichkeit zu reisen, wohin sie möchte. Gemeinsam mit ihrem Freund Wieland plant sie die Flucht über Prag, dort werden sie jedoch von der Stasi abgefangen.

Die Autorin öffnet ein Nähkästchen voller Geheimnisse und Schweigen in einer Familie, die an den sozialistischen Arbeiter- und Bauernstaat glauben möchte, jedoch letztlich daran zerbricht. Erst mit der Enkelgeneration wird das Schweigen gebrochen und nun müssen alle mit den Scherben leben. Dem Genre wird der Roman gerecht, er unterhält und hat durchaus spannende Momente. Leider hatte er für mich aber auch einige Schwächen. Die Charaktere sind recht platt und klischeehaft. Ich konnte mit keiner Figur richtig mitfiebern, sie blieben mir fremd. Es passiert viel, was ohne Bezug zur Handlung bleibt und dann einfach im Sande verläuft. Außerdem waren einige Szenen und Charaktere einfach nicht glaubhaft, da wird der gute Wille schon sehr strapaziert.

Interessant sind die Bezüge zur Geschichte der DDR, Fluchtversuch, Austausch politischer Gefangener etc. Das wird gut vermittelt. Von einer Bekannten habe ich mir sagen lassen, dass auch die häufig erwähnten Einrichtungsgegenstände absolut typisch gewesen seien, die hätten ihre Eltern auch gehabt, u. a. das Pastellgemälde des Wiener Schokoladenmädchens oder eine Vase aus Meißner Porzellan. Diese Objekte spielen im Roman eine wichtige Rolle und gerade die Symbolik der Vase ist wirklich gut gemacht.

Alles in allem ein Unterhaltungsroman, der mir etwas zu "leicht" in der Sprache war, stellenweise einfach unglaubwürdig und mit Geheimnissen und Verschwiegenheit überfrachtet. Geschmäcker sind bekanntlich verschieden und dieser Roman hat eine große Fangemeinde. Mir hat "Die Erfindung der Sprache" von der Autorin wesentlich besser gefallen, das Buch kann ich sehr empfehlen, es ist völlig anders geschrieben.

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