Platzhalter für Profilbild

Arambol

Lesejury Profi
offline

Arambol ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Arambol über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.08.2024

Gelungener Serienauftakt

Das Dickicht
0


"Verdrängung ist ein Segen, wenn sie gelingt. Ein Albtraum, an den man sich nicht erinnert, hat nie existiert."

Ein neues Ermittlerduo beim LKA Hamburg, Juha Korhonen und Lucas "Lux" Adisa, stoßen eher ...


"Verdrängung ist ein Segen, wenn sie gelingt. Ein Albtraum, an den man sich nicht erinnert, hat nie existiert."

Ein neues Ermittlerduo beim LKA Hamburg, Juha Korhonen und Lucas "Lux" Adisa, stoßen eher durch Zufall auf Ungereimtheiten in einem bereits seit zwanzig Jahren als abgeschlossen deklarierten Entführungsfall. Neue Erkenntnisse lassen erhebliche Zweifel aufkommen, ob der damals ermittelte und inzwischen verstorbene Täter wirklich schuldig war. Nahezu alle Spuren sind mittlerweile kalt, eiskalt. Dennoch nehmen die beiden LKA-Beamten unbeeindruckt Ermittlungen auf und reißen dabei viele alte Wunden wieder auf.

Obwohl, oder gerade weil die beiden charakterlich äußerst verschieden sind, Juha ist eher emotional und Lux mehr rational veranlagt, ergänzen sie sich in ihrer Ermittlungsarbeit optimal.
Die Geschichte wird abwechselnd aus der jeweiligen Sicht der beiden Ermittler erzählt, dabei erfährt man auch einiges über deren privaten Hintergründe. Sowohl Juha, als auch Lux haben da so manche Päckchen zu tragen.

Der angelegte Spannungsbogen ist durchgehend hoch, das Erzähltempo angenehm flott; das Buch ist bis zum Ende clever und unterhaltsam. In vielen Situationen spürt man zudem den ganz eigenen, hanseatisch norddeutschen Humor.

Die Geschichte ist, mit zahlreichen interessanten Wendungen und Überraschungen, abwechslungsreich erzählt und kommt weitgehend ohne aktionslastige oder allzu drastische Schilderungen aus. Zum Finale erhöht sich nochmals der Spannungsbogen, die Lösung des Falls ist dann schlüssig aber tatsächlich auch eher unerwartet.

Der Auftakt der neuen Krimiserie ist sehr gelungen: Ich hoffe auf ebenso spannende Fortsetzungen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.07.2024

Entspanntes Friesenklima

Leichenstarr an der Bar
0


"Für die Welt mochte Sünnum ein bedeutungslosss Kaff im Niemandsland sein, aber für sie würde dieser Ort immer ihre Heimat bleiben."

Der Kroog hat endlich wieder geöffnet, und alle alten Bekannten sind ...


"Für die Welt mochte Sünnum ein bedeutungslosss Kaff im Niemandsland sein, aber für sie würde dieser Ort immer ihre Heimat bleiben."

Der Kroog hat endlich wieder geöffnet, und alle alten Bekannten sind da: die Friesenbrauerin Gesine Felber mit ihrer Tochter Wiebke, der alte Kapitän Joris Harms, Tischler Hinnerk Gravenhorst, Wattführer Sören Gebhard und viele andere mehr.

Diesmal braucht es sprichwörtlich das gesamte Sünnum, die eingeschworene Dorfgemeinschaft, um einen äußerst persönlichen Mordfall zu lösen. Der Umweltaktivist Enno Prester stirbt im Kroog in den Armen der Friesenbrauerin und hinterlässt ein Rätsel, das Gesine Felber direkt zur Firma Friesenklima AG führt. Welche dunklen Machenschaften
verbergen sich hinter der Fassade des Ökounternehmens, das den Bau einer klimaneutralen Ferienanlage verspricht?

Die Ermittlungen gestalten sich sehr spannend und abwechslungsreich, immer wieder begibt sich die Friesenbrauerin, zum Leidwesen ihrer Tochter, der Polizistin Wiebke, in allerhöchste Gefahr.

Alle Protagonisten sind überzeugend liebevoll mit viel ostfriesischem Charme gezeichnet. Die Dialoge kommen recht humorvoll, zuweilen aber auch derb nordfriesisch daher. Das Buch ist leicht verständlich, die Kapitel übersichtlich kurz: ein flüssig geschriebener Krimi mit viel Lokalkolorit, der eigentlich viel zu schnell ausgelesen ist.

Leseempfehlung: Für mich wiederum ein sehr gelungener und humorvoller Regionalkrimi. Schade eigentlich, dass er so schnell vorbei war, hat mir erneut viel Spaß gemacht in Sünnum.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.06.2024

Hatte mir mehr erhofft

Hast du Zeit?
0

"...wer sich in der Vergangenheit suhlte oder die Zukunft plante, lief Gefahr, die Gegenwart zu verpassen."

Der Thriller startet vielversprechend spannend mit mehreren verschiedenen Handlungsssträngen. ...

"...wer sich in der Vergangenheit suhlte oder die Zukunft plante, lief Gefahr, die Gegenwart zu verpassen."

Der Thriller startet vielversprechend spannend mit mehreren verschiedenen Handlungsssträngen. Ab Kapitel drei (von insgesamt sechs) zieht sich die Erzählung für einen Winkelmann aber ungewohnt zähflüssig dahin und die Spannung fällt, durch zu viele und damit verwirrende Erzählstränge, deutlich ab.

Die regelmäßig eingestreuten und in einem auffallend anderem Schriftbild gesetzten und mit "Hinter der Zeit" überschriebenen Aufzeichnungen des vermeintlichen Täters wirken zunächst nur verwirrend. Erst recht spät offenbart sich ihr eigentlicher Sinn.

Es gibt durchaus einige genretypische Schockmomente und irgendwann sorgt allein schon die Frage "Hast du Zeit?" für Gänsehautmomente.

Der nicht so wirklich freiwillig in die Ermittlungen verwickelte Polizeibeamte in Ruhestand Lars Erik Grotheer und sein Hund namens "Jemand" waren mir auf Anhieb sympathisch. Viele der weiteren Charaktere konnten mich dann allerdings nicht so recht überzeugen und wirkten zuweilen wenig lebensnah.

Das Finale ist heftig und definitiv nichts für schwache Nerven, aber für einen Thriller durchaus angemessen und legitim.

Andreas Winkelmann liefert mit "Hast du Zeit?" einen soliden und routiniert geschriebenen Thriller ab, von dem ich mir allerdings deutlich mehr erwartet hatte. Schade: aufgrund unnötiger Längen ragt der Thriller leider nicht über Durchschnittsniveau hinaus.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.06.2024

rücksichtslos spannend

Krähentage
0


"Ich bin ein Niemand. Und genau das ist das Problem. "

Der Auftakt zu einer neuen Thrillerserie: das Ermittlerduo, Mila Weiss und Jakob Krogh, übernehmen gemeinsam die Leitung der neu gegründeten Polizeieinheit ...


"Ich bin ein Niemand. Und genau das ist das Problem. "

Der Auftakt zu einer neuen Thrillerserie: das Ermittlerduo, Mila Weiss und Jakob Krogh, übernehmen gemeinsam die Leitung der neu gegründeten Polizeieinheit "Gruppe 4", deren Aufgabe es sein soll, "Straftaten mit seriellem Charakter" aufzuklären.

Das Team ist dabei sehr heterogen zusammengesetzt:
Da ist Tuure Saldo, der Finne, der bereits mehrfach auffällig geworden ist, da er schnell zu Gewalt neigt.
Lucy Chang als Computer- und Internet-Expertin bewegt sich immer sehr nahe am Rande der Legalität.
Ludger Palm, der Anzug- und Lackschuhträger, ist eigentlich mehr Einzelgänger als Teamkollege.
Auch für Frauke Ibsen scheint ihre Tätigkeit als Teamassistentin eine letzte Chance darzustellen.

So unterschiedlich die Charaktere auch sind, lernen sie letztendlich doch als Team optimal zusammenzuarbeiten. Denn: Sie alle jagen einen Serienmörder.

Die erzählte Geschichte ist unheimlich spannend, in sich schlüssig und gleichzeitig aber auch außergewöhnlich.
Die handelnden Charaktere, allen voran Mila und Jakob, sind sehr detailreich und glaubwürdig charakterisiert. Aufgrund des verwendeten Schreibstils lässt sich der Thriller flüssig lesen, man will das Buch kaum noch aus der Hand legen und man wird regelrecht in die Handlung hineingezogen.

Das Ende ist sehr effektvoll spektakulär, aber - für meinen Geschmack - ist eine der finalen Story-Wendungen zu aufgesetzt konstruiert und deshalb für mich auch leider nicht nachvollziehbar glaubwürdig.

Benjamin Cors liefert mit "Krähentage" einen grundsolide geschriebenen, harten Thriller ab, inklusive zahlreicher genretypischer Schockmomente.
Teilweise sehr brutal, daher Nichts für schwache Nerven. Das Ende war leider nicht nach meinem Geschmack, dafür gibt es einen Punkt Abzug.
Dennoch, nach dem überraschenden Cliffhanger am Ende: Ich freue mich auf weitere Teile der Serie, es gibt wohl noch viel zu erzählen.

"Schaut nach oben."

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.05.2024

Gelungene Fortsetzung

Südlich von Porto wartet die Schuld
0


"Es gibt Träume, für die man bereit ist, auch über seinen größten Schatten zu springen."

Wer den ersten Band der "Südlich von Porto"-Buchreihe gelesen hat, fühlt sich schon nach wenigen Seiten wieder ...


"Es gibt Träume, für die man bereit ist, auch über seinen größten Schatten zu springen."

Wer den ersten Band der "Südlich von Porto"-Buchreihe gelesen hat, fühlt sich schon nach wenigen Seiten wieder in Torreira heimisch. Alle aus Teil eins bereits bekannten und liebgewonnenen Protagonisten sind wieder mit dabei.
Diese sind auch im zweiten Portokrimi facettenreich mit ihren individuellen Stärken und Schwächen charakterisiert und wirken deshalb absolut authentisch und gleichzeitig sehr lebendig.

Allgegenwärtig ist erneut die knisternde Spannung wischen Ria Almeida und Joaquim Baptista, und das sowohl in ihrer Rolle als Ermittlerteam als auch in ihrer privaten Beziehung zueinander.

Um vollends in die unterhaltsame Geschichte einzutauchen zu können, empfehle ich unbedingt zunächst die Lektüre des ersten Teils.

Eine nahezu perfekte Kombination aus dem Gefühl einer irgendwie entspannt gemütlichen Lebensart und interessant
abwechslungsreichen Ermittlungen.

Die sehr entspannt und gemächlich erzählte Kriminalgeschichte ist dabei in sich schlüssig und rund, die Charaktere erscheinen glaubwürdig und sind allesamt sympathisch.
Erstaunt hat mich allerdings, dass Ria als erwachsene Frau eine Wohnung anmietet und es dann Freunden und Familie überlässt, diese nach deren Geschmack einzurichten ohne dass sie diese Wohnung während der über zweiwöchigen Renovierungsarbeiten auch nur ein einziges Mal betritt.
Ungewöhnlich.

Mariana da Silva versteht es ganz wunderbar, den Leser mit ihrem sehr bildhaften und flüssigen Schreibstil auf eine Reise in ihr Portugal mitzunehmen. Mein Fernweh ist mal wieder geweckt, "muito obrigado" für diese Fortsetzung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere