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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.12.2024

Gelungener Serienauftakt

Dorn
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"Ich steige gerade durchs Tor zur Welt und bin fallweise verhindert."

Der Thriller "Dorn" beginnt dramatisch mit einem brutalen Mord und fächert sich anschließend in verschiedene Erzählstränge auf. Diese ...


"Ich steige gerade durchs Tor zur Welt und bin fallweise verhindert."

Der Thriller "Dorn" beginnt dramatisch mit einem brutalen Mord und fächert sich anschließend in verschiedene Erzählstränge auf. Diese bieten dann aber nur äußerst wage und mysteriöse Andeutungen, wenig Konkretes. So kann man nur leidlich spekulieren, worum sich die Geschichte überhaupt drehen mag, und welche Rolle die zahlreichen, eingeführten Protagonisten einnehmen werden.

Das ist leider zunächst eher verwirrend und auch nicht wirklich fesselnd.
Es braucht etwa einhundert Seiten, bis sich einige Schleier lichten und man als Leser glaubt, Zusammenhänge zu erkennen und zu verstehen.
Dadurch wird die Erzählung tatsächlich zunehmend spannender und durch die gleichzeitig häufigen Wechsel der Handlungsorte bleibt sie dabei stets kurzweilig.

Jan Beck schickt mit Simon Dorn, einem menschenscheuen ehemaligen Kriminalpsycholgen und Lea Wagner, einer jungen und bislang unerfahrenen Kriminalpolizistin, ein neues, extrem unkonventionelles und arg skurriles Ermittlerduo in ihren ersten Fall: die Suche nach einem brutalen Serienkiller.
Als Schauplätze der Handlung dienen Hamburg, Wien, und ein verfallenes Hotel im beschaulichen Touristenort Bad Gastein.

Das ein oder andere Mal handeln die Protagonisten - meines Erachtens - eher unglaubwürdig, mitunter sogar unrealistisch, aber das verzeiht man der guten Hintergrundgeschichte dann doch irgendwie ganz gerne. Denn wenn man sich erst einmal in der wirren Handlung zurecht gefunden hat, fliegt man schnell und flüssig durch die insgesamt fast achtzig, meist überschaubar kurz gehaltenen Kapitel.

Zum finalen Showdown wird die Handlung leider erneut undurchsichtig, die Zusammenhänge wirken stark konstruiert. Gleichzeitig überlädt der Autor das Finale durch zu viel Dramatik.

Die Grundidee hinter dieser neuen Thrillerreihe von Jan Beck gefällt mir ausgesprochen, doch leider konnte mich im ersten Teil die Ausarbeitung der beiden Hauptprotagonisten Simon Dorn und Lea Wagner noch nicht gänzlich überzeugen.
Gerne hätte ich mehr von den beiden und ihren persönlichen Hintergründen erfahren.

Fazit: Ein gelungener Auftakt einer neuen Thrillerreihe, für die Folgebände bleibt dabei durchaus Luft nach oben.

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Veröffentlicht am 31.10.2024

Überzeugend unterhaltsam

Ab ins All!
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"Eigentlich sollte unser Universum gar nicht existieren."

Ich interessiere ich mich schon seit jeher für Raumfahrt, Raumfahrttechnik und die Physik dahinter; gehöre ich doch der Generation an, die die ...


"Eigentlich sollte unser Universum gar nicht existieren."

Ich interessiere ich mich schon seit jeher für Raumfahrt, Raumfahrttechnik und die Physik dahinter; gehöre ich doch der Generation an, die die Ära der Mondlandungen noch live miterleben durfte.

Ich habe bereits viele Sachbücher zu diesem Thema gelesen: "Ab ins All" ist anders. Anne-Dorette Ziems gelingt es hervorragend, Raumfahrtwissen in einer sehr modernen und frischen Form zu präsentieren. Die optische Gestaltung des Buches trifft allerdings nicht immer meinen persönlichen Geschmack; bezüglich der Darstellung von Planeten mit Smiley-Gesichtern kann man sicherlich geteilter Meinung sein.

Die Autorin beschreibt sehr komplexe Themen in einer laienverständlichen und leichten Sprache. Ich bin erstaunt, wieviele brandaktuelle Studien, sowie auch laufende Forschungsprojekte sie zusammengetragen hat, um daraus konkrete Gedankenspiele abzuleiten.

"Ab ins All " ist ein kurzweiliges und unterhaltsames Sachbuch über die Raumfahrt und gibt Antworten auf die Frage, wie Reisen zu anderen Planeten realisiert werden können.
Gelungen. Lesenswert.

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Veröffentlicht am 13.08.2024

Gelungener Serienauftakt

Das Dickicht
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"Verdrängung ist ein Segen, wenn sie gelingt. Ein Albtraum, an den man sich nicht erinnert, hat nie existiert."

Ein neues Ermittlerduo beim LKA Hamburg, Juha Korhonen und Lucas "Lux" Adisa, stoßen eher ...


"Verdrängung ist ein Segen, wenn sie gelingt. Ein Albtraum, an den man sich nicht erinnert, hat nie existiert."

Ein neues Ermittlerduo beim LKA Hamburg, Juha Korhonen und Lucas "Lux" Adisa, stoßen eher durch Zufall auf Ungereimtheiten in einem bereits seit zwanzig Jahren als abgeschlossen deklarierten Entführungsfall. Neue Erkenntnisse lassen erhebliche Zweifel aufkommen, ob der damals ermittelte und inzwischen verstorbene Täter wirklich schuldig war. Nahezu alle Spuren sind mittlerweile kalt, eiskalt. Dennoch nehmen die beiden LKA-Beamten unbeeindruckt Ermittlungen auf und reißen dabei viele alte Wunden wieder auf.

Obwohl, oder gerade weil die beiden charakterlich äußerst verschieden sind, Juha ist eher emotional und Lux mehr rational veranlagt, ergänzen sie sich in ihrer Ermittlungsarbeit optimal.
Die Geschichte wird abwechselnd aus der jeweiligen Sicht der beiden Ermittler erzählt, dabei erfährt man auch einiges über deren privaten Hintergründe. Sowohl Juha, als auch Lux haben da so manche Päckchen zu tragen.

Der angelegte Spannungsbogen ist durchgehend hoch, das Erzähltempo angenehm flott; das Buch ist bis zum Ende clever und unterhaltsam. In vielen Situationen spürt man zudem den ganz eigenen, hanseatisch norddeutschen Humor.

Die Geschichte ist, mit zahlreichen interessanten Wendungen und Überraschungen, abwechslungsreich erzählt und kommt weitgehend ohne aktionslastige oder allzu drastische Schilderungen aus. Zum Finale erhöht sich nochmals der Spannungsbogen, die Lösung des Falls ist dann schlüssig aber tatsächlich auch eher unerwartet.

Der Auftakt der neuen Krimiserie ist sehr gelungen: Ich hoffe auf ebenso spannende Fortsetzungen.

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Veröffentlicht am 18.07.2024

Entspanntes Friesenklima

Leichenstarr an der Bar
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"Für die Welt mochte Sünnum ein bedeutungslosss Kaff im Niemandsland sein, aber für sie würde dieser Ort immer ihre Heimat bleiben."

Der Kroog hat endlich wieder geöffnet, und alle alten Bekannten sind ...


"Für die Welt mochte Sünnum ein bedeutungslosss Kaff im Niemandsland sein, aber für sie würde dieser Ort immer ihre Heimat bleiben."

Der Kroog hat endlich wieder geöffnet, und alle alten Bekannten sind da: die Friesenbrauerin Gesine Felber mit ihrer Tochter Wiebke, der alte Kapitän Joris Harms, Tischler Hinnerk Gravenhorst, Wattführer Sören Gebhard und viele andere mehr.

Diesmal braucht es sprichwörtlich das gesamte Sünnum, die eingeschworene Dorfgemeinschaft, um einen äußerst persönlichen Mordfall zu lösen. Der Umweltaktivist Enno Prester stirbt im Kroog in den Armen der Friesenbrauerin und hinterlässt ein Rätsel, das Gesine Felber direkt zur Firma Friesenklima AG führt. Welche dunklen Machenschaften
verbergen sich hinter der Fassade des Ökounternehmens, das den Bau einer klimaneutralen Ferienanlage verspricht?

Die Ermittlungen gestalten sich sehr spannend und abwechslungsreich, immer wieder begibt sich die Friesenbrauerin, zum Leidwesen ihrer Tochter, der Polizistin Wiebke, in allerhöchste Gefahr.

Alle Protagonisten sind überzeugend liebevoll mit viel ostfriesischem Charme gezeichnet. Die Dialoge kommen recht humorvoll, zuweilen aber auch derb nordfriesisch daher. Das Buch ist leicht verständlich, die Kapitel übersichtlich kurz: ein flüssig geschriebener Krimi mit viel Lokalkolorit, der eigentlich viel zu schnell ausgelesen ist.

Leseempfehlung: Für mich wiederum ein sehr gelungener und humorvoller Regionalkrimi. Schade eigentlich, dass er so schnell vorbei war, hat mir erneut viel Spaß gemacht in Sünnum.

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Veröffentlicht am 20.06.2024

Hatte mir mehr erhofft

Hast du Zeit?
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"...wer sich in der Vergangenheit suhlte oder die Zukunft plante, lief Gefahr, die Gegenwart zu verpassen."

Der Thriller startet vielversprechend spannend mit mehreren verschiedenen Handlungsssträngen. ...

"...wer sich in der Vergangenheit suhlte oder die Zukunft plante, lief Gefahr, die Gegenwart zu verpassen."

Der Thriller startet vielversprechend spannend mit mehreren verschiedenen Handlungsssträngen. Ab Kapitel drei (von insgesamt sechs) zieht sich die Erzählung für einen Winkelmann aber ungewohnt zähflüssig dahin und die Spannung fällt, durch zu viele und damit verwirrende Erzählstränge, deutlich ab.

Die regelmäßig eingestreuten und in einem auffallend anderem Schriftbild gesetzten und mit "Hinter der Zeit" überschriebenen Aufzeichnungen des vermeintlichen Täters wirken zunächst nur verwirrend. Erst recht spät offenbart sich ihr eigentlicher Sinn.

Es gibt durchaus einige genretypische Schockmomente und irgendwann sorgt allein schon die Frage "Hast du Zeit?" für Gänsehautmomente.

Der nicht so wirklich freiwillig in die Ermittlungen verwickelte Polizeibeamte in Ruhestand Lars Erik Grotheer und sein Hund namens "Jemand" waren mir auf Anhieb sympathisch. Viele der weiteren Charaktere konnten mich dann allerdings nicht so recht überzeugen und wirkten zuweilen wenig lebensnah.

Das Finale ist heftig und definitiv nichts für schwache Nerven, aber für einen Thriller durchaus angemessen und legitim.

Andreas Winkelmann liefert mit "Hast du Zeit?" einen soliden und routiniert geschriebenen Thriller ab, von dem ich mir allerdings deutlich mehr erwartet hatte. Schade: aufgrund unnötiger Längen ragt der Thriller leider nicht über Durchschnittsniveau hinaus.

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