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Veröffentlicht am 10.09.2024

konfus und sprunghaft

Nur nachts ist es hell
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Als ältere Frau erzählt Elisabeth aus ihrem Leben. Sie wuchs mit drei Brüdern im ländlichen Österreich auf in einer Zeit, die von zwei Weltkriegen gezeichnet war. Ein Bruder starb während des ersten Weltkrieges ...

Als ältere Frau erzählt Elisabeth aus ihrem Leben. Sie wuchs mit drei Brüdern im ländlichen Österreich auf in einer Zeit, die von zwei Weltkriegen gezeichnet war. Ein Bruder starb während des ersten Weltkrieges und Eugen und Carl, Zwillinge, verband eine ganz besondere Geschichte, die auch in diesem Roman erzählt wird. Elisabeths Wunsch war schon immer, Ärztin zu werden. Für die damalige Zeit, für eine Frau, nur schwer vorstellbar. Nachdem sie als Lazarettschwester im ersten Weltkrieg viel erlebt hat, hat sie, mit Eugens Fürsprache und den Rückhalt der Ärztefamilie ihres zukünftigen Mannes Georg, ihr Medizinstudium begonnen. Wir erfahren, welchen Repressalien Studentinnen ausgesetzt wurden, so dass viele abbrachen. In Wien hatte sie gemeinsam mit ihrem Mann eine Hausarztpraxis geführt, da er kriegsversehrt mit fehlendem Arm, Hilfe benötigte.
Weiterhin wird über das kompliziert Familienleben erzählt, über Liebe und Untreue, über die Nazizeit in Österreich und den zweiten Weltkrieg, über die unterschiedlichen Rollen der Frauen in Kriegs- wie in Friedenszeiten. Alles sehr interessante Themen und bei einigen hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht.
Enorm störend fand ich die ständigen Wechsel in den Zeiten, vieles wurde erst angeschnitten um dann Seiten später ausführlicher beschrieben zu werden. Nochmals Seiten danach wurden neue Ereignisse zu dem Geschehen hinzugefügt. In welcher Zeit, in welcher Handlung gerade berichtet wurde konnte man erst nach mehreren Sätzen durchschauen, da ging es schon weiter in eine neue Episode. Wie bei einer alten Frau, die auf ihr Leben erzählt und der beim Zurückblicken immer wieder etwas aus der Vergangenheit einfällt. Leider sehr konfus und sprunghaft.

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Veröffentlicht am 26.05.2024

wirklichkeitsferne Handlung

Das Licht in den Birken
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Thea ist vor 20 Jahren aus ihrer Heimat in der Lüneburger Heide wegen einer enttäuschenden Liebe nach Portugal geflüchtet und lebte dort in einem Wohnmobil und zog mit ihrer Ziegenherde durch die Gegend. ...

Thea ist vor 20 Jahren aus ihrer Heimat in der Lüneburger Heide wegen einer enttäuschenden Liebe nach Portugal geflüchtet und lebte dort in einem Wohnmobil und zog mit ihrer Ziegenherde durch die Gegend. Gesundheitliche Probleme treiben sie wieder zurück und sie und zwei ihrer Ziegen finden eine Wohnung bei Benno auf dem Moorhof. Benno lebt dort dort mit nicht gewollten und alten Tieren, denen er einen schönen Lebensabend ermöglichen möchte. Menschen gegenüber ist er eigenbrödlerisch und bärbeißig, was Thea schnell zu spüren bekommt. Da Benno völlig überschuldet ist ist Theas Hilfe gefragt. Und auch Juli, eine Aussteigerin auf der Wanderung nach Amsterdam landet mit einem verletzten Fuß auf dem Hof.
Der Hof und die Heidelandschaft werden idyllisch verklärt dargestellt, Probleme in kürzester Zeit gelöst, Kranke gesunden und seltsamerweise haben alle Protagonisten schwierige Eltern-Kind Beziehungen. Die Handlung ist wirklichkeitsfern, sie plätschert dahin. Der Schreibstil hingegen ist angenehm lesbar, atmosphärisch und emotional.

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Veröffentlicht am 02.10.2023

besonderes Abschiednehmen

Die Butterbrotbriefe
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Nachdem die fast 40-jährige Kati Waldstein ihre Mutter beerdigt hat beschließt sie, das sie ihr Heimatdorf verlassen will. Endlich mal nicht mehr fremdbestimmt sein, endlich frei und die Welt sehen können. ...

Nachdem die fast 40-jährige Kati Waldstein ihre Mutter beerdigt hat beschließt sie, das sie ihr Heimatdorf verlassen will. Endlich mal nicht mehr fremdbestimmt sein, endlich frei und die Welt sehen können. Ihr Vater ist schon seit längerem tot, was sie von ihm noch besitzt ist ein heruntergekommenes, hoch verschuldetes Kino und eine Sammlung von gebrauchten Butterbrotspapieren. Diese nutzt sie nun für Abschiedsbriefe, die auch eine Abrechnung beinhalten. Bei ihrer Grundschullehrerin rechnet sie mit der Nichtempfehlung fürs Gymnasium ab, die sie ihrer Meinung nach verdient hatte. Ihrem Exmann liest sie seine Ignoranz vor, der Verkäuferin, wie sie selbstlos hilfsbereit war. Die Reaktionen, die sie erhält werfen ein völlig neues Licht auf ihre Mutter und wie diese in Katis Leben eingegriffen hat. Auch bei ihrer Berufswahl, sie arbeitet in der Stadtverwaltung, obwohl sie lieber Friseurin geworden wäre. Jeden Samstag verbringt Kati auf dem Wochenmarkt um Obdachlosen die Haare zu schneiden. Dort trifft sie auf Severin, der sich von der Welt zurückgezogen hat und nun durch Kati, die er für sein Schicksal hält, wieder am Leben teilhaben will.
Manche dieser Briefe und Personen wirken überzogen, nicht immer glaubhaft und das von der Mutter bestimmte Leben hätte Kati durchaus ändern können, wenn sie ernsthaft gewollt hätte. Alles wirkt ein wenig halbherzig, viel in schwarz-weiß Malerei. Zum Wegschmökern bestens geeignet, viel Tiefgang sollte man nicht erwarten.

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Veröffentlicht am 01.09.2023

viele Fragen

Tasmanien
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Nach einem abgebrochenem Physikstudium ist Paolo inzwischen als Journalist tätig und zur Weltklimakonferenz nach Paris eingeladen worden. Er trifft seinen Freund und Exkommilitonen Giulio wieder, der nach ...

Nach einem abgebrochenem Physikstudium ist Paolo inzwischen als Journalist tätig und zur Weltklimakonferenz nach Paris eingeladen worden. Er trifft seinen Freund und Exkommilitonen Giulio wieder, der nach der Trennung Probleme hat, seinen Sohn sehen zu dürfen. Durch Kontrakte trifft Paolo in Paris auf den renommierten Wolkenforscher Novelli, der anhand von Wolkenveränderungen den Klimawandel erklärt. Die beiden freunden sich an und planen gemeinsame Projekte. Zurück in Rom muss sich Paolo seinem privatem Problem stellen, seine deutlich ältere Frau Lorenza will alle medizinisches Bemühungen zu einer Schwangerschaft einstellen, das Verhältnis des Paares ist in der Krise. Da kann auch der Priester Karol nicht weiterhelfen, der steckt selbst in einem Dilemma. Er hat sich in die sehr junge Elisa unsterblich verliebt.
Der Roman will viel, nach meiner Ansicht zu viel. Es geht um private Probleme wie ungewollte Kinderlosigkeit, die Rechte eines Vaters bei einer Scheidung, das Zölibat, große Altersunterschiede zwischen Ehepartnern, Fremdgehen, Freiheiten und Gruppensex. Politische und gesellschaftliche, der Klimawandel, die Auswirkungen der Atombombenabwürfe in Japan, den Terrorismus, das Machotum und die Benachteiligung von Frauen, in diesem Fall in Universitäten. Länder und Orte werden vorgestellt, bis auf Tasmanien selbst, der als eine besonders sichere Insel in Krisenzeiten gilt.
Der Roman spricht viele Themen an, er stellt Fragen, er hat jedoch für nichts eine Antwort oder Anregungen für eine Verbesserung.

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Veröffentlicht am 23.06.2023

langsam dahinplätschernd

Die Tage in der Buchhandlung Morisaki
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Nachdem die 25-jährige Takako schon seit längerem mit ihrem Freund und Arbeitskollegen zusammen ist, verkündet dieser, dass er bald heiraten wird. Sie wundert sich über diesen seltsamen Heiratsantrag bis ...

Nachdem die 25-jährige Takako schon seit längerem mit ihrem Freund und Arbeitskollegen zusammen ist, verkündet dieser, dass er bald heiraten wird. Sie wundert sich über diesen seltsamen Heiratsantrag bis sie merkt, das nicht sie die Auserwählte ist. Für Takako bricht eine Welt zusammen, sie kündigt in der Firma und verbringt ihre Tage nur noch in ihrer Wohnung. So kann es nicht weitergehen findet ihre Mutter und vermittelt eine Unterkunft in dem Antiquariat Morisaki. Ihr Onkel wurde vor vielen Jahren von ihrer Tante verlassen und benötigt Hilfe in der Buchhandlung. So langsam geht es mit Takako wieder bergauf, sie entdeckt das Lesen als Balsam für die Seele, bis aus heiterem Himmel die Tante wieder auftaucht, ohne eine Erklärung für ihr Fortbleiben.
Die Handlung des Romans plätschert so dahin, es passiert nicht viel. Die Protagonisten trauern ihren verflossenen Lieben hinterher und verkriechen sich hinter Büchern, statt am Leben teil zu nehmen. Der Schreibstil ist sehr gut, die Handlung langatmig und ereignislos.

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