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Veröffentlicht am 27.06.2024

Unterhaltsame (Liebes-)geschichte für alle Liebhaber der Reihe und Neueinsteiger gleichermaßen, ein schönes Wiedersehen in Swinton und Abschluss der Reihe

Das kleine Bücherdorf: Sommerzauber
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Ann Webster verkauft in ihrer kleinen Boutique in Swinton-on-Sea Vintage-Couture und gibt den Kleidungsstücken durch kurze Geschichten über die Vorbesitzerinnen eine persönliche Note. Nur ihre beste Freundin ...

Ann Webster verkauft in ihrer kleinen Boutique in Swinton-on-Sea Vintage-Couture und gibt den Kleidungsstücken durch kurze Geschichten über die Vorbesitzerinnen eine persönliche Note. Nur ihre beste Freundin Shona, die Inhaberin des "Sweet Little Things" weiß, dass Ann als Schriftstellerin unter dem Pseudonym "Poppy Delacroix" einen Nebenerwerb hat, der in dem kleinen Bücherdorf geheim bleiben muss. Ann schreibt pikante, historische Liebesromane, die sich bei dem verpönten Online-Riesen immer besser verkaufen und das auch noch als Ebooks, die in Swinton-on-Sea als Werk des Teufels gelten.
Als Ann die Chance von einem Verlag erhält, ein "richtiges" Buch mit einer anspruchsvolleren Geschichte zu schreiben, steht sie vor dem Dilemma, dass sie sich damit mit dem unverkäuflichen Valentino-Brautkleid beschäftigen muss, das in dem Roman eine Schlüsselrolle spielen soll, Ann aber an ihre erste große Liebe erinnert, die unglücklich endete. Zu allem Überfluss ist ihr ehemaliger Verlobter Ray derzeit in Swinton, um das alte Herrenhaus als Hotel und Restaurant wieder zu eröffnen.
Der Druck steigt, als Anns Tochter Isla in dem alten Brautkleid heiraten möchte.

"Das kleine Bücherdorf - Sommerzauber" ist nach "Winterglitzern", "Frühlingsfunkeln" und "Herbstleuchten" der abschließende vierte Band der Reihe "Das schottische Bücherdorf". Alle Bände fokussieren sich auf die Geschichte einer Protagonisten aus Swinton-on-Sea und sind unabhängig von einander lesbar.
Für alle Kenner der Reihe ist "Sommerzauber" ein willkommenes Wiedersehen mit bekannten Figuren aus den Vorgängerbänden, die in die Dorfidylle integriert sind. Auch schafft es die Autorin geschickt, das Thema Bücher passend in alle Geschichten, die in dem Bücherdorf handeln, einzubetten.

Die Geschichte wird überwiegend aus der Perspektive von Ann geschildert. In einzelnen Kapitel erhält man zusätzlich Einblicke in die Leben anderer Bewohner von Swinton und ihre kleinen, aber feinen Eigenheiten.
Der Roman liest sich leicht und unterhaltsam wie man es von einem Wohlfühlroman erwartet. Das Drama um Anns Vergangenheit sowie die drohende Enthüllung ihres Pseudonyms sorgen für eine solide Spannung und ihre Suche nach der Geschichte des Brautkleides für Ablenkung von ihren persönlichen Problemen.
Anns Liebesgeschichte und das Hoffen auf eine zweite Chance ist nicht zu kitschig beschrieben und gibt der Geschichte eine romantische Note.

Die Geschichte entwickelt sich nicht so vorhersehbar wie Poppy Delacroix vielleicht eine Liebesgeschichte schreiben würde. Anns Geschichte mit Ray und das Missverständnis aus der Vergangenheit löst sich etwas zu simpel auf, dafür ist die Aussprache mit ihrem Exmann, die für eine Entspannung ihres Verhältnisses sorgt, umso berührender.

"Sommerzauber" ist durch immer neue Impulse, die die Handlung vorantreiben, durchweg unterhaltsam zu lesen und sowohl für Neueinsteiger als auch Liebhaber der Reihe eine Wohlfühllektüre um vom Alltag abzuschalten.

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Veröffentlicht am 20.06.2024

Niedlicher, aber auch etwas unaufgeregter Wohlfühlroman über das hilfreiche Band einer Familie, die Halt gibt, Ängste nimmt und das Potenzial in jedem einzelnen mobilisiert.

Hier sind wir zusammen
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Nachdem ihr Ehemann die Familie in den finanziellen Ruin getrieben hat, entscheidet sich das Paar für eine temporäre Trennung, weshalb Amelia notgedrungen mit ihrer Tochter Charlotte zu ihrer verwitweten ...

Nachdem ihr Ehemann die Familie in den finanziellen Ruin getrieben hat, entscheidet sich das Paar für eine temporäre Trennung, weshalb Amelia notgedrungen mit ihrer Tochter Charlotte zu ihrer verwitweten Mutter zieht.
Für Amelia ist es schwierig, in ihr altes Zuhause zurückzukehren, vermisst sie dort doch ihren Vater und kann ihrer Mutter, zu der sie eher ein distanziertes Verhältnis pflegt, nicht entkommen. Dennoch ist sie glücklich, als sie merkt, wie ihre Tochter sich an die neue Situation anpasst und bei ihrer Großmutter aufblüht.
Grace hingegen freut sich, ihre Tochter und Enkelin bei sich zu haben und ein wenig zu kümmern. Nach langer Zeit fühlt sie sich endlich wieder lebendig.

"Hier sind wir zusammen" ist eine Geschichte über eine Familie und drei Generationen von Frauen, die unerwartet von Veränderungen betroffen sind, die ihnen jedoch auch neue Chancen eröffnen.

Die Geschichte wird aus drei Perspektiven erzählt, die häufig wechseln. Auf diese Weise sind die Stimmung und die Gefühle der drei Hauptfiguren offensichtlich und nachvollziehbar. Es ist spürbar, dass etwas Ungesagtes zwischen Amelia und Grace steht, wobei zunächst anzunehmen ist, dass es an der unterschiedlichen Auffassung der Rolle als Mutter liegen könnte. Amelia fühlte sich als Kind zurückgesetzt, als Grace ihre Karriere als Ingenieurin vorantrieb und wollte bei ihrer Tochter alles besser machen, steht nun aber vor dem Dilemma einer Trennung.
Daneben wirft ein Trauma ein Schatten auf ihre Beziehung, das lange verdrängt wurde und von dem Charlotte nichts ahnt. Unbewusst wirkt sie jedoch wie ein Katalysator und bewirkt, dass Grace und Amelia ins Gespräch kommen und eine Annäherung möglich wird.

Es ist eine niedliche, aber auch etwas unaufgeregte Geschichte, der das Besondere fehlt, um länger im Gedächtnis zu bleiben.
Mit dem Auseinanderbrechen und dem neuen Zusammenfinden einer Familie werden emotionale Themen wie Trennung, Tod, Krankheit und Verlust angesprochen, jedoch ohne zu sehr ins Detail zu gehen, Drama zu erzeugen oder fesselnde Dynamiken zu entwickeln. Ein wichtiges Feld ist zudem der Zwiespalt einer Frau zwischen Beruf und Karriere und die innere Zerrissenheit, beidem nicht zu genügen.
Die Charaktere sind nett, aber unscheinbar und man hat nie die Befürchtung, dass sie ihre Herausforderungen nicht zusammen meistern werden. Ein paar Nebenhandlungen wie die Suche nach einem vermissten Lehrer, Charlottes Schulausflug oder Graces Hobbys und Freunde sorgen für ein wenig Lebendigkeit. Amelia bleibt hingegen ein wenig blass.

Es ist ein Wohlfühlroman über das hilfreiche Band einer Familie, die Halt gibt, Ängste nimmt und das Potenzial in jedem einzelnen mobilisiert.

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Veröffentlicht am 18.06.2024

Komplexer Kriminalfall, bei dem Tempes forensisches Wissen und Können nicht ganz so zur Geltung kommt - dennoch gewohnt spannend und unterhaltsam wie alle Bände der Reihe

Die Hand des Todes
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Die forensische Anthropologin Tempe Brennan soll die sterblichen Überreste eines Mannes untersuchen, der angeblich in Folge eines Blitzeinschlags ums Leben gekommen ist. Dabei ergibt sich eine Verbindung ...

Die forensische Anthropologin Tempe Brennan soll die sterblichen Überreste eines Mannes untersuchen, der angeblich in Folge eines Blitzeinschlags ums Leben gekommen ist. Dabei ergibt sich eine Verbindung zu einer Reihe von Mordfällen auf den karibischen Turks- und Caicosinseln, wo in den letzten sieben Jahren drei männliche Touristen erschossen wurden. Bis auf die Schusswunde und eine jeweils abgetrennte Hand stehen die Opfer in keiner Verbindung zu einander.
Als Tempe in der Karibik angekommen ist, wird zudem ein Boot mit weiteren Leichen aufgefunden, die sie untersuchen soll.
Während Tempe sich wünscht, bei Ryan und Kater Birdie zu sein, gestalten sich die Ermittlungen äußerst zäh.

"Die Hand des Todes" ist der inzwischen 22. Band der Reihe um Dr. Temperance Brennan. Wie schon die Vorgängerromane wirkt auch dieser Fall aufgrund des Fachwissens und der persönlichen Erfahrung der Autorin sehr authentisch. Man blickt Tempe bei ihrer Arbeit über die Schulter und erhält zu jedem Schritt die nötigen Erklärungen, um der Aufklärung der Taten folgen zu können.

Der Fall ist undurchsichtig. Ein Motiv und ein Täter ist kaum zu erahnen. Selbst bei den Verdächtigen fällt es schwer, einen Tatnachweis zu führen, wobei das Ausmaß zu Beginn auch nicht abzusehen ist.
Die Zusammenarbeit von Kriminalpolizei und Forensik ist verständlich und spannend dargestellt. Tempe ist eine sympathische Hauptfigur, die sich immer wieder in ihren Gedanken verliert und dabei die nötigen Hinweise findet um die Ermittlungen zu unterstützen. Tempe ist hartnäckig und akribisch und bringt sich wie schon in den Vorgängerbänden selbst in Gefahr, wenn sie der Aufklärung der Serienmorde und dem Täter zu nahe kommt, was die Deklaration als Thriller rechtfertigt.

Tempes trockener Humor sorgt für Unterhaltung und nimmt den bösen Taten und der Arbeit an verstümmelten Leichen die Schwere. Etwas schade ist allerdings, dass ihr forensisches Können nicht im Vordergrund steht und für die Fallaufklärung keinen größeren Beitrag leistet.

Am Ende überzeugt nicht nur die lebhafte, spannende Darstellung, sondern auch die schlüssige Aufklärung eines komplexen, grenzüberschreitenden Falls mit einer nachvollziehbaren Erklärung für Täter und Motiv.
Nach all den Jahren hat die Buchreihe nichts an ihrer Faszination verloren.

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Veröffentlicht am 11.06.2024

Mischung aus Familiendrama und psychologischem Spannungsroman: Mord, Selbstmord oder tragischer Unfall?

Dunkelkaltes Schweigen
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Maria und Jari Kekkonen sind zufrieden mit ihrem Leben in der Kleinstadt Trelleborg. Sie haben gute Berufe, die ihnen ein sorgenfreies Leben bescheren und sind stolz auf ihre beiden jugendlichen Töchter, ...

Maria und Jari Kekkonen sind zufrieden mit ihrem Leben in der Kleinstadt Trelleborg. Sie haben gute Berufe, die ihnen ein sorgenfreies Leben bescheren und sind stolz auf ihre beiden jugendlichen Töchter, die gut in der Schule und erfolgreiche Sportlerinnen sind. Die ältere Isabella ist seit Längerem mit Sixten zusammen, während die jüngere Amanda frisch in Niko verliebt ist. Jari, der seine Töchter vor allem beschützen möchte, ist mit der Wahl von Amanda nicht zufrieden, denn er kennt Nikos Vater Sasho, der vor Jahren wegen Körperverletzung verurteilt wurde. Nikos Eltern hingegen beobachten Amanda misstrauisch, die ein autoaggressives Verhalten zeigt.
Die Eltern halten mit der Vergangenheit hinter dem Berg und ihre Missbilligung über die Beziehung zurück - bis ein Treffen der Jugendlichen mit einer Katastrophe endet.

"Dunkelkaltes Schweigen" handelt auf zwei Zeitebenen und erzählt die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven beginnend mit Ereignissen einem Jahr "vor dem Mord" und den tragischen Folgen "nach dem Mord".

Frühzeitig ist klar, dass Amanda das Todesopfer ist, nicht jedoch, wer der Mörder ist und ob es sich möglicherweise nicht doch um einen Selbstmord statt Mord gehandelt haben könnte.
Die Vergangenheit schildert das Kennenlernen von Niko und Amanda und den weiteren Verlauf ihrer Beziehung, die noch vor Amandas Tod endete. Darüber hinaus offenbaren sich immer mehr Details über Amanda und Niko, die beide Probleme hatten und zudem allmählich auch über die Hintergründe ihrer Familien, die Geheimnisse bergen.

Durch die Darstellung vorangegangener Ereignisse ergeben sich mehrere Auslöser und Motive für einen Mord oder Selbstmord, das für Spannung sorgt. Zudem sind die Kapitel kurz gehalten, was unaufhörlich zum Weiterlesen anregt.
Durch die wechselnden Perspektiven können die Beweggründe, Einstellungen und Sorgen der Charaktere nachvollzogen werden. Man fühlt mit den unbeholfenen Teenagern mit, die unter Erfolgsdruck leiden und sich selbst in unbequeme Situationen manövrieren, aber auch mit den Eltern, die nur das Beste für ihre Kinder möchten, jedoch selbst nicht fehlerfrei sind.

Das Kleinstadtleben mit Gerüchten und falschen Verdächtigungen, die Familienkonstellation sowie die berührende Geschwisterbeziehung von Isabella und Amanda sind lebendig und einnehmend dargestellt.
Die Geschichte ist facettenreich und es ist spannend zu entschlüsseln, welche Geschehnisse aus der Vergangenheit verantwortlich für die Katastrophe sind. Gleichzeitig verfolgen einen die Fragen der Eltern, ob sie irgendetwas hätten tun können, um diese zu vermeiden, während rätselhaft ist, warum Niko schweigt und sich als Exfreund und erster Tatverdächtiger nicht verteidigt.

"Dunkelkaltes Schweigen" ist kein Thriller, aber eine gelungene Mischung aus psychologischem Spannungsroman und Familiendrama, bei dem das Ausmaß der Tragödie nur schwer zu erahnen ist.

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Veröffentlicht am 09.06.2024

Warmherzige und lebenskluge Geschichte über einen liebenswerten Sonderling - für mehr Toleranz und Freundlichkeit und weniger Vorurteile und Geringschätzung

Der kleine Kompass fürs Leben
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Joe-Nathan ist neurodivergent, was sich durch Zwangsstörungen offenbart. Mit Hilfe seiner Mutter Janet, die ihn über alles liebt, kommt er in seiner kleinen Welt gut zurecht und Hilfestellungen für den ...

Joe-Nathan ist neurodivergent, was sich durch Zwangsstörungen offenbart. Mit Hilfe seiner Mutter Janet, die ihn über alles liebt, kommt er in seiner kleinen Welt gut zurecht und Hilfestellungen für den Alltag findet er in einem blauen Notizbuch.
Er arbeitet im Einzelhandel, wo es für ihn das Größte ist, die Verkaufsgegenstände ordentlich zu sortieren und an den richtigen Platz zu stellen. Dort findet er in seiner Kollegin Chloe eine Freundin, die ihn verteidigt und vor Charlie Fiesling in Schutz nimmt.
Doch Joe sieht noch etwas anderes in Charlie, was Chloe als naiv abtut.
Als Joes Mum nicht mehr für ihn da sein kann, stellt sich heraus, dass sie noch an einem weiteren Notizbuch gearbeitet und ihm mit dem "Kompass fürs Leben" eine Anleitung für all die Dinge erstellt hat, mit denen er außerhalb seiner Komfortzone zu Hause konfrontiert sein könnte. Vielleicht kann Joe damit auch anderen Menschen helfen... jemandem wie Charlie.

Joe liebt die Routine und braucht seine festen Regeln, Alltagsabläufe und Gewohnheiten. Viel früher als gedacht, fällt seine Mutter als seine Stütze weg, so dass er sich auf Unvorhergesehenes und das Abenteuer Leben einlassen muss.

Während die einen Joe als behindert, beschränkt, einfältig und hilfsbedürftig bezeichnen würden, ist er für die anderen liebenswert perfektionistisch, ehrlich, direkt, verlässlich und jemand, der keiner Fliege etwas zuleide tun könnte.

Die Geschichte ist warmherzig und lebensklug. Sie stellt nicht nur auf lebendige Art und Weise dar, wie jemand mit OCD tickt, sondern auch, was Freundschaft, Hilfsbereitschaft und Toleranz bedeuten. Durch Joes Sicht auf das Leben und die Menschen ist anders und auch die Nebencharaktere sind alle ein wenig besonders, was die Geschichte unterhaltsam gestaltet. Gerade in Bezug auf Charlie und was hinter seinen kleinen Gemeinheiten gegenüber Joe steckt, ist die Geschichte an mancher Stelle allerdings etwas überzogen und am Ende sehr dramatisch dargestellt, was nicht so drastisch hätte sein müssen, um die Botschaft des Romans zu vermitteln.

Im Vordergrund stehen dabei der Wunsch nach mehr Toleranz, Freundlichkeit und Mut und nach weniger Vorurteilen, Geringschätzung und Ängsten, auch wenn diese nicht immer subtil vermittelt werden. Der Roman ist damit nicht nur ein Kompass für Joes Leben sondern enthält wertvolle Lektionen für uns alle.

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