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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.06.2024

Ich bin begeistert, mehr davon!

Peanut Jones und die Stadt der Bilder
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Eine Protagonistin namens Peanut mit ihrer kleinen Schwester Little-Bit? - Die Geschichte kann ja nur gut werden! Ich bin froh, dass der ein Bekannter auf Instagram mir „Peanut Jones und die Stadt der ...

Eine Protagonistin namens Peanut mit ihrer kleinen Schwester Little-Bit? - Die Geschichte kann ja nur gut werden! Ich bin froh, dass der ein Bekannter auf Instagram mir „Peanut Jones und die Stadt der Bücher“ nahegelegt hat.

Bei Peanut läuft, gelinde gesagt, alles gerade richtig scheiße: Ihr Vater hat vor einem Jahr die Familie verlassen und seitdem hat ihr großer Bruder Leo sich zu einem mürrischen Einsiedlerkrebs entwickelt. Zudem musste Peanut auf eine neue Schule wechseln, auf der Genauigkeit und Geradlinigkeit jede Kreativität töten.
Ihrem traurigen Alltagsleben entflieht Peanut, indem sie unablässig malt. Bereits ihr Vater hat Peanut immerzu Bilder auf Post-its gemalt, die sie wie einen Schatz in einer eigens dafür von ihrem Paps gebastelten Kiste hütet. Eines Tages findet Peanut in genau dieser Kiste ein Geheimversteck, das einen Bleistift hütet. Der Graphit dieses ganz besonderen Bleistifts öffnet Peanut den Weg in die Stadt Chroma, einen erschaffenen und gemalten Ort, an dem die Zeit anders vergeht. Eigentlich hofft sie, dass der Bleistift sie zu ihrem Vater führt, denn dass er freiwillig verschwunden ist, glaubt Peanut nicht mehr, doch sie erfährt von einer Bewohnerin Chromas, dass die Stadt und ihre Kreativität von einem farbenzerstörenden Bösewicht bedroht wird. Gemeinsam mit Little-Bit und ihrem Schulkameraden Rockwell stürzt sich Peanut auf ins Abenteuer.

Warum hab ich so lange damit gewartet, dieses humorvolle und genial illustrierte Kinderbuch zu lesen? Weiß ich nicht, aber jetzt kann es mir eigentlich nicht schnell genug gehen, den zweiten und anschließend dritten Band aus der Feder von Rob Biddulph in die Finger und vor die Augen zu bekommen! Besonders Little-Bit mit ihrer forschen und manchmal vorlauten Art hat es mir angetan, und ich fiebere mit, ob die Geschwister ihren Vater endlich finden werden. Eine himmelhochjauchzende Buchempfehlung von mir!

Veröffentlicht am 09.06.2024

Für Interessierte alternativer Beziehungsmodelle fernab von Monogamie

Freunde lieben. Die Revolte in unseren engsten Beziehungen
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Jeder dritte in Deutschland lebende Mensch kann sich eine Freundschaft+ vorstellen, und warum auch nicht? Für viele Bedürfnisse unseres Lebens haben wir unterschiedliche Menschen, mit denen wir unsere ...

Jeder dritte in Deutschland lebende Mensch kann sich eine Freundschaft+ vorstellen, und warum auch nicht? Für viele Bedürfnisse unseres Lebens haben wir unterschiedliche Menschen, mit denen wir unsere größten Geheimnisse teilen, mit denen wir gerne bestimmten Hobbies nachgehen, die wir einmal im halben Jahr sehen - da ist es doch eigentlich nur natürlich, dass wir uns nicht bei der dem Sprichwort nach schönsten Sache der Welt auf einen einzigen Menschen beschränken.

Und so setzt Ole Liebl eigentlich schon lange durch seine TikToks und Reels, aber jetzt vor allem mit seinem Buch "Freunde lieben. Die Revolte in unseren engsten Beziehungen" einen Aufruf in die Gesellschaft, der romantischen Norm mit Besitzansprüchen zu entsagen und freiere Beziehungen zu gestalten.
Liebl orientiert seine Leser:innen auch anhand seiner eigenen Erfahrungen durch freie Beziehungskonzepte, ohne dabei einen Seelenstriptease hinzulegen. All das bettet er ein in einen lesenswerten Exkurs durch die gesellschaftliche Entwicklung von Ehe, Monogamie und 150 Jahre sexuelle Kommerzialisierung.

Liebls Buch kam für mich wie gerufen, denn (spicy 🌶 detail) auch ich erkunde gerade Freundschaft+ für mich und stoße mit meinen langjährig einstudierten/gelebten Denkmustern manchmal an die Wand einer noch diffusen Vorstellung davon. Ich erprobe also gegenwärtig, was für mich funktioniert und was eher nicht. Denn so einfach wie in Gedanken, mit abgesteckten Grenzen und unter Verschluss gehaltenen Gefühlen, funktioniert es dann offenbar doch nicht, und da hat mir "Freunde lieben" geholfen, Eindrücke zu sortieren und emotionale Verwirrungen besser zu verstehen.

Veröffentlicht am 09.06.2024

Dicht und atmosphärisch!

Die Narayama-Lieder
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In einem japanischen Bergdorf ist es Brauch, dass sich die Alten in ihrem 70. Lebensjahr auf zum Narayama begeben und dort zu bleiben. Die Winter sind hart, die Alten müssen weichen für die Jungen.
Nun ...

In einem japanischen Bergdorf ist es Brauch, dass sich die Alten in ihrem 70. Lebensjahr auf zum Narayama begeben und dort zu bleiben. Die Winter sind hart, die Alten müssen weichen für die Jungen.
Nun ist es an der Zeit für die zähe Orin, noch in diesem Jahr will sie sich auf die Reise begeben. Bevor sie sich auf den Weg machen kann, muss sie noch einige Dinge erledigen. Ihrem verwitweten Sohn muss eine neue Frau gefunden werden, also lässt sie aus dem anderen Dorf eine geeignete Frau kommen. Wenn Orin doch nur noch die Zähne ausfallen würden... so kann das nicht gehen, dass man mit einem intakten Gebiss den letzten Gang zum Narayama antritt – was sollen die Leute denken?!
Hoffentlich schneit es am Tag ihrer Reise, denn das bedeutet, dass ihr Aufbruch vom Schicksal geleitet ist...

Zieht man von diesem ohnehin schon überschaubaren Büchlein den üppigen Anhang ab, kommt man auf eine Länge von knapp 80 Seiten. Übrig bleibt ein kurzes Buch, dessen Inhalt sich dicht und atmosphärisch über die eigene Vorstellungskraft legt. Ein kurzer literarischer Abstecher in das ländliche Japan – hat mir sehr gut gefallen!

Veröffentlicht am 06.05.2024

Großer Fan der Reihe!

Boys Run the Riot 2
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Um ihr neu gegründetes Label weiter voranzutreiben, suchen sich Ryo, Jin und Itsuka Jobs, denn sie brauchen Geld für ihr Projekt. Ryo versucht einen Aushilfsjob zu finden, bei dem er der Junge sein kann, ...

Um ihr neu gegründetes Label weiter voranzutreiben, suchen sich Ryo, Jin und Itsuka Jobs, denn sie brauchen Geld für ihr Projekt. Ryo versucht einen Aushilfsjob zu finden, bei dem er der Junge sein kann, als der er sich fühlt. Doch das gestaltet sich als gar nicht so leicht für ihn, der im Körper eines Mädchens geboren wurde. Als er endlich eine Stelle findet, bei der er akzeptiert wird, lernt er eine Kollegin kennen. Ihre Art nervt Ryo zunächst stark, doch sie könnte eine wirklich gute Freundin werden. Doch dann gibt es einen Zwischenfall, bei dem Ryo wieder auf sein angeborenes Geschlecht reduziert wird, und ihm ist danach, die Arbeit einfach hinzuwerfen. Stattdessen konzentriert Ryo sich wieder auf das gemeinsame Label. Um Boys Run The Riot groß rauszubringen, hat Jin eine Kampagne mit einer erfolgreichen Bloggerin organisiert. Und dann missbraucht ausgerechnet die Person, von der er sich wirklich verstanden fühlt, Ryos Vertrauen und outet ihn in seinem gesamten Umfeld...

Der zweite Band der Boys-Run-The-Riot-Reihe war ein klitzekleines bisschen dünner als der erste, doch nicht weniger intensiv. Ryo muss sich mit Menschen auseinandersetzen, die den Umgang mit einer transidenten Person nicht gewöhnt sind und ihn deshalb mehr als nur in Verlegenheit bringen. Wieder und wieder kommt er in Situationen, in denen sein gerade aufgebrachtes Vertrauen ins Wanken gerät und grundlegendes Misstrauen der einzige Weg scheint, sich gegen Enttäuschungen zu wappnen. Ryo ist ein so liebenswerter und relatable Charakter, ich liebe die Reihe richtig und freue mich auf den dritten von vier Bänden!

Veröffentlicht am 06.05.2024

Die Hochzeitsglocken läuten nicht für alle gleich wohlklingend

Das Ende der Ehe
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Am 1. Mai war Feiertag und Treffen des feministischen Buchclubs, bei dem wir Emilia Roigs „Das Ende der Ehe. Für eine Revolution der Liebe“ gelesen haben. Das Buch hatten wir ausgewählt, bevor Roig in ...

Am 1. Mai war Feiertag und Treffen des feministischen Buchclubs, bei dem wir Emilia Roigs „Das Ende der Ehe. Für eine Revolution der Liebe“ gelesen haben. Das Buch hatten wir ausgewählt, bevor Roig in den sozialen Netzwerken mit antisemitischen Aussagen aufgefallen ist. Entsprechend Bauchschmerzen hatten manche von uns, das Buch vor dieser Kulisse zu besprechen.
Wem es beim aktuellen politischen Klima gelingt, Autorin und Werk zu trennen, der bekommt einen umfassenden Einblick, was an der Institution Ehe richtig, richtig falsch läuft. Deshalb gucken zwischen den Seiten meines Exemplars auch Fähnchen raus, mit denen ich mir viele Stellen markiert habe, die ich besonders interessant fand. Unbezahlte Care- und Sorgearbeit, systematische Benachteiligung der Frau in der Ehe, Sexarbeit, die patriarchale Kernfamilie, Geld, alternative Erziehungs- und Fürsorgemodelle, gleichgeschlechtliche Ehe – das sind unter anderem Themen, denen sich Roig in in ihrem Buch widmet und die ich in ihrer Fülle gar nicht wiedergeben kann, weil sie mich noch immer beschäftigen und in einem stetigen Denkprozess halten. Die Autorin bietet keinen abschließenden Lösungsansatz, das wäre auch utopisch bei der Abschaffung eines Systems, das sich über Jahrhunderte verfestigt hat. Sie liefert aber Ansätze, über dieses System zu reflektieren, erzählt aus ihrem eigenen Erfahrungsschatz und zeigt auf, was zumindest möglich sein könnte.

Ich bin sehr froh, dass wir uns im feministischen Buchclub dazu entschlossen haben, „Das Ende der Ehe“ zu lesen. Ich hatte es schon länger auf dem Schirm, und so gab es einen Anlass, dieses relevante Buch nicht weiter nur auf der Merkliste zu haben, sondern endlich mal „durchzuarbeiten“!