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Veröffentlicht am 14.07.2025

Schmunzel-Krimi mit Fernwehattitüde

Inspector Pescadores und der Tote im Pool
3

Daniel Verano bringt uns mit ,Inspector Pescadores und der Tote im Pool‘ nach Gran Canaria und dort treffen wir seine netten Protagonisten, allen voran Ex-Kriminal-Hauptkommissar Markus Fischer, Lottogewinner ...

Daniel Verano bringt uns mit ,Inspector Pescadores und der Tote im Pool‘ nach Gran Canaria und dort treffen wir seine netten Protagonisten, allen voran Ex-Kriminal-Hauptkommissar Markus Fischer, Lottogewinner und Auswanderer und seine Freunde Petra, Marianne…. , alles deutsche Auswanderer und Charaktere, wie die unterschiedlicher kaum sein könnten.

Der Autor führt seine Personen mit sehr viel Herz, Hirn und Humor ein.
Der deutsche Ex-Kommissar kommt nicht dazu, sich wie geplant zur Ruhe zu setzen: der Mordfall, ein vorverurteilter Sohn der Anlagenbesitzerin, viele Verdachtsmomente, viele Besserwisser und auch Mitwisser???

Dazu gibt es einen Hauch von Musik und Spannung, aber auch eine gehörige Portion Humor und dazu eine Prise Urlaubsfeeling vor der wunderschönen Kulisse Gran Canarias.
Obwohl am Ende doch einige Fragen offen bleiben, gelingt es dem Autor mit einem gefühlten Lächeln auf den Lippen und einem gefühlt zwinkernden Auge sehr, sehr gut, den Lesenden ebenso ein Lächeln ins Gedicht zu zaubern und Urlaubsstimmung zu verbreiten. Unterstützt von Rezepten im Buch, die für hervorragenden Geschmack sorgen!

Man darf keinen extrem gerissenen Kriminalfall erwarten, aber einen humorvollen, teils schrägen und auch witzigen Sommer-Wohlfühlkrimi für entspannte, spannende aber auch verträumte
Lesestunden. Der flüssige Schreibstil verführt stetig zum Weiterschmöketn.

Aber Achtung: Jede Menge Lokalkolorit sorgt bei Liebhabern der Insel für das Aufkommen und stetige Zunehmen von Fernweh!
Für mich ein gelungener Auftakt für die Gran-Canaria-Reihe.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 03.06.2025

Nicht nur Esel können herzerweichend stur sein

Sommer auf dem kleinen Eselhof
1

In dem Roman ‚Sommer auf dem kleinen Eselhof‘ von Angelina Bach kommt Anna, eine junge, stylische Grafikdesignerin aus der Stadt nach Niederbayern auf den Eselhof ihrer Mutter.
Sie will dort im Home-Office ...

In dem Roman ‚Sommer auf dem kleinen Eselhof‘ von Angelina Bach kommt Anna, eine junge, stylische Grafikdesignerin aus der Stadt nach Niederbayern auf den Eselhof ihrer Mutter.
Sie will dort im Home-Office tätig sein und nebenbei ihrer Mutter, die wegen einer Beinverletzung an Krücken geht, bei der Arbeit unter die Arme greifen.

Sicherlich eine fordernde berufliche Doppelbelastung, die jedoch im Verlauf der Geschichte irgendwie keine Rolle spielt.
Ich hatte eher den Eindruck, dass Anna auf Urlaub dort ist oder sich eine Auszeit nimmt.

Egal wie, man kann sich sowohl die Mutter, eine unkonventionelle Dame mit alternativem und viel generellem Anti- Gedankengut und bunten Ökoklamotten wie auch ihren kleinen Eselhof mit Pension im Kontrast zur konventionellen niederbayrischen Landwirtschaft und zu einem Nobel-Wellnesshotel nur allzu gut vorstellen.

Anna hat viel zu tun, zudem auch noch ihre nicht erwachsen werden wollende Schwester wie auch eine Horde von Ferienkindern zusätzliche Aufmerksamkeit erfordern.

Jeder ist eigen, auf spezielle Art, doch die Sturheit der Esel, allen voran Don Quijote, ist durch nichts zu überbieten.
Dieses Tier löst meist riesiges Chaos aus und zeigt Anna von Beginn an ihre Grenzen auf- allerdings- er führt auch gleich zu Beginn der Geschichte zum Aufeinandertreffen mit dem gutaussehenden und charmanten Hotelbesitzer Nico .

Die beiden verlieben sich und es scheint eigentlich eine schöne Zeit der Gefühle für beide zu sein, gelegentlich unterbrochen von Eseleien und anderen Herausforderungen des Landlebens.

Man liest eine nette, angenehm vor sich hinplätschernde Geschichte, doch plötzlich, meiner Meinung nach im Verlauf des Buches arg spät, ziehen dunkle Wolken am Himmel der Verliebtheit von Anna und Nico auf.

Aber was soll’s, eine Prise Liebeskummer mit einer Überdosis an urkomischen Verwicklungen,
lustige Esel und viel ländliches Lokalkolorit ergeben zielsicher noch ein schönes Happy End.

Mit einem recht einfachen, aber flüssigem Schreibstil und einer gehörigen Portion Humor kreiert Angelina Bach einen gefühlvollen Roman, der Liebhaber des Landlebens und besonders Eselfreunde ganz gewiss abholt.

Mir hat das Buch gefallen, allerdings war es mir mitunter etwas zu detailverliebt. Ich persönlich hätte gerne mehr zwischen den Zeilen gelesen und etwas mehr Raum für individuelle Vorstellungskraft benötigt.

Einziger Kritikpunkt für mich war die Verwendung des bayrischen Dialektes ausgerechnet nur bei Streitigkeiten wie bei dieser Suffszene oder beim Zwist mit dem Landrat. Das bayrische Sprachgefüge hätte meiner Meinung nach mehr Würdigung verdient als nur Zweck für Beschimpfungen zu sein, die im Dialekt so wohl nicht mehr oft verwendet werden,

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Gefühl
Veröffentlicht am 03.12.2024

Unter Wasser oder über Wasser - ins Leben eintauchen oder abtauchen?

Gute Gründe
3

Ihren Roman ,Gute Gründe‘ beginnt und beendet Nadine J.Cohen mit Yael, einer Frau Anfang Dreißig, und einem wunderschönen Frauenschwimmbad. Ins Wasser springen? Eintauchen? Aber in was?

Der Lesende durchlebt ...

Ihren Roman ,Gute Gründe‘ beginnt und beendet Nadine J.Cohen mit Yael, einer Frau Anfang Dreißig, und einem wunderschönen Frauenschwimmbad. Ins Wasser springen? Eintauchen? Aber in was?

Der Lesende durchlebt mit Yael ein Jahr lang eine harte , spannende Zeit. Sie ist depressiv und hat einen Suizidversuch, genannt ,die Sache’, hinter sich. Ihre bereits verstorbenen Eltern, eine frühere toxische Beziehung, Hänseleien bis Mobbing in der Kindheit und einiges andere haben tiefe Spuren hinterlassen.

Yael hadert mit sich und dem Leben, doch ihre Schwester sowie eine, meiner Meinung nach nicht immer kompetent wirkende Psychotherapeutin und einige andere wollen ihr helfen, gute Gründe für das Leben zu finden.

Der Lesende erfährt viel, sowohl über Yaels Jetzt-Zustand als auch über ihre Vergangenheit, in der wohl einiges ihrer dunklen Phasen zugrunde gelegt wurde, was erst viele Jahre später zum Ausbruch kam.

Nadine J. Cohen erzählt dies phasenweise recht sprunghaft in den verschiedenen Zeitebenen, auf die man sich erst einmal einlassen können muss. Gelingt dies, so erkennt man trotz des ganzen Auf und Abs an Gefühlen dennoch eine überwiegend leicht ansteigende Kurve.

Die liebevoll und einfühlsam charakterisierten Protagonisten und deren Stimmungen helfen dem Lesenden, Teil der Geschichte, der Familie zu werden und genauer hinter die Kulissen zu blicken, statt in komplette Melancholie oder zu großes Mitleid zu verfallen.
Man bangt mit, hofft, sucht den Strohhalm, macht sich Gedanken über Yaels Krankheitsbild, aber das alles mit einer Familiengeschichte, die zwischen den Zeilen auch Platz für Humor und Hoffnung bereit hält und weder als Sachbuch noch als psychologisches Lehrwerk daherkommt.

Dieses Buch öffnet oder weitet den Blick für psychische Erkrankungen ohne erhobenen Zeigefinger. Es zeigt, wie facettenreich und unsichtbar diese Erkrankung sein kann und dass es den Begriff ,normal‘ eigentlich gar nicht geben sollte, denn normal ist eine Beschreibung für z. B. eine Waschmaschineneinstellung, aber nicht für einen Geisteszustand.

Auf dem Cover sieht man die Protagonistin vor grellem gelben Hintergrund, evtl.Sonnenlicht. Sie reibt sich die Augen wie nach dem Blick ins zu grelle Licht oder wie nach einem Tauchversuch. Ist es ein Zeichen von Aufbruch, von Ausweglosigkeit oder eher von Traurigkeit?

Dieses schlichte Cover greift Yaels ursprüngliche Ausweglosigkeit gut auf. Ich finde es äußerst passend, denn für Verschnörkelungen ist derzeit noch kein Platz in Yaels Dasein.
Aber es gibt viele Gründe, gute Gründe und noch viel viel größeren Mut, um zu leben, statt sich Sprung ins kalte Wasser?
Damit wären wir wieder beim Schwimmbad!

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  • Cover
  • Thema
Veröffentlicht am 02.07.2024

Klangliche Umleitungen

Das Versprechen der Rosenholzvilla
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„Das Versprechen der Rosenholzvilla“ von Tabea Bach ist der zweite Teil der Familiensaga um eine Instrumentenbaufamilie aus dem Tessin. Selbst ohne Vorkenntnisse des ersten Bandes taucht man dank fein ...

„Das Versprechen der Rosenholzvilla“ von Tabea Bach ist der zweite Teil der Familiensaga um eine Instrumentenbaufamilie aus dem Tessin. Selbst ohne Vorkenntnisse des ersten Bandes taucht man dank fein ausgearbeiteter Charaktere und dank des flüssigen, sehr bildlichen und emotionalen Schreibstils der Autorin rasch in die Welt um Elisa ein.

Elisa, das Wunderkind am Cello, das nach sehr langer Bühnenabstinenz endlich wieder glanzvoll in der Öffentlichkeit auftritt, nicht am Cello, sondern an der Campanula, einer klanglichen Optimierung des Cellos, gebaut von Danilo, ihrem Lebensgefährten.
Daneben der kränkelnde, alte Großvater und ehemaliger Star-Dirigent Niklas, seine Tochter und Elisas scheinbar unnahbare und verständnislose Mutter.
Außerdem Fabio, der die Geschäfte solide führt und Cellos baut, Elisa immer noch liebt und wutentbrannt das Weite sucht, als Niklas, der Großvater ein Geheimnis lüftet. Dadurch muss Danilo ran und die Firma über Wasser halten, was bedeutet, dass er weniger Zeit für sein musikverliebtes Hobby hat, den Bau von Campanulas.
Irrungen und Wirrungen, Beziehungsbelastungen, Sorgen um den alten Niklas, der noch einmal als Dirigent glänzen will, Verständnis und Verständnislosigkeit für die in gleichgeschlechtlicher Beziehung lebende Mutter, für Fabios Reaktionen oder für die familiären Fehltritte von früher.

Die Autorin schafft es mit spielerischer Leichtigkeit, tief in die Charaktere ihrer Protagonisten einzudringen und deren Emotionen Lebendigkeit zu verschaffen, ohne dabei kitschig oder psychologisierend zu wirken. Auch wenn mir persönlich nicht alle Akteure so richtig „liegen“, so ist man aber doch extrem gefesselt und nimmt intensiv teil, sanft umweht von der stets präsenten musikalischen Aura mit ihren leichten, aber auch melchancholischen Klängen der Campanula und der bildhaft schönen Atmosphäre im landschaftlich reizvoll eingebetteten Setting des Tessins.

Es gibt viele verschiedene inner- und außerfamiliäre „Baustellen“ und nicht alles wird bis ins letzte Detail geklärt, sodass genug Spielraum für eigene Vermutungen bleibt. Ein Muss für Liebhaber von Familiensagas mit Wohlfühlcharakter, sie kommen dabei voll auf ihre Kosten und der bereits angekündigte dritte Teil der Geschichte kann mit Spannung erwartet werden.

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  • Cover
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 08.05.2024

Nicht immer nur auf das Äußere achten - denn Salz sieht auch aus wie Zucker

Blind Date mit Möwe
3

Der Roman „Blind Date mit Möwe“ lockt den Leser mit einem angenehm bunten, aber nicht aufdringlichen Cover in Sommerfarben und macht Lust auf eine sommerliche Liebesgeschichte.

Yvonne Struck kreiert ...

Der Roman „Blind Date mit Möwe“ lockt den Leser mit einem angenehm bunten, aber nicht aufdringlichen Cover in Sommerfarben und macht Lust auf eine sommerliche Liebesgeschichte.

Yvonne Struck kreiert zwei Protagonisten, die auf den ersten Blick unterschiedlicher kaum sein könnten. Lisa, liebesgefrustete Biologin und Naturschützerin aus Überzeugung versus Jonas, geknechteter Architekt in einem vom Größenwahn getriebenen Büro und zuhause liebevoller Teilzeit-Vater.
Die Autorin widmet ihren Hauptdarstellern abwechselnd je ein Kapitel, sodass man sich gut und strukturiert einliest und beide wirklich kennen und schätzen lernt. Lisa wird wegen ihres immer noch nicht verwundenen Liebes-Aus mit Ryan von ihrer chaotischen Freundin und Mitbewohnerin bei einer Dating- Website angemeldet, Jonas ebenfalls, aber aus Wettgründen. Auf dieser Seite , The Voice of Love, lernt man sich ohne Ablenkung durch Äußerlichkeiten, Karriere oder Statussymbole pur und unverfälscht kennen. Nur die Stimme und das gesprochene Wort zählen.
Eine schöne Idee, wie ich finde. Auch Lisa und Jonas fühlen sich wohl auf der Seite, sie daten gerne und verlieben sich im Laufe ihrer limitierten und zeitlich begrenzten Dates ganz ehrlich ineinander.

Vor wunderbarer Ostseekulisse wird der Leser sehr gut eingebunden und fiebert mit den beiden auf das erste wirkliche Treffen hin, welches in dieser Form jedoch nicht zustande kommt.
Denn sie begegneten sich im reellen, beruflichen Leben bereits als Gegner, ohne Verständnis für die jeweilige beruflich notwendige Perspektive des anderen aufbringen. Daher halten sie die Anwesenheit des jeweils anderen beim ersten Date auch für puren Zufall und halten es für ausgeschlossen, dass der jeweils andere ihr Dating-Partner sein könnte.

Der Leser liest und leidet mit. Er wartet auf eine Weiterentwicklung der Liebesgeschichte und legt das Buch eigentlich nicht mehr aus der Hand, doch im letzten Drittel spielt die Romanze leider nur noch eine eher untergeordnete Rolle. Die Gefühle kommen etwas kurz, es dreht sich sehr viel um rein beruflichen Aspekte. Naturschutz gegen Bauvorhaben, durchaus interessant, aber nicht wirklich das, was der Klappentext verspricht.

Eine leichte Sommerlektüre, Liebe gegen Beruf, abwechslungsreich erzählt vor bezaubernder sommerlicher Ostseekulisse. Für Liebhaber der leichten Lektüre durchaus empfehlenswert, wenn auch nicht der ganz große Liebesroman, als der er angekündigt war.

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