„Die dritte Hälfte“ von Sabine Peters ist ein stilles, kluges Buch über das Leben – über das Altern, das Erinnern und das Suchen nach Sinn. Im Mittelpunkt steht Hermann Dik, von allen nur Doc genannt. Arzt mit eigener Praxis, jemand, der den Ablauf kennt: Patient folgt auf Patient und danach kommen Hausbesuche. Was bleibt, ist oft wenig – und doch eine Menge.
Abends sitzt Doc meist allein in seiner Wohnung. Seine Frau ist verstorben, ihre Abwesenheit spürt man auf jeder Seite. Seine Schwester versucht ihn mit Einladungen zum Familienfest in Bewegung zu halten. Ein Studienfreund, Brummer, ist geblieben – die Gespräche mit ihm sind ruhig, fast beiläufig, aber voller Tiefe: über das Älterwerden, die Müdigkeit, das, was war, und das, was vielleicht noch kommt.
Sabine Peters erzählt in einer klaren, zurückhaltenden Sprache von vier Generationen. Von den kleinen Unterschieden im Blick auf das Leben – und von den Reibungen, wenn diese aufeinandertreffen. Sie gibt Raum für Beobachtungen, für Gedanken, für leise Zwischenklänge. Es gibt keine großen Gesten, keine dramatischen Wendungen. Und genau das macht den Reiz dieses Romans aus.
Besonders Doc ist eine Figur, die lange nachhallt. Er steht im Zentrum, und doch bleibt er oft randständig in seinem eigenen Leben. Nur in kleinen Momenten – im Gespräch, im blauen Notizheft, das wie ein Echo durch das Buch klingt – blitzt etwas von seinem Inneren auf.
„Die dritte Hälfte“ ist kein Buch, das laut um Aufmerksamkeit bittet. Es geht seinen eigenen Weg – ruhig, behutsam und mit einem genauen Blick für das, was zwischen den Menschen passiert. Für mich war es ein stilles Lesevergnügen.