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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.08.2024

dunkle kalte Stimmung

Jahreszeiten
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Ich fand es zu Beginn etwas schwierig in den Roman hineinzufinden, da für meinen Geschmack zu viele Schilderungen über das Wetter und die schwierigen lokalen Bedingungen in Bezug auf die Ernte und die ...

Ich fand es zu Beginn etwas schwierig in den Roman hineinzufinden, da für meinen Geschmack zu viele Schilderungen über das Wetter und die schwierigen lokalen Bedingungen in Bezug auf die Ernte und die Gezeiten waren. Mit der Zeit bekommen diese Inhalte allerdings einen Bezug zur Stimmung der Familie und ab diesem Zeitpunkt wird es interessanter. Spannend ist auch, dass der Roman aus Sicht der einzelnen Familienmitglieder erzählt wird, wobei Tess einen großen Raum einnimmt, ihr Mann Richard eher weniger, so wie er auch im realen Leben wenig spricht und wenig von sich preisgibt. Die Beziehung der Ehepartner ist an einem Tiefpunkt angelangt, es wird kaum noch miteinander gesprochen, wenn dann nur gestritten und die Kinder machen Probleme, ziehen sich zurück und machen ihr eigenes Ding. Die Grundstimmung des Romanes ist durchwegs hoffnungslos und dunkel, sodass man auch als Leser*in nicht viel Hoffnung auf eine Verbesserung der Situationen erwartet.

Veröffentlicht am 12.04.2024

Persönlichkeitsentwicklung auf mehreren Ebenen

Der Sommer, in dem alles begann
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Der Roman ist sehr kurzweilig, da er einen großen Zeitsprung enthält und auch zwischen Paris und der Bretagne hin- und herwechselt. Zu Beginn braucht es etwas Zeit um sich einzulesen und in die Hauptcharaktere ...

Der Roman ist sehr kurzweilig, da er einen großen Zeitsprung enthält und auch zwischen Paris und der Bretagne hin- und herwechselt. Zu Beginn braucht es etwas Zeit um sich einzulesen und in die Hauptcharaktere hineinversetzen zu können. Die 16jähhrige Helene war mir mit ihrer wissbegierigen und zuerst noch sehr unsicheren Art sogleich sympathisch. Ihre Lehrerin Marguerite, die eigentlich für den Unterricht in der ländlichen Schule, überqualifiziert ist, vertritt ihren eigenen Standpunkt und eckt bei der Dorfgemeinschaft häufig an. Für Helene hat sie aber eine prägende Vorbildfunktion und trägt viel zu ihrer geistigen Entwicklung und ihrer Persönlichkeitsbildung bei. Gerade bei Helene sieht man es als Leser*in sehr schön, wie sie sich im Laufe der Zeit weiterentwickelt und von einer unsicheren 16jährigen Schülerin zu einer selbstbewussten jungen Frau wird. An manchen Stellen hätte ich mir gewünscht, dass wir noch mehr über ihre Gefühlswelt erfahren hätten. Teilweise ist es gut gelungen, indem sie sich mit dem Tod und ihrem sterbenden Vater auseinandersetzt und auch ob sie wirklich ihr Leben an der Seite von Yannick in diesem kleinen Dorf verbringen möchte oder doch die weite Welt kennenlernen.
Schön zu erkennen ist im Laufe der Geschichte auch der Zusammenhang zwischen der jungen Odette damals, als sie in Paris gelebt und ihr ihr neugeborenes Kind weggenommen wurde und wie Odette als ältere Frau, wieder zurück an ihrem Heimatort, lebt. Wie sie auf der einen Seite verachtet und belächelt wird und an einem anderen Ort bewundert und zu ihr aufgesehen wird. Wie zwei unterschiedliche Welten, die aufeinandertreffen, muss es sich für sie anfühlen.
Am Ende verbinden sich alle Lebensgeschichten miteinander und auch wenn man schon recht früh erfährt, dass es Verstorbene geben wird und wer dies sein wird, so ist die Geschichte bis es dazu kommt, dennoch sehr lesenswert und spannend. Vor allem die persönliche Entwicklung der Charaktere im Laufe des Romans hat mir gut gefallen.

Veröffentlicht am 20.03.2024

weihnachtlicher historischer Krimi

Mit dem Schnee kommt der Tod
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Der Krimi beschreibt nicht nur die aktuellen Geschehnisse, sondern bezieht auch die Weltsituation im Jahre 1938 während der Weihnachtsfeiertage mit ein. Der Schauplatz ist von der Außenwelt abgeschieden, ...

Der Krimi beschreibt nicht nur die aktuellen Geschehnisse, sondern bezieht auch die Weltsituation im Jahre 1938 während der Weihnachtsfeiertage mit ein. Der Schauplatz ist von der Außenwelt abgeschieden, eine kleine Insel und die Wetterverhältnisse sind miserabel, sodass die wenigen Personen, die sich auf der Insel befinden, dort auch bleiben müssen. Somit schränkt sich nach dem Todesfall der Kreis der möglichen Verdächtigen drastisch ein und eine Suche nach der oder dem Täterin beginnt. Der Ermittler Archie Penrose ist zufälligerweise Teil der Weihnachtsgesellschaft und Krimiautorin Josephine Tey ist auch eingeladen, sowie ein paar wenige berühmte Persönlichkeiten, Personal und ein paar Anwohner. Die Autorin lenkt die Leserinnen von einer verdächtigen Person zur nächsten, sodass mir zwischenzeitlich schon Jede*r verdächtig vorkommt.
Die Autorin Josephine Tey, die mir zu Beginn schon sehr positiv aufgefallen ist, kommt im Laufe der Geschichte für meinen Geschmack zu wenig zur Geltung, sie ist zwar eine Unterstützung für Penrose, aber er dominiert ganz klar. Hier hätte ich mir eine gleichberechtigte Beziehung gewünscht, auch wenn dies in den 1930er Jahren nicht üblich gewesen ist. Ihre Gedankengänge und Schlussfolgerungen finde ich als Bereicherung.

Veröffentlicht am 23.01.2024

spannender Fall mit eigenartigem Schluss

Das falsche Opfer
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Der zweite Fall mit Carla Winter wirkt auf den ersten Blick recht simpel und schnell gelöst: häusliche Gewalt und Notwehr mit Todesfolge. Dass es so einfach nicht sein wird, war mir schon klar, aber die ...

Der zweite Fall mit Carla Winter wirkt auf den ersten Blick recht simpel und schnell gelöst: häusliche Gewalt und Notwehr mit Todesfolge. Dass es so einfach nicht sein wird, war mir schon klar, aber die weiteren Wendungen und Verstrickungen konnte ich absolut nicht vorhersagen und wurde somit spannungsmäßig überrascht. Ritchie ist eine Bereicherung für das Team, das kreativ und kunterbunt aufgestellt ist. Was ich komisch finde ist, dass sich die Angestellten in der ansonsten so locker aufgestellten kleinen Arbeitsgemeinschaft siezen, wirkt irgendwie komisch. Die Auflösung des Falles war schon nicht mehr an der Grenze der Legalität, sondern knapp daran vorbei, was für eine Anwältin nicht ganz stimmig ist und der Schluss war mir etwas too much. Hier ist die Phantasie mit Carla durchgegangen und es hatte einen zu starken Mafia-Clan-Touch, der eigentlich nicht zu Carla und ihr Umfeld passt. Somit finde ich den Schluss nicht stimmig und nicht ganz gelungen.

Veröffentlicht am 14.01.2024

ein relativ neues Thema

Das Haus
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Die Idee des Buches, ein gemeinsames Haus mitten in der Natur für ältere Menschen, die in einer Art Wohngemeinschaft zusammenleben, aber doch auch getrennte Interessen verfolgen, finde ich spannend und ...

Die Idee des Buches, ein gemeinsames Haus mitten in der Natur für ältere Menschen, die in einer Art Wohngemeinschaft zusammenleben, aber doch auch getrennte Interessen verfolgen, finde ich spannend und wurde auch in der Literatur noch nicht so häufig thematisiert. Es treten auch wichtige Themen auf, wie der Umgang mit dem Tod, welche persönlichen oder neuen Lebensaufgaben erwartet man sich nach dem Berufsleben, wie kann man sich verwirklichen, wie wirken sich die Geschichte und die die aktuellen Tagesereignisse auf das Leben aus.
Das Zusammenleben gestaltet sich für die Bewohnerinnen mal reibungslos und einfach, dann wiederum gibt es Diskussionen und die ersten Unstimmigkeiten treten auf. Hier hätte ich gerne noch mehr davon erfahren.
Vom Schluss bin ich enttäuscht. Er war abrupt und lässt so vieles offen, dass man sich als Leser
in die Frage stellt, was der Grund dafür ist? Wurde nur eine schnelle, einfache Beendigung des Romans bezweckt, ohne sich selbst Gedanken zu machen, wie? Es wäre auch nicht nötig gewesen, so schnell und aussichtslos zu beenden, da der Roman ohnehin eher quantitativ kurz gehalten ist und noch Spielraum für einen ausführlicheren und sanfteren Ausstieg geboten hätte. So hat man sich einfach aus der Verantwortung genommen und den Leser*innen alles hingeschoben, gefällt mir nicht so.