Zwiespältiges Werk
Die Sonne und die MondDer Titel, das Cover und der Diogenes Verlag zogen mich wie ein Magnet zu diesem Buch. Zwei Freundinnen und deren wechselhafte Vergangenheit weckten mein Interesse.
Das Lesen forderte mich dann sehr heraus. ...
Der Titel, das Cover und der Diogenes Verlag zogen mich wie ein Magnet zu diesem Buch. Zwei Freundinnen und deren wechselhafte Vergangenheit weckten mein Interesse.
Das Lesen forderte mich dann sehr heraus. Denn ich landete im Bestattungsinstitut „Sommernachtstraum“, das in der „Totenbäckerei“ seine Geschäftsräume hatte. Hingerissen zwischen Entsetzen ob des makabren Humors und Stellen, die mich laut auflachen ließen, lernte ich viel über das Handwerk von Bestattern. Und noch mehr über Freundschaften, über Verrat und Versöhnung.
Schon allein die Vorstellung, dass eine Frau ihren bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommenen Ehemann und seine schwangere Freundin zusammen beerdigen lassen will, warf viele Fragen auf. Und warum hatten die ehemals besten Freundinnen Jana von Mond und Sonja Meling jahrelang keinen Kontakt? Wie kam die einstige Träumerin von einer Kabarettkarriere dazu, ein Beerdigungsunternehmen zu leiten?
Der Autor beantwortete im Laufe des Buches alle Fragen. Aber manchmal schoss er in seiner Erzählwut über das Ziel hinaus und brachte mich mit langatmigen Passagen fast zum Einschlafen, um mich am Ende des Kapitels mit einem Cliffhänger daran zu hindern, das Buch auf die Seite zu legen.
Ganz zum Schluss erklärt Chris Kraus (*1963 in Göttingen, Schriftsteller, Drehbuchautor und Filmemacher) in einem Nachwort den Zweck seines Geschriebenen: Er verarbeitete den Tod seiner großen Liebe. Das macht Sinn und lässt vieles in einem anderen Licht erscheinen.
Für mich war das Buch ein zwiespältiges Leseerlebnis, das ich teilweise genoss und dann vor lauter Langeweile am liebsten zu- und nicht mehr aufgeschlagen hätte.