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Veröffentlicht am 29.12.2024

Ein hochspannender Thriller, dessen Ende für mich allerdings zu offen war

Haus des Vergessens
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Inhalt: Toskana. Ein Junge wird allein in einem Waldstück gefunden. Schnell wird offenbar: Es handelt sich um den zwölfjährigen Nico, der seit Monaten spurlos verschwunden war. Äußerlich scheint es Nico ...

Inhalt: Toskana. Ein Junge wird allein in einem Waldstück gefunden. Schnell wird offenbar: Es handelt sich um den zwölfjährigen Nico, der seit Monaten spurlos verschwunden war. Äußerlich scheint es Nico verhältnismäßig gut zu gehen, doch er ist verstummt. Um zu erfahren, was mit Nico geschehen ist, wird der renommierte Kinderpsychologe Pietro Gerber hinzugezogen, der Nico unter Hypnose ein Geständnis entlockt: Nico behauptet, seine Mutter, die mit ihm verschwunden war, getötet zu haben – doch Pietro Gerber ist sich sicher, dass dies nicht der Wahrheit entspricht. Vielmehr vermutet Gerber, dass Nico – während er verschwunden war – von einer Person manipuliert worden ist, die Nico als Sprachrohr für ihre Botschaften nutzt…

Persönliche Meinung: „Haus des Vergessens“ ist ein Thriller von Donato Carrisi. Es handelt sich nach „Haus der Stimmen“ um den zweiten Band, in dem Pietro Gerber die Hauptrolle spielt. Zwar wirken die Ereignisse aus Band 1 auf das Leben von Gerber ein, allerdings spielt die Handlung des ersten Bandes ansonsten kaum eine Rolle im aktuellen Fall, sodass man die Bände auch unabhängig voneinander lesen kann. Wie im Inhaltsteaser bereits angedeutet, erwartet die Lesenden mit „Haus des Vergessens“ ein fesselnder wie komplexer Thriller, der mit mehreren Erzählstrangen auftrumpft: Im Haupthandlungsstrang begleiten wir in personaler Perspektive Gerber, der – einer Schnitzeljagd gleich – Hinweise sucht, mit denen er Nico die Botschaft, die ihm von seinem Entführer einprogrammiert worden ist, entlocken kann. Diese Botschaft des Entführers, die aus der Ich-Perspektive erzählt wird, bildet den zweiten Handlungsstrang: Hier behauptet der namenlose Entführer Nicos, ein Fremder habe vor Jahrzehnten – als der Entführer selbst noch ein Kind war – seine Eltern ermordet und ihn gefangen gehalten. Diese Erzählung des Entführers ist wirklich spannend, da sie einem Vexierspiel gleicht, bei dem man nicht weiß, was gelogen und was real ist. Zudem finden sich innerhalb der Handlung mehrfach Cliffhanger und überraschende Wendungen, sodass man den Thriller kaum weglegen kann. Soweit also eine perfekte Thrillerlektüre – und jetzt kommt leider, leider, leider das „aber“: für mich nicht bis zum Schluss. Das Ende schließt nicht alle Handlungsfäden ab, nicht jede ausgelegte Brotkrume wird schlussendlich wieder aufgesammelt, sodass man als Lesender zuletzt stellenweise ein bisschen ratlos zurückbleibt. Meine Hoffnung ist hier, dass der dritte Band, den das Ende des 2. Bandes anteasert, etwas mehr Klarheit schafft, sodass auch die Handlung von „Haus des Vergessens“ runder wird. Insgesamt ist „Haus des Vergessens“ ein fesselnd geschriebener, komplexer und hochspannender Thriller, dessen Auflösung leider für mich hinter der fulminanten Handlung zurückbleibt.

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Veröffentlicht am 13.09.2024

Eine nachhallende Lektüre

Als Versprechen dieser Zeit
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Raoul Eiseles „Als Versprechen dieser Zeit“ lässt sich schwerlich kategorisieren, weshalb ich im Folgenden bewusst den Begriff „Buch“ nutze. Denn: Obwohl sich romanhafte wie lyrische Texte finden, geht ...

Raoul Eiseles „Als Versprechen dieser Zeit“ lässt sich schwerlich kategorisieren, weshalb ich im Folgenden bewusst den Begriff „Buch“ nutze. Denn: Obwohl sich romanhafte wie lyrische Texte finden, geht „Als Versprechen dieser Zeit“ in keiner der beiden Kategorien vollständig auf. Inhaltlich besitzt das Buch den Anspruch, so Eisele in seiner Vorbemerkung, „Einsamkeit als Grundproblem der menschlichen Existenz zu verringern“. Dementsprechend spielen Gefühle (und die damit verbundenen Alltagsszenen) eine große Rolle in den abgedruckten Texten: Die in Versen geschriebenen Texte thematisieren das Erwachsenwerden, die Beziehung zu den Eltern (insbesondere der Mutter), das „Erzogenwerden“, das Verhältnis von Ich und Welt, Gefühle in Bezug auf den eigenen Körper, Erinnerungen an die Kindheit und romantische Beziehungen. Daneben finden sich außerdem in gesonderten Prosa-Texten Gedanken zu den Grenzen des Schreibens/Erzählens, der Wesenheit der Liebe, dem Nachempfinden von Gefühlen oder der eigenen Identität. Alle diese Texte/Gefühle/Szenen werden mit einem kritischen Nachdenken über die Konventionen unserer gegenwärtigen Gesellschaft verknüpft. Der Ton der Texte ist nachdenklich sowie melancholisch, teilweise auch sehnsüchtig. Die Wortwahl und die Gestaltung ist dabei experimentell, teilweise metaphorisch-lyrisch, teilweise prosaisch-lakonisch, immer unkonventionell und messerscharf zum Nachdenken anregend. Insgesamt ist „Als Versprechen dieser Zeit“ eine reflexive, inhaltsreiche wie -schwere Lektüre – nichts für zwischendurch, aber definitiv nachhallend.

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Veröffentlicht am 19.08.2024

Ein schöner Muminband

Die Mumins (5). Sturm im Mumintal
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Inhalt: Eine Sturmflut überschwemmt das Mumintal. Auch im Haus der Muminfamilie steht das Wasser bis zum Dach, sodass sie wohl oder übel ihre Heimat verlassen müssen. Als unvermittelt ein verlassenes Haus ...

Inhalt: Eine Sturmflut überschwemmt das Mumintal. Auch im Haus der Muminfamilie steht das Wasser bis zum Dach, sodass sie wohl oder übel ihre Heimat verlassen müssen. Als unvermittelt ein verlassenes Haus an ihnen vorbeischwimmt, entscheiden sie sich kurzerhand für den Umzug. Doch schnell erfahren Mumin und seine Freunde: Das Haus ist nicht so verlassen, wie es zunächst den Anschein hatte…

Persönliche Meinung: „Sturm im Mumintal“ ist Tove Janssons fünftes Kinderbuch um die Mumintrolle. Die Handlung des Buches ist in sich abgeschlossen, sodass man die Reihe nicht zwangsläufig in chronologischer Reihenfolge lesen muss. Erzählt wird die Handlung von einer allwissenden Erzählinstanz, die meist in die Perspektive der Figuren schlüpft, sich allerdings auch zwischendurch direkt an die Lesenden richtet. Wie schon in den vorherigen Bänden treten neben Mumin und seinen Eltern erneut Snorkfräulein, der Schnupferich und die kleine Mü auf (ein besonderes Highlight war für mich die kleine Mü, die einige freche Sprüche auf Lager hat und dadurch für den ein oder anderen Lacher sorgt). Wie das Cover von „Sturm im Mumintal“ bereits andeutet, ist ein großes Thema des Buches das Theater. Ohne zu viel verraten zu wollen: Innerhalb der Handlung kommt es zu einer Parodie einer Tragödie, die wirklich witzig ist. Der Schreibstil von Tove Jansson ist anschaulich und orientiert sich an der intendierten Zielgruppe; zugleich findet sich aber immer ein Erzählen mit Augenzwinkern, eine leichte Ironie, sodass auch erwachsene Lesende ihre Freude an dem „Kinderbuch“ haben werden.

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Veröffentlicht am 08.08.2024

Ein spannender Jugendroman, der ein gesellschaftlich wichtiges Problem behandelt

Death. Life. Repeat.
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Inhalt: Es ist der Jahrestag des tödlichen Unfalls von Spencers Mutter. Verkatert erwacht er in seinem Auto auf dem Schulparkplatz: Clara, eine Mitschülerin, hat sein Auto touchiert – eigentlich kein großer ...

Inhalt: Es ist der Jahrestag des tödlichen Unfalls von Spencers Mutter. Verkatert erwacht er in seinem Auto auf dem Schulparkplatz: Clara, eine Mitschülerin, hat sein Auto touchiert – eigentlich kein großer Schaden, doch Spencer trifft dieser umso stärker, da der Wagen ein Erinnerungsstück an seine Mutter ist. Zu allem Überfluss hat sein bester Freund Anthony für heute eine seiner legendären Partys geplant, von der Spencer sich – obwohl er gerne würde – nicht entziehen kann. Die Party endet grauenvoll: Clara, die während der Party von Anthony bedrängt wurde, flieht aus dem Haus, läuft vor ein Auto – und stirbt. Spencer ist fassungslos. Doch: Am nächsten Tag erwacht er erneut auf dem Schulparkplatz, wieder hat Clara sein Auto touchiert. Der Tag wiederholt sich…

Persönliche Meinung: „Death. Life. Repeat“ ist ein Jugendroman mit Science-Fiction-Elementen von Louise Finch. Dargestellt wird die Handlung aus der Ich-Perspektive von Spencer, den der Tod seiner Mutter psychisch stark belastet. Der Roman nutzt ein spannendes dramaturgisches Mittel: die Zeitschleife. Spencer steckt in einer solchen fest, wobei der Tag jeweils meist mit dem Tod von Clara endet. Daher setzt Spencer sich zum Ziel, Clara zu retten, um der Zeitschleife entkommen zu können. Dabei lernt er nicht nur Clara besser kennen, sondern entwickelt sich selbst weiter und hinterfragt mehr und mehr seinen Freundeskreis. Denn: Dieser ist geprägt von toxischer Männlichkeit, die sich insbesondere in harten Beleidigungen, übermäßigen Alkoholkonsum, Sexismus und Mobbing ausdrückt. Bei aller Fiktionalität/Sci-Fi wird in „Death. Life. Repeat“ dementsprechend – auf sehr eindringliche Weise – auch ein gesellschaftlich relevantes Thema behandelt. Der Schreibstil, der im Roman genutzt wird, ist – passend zu den jugendlichen Protagonisten – sehr umgangs- und jugendsprachlich. Besonders die Sprache der männlichen Figuren ist dabei sehr vulgär und derb, woran man sich erst gewöhnen muss (Auch wenn die Sprache teilweise grenzwertig ist, ist sie passend gewählt, da die Derbheit die Toxizität der männlichen Figuren unterstreicht.) „Death. Life. Repeat“ ist insgesamt eine spannende Lektüre, die eindringlich ein gesellschaftlich relevantes Problem näherbringt. Einen kleinen Wermutstropfen gibt es aber: Am Ende der Handlung bleiben einzelne Fragen offen (insbesondere in Bezug auf die Zeitschleife), sodass der Roman auf mich nicht so rund wirkte, wie er hätte sein können.

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Veröffentlicht am 24.07.2024

Ein schöner Einstieg in die Welt von Poe

Die schwarze Katze. Unheimliche Geschichten
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„Die schwarze Katze“ vereint zwei schaurige Kurzgeschichten von Edgar Allan Poe. Den Beginn macht die titelgebende Geschichte „Die schwarze Katze“, in der ein Ich-Erzähler – spoilerfrei gesagt – von einer ...

„Die schwarze Katze“ vereint zwei schaurige Kurzgeschichten von Edgar Allan Poe. Den Beginn macht die titelgebende Geschichte „Die schwarze Katze“, in der ein Ich-Erzähler – spoilerfrei gesagt – von einer folgenschweren Tat berichtet. Gewissermaßen handelt es sich um ein kleines Psychogramm einer Täterfigur. Die zweite Kurzgeschichte, die sich in dem Reclam-Bändchen findet, ist vermutlich Poes bekannteste: „Der Untergang des Hauses Usher“. Ein namenloser Ich-Erzähler begibt sich hier aufgrund eines Briefes seines Freundes Roderick Usher zu dessen abgelegen liegendem Herrensitz. Die Geschichte besticht durch ihre dichte Atmosphäre: Der Herrensitz ist gespenstisch, der Hausherr morbid. Für den Ich-Erzähler, der lediglich eine begrenzte Einsicht in die Vorgänge innerhalb des Herrenhauses besitzt, ist vieles mysteriös und enigmatisch – beides überträgt sich unweigerlich während der Lektüre auf die Lesenden. Abgerundet wird „Die schwarze Katze“ durch eine kurze Nachbemerkung, in der Edgar Allan Poe vorgestellt wird. Insgesamt bietet „Die schwarze Katze“ natürlich keine unbekannten Geschichten, beide findet man in diversen Anthologien; für Lesende, die sich das erste Mal mit Poe beschäftigen, wird hier aber ein schöner Einstieg in Poes Geschichten geschaffen.

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