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Veröffentlicht am 29.12.2024

Ein emphatischer Schreibratgeber

Die Geschichten in uns
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„Die Geschichten in uns“ ist ein autobiografischer Schreibratgeber von Benedict Wells. Die Bezeichnung „Schreibratgeber“ trifft es dabei eigentlich nicht ganz; der Begriff greift zu kurz, was hoffentlich ...

„Die Geschichten in uns“ ist ein autobiografischer Schreibratgeber von Benedict Wells. Die Bezeichnung „Schreibratgeber“ trifft es dabei eigentlich nicht ganz; der Begriff greift zu kurz, was hoffentlich im Laufe der Rezension deutlich wird (In Ermangelung eines griffigeren Begriffes nutze ich diesen aber dennoch). „Die Geschichten in uns“ setzt sich aus zwei Teilen zusammen. Die ersten ca. 100 Seiten mit dem Titel „Der Weg zum Schreiben“ thematisieren Wells Autoren-Werdegang – vom Aufkeimen des Wunsches, Schriftsteller zu werden, über einsame Nächte in der Berliner Wohnung, euphorische Momente des Flows, die von kritischen Stimmen wieder gedämpft wurden, und unzählige Überarbeitungen bis zum Verlagsvertrag bei Diogenes (der Wells Wunschverlag war). Dieser Teil ist besonders interessant für Wells-Leserinnen, zeigt Wells sich hier doch sehr persönlich und nahbar. Der zweite Teil richtet sich eher an Schreiberlinge. Denn: Wells zeigt hier exemplarisch auf, wie er schreibt. Dabei spricht er Prozesse wie das „Finden“ einer Idee und das Überarbeiten der Handlung an. In diesem Kontext thematisiert er außerdem konkrete Werkzeuge zum Überarbeiten einer Geschichte (wie bspw. Dialoge, Timing, doppelte Schleifen oder auch das Nichtschreiben). Dieser zweite Teil schließt mit konkreten Einblicken in den Entstehungsprozess von zwei Romanen, die aus Wells' Feder stammen: Wells stellt frühere Fassungen von Auszügen aus „Vom Ende der Einsamkeit“ sowie „Hard Land“ vor. Obwohl der zweite Teil sich eher an Schreiberlinge richtet, gilt auch hier: Wells-Leserinnen kommen nicht zu kurz. Immer wieder verweilt Wells bei seinen eigenen Romanen, exemplifiziert seine Ratschläge an diesen und gibt Insights in den Entstehungsprozess seiner Beststeller, was durchaus für Nicht-Autorinnen interessant ist. In beiden Teilen geht Wells sehr offen mit seinem Leben und dem Schreiben um, ist selbstkritisch- und reflexiv. Immer schlägt er einen emphatischen Ton ein und schreibt anschaulich, sodass sich der eher theoretische zweite Teil nicht wie Theorie liest, sondern wie die Ratschläge eines lieben Freundes. Insgesamt ist „Die Geschichten in uns“ ein informatives Buch für Fans von Benedict Wells, ein Mutmacher für Autorinnen sowie ein emphatischer Ratgeber für alle Schreiberlinge.

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Veröffentlicht am 29.12.2024

Ein einfühlsam erzählter Roman über Freundschaft, Liebe und das Finden des Selbst

Das größte Rätsel aller Zeiten
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Inhalt: Seit 25 Jahren, als man ihn als Säugling in einer Hutschachtel vor Creighton Hall fand, ist Clayton Mitglied der „Gemeinschaft der Rätselmacher“ – einer Gruppe leicht eigenwilliger Menschen, die ...

Inhalt: Seit 25 Jahren, als man ihn als Säugling in einer Hutschachtel vor Creighton Hall fand, ist Clayton Mitglied der „Gemeinschaft der Rätselmacher“ – einer Gruppe leicht eigenwilliger Menschen, die die Liebe zum Kreieren von Rätseln aller Art (seien es Puzzle, Kreuzworträtsel oder Irrgärten) eint. Allerdings ist Clayton bei weitem das jüngste Mitglied: Alle anderen könnten seine Großeltern sein. Da die anderen Mitglieder nicht mehr die Jüngsten sind, drängt die Zeit: Will Clayton das Geheimnis um seine Herkunft lüften, muss er sich beeilen – und als unverhofft ein Hinweis auf die Identität seiner Eltern auftaucht, verliert Clayton keine Zeit: Er begibt sich auf das Abenteuer seines Lebens…

Persönliche Meinung: „Das größte Rätsel aller Zeiten“ ist ein Roman von Samuel Burr. Erzählt wird er in zwei Handlungssträngen: Im ersten Erzählstrang, der in der Gegenwart spielt, begleiten wir Clayton auf der Suche nach seiner Herkunft. Im zweiten Erzählstrang begegnen wir Pippa, der Gründerin der „Gemeinschaft der Rätselmacher“. Dieser Strang spielt in der Vergangenheit: Thematisiert wird hier die Geschichte der „Gemeinschaft der Rätselmacher“ – über die Gründung dieser, den Zusammenschluss der Rätselmacher in eine ungewöhnliche Wohngemeinschaft, das Überstehen von unterschiedlichen Krisen bis hin zum Auffinden des Findelkindes Clayton. Sowohl Pippa und Clayton als auch die anderen Mitglieder der Gemeinschaft werden lebendig geschildert: Sie haben ihre Ecken und Kanten, sind unbedarft, haben allerdings ihr Herz am richtigen Fleck. Erzählt wird die Handlung des Romans behutsam, immer auf eine einfühlsame Art und Weise. Inhaltlich wird eine Vielzahl verschiedener Themen angesprochen (ohne, dass der Roman überladen wirkt): So spielen neben Identitätskonflikten unterschiedlicher Art u.a. das Älterwerden, der Verlust geliebter Menschen, die Veränderung von Freundschaften sowie die Liebe eine wichtige Rolle innerhalb des Romans. Eine Besonderheit des Romans ist, dass sich immer mal wieder kleine Rätsel zum Selberlösen, wie Kreuzworträtsel oder Labyrinthe, innerhalb der Handlung finden. Am Ende findet sich zudem eine schöne Wendung, mit der man nicht rechnen kann. Insgesamt ist „Das größte Rätsel aller Zeiten“ ein einfühlsamer Roman über Freundschaft, Liebe und das Finden des Selbst.

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Veröffentlicht am 13.09.2024

Ein facettenreicher und komplexer Krimi

Alsensund
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Inhalt: In Harrislee, nahe der Grenze zu Dänemark, wird die seltsam drapierte Leiche einer Medizinstudentin gefunden. Da die Tote eine Dänin war, übernimmt der dänische Kommissar Marven Sånbergen – unterstützt ...

Inhalt: In Harrislee, nahe der Grenze zu Dänemark, wird die seltsam drapierte Leiche einer Medizinstudentin gefunden. Da die Tote eine Dänin war, übernimmt der dänische Kommissar Marven Sånbergen – unterstützt durch seine deutsche Kollegin Kommissarin Wiedmann – den Fall. Doch ehe sie den Täter ausfindig machen können, geschieht ein weiterer Mord – und erst der Fund eines Tagebuchs bringt langsam Licht in den Fall, der mit einem jahrzehntealten Ge-heimnis zusammenhängt…

Persönliche Meinung: „Alsensund“ ist ein Regio-Krimi von Per Sjørndahl, der im deutsch-dänischen Grenzgebiet angesiedelt ist. Erzählt wird die Handlung in zwei Erzählsträngen: Der Hauptstrang, erzählt aus der Perspektive von Sånbergen, spielt in der Gegenwart und themati-siert die aktuellen Ermittlungen in den Mordfällen; der zweite, kürzere Strang spielt in der Vergangenheit und setzt sich aus rätselhaften Tagebucheinträgen zusammen, in denen ein na-menloser Ich-Erzählender auftritt. Die Handlung besitzt eine schöne Komplexität: Es gibt ver-schiedene falsche Fährten, nicht jeder Ermittlungsansatz führt (direkt) zum Erfolg, es finden sich mehrere unerwartete Wendungen und letztlich ist die Verknüpfung der Mordfälle vielsei-tiger, als man zunächst vermutet. Daneben lädt der Krimi auch zum Miträtseln ein: Mehrfach werden Brotkrumen ausgelegt, mit denen man des Rätsels Lösung näherkommen kann – was die schlussendliche Auflösung aber nicht minder überraschend macht. Insbesondere die Er-mittlerfigur Sånbergen besitzt Ecken und Kanten: Er ist eher eigenbrötlerisch, gleichzeitig aber – so gut es geht – selbstachtsam und ermittelt auch mal unkonventionell. Der Schreibstil von Per Sjørndahl ist detailreich und flüssig sowie angenehm zu lesen. Insgesamt ist „Alsensund“ ein komplexer Krimi mit überraschenden Wendungen, der trotz seiner Länge von knapp 400 Seiten auf keiner Seite Spannung einbüßt.

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Veröffentlicht am 20.08.2024

Ein spannender Kurzkrimi für zwischendurch

Ene mene muh, und tot bist du
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„Ene mene muh, und tot bist du“ ist ein Kurzkrimi von Mel Wallis de Vries (Lesezeit: ca. 45 bis 60 Minuten). Der Krimi setzt sich aus zwei, sich abwechselnden Handlungssträngen zu-sammen, die jeweils aus ...

„Ene mene muh, und tot bist du“ ist ein Kurzkrimi von Mel Wallis de Vries (Lesezeit: ca. 45 bis 60 Minuten). Der Krimi setzt sich aus zwei, sich abwechselnden Handlungssträngen zu-sammen, die jeweils aus einer Ich-Perspektive erzählt werden. Im ersten Handlungsstrang be-gleiten die Lesenden einen jungen Polizisten, der zu einem Tatort gerufen wird. Der zweite Handlungsstrang wird aus der Perspektive von Tyra, einer Jugendlichen, erzählt, die sich plötzlich in einem kühlen Raum wiederfindet. Mehr möchte ich wegen der Kürze des Krimis zur Handlung auch gar nicht vorwegnehmen. Nur eins noch: Der Krimi endet mit einem tollen Twist. Der Schreibstil von de Vries ist gewohnt flüssig zu lesen und anschaulich. Insgesamt ist „Ene meine muh, und tot bist du“ ein fesselnder Krimi für zwischendurch.

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Veröffentlicht am 20.08.2024

Ein fesselnder Island-Thriller

Wintersturm
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Inhalt: Ostern steht an. Ari Arason, Polizeiinspektor in Siglufjörður, freut sich, das verlängerte Wochenende gemeinsam mit seinem Sohn, den er viel zu selten sieht, zu verbringen. Doch Gründonnerstag ...

Inhalt: Ostern steht an. Ari Arason, Polizeiinspektor in Siglufjörður, freut sich, das verlängerte Wochenende gemeinsam mit seinem Sohn, den er viel zu selten sieht, zu verbringen. Doch Gründonnerstag erfolgt ein Notruf: Eine junge Frau ist von einem Dach gestürzt und verstor-ben; scheinbar ein tragischer Unfall, doch Ari ist sich dessen nicht so sicher, sodass er in eine Zwickmühle gerät: Soll er seinem Gefühl folgen und weiterermitteln oder den Fall als Unfall abstempeln und Zeit mit seinem Sohn verbringen?

Persönliche Meinung: „Wintersturm“ ist ein Thriller von Ragnar Jónasson. Es ist der 6. Band der Dark-Iceland-Reihe, die sich um den isländischen Polizeiinspektor Ari Arason dreht. Der Fall, der im 6. Band thematisiert wird, ist in sich abgeschlossen, sodass der Thriller auch ohne Kenntnis der Vorgänger gelesen werden kann. Da allerdings auch das Privatleben Aris eine große Rolle innerhalb des Thrillers spielt, ist ein chronologisches Lesen sinnvoll (Aris Privatle-ben verändert sich von Band zu Band, sodass man die Entwicklungen in Band 6 besser ein-ordnen kann, kennt man die Vorgänger). Erzählt wird „Winterstum“ aus der personalen Per-spektive von Ari. Spannung entsteht innerhalb der Handlung insbesondere durch die Frage, ob es sich bei dem Tod um einen Unfall, einen Selbstmord oder eine vorsätzliche Tat handelt. Denn: Für alle drei Varianten gibt es schlüssige Ansatzpunkte; die Indizien sind allerdings ambivalent. Die Auflösung des Falls ist dementsprechend überraschend, wobei erst aus der Retrospektive offenbar wird, wie komplex der Fall eigentlich ist. Thrill-Momente entstehen dabei insbesondere durch einzelne suspekte Figuren, die Bedrohung durch Schneefälle sowie den nüchternen, fast lakonischen Schreibstil von Ragnar Jónasson. Insgesamt ist „Winter-sturm“ ein fesselnder Thriller mit überraschendem Ende. Kurz: Auch im 6. Band um Ari A-rason kommt keine Langeweile auf.

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