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Veröffentlicht am 08.09.2024

Eine sehr konfliktgeladene Beziehung zwischen Mutter und Tochter, voller Groll und Missverständnissen, mit etwas zu harmonischem Ende.

Der Morgen nach dem Regen
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Johanna arbeitet für die Vereinten Nationen und war jahrelang auf humanitären Einsätzen in zahlreichen Krisengebieten weltweit. Mit 60 Jahren möchte sie nur noch beratend tätig sein und kehrt zurück nach ...

Johanna arbeitet für die Vereinten Nationen und war jahrelang auf humanitären Einsätzen in zahlreichen Krisengebieten weltweit. Mit 60 Jahren möchte sie nur noch beratend tätig sein und kehrt zurück nach Deutschland, wo sie das Haus ihrer Tante in Sankt Goar geerbt hat. Dort hat sie schon als Kind entspannte Sommer verbracht und auch ihre Tochter Elsa hat sich dort in den Ferien immer wohlgefühlt.
Elsa hat selbst erfolgreich Karriere gemacht und arbeitet als Rechtsanwältin am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag. Wegen eines Burnouts wird sie krankgeschrieben und sehnt sich zurück nach Sankt Goar. Trotz der Anwesenheit ihrer Mutter, zu der sie ein angespanntes Verhältnis hat, seit sie sich als Kind schändlich von ihre vernachlässigt fühlte, reist sie nach Deutschland um sich im heimeligen Haus am Rhein zu erholen.
Während Johannas Erbe renoviert wird, gehen sich die beiden Frauen geflissentlich aus dem Weg bis es zu der längst fälligen Aussprache zwischen Mutter und Tochter kommt.

Der Roman schildert sowohl die Sichtweise von Johanna, als auch die von Elsa, wobei es neben dem Aufeinandertreffen in der Gegenwart im Sommer 2023 auch zahlreiche Rückblenden in die Jahre 2002/2003 gibt, in denen sich das Zerwürfnis zwischen Mutter und Tochter zementiert hatte.

Beide Frauen haben außergewöhnliche Berufe, die interessante Einblicke in die Arbeit der Vereinten Nationen bieten und an internationale Schauplätze und Konfliktherde führen. Das Familienanwesen in Sankt Goar und die Umgebung am Rhein sind als Sehnsuchtsorte bildhaft beschrieben.

Der Schwerpunkt der Handlung liegt auf dem schwierigen Spagat zwischen Familie und Beruf und der verfahrenen Situation zwischen Mutter und Tochter. Und diese wird so eindringlich geschildert, dass sie schier unerträglich ist. Es erscheint zunächst völlig widersinnig, dass Elsa, die eigentlich Ruhe braucht, sich in ein so konfliktgeladenes Ambiente begibt. Gleichzeitig ist kaum zu fassen, wie Johanna Elsas feindselige Art erträgt und ihr ergeben dreimal täglich Mahlzeiten vor die Schlafzimmertür stellt. Gereiztheit, Ablehnung und Vorwürfe dominieren oder blockieren die Kommunikation.
Es dauert, bis die beiden überhaupt mit einander sprechen. Dass Johanna dann etwas gesteht, was ihre Tochter nur erneut verletzt, ist unverständlich.

Schmerz, Einsamkeit, verletzte Gefühle auf der einen Seite - der Wunsch nach Schutz und Geborgenheit, nach Anerkennung und Liebe auf der anderen Seite hat sich über Jahre aufgebaut und stehen zwischen den Frauen.
Nicht nachvollziehbar ist, warum zwei so intelligente Frauen sich so wenig in die Lage der jeweils anderen hineinversetzen können, warum so wenig Empathie vorhanden ist. Es ist deshalb schwer, Sympathien für die ein oder andere Seite zu entwickeln, wobei Elsa zumindest als Kind das Recht auf ihrer Seite hatte. Dass sie sich einfach nur eine Mutter wünschte, die für sie da ist und nicht den Beruf über alles stellt, ist nachvollziehbar. Johannas Unverständnis, dass sie von ihrer Tochter nicht für ihren unaufhörlichen Einsatz im Nahen Osten oder Afrika gefeiert wird, jedoch nicht.

Während der Mutter-Tochter-Konflikt schlüssig entwickelt wird und Emotionen weckt, ist Johannas Liebesgeschichte mit ihrer Leidenschaft und Dramatik arg kitschig und passte weder zu ihrem Charakter noch wäre sie für die Geschichte zwingend nötig gewesen. Die Versöhnung zwischen Mutter und Tochter ist nach der Klärung nur eines von vielen Missverständnissen sehr simpel und nach all dem Groll zu harmonisch.

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Veröffentlicht am 05.09.2024

Trotz weniger Nervenkitzel ein unterhaltsamer Thriller, jedoch nicht so originell wie Band 1 der Housemaid-Reihe.

Sie kann dich hören
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Nachdem Millie ihren Job als Haushaltshilfe bei einer gut betuchten New Yorkerin verloren hat, ist sie froh, von den Garricks eingestellt zu werden, um deren Penthouse zu putzen und für sie zu kochen. ...

Nachdem Millie ihren Job als Haushaltshilfe bei einer gut betuchten New Yorkerin verloren hat, ist sie froh, von den Garricks eingestellt zu werden, um deren Penthouse zu putzen und für sie zu kochen. Millie möchte mit dem Verdienst ihr Studium finanzieren, ihre Vergangenheit hinter sich lassen und mit ihrem soliden Freund Brock ein neues Leben beginnen. Doch dann holt Millie ihre Vergangenheit ein. Douglas Garrick ist nicht der fürsorgliche Ehemann, für den er sich darstellt und seine Frau scheint sich nicht freiwillig im Gästezimmer des Penthouses zu verstecken. Millie kann nicht wegschauen und möchte Wendy helfen, auch wenn sie sich damit selbst in Gefahr bringt.

"Sie kann dich hören" ist nach "Wenn sie wüsste" der zweite Band um die Haushaltshilfe Millie Calloway, die zehn Jahre Gefängnisaufenthalt wegen einer Gewalttat hinter sich hat. Band 2 handelt einige Jahre nach Band 1 und lässt sich auch ohne Vorkenntnisse lesen.

Der Roman ist in mehrere Teile gegliedert und wird überwiegend aus der Sicht von Millie geschildert. Die Kapitel sind kurz und lassen schnell durch das Buch gleiten, auch wenn Millies Gedanken und Befürchtungen von einigen Wiederholungen geprägt sind, was den Lesefluss ein wenig hemmt.

Eine Grundspannung ist von Anbeginn vorhanden, denn die Verhältnisse im Penthouse der Garricks sind durchaus fragwürdig und zudem fühlt sich Millie verfolgt und bedroht.
Man rechnet mit einem Plottwist, der dem Roman eine andere Richtung gibt und ist dennoch überrascht, wie aufwändig hier falsch gespielt wird.
Die zweite Perspektive erklärt vieles, ist jedoch weniger spannend, da das Resultat bereits bekannt ist. Das Ende ist wendungsreich und ähnlich perfide und böse wie die Handlung in "Wenn sie wüsste".
Überhaupt folgt Band 2 einem ganz ähnlichen Aufbau wie Band 1 und handelt auch wieder vom Gegensatz der schönen, reichen Arbeitgeber und der mittellosen Millie. Die Überraschungsmomente sind deshalb nicht so verblüffend. Zudem sind die Hintergründe zu den Personen und die Motive für die Taten oberflächlich und von simpler Gier und Rachegelüsten geprägt, was die Antagonisten eindimensional erscheinen lässt.

"Sie kann dich hören" ist trotz weniger Nervenkitzel ein unterhaltsamer Thriller, reicht jedoch nicht an die Originalität des Vorgängerromans heran.

Der dritte Teil "Sie wird dich finden" erscheint am 13. November 2024 und handelt einige Jahre später, als Millies Vergangenheit sie erneut einzuholen scheint.

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Veröffentlicht am 02.09.2024

Die Auswirkungen von Trauer auf vier Schwestern und ihr gemeinsamer Weg zur Heilung. Authentische Beschreibung seelischen Schmerzes bis zu einem sehr kitschigen Ende.

Blue Sisters
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Avery, Bonnie und Lucky erhalten eine Nachricht von ihrer Mutter, dass sie die Wohnung in New York verkaufen möchte, in der die Schwestern aufgewachsen sind. Sie bekommen damit die Gelegenheit die Sachen ...

Avery, Bonnie und Lucky erhalten eine Nachricht von ihrer Mutter, dass sie die Wohnung in New York verkaufen möchte, in der die Schwestern aufgewachsen sind. Sie bekommen damit die Gelegenheit die Sachen durchzusehen, die noch von Nicky dort sind, ihrer vor einem Jahr verstorbenen Schwester.
Die drei jungen Frauen führen unterschiedliche Leben an unterschiedlichen Orten, trauern um die Schwester und versuchen den Schmerz auf ihre Weise zu überdecken. Alkohol, Drogen, Kleptomanie, exzessiver Sport und ein Ausbrechen aus dem Alltag sind bezeichnend. Jede von ihnen legt ein selbstzerstörerisches Verhalten an den Tag, sabotiert ihre Beziehungen oder macht sich körperlich kaputt. Schuld ist die Trauer um die verstorbene Schwester, aber auch die Auswirkungen des Aufwachsens innerhalb einer dysfunktionalen Familie.

Der Roman ist abwechselnd aus der Sicht der drei Schwestern zwischen 27 und 33 Jahren geschrieben. Durch die langen Kapitel taucht man intensiv in die Leben jeder einzelnen ein und kann ihr Verhalten und ihr Denken anschaulich und schmerzhaft nachempfinden. Jede hat eine Rolle, die sie (widerwillig) einnimmt. Avery ist die Älteste, die zum Mutterersatz geworden ist, Bonnie ist die Starke, die ein sicherer Halt ist und Lucky das Nesthäkchen und Sorgenkind. Geprägt von einer schwierigen Kindheit, ist die Flucht in ein Suchtverhalten fast schon die natürliche Folge, waren die Eltern doch kein besseres Vorbild.

"Aber ihre Familie war nicht normal. Sucht floss durch ihre Adern wie Elektrizität durch einen Stromkreis."

Die Auswirkungen des plötzlichen Verlusts sind eindringlich zu spüren. Die Schwestern sind aus dem Gleichgewicht gebracht, vermissen die vierte im Bunde und machen sich gar Vorwürfe, nicht genug für sie dagewesen zu sein. Avery flüchtet sich in die Arbeit und distanziert sich von ihrer Frau, Bonnie gibt ihre Leidenschaft, das Boxen, auf und Lucky hadert damit, nur auf ihr Äußeres reduziert zu werden und torpediert ihre Karriere als Model.
Die Schwestern lieben und hassen sich gleichzeitig. Sie sind sich nicht egal und schaffen es deshalb, sich gegenseitig zu verletzen.

"Blue Sisters" handelt neben der Trauer und der Flucht in einen anderen, leichter erträglichen Schmerz, von Schwesternschaft und dem festen Band, das verbindet. Es ist keine Wohlfühllektüre, denn im Vordergrund stehen die Gefühle der Trauer und der Wut. Dennoch hegt man die Hoffnung, dass die Schwestern, wenn sie in New York zusammenkommen, von Nicky Abschied nehmen und einen gemeinsamen Weg finden, um mit ihrer Trauer umzugehen und auf sich selbst zu achten.
Die Geschichte ist über weite Teile nur schwer erträglich, endet jedoch versöhnlich und zeichnet eine realistische Entwicklung jeder einzelnen Figur und der Schwesternbeziehungen untereinander, auch wenn der Epilog ein wenig ins Kitschige driftet.

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Veröffentlicht am 22.08.2024

Roadtrip zur Selbstfindung - inspirierende Sommerlektüre mit etwas idealistischem Ende.

Immer am Meer entlang
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Josi, die an der Ostsee verwurzelt ist und mit ihren Eltern nach Süddeutschland gezogen ist, träumt seit ihrer Kindheit von einem Roadtrip- immer am Meer entlang. Der Traum wird an ihrem 30. Geburtstag ...

Josi, die an der Ostsee verwurzelt ist und mit ihren Eltern nach Süddeutschland gezogen ist, träumt seit ihrer Kindheit von einem Roadtrip- immer am Meer entlang. Der Traum wird an ihrem 30. Geburtstag wahr, als sie sich eine berufliche Auszeit nimmt. Ein Sabbatical im Bulli an der Küste Europas, nur sie selbst und eine Auszeit, um durchzuatmen und Gewissheit zu erhalten, wie es anschließend für Sie weitergehen soll.
Paul, der keine Freude mehr an seiner Arbeit empfindet und unter der Trennung seiner Verlobten leidet, entschließt sich nach einem inspirierenden Vortrag für einen Roadtrip. Er kündigt seinen Job, kauft sich einen Landrover und macht sich auf den Weg.

Der Roman ist in kurzen Kapiteln abwechselnd aus der Perspektive von Josi und Paul geschrieben, die sich zufällig auf ihrer ersten Station in Frankreich begegnen und nach einem holprigen Start schnell Sympathien für einander empfinden. Nach einem Zufall treffen sie sich im weiteren Verlauf gezielt wieder, um sich bei Problemen Hilfe zu leisten oder hinterlassen an bereisten Orten Botschaften für den anderen. Beide empfinden eine Sehnsucht für einander, möchten Kontakt jedoch auf einer freundschaftlichen Basis belassen, um ihre Ziele der Reise nicht aus den Augen zu verlieren, schließlich möchten sie sich ganz auf sich selbst konzentrieren.
Die Geschichte führt die/ den LeserIn über Frankreich nach Portugal, Spanien, Italien, Griechenland und bis zum vorläufigen Stopp in Schottland. Bekannte Sehenswürdigkeiten werden auf der Route abgeklappert, aber überwiegend bewegen sich die beiden, inspiriert von Einheimischen, mit denen sie leicht in Kontakt kommen, abseits der Touristenpfade.
Sie besinnen sich auf die einfachen Dinge, auf ein rustikales Leben, lernen kleinen Luxus zu schätzen und ohne blinden Aktionismus und Reizüberflutung in den Tag hineinzuleben. Mit dem Abstand von Zuhause, kommen sie sich selbst näher.
"Immer am Meer entlang" ist ein Reiseroman, bei dem man die Freiheit spürt und zusammen mit Josi und Paul Eindrücke von unterwegs sammelt: Natur, Flora und Fauna, die Mentalität der Einheimischen bis hin zu landestypischen Lebensmitteln und Gerichten.

Die Geschichte um einen Roadtrip zur Selbstfindung entwickelt sich nicht überraschend, sondern erwartungsgemäß. Es geht um die Verwirklichung eines Lebenstraums und die Überwindung eines Bore-outs, um innezuhalten, Kraft zu tanken und die Segel neu zusetzen. Die Liebesgeschichte ist hintergründig und entwickelt sich aufgrund der Zurückhaltung der Hauptfiguren, die es sich gegen Ende unnötig schwer machen, gemächlich.
Freundschaft spielt eine wichtige Rolle, denn sowohl Josi als auch Paul haben trotz ihrer Solo-Reise beständige Freunde an ihrer Seite, auf die sie zählen können sowie der Mut, seine Träume zu leben.

Weiterhin sind die Gegensätze sehr schön zu spüren, die eine solche abenteuerliche Reise begleiten: Entspannung und Anspannung, Wunsch nach Ruhe versus Einsamkeit, alleinige Verantwortung und befreiendes Abenteuer, Müdigkeit und Aufregung, Sehnsucht nach dem Vertrauten und Angst vor dem Alltag.

Die Geschichte ist unterhaltsam und inspirierend und die passende Lektüre für unterwegs und den Sommer, ohne großen Anspruch an eine tiefergehende Auseinandersetzung mit den Problemen der Protagonisten zu erheben. Das Ende ist dann vielleicht auch etwas idealistisch.

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Veröffentlicht am 20.08.2024

Komplexer Kriminalfall mit problembehafteten Ermittlern, der sich unerwartet entwickelt.

Tode, die wir sterben
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Im sozialen Brennpunkt Malmös wird ein 13-jähriger Junge erschossen. Alles deutet darauf hin, dass das Kind bedauerliches Opfer eines Bandenkrieges wurde. Jon Nordh, Ermittler der Mordkommission, soll ...

Im sozialen Brennpunkt Malmös wird ein 13-jähriger Junge erschossen. Alles deutet darauf hin, dass das Kind bedauerliches Opfer eines Bandenkrieges wurde. Jon Nordh, Ermittler der Mordkommission, soll den Fall übernehmen und endlich ein Zeichen gegen die schwelende Bandenkriminalität setzen. An seine Seite wird ihm Svea Karhuu gestellt, die aus dem Norden nach Malmö zwangsversetzt wurde.
Beide haben mit ihrer unmittelbaren Vergangenheit zu kämpfen, geraten aber als ein weiterer Mord passiert zunehmend unter Druck den Fall zu lösen. Da es sich bei dem zweiten Todesopfer erneut um eine Person mit Migrationshintergrund handelt, werden Vermutungen laut, dass es sich bei dem Schützen um einen "Lasermann 2.0" mit rechtsradikalem Hintergrund handeln könnte.

"Tode, die wir sterben" ist der erste Band einer Krimireihe des Autorenduos Roman Voosen und Kerstin Signe Danielsson. Männliche Hauptfigur ist der verbitterte Witwer und alleinerziehende Vater Jon Nordh, der den Kriminalfall aus dem Milieu des Bandenkrieges nur aufgrund eines Deals mit seiner Chefin übernommen hatte. Als Gegenleistung verlangt er die Ermittlungsakte über den Unfalltod seiner Ehefrau. Weibliche Hauptfigur ist die ehemalige verdeckte Ermittlerin Svea Karhuu, die in Notwehr einen Kollegen getötet hat und deshalb in Stockholm in Verruf geraten ist.

Da beide Figuren Wunden zu lecken haben, spielt neben den Ermittlungen in dem Kriminalfall auch das Privatleben zur Charakterisierung und zur Einführung der Figuren eine nicht unwesentliche Rolle.
Dennoch ist der Kriminalfall spannend aufgebaut. Die Ermittlungen in einem Milieu aus rivalisierenden Banden, Organisierter Kriminalität und Kindern, die schon früh für kriminelle Zwecke missbraucht werden, sind schwierig. Zudem ist das Motiv des Täters nicht so offensichtlich wie es zunächst scheint, so dass die Tätersuche wiederholt ins Stocken gerät und Nordh und Karhuu in Rechtfertigungsnot geraten. Der Kriminalfall nimmt politische Dimensionen an, mit denen so nicht zu rechnen war.

Die Tötung eines Kindes weckt Emotionen, genauso wie die Umstände aus Armut, Fremdenhass, sozialer Ungleichheit und Vorurteilen, in denen sich die Kriminalfälle bewegen. Mit Nordh und Karhuu treffen zudem zwei Charaktere auf einander, die von ihrer Herkunft und Erfahrung ungleich sind, was die Ermittlungen lebendig gestaltet. Als Ermittlungsduo müssen sie erst zusammenwachsen, weshalb sie mitunter getrennte Wege gehen und ihre eigenen Vermutungen anstellen.

Ein zweiter Erzählstrang handelt von zwei Jungen aus dem Problembezirk und schildert eindringlich, wie schwierig der Aufstieg aus sozialen Milieus ist und wie vorgezeichnet die Lebensläufe dort überwiegend sind.

Der Fall ist komplex und bis zur endgültigen Lösung nur schwer zu durchdringen, worunter die Spannung am Ende ein wenig leidet. Der politische Hintergrund ist hingegen brandaktuell und gestaltet auch das Zusammenspiel der Ermittler mit ihren unterschiedlichen persönlichen Hintergründen interessant. Die Ermittlungen sind authentisch und die Hauptfiguren mit ihren Stärken und Schwächen individuell gestaltet, auch wenn die Probleme von Nordh ein wenig zu häufig wiederholt werden.
Band 1 ist ein vielversprechender Auftakt und lässt gespannt auf Band 2 "Schwüre, die wir brechen" warten, der voraussichtlich im August 2025 erscheint.

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