Wow. Das war doch mal gar nicht so gut.
Your Eyes on Me – Based on Alexa's True Story
Mit „Your eyes on me“ machen Leonie Lastella und Storygeberin Alexa den Anfang des Konzepts von Heartlines – AutorInnen schreiben Romane, die von echten L(i)ebensgeschichten inspiriert sind.
Und tja, ...
Mit „Your eyes on me“ machen Leonie Lastella und Storygeberin Alexa den Anfang des Konzepts von Heartlines – AutorInnen schreiben Romane, die von echten L(i)ebensgeschichten inspiriert sind.
Und tja, bei Body Positivity, Mental Health und Selflove bin ich immer dabei, ist die Repräsentation doch einfach unglaublich wichtig.
Während die Plus-Size-Studentin Alea mit drei FreundInnen in einer Villa, die aktuell ein Makeover erfährt, wohnt und das Leben als Teil der bunten WG liebt, ist bei Titus die Luft raus. Denn obgleich er jeden Tag in eine Designer-Wohnung kommt, ist alles mehr Schein als Sein. Als Fitnessinfluencer ist sein Content makellos und zeigt disziplinierte Perfektion, und steht damit im harten Kontrast zu Aleas Botschaften: Body Positivity. Als Jasper seine MitbewohnerInnen bittet, seinen Kumpel in der Villa aufzunehmen, schwant Alea Böses, immerhin kennt sie Titus’ Partnerin…
Erzählt wird aus wechselnder Perspektive, sodass im Verlauf Bruchstücke der Vergangenheiten, der Ursprung von Wut, Misstrauen und (Selbst)Zweifeln (…) ans Licht kommen. Doch diese Informationen ändern leider nichts daran, dass viele der kontroversen Verhaltensweisen und Aussagen ebenso unglaubwürdig scheinen wie die flache Lovestory.
Alea, die auf ihrem Social-Media-Kanal von Selbstliebe- und akzeptanz predigt, die Schönheit des Einzelnen hervorhebt, wirkt nicht, als würde sie das gegenüber ihrem eigenen Spiegelbild empfinden. Ihre vermeintliche Stärke hält sie dadurch aufrecht, dass sie niemanden nah an sich heranlässt. Dabei bröckelt Aleas selbstbewusste Fassade jedes Mal ein Stück mehr, wenn sie ihrem Gewicht mehr Raum gibt, als es tatsächlich einnimmt. Ohne sich einen Moment zu nehmen, um ihren neuen Mitbewohner auf Zeit kennenzulernen, fühlt sie sich durch jede Geste, jedes Wort angegriffen, ist defensiv, wirkt vorverurteilend – nicht, als hätte sie die Sicherheit, den inneren Frieden, mit dem sie sich online schmückt. Zwar ist das in der Realität keine Seltenheit, jedoch fehlte mir in einem Roman, der sich um diese sensiblen Themen dreht, damit wirbt, die nötige Ernst- und Glaubhaftigkeit. Titus ist ein durchtrainierter Fitnessinfluencer, der mit seinem Content motivieren, jedoch nicht optimieren will. Mithilfe seiner Ex hat er sich einen Namen gemacht, sich etwas aufgebaut – und ist auf das Geld aus den Kooperationen angewiesen. Aber der Sport war schon immer mehr für ihn, ein Ventil, etwas, durch das er zumindest in einem Bereich seines Lebens die Kontrolle hat.
Abgesehen davon, dass ich die Umsetzung von
selflove und
bodypositivity nicht optimal fand, war auch der romantische Strang ein blasser. Weder fand eine wirkliche zwischenmenschliche Entwicklung statt noch gab es nennenswerte Gefühle, kein Kribbeln, kein Prickeln. Plumpe Fast-Burn mit typischen Missverständnissen.Auch Lastellas Stil konnte mich nicht überzeugen, war dieser doch sehr, sehr einfach, regelrecht salopp gehalten, geizte an Raffinesse und Abwechslung.
Dass beide Protagonisten mit problematischen Vergangenheiten kämpfen, lässt die LeserInnen zwar ihr Verhalten, die Verletzlichkeit, die Angst vor Nähe, Einsamkeit, Zurückweisung (…) nachvollziehen, ändert jedoch nichts daran, dass es den Figuren an markanten Eigenschaften mangelte. Wichtige Botschaften wurden in 0815-Phrasen, in bereits tausendmal gelesenen Motivationssprüchen ausgedrückt – sei es im Text oder als Kapitelüberschrift – und haben meines Erachtens nach keinen neuen, bestärkenden Mehrwert.
Hingegen mochte ich das Found-Family-Trope – die Idee mit der Villa, in der Fremde zu Freunden, zu einer kuscheligen, diversen und bunten WG wurden.
Fazit: Ich hatte hohe Erwartungen, die in keiner Weise erfüllt wurden.