Das Dumont-Reise-Taschenbuch „Rügen, Hiddensee & Stralsund“ hat sich in unserem Ostsee-Urlaub absolut bewährt. Allerhand interessante Beiträge unter der Rubrik „Magazin“ über Geschichte und Gesellschaft, ...
Das Dumont-Reise-Taschenbuch „Rügen, Hiddensee & Stralsund“ hat sich in unserem Ostsee-Urlaub absolut bewährt. Allerhand interessante Beiträge unter der Rubrik „Magazin“ über Geschichte und Gesellschaft, umfangreiches Kartenmaterial zum Herausnehmen, ein kleines Wörterbuch Plattdeutsch – Deutsch und traumhafte Fotos sind es, die das Reise-Taschenbuch zu dem machen, was es ist: Eine perfekte Mischung aus Reiseführer und Urlaubs-Lesebuch, in dem man nicht nur dann gerne blättert, wenn man mit der Planung des nächsten Urlaubstags beschäftigt ist.
Zum Glück gibt es aktuell noch 34 weitere Titel, denn zukünftig werden die DuMont-Reise-Taschenbücher für mich wohl zu unverzichtbaren Urlaubsbegleitern werden.
Clayton Stumper ist der älteste 25-Jährige der Welt. Aber das ist wohl auch kein Wunder, denn schließlich ist er in der Gemeinschaft der Rätselmacher aufgewachsen. Das ist eine illustre Gesellschaft, die ...
Clayton Stumper ist der älteste 25-Jährige der Welt. Aber das ist wohl auch kein Wunder, denn schließlich ist er in der Gemeinschaft der Rätselmacher aufgewachsen. Das ist eine illustre Gesellschaft, die 1979 gegründet wurde und inzwischen aus lauter Rätsel-Enthusiasten weit jenseits der Achtzig besteht – und eben aus Clayton selbst. Er wurde als Baby vor dem Eingang von Creighton Hall gefunden, einem alten Herrenhaus, in dem die Gemeinschaft der Rätselmacher einer Kommune gleich lebt. Als Pippa Allsbrook, die Gründerin der Gemeinschaft und Claytons Ziehmutter, stirbt, hinterlässt sie Clayton allerhand mysteriöse Aufgaben in Form von Rätseln, die er lösen muss, um zu erfahren, woher er kommt und wer seine leiblichen Eltern sind. Eine ebenso knifflige wie aufregende Schnitzeljagd beginnt, die das Landei in die Metropolen London und Amsterdam führt. Das titelgebende größte Rätsel aller Zeiten löst man eben nicht mal so nebenbei.
Samuel Burrs Debütroman „Das größte Rätsel aller Zeiten“, gerade frisch erschienen im DuMont Buchverlag am 13. August 2024, ist ein ganz besonderes Buch. Es unterhält nicht nur wunderbar mit einer perfekten Mischung aus Humor und Wehmut, der Leser kann sogar eifrig selbst miträtseln, indem er beispielsweise gemeinsam mit Hauptperson Clayton Kreuzworträtsel löst.
Der Roman, in Großbritannien unter dem Originaltitel „The Fellowship Of Puzzlemakers“ erschienen, wurde von Übersetzer Karl-Heinz Ebnet so fantastisch ins Deutsche übertragen, dass nichts vom britischen Charme dieser Geschichte verloren geht. Natürlich wird jede Menge Tee getrunken und auch die ewig währende Debatte, ob zuerst die Marmelade oder die Clotted Cream auf die traditionellen Scones gestrichen wird, darf nicht fehlen. Hinreißend und Very British!
Am Anfang hatte ich die Sorge, ob ich all die Rätselmacher, die in der Kommune in Bedfordshire leben, auseinanderhalten kann, aber die war unbegründet. Samuel Burr hat so viele schillernde und einzigartige Charaktere geschaffen, dass es einem nicht schwerfällt, da durchzublicken. Außerdem kann man jederzeit zum Mitgliederverzeichnis der Gemeinschaft auf Seite 7 zurückblättern. Die Dialoge der handelnden Personen sind filmreif! Wie aus der Pistole geschossen unterhalten sich die Protagonisten.
Der Autor erzählt die Geschichte in zwei parallelen Strängen – einerseits beleuchtet er die Gründungszeit der Gemeinschaft von 1979 an bis zum Jahr 1991, als Säugling Clayton in der ominösen Hutschachtel entdeckt wird, während der andere Erzählstrang sich der Gegenwart widmet. Wie bei einem Puzzle setzen sich nach und nach die Teile zusammen – bis hin zur wirklich überraschenden Auflösung.
„Das größte Rätsel aller Zeiten“ ist ein wunderbarer Roman, der die Themen Freundschaft, Liebe und Selbstfindung auf mitreißende Art und Weise in den Fokus stellt. Es ist ein Buch zum Wegträumen aus dem Alltag, denn die Geschichte ist so lebendig und bildhaft erzählt, dass man sich selbst unter den ausladenden Ästen der großen Trauerweide im Labyrinth von Creighton Hall wähnt.
Mein Fazit: Dieses Buch macht unglaublichen Spaß und niemals wird die Story öde – das perfekte Geschenk für liebe Menschen, die gern lesen, und auch für sich selbst.
Das Setting: unheimlich. Die Charaktere: unverwechselbar. Der Schreibstil: mitreißend. Fazit: Mein Buch des Jahres!
Im Juni 2024 versinkt das kleine Örtchen Unterlingen in den Wassermassen einer Jahrhundertflut. ...
Das Setting: unheimlich. Die Charaktere: unverwechselbar. Der Schreibstil: mitreißend. Fazit: Mein Buch des Jahres!
Im Juni 2024 versinkt das kleine Örtchen Unterlingen in den Wassermassen einer Jahrhundertflut. Die Bewohner flüchten, werden evakuiert. Eine aber bleibt zurück, als Einzige: Gudelia Krol. Sie ist verwitet, bereits über achtzig Jahre alt und kämpft sich ohne fließendes Wasser und ohne Strom durch einsame Tage und Nächte. Für sie steht fest, dass sie ihr Haus nicht verlassen wird. Zumindest nicht lebend.
Die Wassermassen reißen alles mit sich, was sich ihnen in den Weg stellt. Häuser, Autos, Verkehrsschilder, die Schweine von Bauer Becker – und auch zwei Menschen. Mit gefesselten Händen treiben die beiden Leichen an Gudelias Haus vorbei. Sie ist nicht nur die einzige Übriggebliebene in ihrer Wohnsiedlung – sie ist auch die einzige Zeugin in einem offensichtlichen Tötungsdelikt. Doch wird man der alten Frau glauben?
Mit „Das Haus in dem Gudelia stirbt“ debütiert der Autor Thomas Knüwer heute, am 21. August 2024, im Bielefelder Pendragon Verlag. Und wie! Düstere Endzeitstimmung liegt über seinem Buch, in dem sich viele Szenen auf dem Unterlingener Friedhof abspielen. Der Tod ist ein ständiger Begleiter in diesem Roman.
Thomas Knüwer erzählt die unfassbare Geschichte einer starken Frau, die 1987 mit dem gewaltsamen Tod ihres Sohnes und während ihrer langjährigen Ehe mit einem Alkoholiker, der 1998 starb, vom Schicksal hart geprüft wurde.
Als „packend“ und „fesselnd“ werden spannende Bücher gern inflationär beschrieben, doch wenn ein Buch diese beiden Bezeichnungen wirklich und wahrhaftig verdient hat, dann „Das Haus in dem Gudelia stirbt“. Man kann das Buch schlicht nicht aus der Hand legen. Ja, auch das ist ebenfalls eine gerne genommene Metapher bei Buchrezensionen, aber in diesem Fall gibt es keine treffendere Formulierung.
Die angenehm kurzen Kapitel spielen abwechselnd in Gudelias Schicksalsjahren 1987, 1998 und 2024. Ermittler existieren in diesem fulminanten Krimi-Schicksals-Thriller nur als Komparsen am Rande – und das ist gut so. Gudelia ist eine so interessante Hauptfigur, dass ihr Leben und das ihrer kleinen Familie völlig genügt, um die Spannung von Anfang bis Ende aufrechtzuerhalten.
Thomas Knüwer schaut nicht nur mit entlarvendem Blick hinter die Spitzengardinen der gutbürgerlichen Wohnsiedlung, er geht auch über Grenzen, indem er Unfassbares in ebenso nüchterne wie gewaltige Worte kleidet.
„Das Haus in dem Gudelia stirbt“ sticht auf faszinierende Weise aus den gängigen Geschichten im Spannungsgenre heraus. Kurzum: Ein absolutes Juwel, das mich derart begeistert hat, dass es schon jetzt mein Buch des Jahres ist!
Mit "Tigermilch" gelang Stefanie de Velasco 2013 ein fulminantes Debüt. 2019 wurde "Kein Teil der Welt" veröffentlicht. Mit "Das Gras auf unserer Seite" erschien am 7. März 2024 bei Kiepenheuer & Witsch ...
Mit "Tigermilch" gelang Stefanie de Velasco 2013 ein fulminantes Debüt. 2019 wurde "Kein Teil der Welt" veröffentlicht. Mit "Das Gras auf unserer Seite" erschien am 7. März 2024 bei Kiepenheuer & Witsch der dritte Roman aus der Feder der in Oberhausen geborenen Autorin.
Im Fokus ihrer Geschichte stehen Grit, Charly und Kessie - drei Frauen im "besten Alter", wie man landläufig sagen würde. Soll heißen: Drei Frauen in ihren Vierzigern. Sie befinden sich in einem Alter, das irgendwo dazwischen liegt - einerseits ist es noch nicht zu spät dafür, selbst ein Kind zu bekommen, andererseits ist da schon die Pflegebedürftigkeit der eigenen Eltern. Ja, die drei Protagonistinnen sind also im mittleren Alter, aber von Häkeldeckchen und der Schrankwand in Eiche rustikal glücklicherweise so weit entfernt wie Italien vom aktuellen EM-Titel. (Vielleicht würde dieser Vergleich der spanischstämmigen Stefanie de Velasco ein Schmunzeln entlocken.)
Mit Grit, Charly und Kessie hat die Autorin drei unverwechselbare und originelle Figuren geschaffen, die so gar nicht ins gesellschaftliche Weltbild passen: Nichts mit Ehe, Kindern, Doppelhaushälfte und dem Angekommen-Sein. Stattdessen suchen alle drei noch nach ihrem Platz im Leben. Dabei halten die Freundinnen fest zusammen - was immer da auch kommen möge. In ihrer WhatsApp-Gruppe "Dogville" wird der Leser von "Das Gras auf unserer Seite" Zeuge ihrer offenen, manchmal derben, aber doch immer liebevollen Kommunikation. Die "Dogville"-Nachrichtenverläufe bringen Extra-Schwung in die einzelnen Kapitel und führen dazu, dass man sich den drei Frauen noch näher fühlt. Der Name "Dogville" rührt übrigens von der Liebe des Dreiergespanns zu Hunden. Grit schreibt beispielsweise Verse für Hündinnen, die vor den einzelnen Kapiteln für ein Lächeln auf den Lippen der Leserschaft sorgen.
Jede der Freundinnen hat ihr Päckchen zu tragen, wie man so schön sagt. Während Kessie die Wohnung ihrer Mutter ausräumt, da die alte Dame ins Pflegeheim musste, und Grit sich fragt, ob es wirklich eine gute Idee wäre, in ihrer Beziehung mit Anno den nächsten Schritt zu wagen und mit ihm zusammenzuziehen, steht Charly vor dem Problem, dass sie schwanger ist und nicht genau weiß, von wem.
Vor dieser Ausgangslage begleiten wir als Leser die Freundinnen auf 256 durchgehend unterhaltsamen und amüsanten Seiten. Ins Genre "Frauenroman" lässt sich "Das Gras auf unserer Seite" aber nicht pressen, denn das wäre einfach zu platt. Und platt ist dieses wunderbare Buch überhaupt nicht. Obwohl mit lockerem Mundwerk und herrlich rampensaumäßig erzählt, verbirgt sich doch eine große Frage hinter der Geschichte: Wo soll es noch hingehen in unserem Leben?
Und so stehen wir gemeinsam mit Grit, Kessie und Charly an verschiedenen Weggabelungen des Lebens, sind gespannt, wohin sie abbiegen werden und fiebern mit - bis zum wirklich schönen und kreativen Ende des Buchs.
Lennart Adam ist nicht nur Journalist, sondern auch ausgesprochen reiselustig. Dabei sind Pauschalurlaube allerdings überhaupt nicht sein Ding. Der "Friesenjung" erkundet mit Vorliebe Länder, die beim ...
Lennart Adam ist nicht nur Journalist, sondern auch ausgesprochen reiselustig. Dabei sind Pauschalurlaube allerdings überhaupt nicht sein Ding. Der "Friesenjung" erkundet mit Vorliebe Länder, die beim Durchschnitts-Touristen nicht so weit oben auf der Bucket-List stehen dürften - wie den Irak, den Kosovo und Uganda zum Beispiel.
Während andere Urlauber Muscheln sammeln, sammelt Lennart Adam Bar-Besuche. Denn die sind für ihn Pflicht, ganz egal, an welchem Ende der Erde er sich gerade befindet. Am Tresen lernt der Autor Land und Leute aus einer ganz anderen Perspektive kennen. Und die steht garantiert in keinem Reiseführer!
Mit "Auf ein Bier bleibe ich noch - Bargeschichten von Teheran bis Havanna" hat Lennart Adam sein erstes Buch veröffentlicht. Erschienen ist es bei Reisedepeschen, einem noch jungen unabhängigen Verlag, der 2018 aus einem Reiseblog hervorgegangen ist und handverlesene Lektüre für Reiselustige und vom Fernweh Befallene bietet.
In seinem 304-seitigen Erstling nimmt uns Lennart Adam in 23 Kurzgeschichten mit an die Theken dieser Welt. Mal schick und erlesen, mal nur mit einem Wellblechdach vor den Unbilden des Wetters geschützt - Bar ist eben nicht gleich Bar.
Die Art und Weise, mit der Lennart Adam erzählt, ist einfach zum Niederknien. Er berichtet mit viel Humor, einer gehörigen Portion Selbstironie und durchweg fesselnd von seinen promillehaltigen Abenteuern, die spätestens dann richtig losgehen, wenn er sich mal wieder sagt: "Auf ein Bier bleibe ich noch".
Aber es geht bei Weitem nicht nur um Bier, Bars, Jux und Dallerei in Lennart Adams Reisebericht der ganz anderen Art. Unverhohlen geht er auf Missstände und Vorurteile ein, auf die er in einigen Ländern trifft. Auch vor gesellschaftlicher Kritik scheut sich der Autor nicht. Es geht um Glaubensfragen und Krieg, um Völkermord und Unterdrückung.
Ob witzig oder ernsthaft: Lennart Adam trifft immer den richtigen Ton - wirklich faszinierend! Und während man mit dem passionierten Biertrinker um die Welt reist, zuckt man kurz zusammen, wenn man nebenbei auf die Seitenzahl schielt und dann erstaunt ruft: "Waaaas? Schon Seite 117? Ich hab doch grad erst angefangen mit dem Buch." Kein Witz, das ist mir tatsächlich so gegangen.
Besonders hervorheben muss ich die liebevolle Aufmachung von "Auf ein Bier bleibe ich noch". Den Kapiteln voraus geht stets eine bebilderte Doppelseite mit Erinnerungsstücken und handschriftlichen Aufzeichnungen des Autors.
Dieses Buch ist wirklich etwas ganz Besonderes und eignet sich nicht nur hervorragend zum Selberlesen, sondern auch als perfektes Geschenk für Weltenbummler und solche, die es werden wollen.
Und Lennart Adam? Der reist und schreibt in der Zwischenzeit hoffentlich weiter, denn mit Sicherheit warten noch ganz viele Bars und Geschichten auf ihn - und ich auf weitere Erzählungen aus seiner Feder.