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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.07.2025

Geschmackssache

Gefährliche Aussicht
2

Eine hochschwangere Frau stürzt aus dem Dachfenster ihres Landhauses in Saint-André und stirbt kurz darauf. Schon bald wird klar, dass es sich dabei nicht um einen Unfall handelt. Kommissarin Marie Mercier ...

Eine hochschwangere Frau stürzt aus dem Dachfenster ihres Landhauses in Saint-André und stirbt kurz darauf. Schon bald wird klar, dass es sich dabei nicht um einen Unfall handelt. Kommissarin Marie Mercier und ihr Mitarbeiter Richard Martin nehmen die Ermittlungen auf. Es gibt eine Reihe von Verdächtigen, aber jeder von ihnen hat ein hieb- und stichfestes Alibi. Im Laufe der folgenden Tage offenbaren sich erbitterte Rivalitäten zwischen den Dorfbewohnern, es bröckelt an der Fassade des nach außen hin so harmonischen Miteinanders. Und dann wird der Hauptverdächtige ermordet aufgefunden.

Ohne Zweifel ist dieser fünfte Band der Périgord-Krimireihe spannender und atemloser als der vorhergehende. Zu sagen, dass sich in der beschaulichen Dorfgemeinschaft Abgründe auftun, wäre eine Untertreibung. Dennoch bietet die Autorin wieder herzerwärmende und humorvolle Einlagen. Das Leben in Saint-André fühlt sich zum Greifen nah an, bezaubernde Landschafts- und Milieuschilderungen ziehen den Leser in ihren Bann. Soweit zur ersten Hälfte des Romans.

Danach ärgern mich etliche spießbürgerlich-kleinkarierte Ansichten und Äußerungen der beiden Ermittler, die mir dadurch zunehmend unsympathisch werden. Und die Todesursache beim zweiten Mord ist hanebüchen. Peinlich.

Im Großen und Ganzen liest sich dieser Périgord-Krimi angenehm, das Cover ist wunderschön, und das Buch liegt gut in der Hand. Ich persönlich hätte mir jedoch in Bezug auf die liebevoll beschriebenen Delikatessen mehr Sensibilität gegenüber den auf Achtsamkeit und Tierwohl bedachten Lesern gewünscht.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 10.02.2025

Nicht der große Wurf

Der Seher
0

Ein vermeintlicher Schatz unter dem Dresdner Zwinger führt zu einem tödlichen Streit zwischen zwei Bauarbeitern. Doch in der vergrabenen Zeitkapsel finden sich keine Reichtümer, sondern die Knochen eines ...

Ein vermeintlicher Schatz unter dem Dresdner Zwinger führt zu einem tödlichen Streit zwischen zwei Bauarbeitern. Doch in der vergrabenen Zeitkapsel finden sich keine Reichtümer, sondern die Knochen eines Kleinkindes. Schon bald ermittelt der Kryptologe Arne Stiller, dass es sich dabei um den vor siebzehn Jahren verschwundenen Säugling Jan Köpke handelt. In der Zeitkapsel ist ein Code eingraviert, der nicht zu knacken ist. Und dann ist da noch der selbsternannte Seher Moritz Schrader. Er drängt sich der Dresdner Kripo auf, will dabei helfen, diesen Fall und den des kürzlich entführten Kleinkindes Tibor zu lösen. Aber Stiller lehnt diese Zusammenarbeit rigoros ab. Ein Fehler?

Was in rasantem Erzähltempo und mit viel Spannung beginnt, versandet leider allzu schnell in klischeehaften Wendungen. Die Figur des Arne Stiller erscheint mir eher wie dessen Karikatur. Seine Weigerung, eine Zusammenarbeit mit dem Seher auch nur in Erwägung zu ziehen, kommt genauso kindisch rüber wie das Auftreten seiner neuen Praktikantin. Die Passagen, in denen der Täter vorgestellt wird, sind nebulös, seine Beweggründe bleiben zwischen den Zeilen verborgen. Die Auflösung am Ende des Romans ist schlicht unglaubwürdig. Schade. Dabei hatte der Anfang durchaus Potential, eine spätere Szene ist aus einer originellen Erzählperspektive heraus geschrieben. Doch auch hier hat sich der Autor in Binsenweisheiten verrannt. Noch schader.

Ich hoffe, der nächste Arne-Stiller-Thriller wird wieder die gewohnt schnoddrige Erzählweise liefern, die wir Stammleser so schätzen. Das hier war leider nichts.

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Veröffentlicht am 09.11.2024

Finster und grausam

Frevel
0

In diesem historischen Thriller aus dem Frankfurt des beginnenden 19. Jahrhunderts trifft der feinsinnige Zeitungsschreiber Johann auf die abgebrühte Manon, Tochter eines Mitglieds des Collegium Medicinum. ...

In diesem historischen Thriller aus dem Frankfurt des beginnenden 19. Jahrhunderts trifft der feinsinnige Zeitungsschreiber Johann auf die abgebrühte Manon, Tochter eines Mitglieds des Collegium Medicinum. Manons Vater ist besessen davon, durch das Sezieren von Toten wichtige Erkenntnisse für die Medizin zu gewinnen, der verstorbene Mensch als Individuum interessiert ihn nicht. Eigentlich ist es Johanns Aufgabe, für den Frankfurter Korrespondenten bluttriefende Berichte über Mordfälle zu schreiben, aber dann stolpern die beiden jungen Leute mitten hinein in eine grausige Mordserie.

Als Leser tauchen wir tief ein in das blutrünstige, pralle, derbe und gewalttätige alte Frankfurt. Bietet das erste Kapitel noch einen spektakulären Anfang mit einem gelungenen Cliffhanger, so spinnt die Autorin diesen Faden leider nicht weiter. Die aufregende Szene endet abrupt. Stattdessen reihen sich voneinander unabhängige Kapitel aneinander. Zweifellos ist die Autorin sprachgewaltig, sie verfügt über profunde historische Kenntnisse, aber dabei konzentriert sie sich auf grausige Einzelheiten. Hinrichtungen und Verstümmelungen werden in liebevollen Details beschrieben. Man hat das Gefühl, die Menschen damals lebten in fortwährender Angst und ohne jede Freude. Auch mit den beiden Hauptfiguren bin ich nicht warm geworden. Und der Erzählstil ist mitunter holprig, was das Lesen erschwert und der Spannung leider abträglich ist.

Alles in allem konnte mich dieser Thriller nicht fesseln.

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Veröffentlicht am 01.09.2024

Etwas enttäuschend

Schwarze Dame
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Ein Serienmörder tötet in Frankfurt wahllos Menschen auf unterschiedliche Weise. Die Kommissarin Julia Durant und ihr Team ermitteln fieberhaft in alle Richtungen, dennoch führen die einzigen Spuren, die ...

Ein Serienmörder tötet in Frankfurt wahllos Menschen auf unterschiedliche Weise. Die Kommissarin Julia Durant und ihr Team ermitteln fieberhaft in alle Richtungen, dennoch führen die einzigen Spuren, die sie haben, zu keinem Ergebnis. Doch dann entdecken Sie auf dem Körper eines der Toten ein Schachbrettmuster. Und der Mörder nimmt direkten Kontakt mit Julia auf, will mit ihr spielen. Wird es ihr gelingen, seinen teuflischen Plan zu durchkreuzen?
Dies ist mein erster Krimi von Daniel Holbe. Ich kam gut in die Handlung hinein, die einzelnen Figuren sind klar charakterisiert, die Namen einprägsam. Den Schreibstil des Autors fand ich bei näherer Betrachtung nicht ganz einfach zu verstehen, manches kam allzu kryptisch rüber, und ich musste hin und wieder zurückblättern, um inhaltliche Unklarheiten zu klären. Besonders aufgefallen ist mir das unterkühlte Verhältnis zwischen den Mitgliedern des K11, und auch die beschriebenen Gefühle zwischen Julia und ihrem Mann entbehren einer gewissen inneren Wärme. Es sind Menschen, die ihre Pflicht tun. Punkt.
Die Handlung zieht sich stellenweise öde und ausgesprochen düster dahin. Die gelegentlichen Cliffhanger am Ende eines Kapitels liefen ein paar Mal zu meiner Enttäuschung ins Leere. Die Auflösung erfolgte in Gestalt eines mickrigen Gags, einmal folgte im nächsten Kapitel ein größerer Zeitsprung, und man erfuhr in einer knapp gehaltenen Rückblende, wie das Ganze ausgegangen war. So etwas tötet die Spannung. Lediglich ein Cliffhanger führte zu einer amüsanten Szene.
Erst auf den letzten hundert Seiten nimmt die Handlung Fahrt auf, das Finale könnte man fast atemberaubend nennen, wäre die Rettung in letzter Sekunde nicht mit einem allzu simplen Dreh vonstatten gegangen.
Alles in allem ist dieser Krimi durchaus lesenswert, aber vom Hocker reißen konnte er mich nicht.

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Veröffentlicht am 06.06.2024

Plötzlich Influencerin

Fucking Famous
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Lotte Hohenfeldt sieht sich mit ihren 39 Jahren gescheitert, sowohl mit ihrem Start-up, als auch mit ihrem ersten Buch. Ihre Freundin Tessa, eine erfolgreiche IT-Beraterin, weiß Rat: Sie will aus Lotte ...

Lotte Hohenfeldt sieht sich mit ihren 39 Jahren gescheitert, sowohl mit ihrem Start-up, als auch mit ihrem ersten Buch. Ihre Freundin Tessa, eine erfolgreiche IT-Beraterin, weiß Rat: Sie will aus Lotte eine Marke machen, will sie bei Instagram & Co. zu Berühmtheit bringen. Das Experiment gelingt, auch wenn es die beiden Mädels dabei mit der Wahrheit nicht so genau nehmen. Doch dann kommt das dicke Ende.

Der Schreibstil der Autorin ist locker und mit kleinen Bosheiten und Seitenhieben gespickt – das einzige, das mich bei der Stange gehalten hat. Im ersten Drittel des Buches dominieren die sich teilweise überlappenden, ausufernden Rückblenden, rettende Dialoge fehlen. Als Leser werden wir detailliert davon in Kenntnis gesetzt, in welchen angesagten Klamotten sich Lotte für ihren Social Media Auftritt ablichten lässt, wie sie sich medienwirksam schminkt, zu welchen Partys sie eingeladen wird – und das in Dauerschleife. Erstaunlich, wie wenig man mit so vielen Worten auf so vielen Seiten aussagen kann. Dafür kommt das Ende dann überfallartig und für mich nicht wirklich nachvollziehbar.

Insgesamt hätte ich mir weniger sich ständig wiederholende Beschreibungen und dafür mehr Dialoge gewünscht. Man kann dieses Buch lesen, muss aber nicht.

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