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Veröffentlicht am 06.05.2025

Der Ton macht die Musik …

Mordseemusik
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„Mordseemusik“ ist bereits der 6. Band in Emmi Johannsens (Christine Drews) launiger Borkum-Krimireihe um die beiden Hobby-Ermittler Caro Falk und Jan Akkermann. Das Cover liefert eine gelungene und humorvolle ...

„Mordseemusik“ ist bereits der 6. Band in Emmi Johannsens (Christine Drews) launiger Borkum-Krimireihe um die beiden Hobby-Ermittler Caro Falk und Jan Akkermann. Das Cover liefert eine gelungene und humorvolle Mischung aus Inselflair und inhaltlichen Anhaltspunkten wie der Gitarre und dem Borkumer Musikpavillon. Auch wer, wie ich, erst mit diesem Band in die Reihe einsteigt findet schnell in die Handlung und erhält nach wenigen Kapiteln die wichtigsten Informationen über die reihentypischen Charaktere.
Mit ihrem Chor soll Caro den Schlagerstar der Urlaubsinseln Pablo Lavega bei seinem Konzert im Borkumer Musikpavillon begleiten. Vor allem bei der Damenwelt scheint Pablo auf große Resonanz zu stoßen. Doch ganz unvermittelt bricht der Sänger nach Luft ringend zusammen und stirbt während seines Konzertes. Dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugegangen sein kann, liegt für Caro und Jan auf der Hand. Bei ihren Ermittlungen entdecken sie, dass der beliebte Sänger sich gegenüber manch einem Mitmenschen ziemlich im Ton vergriffen hat und abseits der Bühne auch ganz andere, weit weniger charmante Saiten aufziehen konnte. Doch wer hat Pablo ins Jenseits befördert?
Der gradlinige Schreibstil von Emmi Johannsen zieht sich durch den kompletten Krimi, lässt sich sehr flüssig lesen und hat mir an vielen Stellen viel Spaß bereitet. Ganz nebenbei lernt man als Leser auch die Insel Borkum ein gutes Stück weit kennen, denn das Lokalkolorit kommt nicht zu kurz – ein bisschen Urlaub für zuhause ist also durchaus drin. Einige Textpassagen erscheinen mir ein wenig zu weit hergeholt, um realistisch zu wirken. Beispielsweise erhält Caro viele Informationen überraschend leicht, Pablos Mutter selbst bindet ihr Details über Leben und Charakter ihrer Söhne schon beinahe auf die Nase. Dies tut der Lesefreude aber keinen Abbruch, denn ein humorvoller cozy Krimi muss in meinen Augen nicht unbedingt völlig authentisch sein. Die Handlung bietet zwar, abgesehen von dem Höhepunkt kurz vor Schluss, keine großen Spannungsspitzen, lässt die Leser durch die Vielzahl potenziell Verdächtiger aber durchweg miträtseln – und führt sie mitunter ganz schön in die Sackgasse. Einzig das Motiv für den geplanten Mord erscheint mir ein wenig dünn, sodass mich die Rohheit mit welcher der Mord geplant und umgesetzt wurde wirklich überrascht.
Als Nebenfiguren verbreiten vor allem Caros Ex-Schwiegervater Hinnerk und ihr Sohn Justus mit ihrer direkten und unverblümten Art Heiterkeit. Besonders der Teenager wirkt – vollkommen altersuntypisch – überaus sympathisch und reibt seiner Mutter immer mal wieder ihre schlauen Erwachsenensprüche unter die Nase. Wirklich herrlich. Bei Pablos Bandkollegen herrschen dagegen die Misstöne vor. Sie scheinen alle eher von der egozentrischen Art zu sein. Statt dem toten Kollegen ein Mindestmaß an Respekt zu zollen, ist jeder nur damit beschäftigt die eigene Karriere nun so schnell wie möglich anzukurbeln. Protagonistin Caro scheint nicht gerade zurückhaltend zu sein, kann ihre Mitmenschen aber ausgesprochen gut einschätzen und weiß, wann es besser ist den Mund zu halten um ihr Gegenüber zum Reden zu animieren. Nur über ihre eigenen Gefühle wird sie sich einfach nicht klar. Ist Jan für sie wirklich „nur“ der beste Freund oder kribbelt es womöglich doch noch ein wenig mehr? In ihrer Unsicherheit verhält sie sich Jan gegenüber mitunter wie der sprichwörtliche Elefant im Porzellanladen. Jan ist bei den Ermittlungen als echtes Nordlicht eher ein wenig wortkarg, aber stets geradeheraus. Dabei wirkt er überaus sympathisch und hilfsbereit. Während Caro sich noch unschlüssig zu sein scheint, ob sie ihrer Beziehung zu Jan eine neue Richtung geben möchte, ergreift er die Initiative – oder versucht es zumindest. Bewundernswert, wie die beiden es trotz dieser Ablenkung schaffen einen Mord aufzuklären und nicht zuletzt einen zweiten zu verhindern. Als wahre Heldin muss hier natürlich auch Caros Hündin Aila erwähnt werden.
Insgesamt vereint „Mordseemusik“ eine gelungene Mischung aus kurzweiliger und äußerst unterhaltsamer Krimiunterhaltung, der Anbahnung einer möglichen Friends-to-Lovers Story und ganz viel Inselatmosphäre. Perfekt als leichte Lektüre für zwischendurch.

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  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 02.09.2024

Zeit des Umbruchs bei den Greiffenbergs

Das Erbe der Greiffenbergs - Hoffnungsvolle Aussichten
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„Das Erbe der Greiffenbergs – Hoffnungsvolle Aussichten“ ist der Abschluss von Isabell Schönhoffs turbulenter Familientrilogie rund um die Greiffenbergs und ihr exklusives Feinkostunternehmen.
Nach Ludwigs ...

„Das Erbe der Greiffenbergs – Hoffnungsvolle Aussichten“ ist der Abschluss von Isabell Schönhoffs turbulenter Familientrilogie rund um die Greiffenbergs und ihr exklusives Feinkostunternehmen.
Nach Ludwigs Rückkehr zur Familie und ins Unternehmen fühlen sich nicht nur Pauline und Ferdinand, die den Betrieb nach schwierigen Zeiten zukunftsfähig gemacht haben, vor den Kopf gestoßen. Auch innerhalb der Familie hängt der Haussegen bedenklich schief. Als Antonia im Bootshaus einen jungen Mann entdeckt, der offenbar einem Skandal auf der Spur ist, spitzt die Lage sich immer weiter zu.
Optisch passt das hübsche Cover mit Blick auf die Familienvilla am Chiemsee hervorragend zu beiden vorangegangenen Bänden der Trilogie. Allerdings finde ich es in Anbetracht der frühsommerlichen Landschaft ein wenig verwunderlich, dass der Roman an Silvester im tiefsten Winter beginnt. Wer die ersten beiden Teile der Reihe zuvor, wie ich nicht gelesen hat, braucht vermutlich einige Seiten, um sich Familienverhältnisse und die bislang wichtigsten Ereignisse herzuleiten. Anschließend lassen die Geschehnisse sich vollkommen problemlos verfolgen.
Der flüssige Schreibstil von Isabell Schönhoff mit den eindrucksvollen Landschaftsbeschreibungen rund um den Chiemsee lassen die Seiten nur so dahingehen. Lediglich die maßlose Verwendung der drei Punkte („…“) in den Dialogen hat mich etwas irritiert. Die Geschichte wird in der 3. Person erzählt. Bei den zentralen Charakteren, ausschließlich einige Mitglieder der Greiffenbergs, liefert die Erzählperspektive auch Einblicke in die Gefühlswelt, alle anderen Figuren werden weitgehend neutral dargestellt.
Obwohl von vornherein klar ist, dass man im Hinblick auf das Ende durchaus „Hoffnungsvolle Aussichten“ erwarten darf, erhalten viele unerwartete Ereignisse, Entscheidungen und Wendungen den Spannungsbogen aufrecht. Auch wenn es durchaus Szenen gibt, insbesondere rund um Therese, die zeitweise ein wenig klischeehaft wirken.
Den Charakteren des Romans stehe ich ein wenig zwiespältig gegenüber. Einerseits ist mir niemand gänzlich sympathisch, andererseits sorgen die so unterschiedlich, teilweise beinahe konträr gezeichnet Figuren auch viel Dynamik in die Handlung. Obwohl Ludwig sich nach seiner Rückkehr absolut rücksichtslos verhält und mit aller Macht seine Interessen durchsetzt, hält die Familie – zumindest nach außen hin – fest zusammen. Das Familien- und Firmenimage ist unantastbar. Hinter der Fassade zeigt sich jedoch ein völlig anderes Bild. Pauline und auch Ferdinand haben es schwer gegen ihren Vater anzukommen. In ihren Beziehungen möchten beide sich gern noch ein Hintertürchen offen lassen. Antonia, die jüngste der drei Geschwister plant der Familienvilla bald zugunsten des Studiums den Rücken zu kehren. Sie ist hin- und hergerissen zwischen Familienloyalität und ihrem durch Skys Andeutungen erwachten Gerechtigkeitssinn. Ziemlich resolut mischt Oma Elsa trotz ihres fortgeschrittenen noch in der Firmenpolitik mit und schwört die einzelnen Familienmitglieder ein zum Wohle der Firma zu handeln. In der Familie herrscht zwischenzeitlich nicht nur sprichwörtlich mehr Schein als Sein. Harmonie sieht zweifelsfrei anders aus.
Insgesamt ist „Das Erbe der Greiffenbergs – Hoffnungsvolle Aussichten“ ein würdiger Abschluss der Trilogie. Mit einem angenehmen Schreibstil und der idyllischen Atmosphäre liefert die ziemlich entfremdete Familie durchaus behagliche Lesemomente auf ihrem Weg zu hoffnungsvollen Aussichten.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Charaktere
  • Erzählstil
  • Cover
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 08.05.2026

Angenehmer Wohlfühlroman mit kleinen Schwächen

Zeit der Freundinnen
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„Zeit der Freundinnen – Wundertütentage“ von Tanja Huthmacher ist der Auftakt einer neuen Trilogie um drei Freundinnen aus München. Im Mittelpunkt der Handlung steht in diesem Roman Goldschmiedin Julia. ...

„Zeit der Freundinnen – Wundertütentage“ von Tanja Huthmacher ist der Auftakt einer neuen Trilogie um drei Freundinnen aus München. Im Mittelpunkt der Handlung steht in diesem Roman Goldschmiedin Julia.
Cover und Farbschnitt des Romans sind rosa, was mir persönlich etwas grell und wuchtig erscheint. Das Ganze wird jedoch mit hübschen Wildblumen aufgelockert.
Julia ist von der überraschenden Entscheidung ihres 16-jährigen Sohnes Flavio eine Ausbildung als Geigenbauer zu beginnen und daher auszuziehen schwer getroffen, denn ein einschneidendes Erlebnis in ihrer Kindheit ruft bei ihr noch immer stark ausgeprägte Verlustängste hervor. Rückhalt findet Julia jedoch nicht nur bei ihrem Ehemann Max, sondern auch bei ihren Freundinnen Sophie und Helen, die sich in einer ähnlichen Lage befinden. Inmitten dieses neuen Lebensabschnittes kommen lang gehütete Geheimnisse ans Licht, neue Pläne werden geschmiedet und auch ein alter Bekannter scheint unverhofft wieder auf der Bildfläche aufzutauchen.
Genau wie in Tanja Huthmachers vorangegangener Trilogie „Zeit der Schwestern“ hat mich auch in diesem Roman ihr sehr detaillierter Schreibstil begeistert und in die Handlung hineingezogen. An einigen Stellen hatte ich beinahe das Gefühl Schauplatz und Atmosphäre mit allen Sinnen wahrnehmen zu können. Besonders zentral sind die Themen Freundschaft, Familie und Loslassen und einen neuen Lebensabschnitt beginnen bzw. neue Wege wagen. Die Handlung besticht mit großer Alltagsnähe, die Protagonistinnen im Alter von Anfang bis Ende 40 müssen sich damit arrangieren ihre Kinder aus dem eigenen Haushalt in die (Berufs-)Welt zu verabschieden. Ein paar kleinere und eine größere Überraschung sorgen für die titelgebenden „Wundertütentage“ und einen Hauch Spannung. Allerdings lassen ziemlich viele Zufälle auf einmal die Handlung zeitweise etwas fadenscheinig wirken. Andere Situationen sind für Protagonistin Julia wohl überraschender, als für den Leser selbst. Kleinere Probleme und Konflikte wirken manchmal ein wenig aufgebauscht, werden aber kurzerhand genauso schnell und unproblematisch behoben, wie auch die komplexeren, belastenderen Situationen. Einerseits wirkt der Roman dadurch wirklich hoffnungs- und trostspendend, andererseits empfinde ich persönlich das Verhältnis aber eben auch ein wenig unausgewogen. Nichtsdestotrotz macht das Geschehen mit einer beachtlichen Anzahl noch zu verknüpfenden Enden ziemlich neugierig auf die Folgebände.
Die Charaktere wirken allesamt sympathisch, wobei ich den Zugang besonders zu Flavio und Max sehr leicht gefunden habe. Flavio beeindruckt mich trotz seiner Jugend mit seiner großen Zielstrebigkeit und beachtlichem Kampfgeist. Julias zweiter Ehemann Max macht einen absolut liebenswerten Eindruck. Mit seiner gelassenen und vernünftigen Art ist er für Julia der Fels in der Brandung, unterstützt sie bei ihren Vorhaben auf ganzer Linie und zeigt ihr in kleinen Gesten immer wieder seine Liebe. Max ist zweifelsfrei mein Favorit. Die emotionale Annäherung an Sophie und Helen fiel mir bis zum Schluss ein wenig schwerer, sodass ich sie beim Lesen eher etwas distanziert wahrgenommen habe. Julia dagegen habe ich als Protagonistin gut kennengelernt. Alle drei Freundinnen gehen ihrem Beruf mit großer Leidenschaft nach: Sophie in der Modebranche, Helen als Buchhändlerin und Julia als Goldschmiedin und auch die Kinder der drei haben beinahe zeitgleich das häusliche Nest verlassen. Allerdings gehen die drei Frauen sehr unterschiedlich mit der Situation um: Sophie sieht die Situation recht gelassen. Sie stürzt sich mit voller Energie in die Arbeit und leidet eher unter ihrer spürbaren Ehekrise. Als alleinerziehende Zwillingsmutter hatte Helen in den letzten fast zwanzig Jahren kaum Zeit für sich und genießt es nun endlich ihre eigenen Bedürfnisse in den Vordergrund stellen zu können. Julia hat zweifelsfrei die größten Probleme damit loszulassen. Oft interpretiert sie zu viel in eine Situation hinein oder fühlt sich schnell im Stich gelassen. Was auf den ersten Blick ein wenig egoistisch wirkt, geht jedoch auf eine traumatische Erfahrung in ihrer Kindheit zurück. Trotz ihrer Schwierigkeiten bemüht sich Julia sehr, die Situation zu meistern und das Beste daraus zu machen. Zwar könnte man meinen, dass die drei Freundinnen mit Ü40 durchaus schon über eine gewisse Reife verfügen, stattdessen wirken sie vor allem bei der gemeinsamen Bergtour eher wie etwas naive und recht unbeholfene Teenager.
Obwohl das Buch mich nicht gänzlich überzeugen konnte, hatte ich eine sehr angenehme und entspannte Lesezeit. Vor allem den lebendigen, detailreichen Schreibstil und die Alltagsnähe in der Handlung haben mir sehr gefallen.

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  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Thema
  • Cover
Veröffentlicht am 10.02.2026

Ziemlich schräg, aber sehr amüsant

Stralsund ermittelt - Tote Dichter schreiben nicht
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In Annabel Ravens jüngstem Krimi heißt es wieder „Stralsund ermittelt“. Der zweite Teil der Reihe ist unter dem Titel „Tote Dichter schreiben nicht“ erschienen und lässt sich auch ohne Kenntnis des ersten ...

In Annabel Ravens jüngstem Krimi heißt es wieder „Stralsund ermittelt“. Der zweite Teil der Reihe ist unter dem Titel „Tote Dichter schreiben nicht“ erschienen und lässt sich auch ohne Kenntnis des ersten Bandes problemlos lesen.
Eigentlich hatte sich das ‚Team Weingold‘-Trio den Sommer ganz anders vorgestellt: Während Fanny – sehr zu Hektors Missfallen eine ausgedehnte Reise nach Asien geplant hat, ist Nele einem Sommerflirt mit ihrem Jugendschwarm nicht abgeneigt. Doch dann erschüttert ein Mord die Sommeridylle. Mysteriöse Hinweise auf einen „Club der toten Dichter“ und das merkwürdige Verhalten von Polizist Enno bringen das Team Weingold ins Ermittlungsfieber und führen auf einer vielversprechenden Spur viele Jahre in die Vergangenheit.
Das Cover vermittelt pure sommerliche Strandidylle, lediglich das hingeworfene Fahrrad deutet sacht daraufhin, dass möglicherweise etwas im Argen liegt.
Annabel Raven vermittelt in ihrem humorvollen Krimiroman jede Menge Lokalkolorit, sodass ich die Ostseeluft beinahe riechen kann. Dabei ist der Schreibstil überaus angenehm und dementsprechend zügig zu lesen. Trotzdem erscheint mir das erste Drittel des Buches etwas langatmig, denn hier fehlt in meinen Augen absolut die Spannung. Nach den ersten 100 Seiten nimmt das Geschehen bzw. die Ermittlung aber rasant an Fahrt auf und auch wenn die Authentizität damit doch deutlich ins Hintertreffen gerät, fällt es mir von da an schwer das Buch aus der Hand zu legen.
Die meisten Charaktere erscheinen mir ziemlich sympathisch, trotzdem kann ich das dreiköpfige Team Weingold, Polizisten Enno und die Nachbarin Birdie kaum ernst nehmen. Das ist aber wohl auch nicht der Anspruch und vielleicht liegt darin sogar der Reiz des spaßigen Krimis. Neles Nachbarin Birdie hat die 80 nach Schätzung ihrer Mitmenschen bereits überschritten. Scharfsinnig, ziemlich dominant und trotz ihres Alters noch ausgesprochen fit gelingt es ihr überaus geschickt andere auszuhorchen ohne selbst all zu viel von ihrer geheimnisvollen Persönlichkeit zu offenbaren. Enno leitet neben der Polizeistation auch noch ein Café am Strand. Was normalerweise gut funktioniert, bringt ihn während der Sommersaison und einem gleichzeitigen Gewaltverbrechen ziemlich in die Bredouille, zumal er auf seiner Dienststelle wenig Unterstützung findet. Über seine Gefühle für Nele ist er sich nicht sicher oder redet es sich zumindest so ein. Dennoch packt ihn die Eifersucht und lässt ihn ziemlich tölpelhaft aussehen. Das Team Weingold wirkt recht blauäugig, ziemlich impulsiv und hat durchaus Ähnlichkeit mit Jugend-Detektivteams wie TKKG oder 3 Fragezeichen, nur das diese drei eben schon beträchtlich älter sind. Gärtner Hektor ist mit seinen 43 Jahren der älteste Hobby-Detektiv. Er wirkt teilweise etwas einsilbig und grummelig. Doch obwohl ernste Gespräche, vor allem mit Fanny, nicht seine größte Stärke ist, hat er das Herz auf dem rechten Fleck. Mit seinen heimlichen Lauschangriffen und zahlreichen nützlichen Verbindungen leistet er für das Team Weingold einen wertvollen Beitrag. Fanny, das Küken im Team, ist ein Computergenie und hat aus Unterforderung ihren Job gekündigt. Sie ist ein wenig unbeholfen in puncto sozialer Interaktion und stößt den Menschen in ihrem Umfeld mit ihrer meist direkten Art gelegentlich ziemlich vor den Kopf. Dabei meint sie es jedoch nicht böse und ihre Fähigkeiten sind für die Ermittlungen oft Gold wert. Psychotherapeutin Nele lebt noch nicht lange in Stralsund, genießt es aber ihr Leben etwas entspannter angehen zulassen als zuvor in New York. Zwar liegt es ihr vor allem die Mikrosignale ihrer Patienten wahrzunehmen und einzuschätzen, im eigenen Lebensumfeld scheinen diese Fähigkeiten jedoch manchmal ihren Dienst zu versagen. Sie trägt vor allem mit ihrer besonnen, planvollen Art und ihrer einfühlsamen Gesprächsführung zu den Ermittlungen bei. Zwar sind die Figuren wenig glaubwürdig, dafür aber herrlich amüsant.
Insgesamt ist „Stralsund ermittelt – Tote Dichter lügen nicht“ ein humorvolles Krimivergnügen, dass zwar etwas schleppend in Gang kommt, dann aber mit seinen schrägen Charakteren viel Lesefreude bereitet und dem tollen Ostseeflair punktet.

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Veröffentlicht am 16.02.2025

Wenn das Leben eine Wendung macht

Die Inselfamilie
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„Die Inselfamilie“ ist der neu aufgelegte zweite Band von Jette Hansens Amrum-Reihe. Auch ohne Kenntnis des ersten Teils habe ich problemlos in den zweiten Teil hineingefunden. Wie der Titel schon verrät ...

„Die Inselfamilie“ ist der neu aufgelegte zweite Band von Jette Hansens Amrum-Reihe. Auch ohne Kenntnis des ersten Teils habe ich problemlos in den zweiten Teil hineingefunden. Wie der Titel schon verrät dreht sich in dem Roman (fast) alles um die Familie: Anne, die nach dem Unfalltod ihrer Eltern einen Neuanfang gewagt hat, lebt nun schon seit einigen Monaten bei ihrem Freund Ben auf Amrum. Das Verhältnis zu ihrer leiblichen Mutter Emma ist weiterhin schwierig. Doch als Emma großer Ärger droht, steht Anne ihr zur Seite. Auch die Beziehung mit Ben erlebt eine erste Probe, als Ex-Freundin Nadja Ben bittet sich eine Weile um seine, ihm bislang unbekannte Tochter Marie zu kümmern. Und als wäre das alles noch nicht genug sorgt Anne sich zusätzlich um die großmütterliche Freundin Edith, als ein tragisches Ereignis ihrem Leben eine unwiderrufliche Wendung verpasst.
Das Cover des Romans ist nicht sonderlich aussagekräftig gestaltet, fängt aber die Inselatmosphäre sehr naturnah ein und weckt die Sehnsucht nach Meer in mir. Der Schreibstil von Jette Hansen ist eingängig und lässt sich sehr flüssig lesen. Aufgrund der Erzählperspektive werden leider nur Annes Emotionen abgebildet und die sind nicht unbedingt ausufernd sondern mitunter recht rational. Von allen anderen Charakteren erfährt man nur die äußeren Umstände bzw. Annes Wahrnehmung der Reaktionen. Dies lässt die Charaktere zwar fast alle überaus sympathisch, aber recht eindimensional wirken. Insgesamt scheinen die Menschen in Annes Umfeld extrem sozial eingestellt zu sein, dabei aber oft ein wenig blauäugig zu agieren. Mir fehlen hier tatsächlich ein paar Ecken und Kanten, die zu mehr Tiefe beitragen könnten.
Die Handlung an sich verbindet fröhliche, tragische und hoffnungsvolle Momente miteinander, was mir eigentlich sehr zusagt. Dass hier nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen ist, macht den Roman authentischer. Die Fülle der angerissenen Themen geht bei nur 249 Seiten allerdings ganz klar zu Lasten der Substanz. Hier wäre weniger doch mehr gewesen. Familie in den verschiedensten Konstellationen, verschiedene Krankheiten, Existenzgründung, Freundschaft, Kindererziehung, Liebe und natürlich Inselleben sind einfach zu viele Themen auf einmal. Während im Verlauf des Romans einige Wendungen ziemlich vorhersehbar sind, empfinde ich andererseits einige lose Enden, die nach der letzten Seite noch nicht verknüpft wurden, als ein wenig unbefriedigend. Dies steigert aber natürlich die Lust den Folgeband zu lesen, um den verbliebenen Fragen auf die Spur zu kommen.
Sehr gut gefallen hat mir die Art mit der Jette Hansen immer wieder sehr anschaulich die Inselatmosphäre in die Handlung eingeflochten hat. Ich habe mich am Strand und beim Drachen steigen lassen sehr entspannt und wohl gefühlt. Auch die Kapitel haben eine angenehme Länge.
Obwohl „Die Inselfamilie“ mich nicht vollkommen überzeugen konnte, ist es doch eine sehr angenehm zu lesende Lektüre, die ein willkommenes Inselfeeling für Zuhause (oder den Urlaub) liefert.

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