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Veröffentlicht am 02.09.2024

Zeit des Umbruchs bei den Greiffenbergs

Das Erbe der Greiffenbergs - Hoffnungsvolle Aussichten
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„Das Erbe der Greiffenbergs – Hoffnungsvolle Aussichten“ ist der Abschluss von Isabell Schönhoffs turbulenter Familientrilogie rund um die Greiffenbergs und ihr exklusives Feinkostunternehmen.
Nach Ludwigs ...

„Das Erbe der Greiffenbergs – Hoffnungsvolle Aussichten“ ist der Abschluss von Isabell Schönhoffs turbulenter Familientrilogie rund um die Greiffenbergs und ihr exklusives Feinkostunternehmen.
Nach Ludwigs Rückkehr zur Familie und ins Unternehmen fühlen sich nicht nur Pauline und Ferdinand, die den Betrieb nach schwierigen Zeiten zukunftsfähig gemacht haben, vor den Kopf gestoßen. Auch innerhalb der Familie hängt der Haussegen bedenklich schief. Als Antonia im Bootshaus einen jungen Mann entdeckt, der offenbar einem Skandal auf der Spur ist, spitzt die Lage sich immer weiter zu.
Optisch passt das hübsche Cover mit Blick auf die Familienvilla am Chiemsee hervorragend zu beiden vorangegangenen Bänden der Trilogie. Allerdings finde ich es in Anbetracht der frühsommerlichen Landschaft ein wenig verwunderlich, dass der Roman an Silvester im tiefsten Winter beginnt. Wer die ersten beiden Teile der Reihe zuvor, wie ich nicht gelesen hat, braucht vermutlich einige Seiten, um sich Familienverhältnisse und die bislang wichtigsten Ereignisse herzuleiten. Anschließend lassen die Geschehnisse sich vollkommen problemlos verfolgen.
Der flüssige Schreibstil von Isabell Schönhoff mit den eindrucksvollen Landschaftsbeschreibungen rund um den Chiemsee lassen die Seiten nur so dahingehen. Lediglich die maßlose Verwendung der drei Punkte („…“) in den Dialogen hat mich etwas irritiert. Die Geschichte wird in der 3. Person erzählt. Bei den zentralen Charakteren, ausschließlich einige Mitglieder der Greiffenbergs, liefert die Erzählperspektive auch Einblicke in die Gefühlswelt, alle anderen Figuren werden weitgehend neutral dargestellt.
Obwohl von vornherein klar ist, dass man im Hinblick auf das Ende durchaus „Hoffnungsvolle Aussichten“ erwarten darf, erhalten viele unerwartete Ereignisse, Entscheidungen und Wendungen den Spannungsbogen aufrecht. Auch wenn es durchaus Szenen gibt, insbesondere rund um Therese, die zeitweise ein wenig klischeehaft wirken.
Den Charakteren des Romans stehe ich ein wenig zwiespältig gegenüber. Einerseits ist mir niemand gänzlich sympathisch, andererseits sorgen die so unterschiedlich, teilweise beinahe konträr gezeichnet Figuren auch viel Dynamik in die Handlung. Obwohl Ludwig sich nach seiner Rückkehr absolut rücksichtslos verhält und mit aller Macht seine Interessen durchsetzt, hält die Familie – zumindest nach außen hin – fest zusammen. Das Familien- und Firmenimage ist unantastbar. Hinter der Fassade zeigt sich jedoch ein völlig anderes Bild. Pauline und auch Ferdinand haben es schwer gegen ihren Vater anzukommen. In ihren Beziehungen möchten beide sich gern noch ein Hintertürchen offen lassen. Antonia, die jüngste der drei Geschwister plant der Familienvilla bald zugunsten des Studiums den Rücken zu kehren. Sie ist hin- und hergerissen zwischen Familienloyalität und ihrem durch Skys Andeutungen erwachten Gerechtigkeitssinn. Ziemlich resolut mischt Oma Elsa trotz ihres fortgeschrittenen noch in der Firmenpolitik mit und schwört die einzelnen Familienmitglieder ein zum Wohle der Firma zu handeln. In der Familie herrscht zwischenzeitlich nicht nur sprichwörtlich mehr Schein als Sein. Harmonie sieht zweifelsfrei anders aus.
Insgesamt ist „Das Erbe der Greiffenbergs – Hoffnungsvolle Aussichten“ ein würdiger Abschluss der Trilogie. Mit einem angenehmen Schreibstil und der idyllischen Atmosphäre liefert die ziemlich entfremdete Familie durchaus behagliche Lesemomente auf ihrem Weg zu hoffnungsvollen Aussichten.

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  • Handlung
  • Charaktere
  • Erzählstil
  • Cover
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 10.02.2026

Ziemlich schräg, aber sehr amüsant

Stralsund ermittelt - Tote Dichter schreiben nicht
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In Annabel Ravens jüngstem Krimi heißt es wieder „Stralsund ermittelt“. Der zweite Teil der Reihe ist unter dem Titel „Tote Dichter schreiben nicht“ erschienen und lässt sich auch ohne Kenntnis des ersten ...

In Annabel Ravens jüngstem Krimi heißt es wieder „Stralsund ermittelt“. Der zweite Teil der Reihe ist unter dem Titel „Tote Dichter schreiben nicht“ erschienen und lässt sich auch ohne Kenntnis des ersten Bandes problemlos lesen.
Eigentlich hatte sich das ‚Team Weingold‘-Trio den Sommer ganz anders vorgestellt: Während Fanny – sehr zu Hektors Missfallen eine ausgedehnte Reise nach Asien geplant hat, ist Nele einem Sommerflirt mit ihrem Jugendschwarm nicht abgeneigt. Doch dann erschüttert ein Mord die Sommeridylle. Mysteriöse Hinweise auf einen „Club der toten Dichter“ und das merkwürdige Verhalten von Polizist Enno bringen das Team Weingold ins Ermittlungsfieber und führen auf einer vielversprechenden Spur viele Jahre in die Vergangenheit.
Das Cover vermittelt pure sommerliche Strandidylle, lediglich das hingeworfene Fahrrad deutet sacht daraufhin, dass möglicherweise etwas im Argen liegt.
Annabel Raven vermittelt in ihrem humorvollen Krimiroman jede Menge Lokalkolorit, sodass ich die Ostseeluft beinahe riechen kann. Dabei ist der Schreibstil überaus angenehm und dementsprechend zügig zu lesen. Trotzdem erscheint mir das erste Drittel des Buches etwas langatmig, denn hier fehlt in meinen Augen absolut die Spannung. Nach den ersten 100 Seiten nimmt das Geschehen bzw. die Ermittlung aber rasant an Fahrt auf und auch wenn die Authentizität damit doch deutlich ins Hintertreffen gerät, fällt es mir von da an schwer das Buch aus der Hand zu legen.
Die meisten Charaktere erscheinen mir ziemlich sympathisch, trotzdem kann ich das dreiköpfige Team Weingold, Polizisten Enno und die Nachbarin Birdie kaum ernst nehmen. Das ist aber wohl auch nicht der Anspruch und vielleicht liegt darin sogar der Reiz des spaßigen Krimis. Neles Nachbarin Birdie hat die 80 nach Schätzung ihrer Mitmenschen bereits überschritten. Scharfsinnig, ziemlich dominant und trotz ihres Alters noch ausgesprochen fit gelingt es ihr überaus geschickt andere auszuhorchen ohne selbst all zu viel von ihrer geheimnisvollen Persönlichkeit zu offenbaren. Enno leitet neben der Polizeistation auch noch ein Café am Strand. Was normalerweise gut funktioniert, bringt ihn während der Sommersaison und einem gleichzeitigen Gewaltverbrechen ziemlich in die Bredouille, zumal er auf seiner Dienststelle wenig Unterstützung findet. Über seine Gefühle für Nele ist er sich nicht sicher oder redet es sich zumindest so ein. Dennoch packt ihn die Eifersucht und lässt ihn ziemlich tölpelhaft aussehen. Das Team Weingold wirkt recht blauäugig, ziemlich impulsiv und hat durchaus Ähnlichkeit mit Jugend-Detektivteams wie TKKG oder 3 Fragezeichen, nur das diese drei eben schon beträchtlich älter sind. Gärtner Hektor ist mit seinen 43 Jahren der älteste Hobby-Detektiv. Er wirkt teilweise etwas einsilbig und grummelig. Doch obwohl ernste Gespräche, vor allem mit Fanny, nicht seine größte Stärke ist, hat er das Herz auf dem rechten Fleck. Mit seinen heimlichen Lauschangriffen und zahlreichen nützlichen Verbindungen leistet er für das Team Weingold einen wertvollen Beitrag. Fanny, das Küken im Team, ist ein Computergenie und hat aus Unterforderung ihren Job gekündigt. Sie ist ein wenig unbeholfen in puncto sozialer Interaktion und stößt den Menschen in ihrem Umfeld mit ihrer meist direkten Art gelegentlich ziemlich vor den Kopf. Dabei meint sie es jedoch nicht böse und ihre Fähigkeiten sind für die Ermittlungen oft Gold wert. Psychotherapeutin Nele lebt noch nicht lange in Stralsund, genießt es aber ihr Leben etwas entspannter angehen zulassen als zuvor in New York. Zwar liegt es ihr vor allem die Mikrosignale ihrer Patienten wahrzunehmen und einzuschätzen, im eigenen Lebensumfeld scheinen diese Fähigkeiten jedoch manchmal ihren Dienst zu versagen. Sie trägt vor allem mit ihrer besonnen, planvollen Art und ihrer einfühlsamen Gesprächsführung zu den Ermittlungen bei. Zwar sind die Figuren wenig glaubwürdig, dafür aber herrlich amüsant.
Insgesamt ist „Stralsund ermittelt – Tote Dichter lügen nicht“ ein humorvolles Krimivergnügen, dass zwar etwas schleppend in Gang kommt, dann aber mit seinen schrägen Charakteren viel Lesefreude bereitet und dem tollen Ostseeflair punktet.

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  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 16.02.2025

Wenn das Leben eine Wendung macht

Die Inselfamilie
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„Die Inselfamilie“ ist der neu aufgelegte zweite Band von Jette Hansens Amrum-Reihe. Auch ohne Kenntnis des ersten Teils habe ich problemlos in den zweiten Teil hineingefunden. Wie der Titel schon verrät ...

„Die Inselfamilie“ ist der neu aufgelegte zweite Band von Jette Hansens Amrum-Reihe. Auch ohne Kenntnis des ersten Teils habe ich problemlos in den zweiten Teil hineingefunden. Wie der Titel schon verrät dreht sich in dem Roman (fast) alles um die Familie: Anne, die nach dem Unfalltod ihrer Eltern einen Neuanfang gewagt hat, lebt nun schon seit einigen Monaten bei ihrem Freund Ben auf Amrum. Das Verhältnis zu ihrer leiblichen Mutter Emma ist weiterhin schwierig. Doch als Emma großer Ärger droht, steht Anne ihr zur Seite. Auch die Beziehung mit Ben erlebt eine erste Probe, als Ex-Freundin Nadja Ben bittet sich eine Weile um seine, ihm bislang unbekannte Tochter Marie zu kümmern. Und als wäre das alles noch nicht genug sorgt Anne sich zusätzlich um die großmütterliche Freundin Edith, als ein tragisches Ereignis ihrem Leben eine unwiderrufliche Wendung verpasst.
Das Cover des Romans ist nicht sonderlich aussagekräftig gestaltet, fängt aber die Inselatmosphäre sehr naturnah ein und weckt die Sehnsucht nach Meer in mir. Der Schreibstil von Jette Hansen ist eingängig und lässt sich sehr flüssig lesen. Aufgrund der Erzählperspektive werden leider nur Annes Emotionen abgebildet und die sind nicht unbedingt ausufernd sondern mitunter recht rational. Von allen anderen Charakteren erfährt man nur die äußeren Umstände bzw. Annes Wahrnehmung der Reaktionen. Dies lässt die Charaktere zwar fast alle überaus sympathisch, aber recht eindimensional wirken. Insgesamt scheinen die Menschen in Annes Umfeld extrem sozial eingestellt zu sein, dabei aber oft ein wenig blauäugig zu agieren. Mir fehlen hier tatsächlich ein paar Ecken und Kanten, die zu mehr Tiefe beitragen könnten.
Die Handlung an sich verbindet fröhliche, tragische und hoffnungsvolle Momente miteinander, was mir eigentlich sehr zusagt. Dass hier nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen ist, macht den Roman authentischer. Die Fülle der angerissenen Themen geht bei nur 249 Seiten allerdings ganz klar zu Lasten der Substanz. Hier wäre weniger doch mehr gewesen. Familie in den verschiedensten Konstellationen, verschiedene Krankheiten, Existenzgründung, Freundschaft, Kindererziehung, Liebe und natürlich Inselleben sind einfach zu viele Themen auf einmal. Während im Verlauf des Romans einige Wendungen ziemlich vorhersehbar sind, empfinde ich andererseits einige lose Enden, die nach der letzten Seite noch nicht verknüpft wurden, als ein wenig unbefriedigend. Dies steigert aber natürlich die Lust den Folgeband zu lesen, um den verbliebenen Fragen auf die Spur zu kommen.
Sehr gut gefallen hat mir die Art mit der Jette Hansen immer wieder sehr anschaulich die Inselatmosphäre in die Handlung eingeflochten hat. Ich habe mich am Strand und beim Drachen steigen lassen sehr entspannt und wohl gefühlt. Auch die Kapitel haben eine angenehme Länge.
Obwohl „Die Inselfamilie“ mich nicht vollkommen überzeugen konnte, ist es doch eine sehr angenehm zu lesende Lektüre, die ein willkommenes Inselfeeling für Zuhause (oder den Urlaub) liefert.

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