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Veröffentlicht am 30.11.2017

Ob Zeit Wunden heilt, liegt an Dir selbst

Das Glück an Regentagen
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Mae lebt glücklich und zufrieden in New York. Ihr Leben ist nicht aufregend, aber sie liebt es, genau wie ihren Job und ihren Verlobten. Doch von jetzt auf gleich bricht alles zusammen: Peter ist nicht ...

Mae lebt glücklich und zufrieden in New York. Ihr Leben ist nicht aufregend, aber sie liebt es, genau wie ihren Job und ihren Verlobten. Doch von jetzt auf gleich bricht alles zusammen: Peter ist nicht der, für den sie ihn hielt, sondern ein gesuchter Betrüger. Ihr ganzes Leben verändert sich. Mae flieht in ihre alte Heimat, zu ihren Großeltern ins Summer’s Inn. Dort hängt noch immer die Liste ihrer Mutter mit den Vorschlägen, was man an Regentagen alles machen kann. Doch auch hier ist nichts mehr, wie es war – angefangen damit, dass ihr Großvater verschwunden ist und ihre Großmutter sich selbst verliert. Mae erkennt, dass es viele Regentage gibt, es aber immer Dinge gibt, die den Regen schöner machen …

Dieser Roman zieht sich über sehr viele Generationen, die sich trotz der anderen Zeiten doch sehr ähnlich sind, deren Schicksale sich erstaunlich gleichen und die so viele Unterschiede wie Gemeinsamkeiten haben. Das Ganze ist so wunderbar ineinander verwoben, dass man sich fast fühlt, als würde die Geschichte sich wie eine warme Decke um den Leser wickeln. Erzählt wird auf Maes Zeitebene ihre Geschichte, die ihrer Mutter und die ihrer Großmutter. Alle drei Frauen machen große Verluste durch und müssen sich ins Leben und um ihre Liebe kämpfen. Jede auf ihre Art und doch so ähnlich! Die Menschen, die diesen drei Frauen begegnen und ihre Zeit teilen, spielen eine größere Rolle, als es anfangs scheinen mag. Fehler werden begangen, manche korrigiert, manche bedauert, manche nicht erkannt.

Die Regentage kann man sich schön gestalten und so ist es auch mit den schwierigen Zeiten im Leben. Das ist es, was Marissa Stapley uns mit auf den Weg geben will und was sie uns mit der Geschichte von und um Mae, Virginia und Lilly auf wundervolle Weise zeigt. Ihr Stil ist sanft und eingängig, man folgt ihren Worten sehr gerne. Noch dazu weiß Svenja Pages hervorragend, diese Story einzulesen. Sie legt nie zu wenige oder zu viele Emotionen hinein, was dafür sorgt, dass die Geschichte kein Jammerlied wird, sondern einfach sehr schön zeigt, dass jedes Leben Schwierigkeiten mit sich bringt, diese aber immer – mal mit mehr, mal mit weniger Mühe – überwunden werden können. Auch sieht der Leser/Hörer ganz klar, wie wichtig es ist, miteinander zu reden, eigene Ängste und Befürchtungen in Worte zu fassen und dem Gegenüber ganz klar zu signalisieren, dass Klärungsbedarf besteht. Irgendwann könnte es zu spät sein!

All das geschieht auf eine wunderbare Art und Weise, es gibt diverse Wendungen und einen zauberhaften, sehr schön passenden Epilog. Die Liste der Dinge, die man an Regentagen machen kann, ist gekürzt auch im Cover des Hörbuchs zu finden und alle Kapitel fangen mit einem dieser Vorschläge an. Maes Begegnung mit Gabe löst eine Reihe von Ereignissen aus, die für die Zukunft, aber auch die Vergangenheit, von großer Bedeutung sind. Alle Charaktere sind sehr real gezeichnet. Niemand ist nur gut oder nur böse, alle haben ihre Fehler und Schwächen, niemand ist perfekt. So hat man kaum das Gefühl, einen Roman zu lesen oder zu hören. Es ist fast, als erführe man tatsächlich die wahre Lebensgeschichte von Mae und ihren Liebsten. Zwischendurch gibt es kleine, besondere Elemente, die mir besonders gut gefallen, auch wenn sie recht unrealistisch sind.

An manchen Stellen fordert das (Hör-)Buch den Leser/Hörer schon arg, aber das macht auch das wahre Leben. Wer „perfekte“ Romanfiguren sucht, sollte dieses Buch nicht lesen. Es menschelt hier sehr und Marissa Stapley hat ihren Helden und Heldinnen auch zugestanden, nicht aus allem zu lernen und immer wieder neue Fehler zu machen. Wie ich finde, ein sehr lebensnahes Vorgehen. Ich schwanke zwischen vier und fünf Sternen. Insgesamt hat mich das Buch aber sehr bewegt und beeindruckt, deshalb runde ich auf und gebe die vollen fünf Sterne.

Veröffentlicht am 27.11.2017

Ein zauberhaftes Büchlein!

Wie wir Katzen die Welt sehen
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In wunderbaren kleinen Texten und umwerfend süßen Illustrationen zeigen Hermien Stellmacher und Joachim Schultz, was unsere Schnurrnasen von uns und unseren Handlungen halten. Schön alphabetisch sortiert, ...

In wunderbaren kleinen Texten und umwerfend süßen Illustrationen zeigen Hermien Stellmacher und Joachim Schultz, was unsere Schnurrnasen von uns und unseren Handlungen halten. Schön alphabetisch sortiert, mit kursiven und mit Pfeilen gekennzeichneten Hinweisen auf weitere Stichworte (wie in einem „echten“ Lexikon, so süß!) findet der geneigte Katzenmensch Antworten auf die Frage, was sein/e Samtpfote/n wohl so von ihm halten mag/mögen.

Wer schon länger mit Katzen unter einem Dach lebt, wird vieles wiedererkennen. Und ganz klar – den Fellknäulen gefällt so einiges nicht, das wir für wichtig halten. Deshalb sind auch einige „Tipps“ und „Hinweise“ nicht so ganz nach meinem Guthalten, doch darauf kommt es gar nicht an. Ein wahrer Kern steckt in jedem der Texte und Neulinge auf dem Gebiet des Zusammenlebens mit Katzen werden eher zu anderen Werken greifen. Dieses hier ist für all jene, die ihr Herz schon länger an das tollste Tier der Welt verloren haben. Das Verständnis für die Streiche und Protesthandlungen der Katzen wird mit diesen Texten vielleicht sogar bei dem einen oder anderen menschlichen Mitbewohner etwas größer werden, denn hier kommt Miez zu Wort, nicht der Mensch.

Wer kennt das nicht: man gibt viel Geld für ganz besonders schönes Katzenspielzeug und super weiche, bequeme, edle Katzenbettchen aus und dann erobert das Schnurrmonster doch glatt den kleinsten Karton, einen Sektkorken, ein Päckchen Taschentücher oder was auch immer und lässt die teuer bezahlten Dinge links liegen! Genau und solche Momente geht es in diesem Büchlein und jeder Abschnitt trifft mitten ins Schwarze. Ich liebe es!

Ganz besonders liebe ich die kleinen Illustrationen. Oftmals sind es Kollagen aus Zeichnung und Foto – die gefallen mir extrem gut. Der kleine Kater, der durchs Buch führt, ist mir sofort ans Herz gewachsen. Man sieht auf jedem einzelnen Bild, dass hier das Herz den Pinsel führte!

Ich bin von diesem Büchlein absolut begeistert. Es hat einen festen und besonderen Platz in meiner Katzenbuchsammlung und bekommt fünf glänzende Sterne von mir!

Veröffentlicht am 18.11.2017

Eine Zeitreise durch die Musik-Geschichte

Hits & Storys
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Werner Köhler hörte mit neun Jahren zum ersten Mal bewusst eine Beatles-Platte. Dieses Erlebnis prägte ihn nachhaltig. Sein Leben dreht sich seither mehr und mehr um Musik. Zunächst lernte er diverse Instrumente ...

Werner Köhler hörte mit neun Jahren zum ersten Mal bewusst eine Beatles-Platte. Dieses Erlebnis prägte ihn nachhaltig. Sein Leben dreht sich seither mehr und mehr um Musik. Zunächst lernte er diverse Instrumente spielen, dann studierte er Musik, er wurde Berufsmusiker, wechselte dann zum Radio und wurde Musikredakteur. Die Hörfunk-Serie „Hits & Storys“ wurde selbst ein Hit. Die Hörer der Sendung sind – wen wundert es – begeistert und freuen sich, endlich die Geschichten hinter den Songs zu erfahren, zu verstehen, was ein Song tatsächlich erzählt und zu erfahren, welche Geschichten und manchmal auch Mythen sich darum ranken.

Die einzelnen Geschichten sind gekonnt erzählt und es kommt niemals Langeweile auf. Dazu gibt es tolle Fotos und zauberhafte Illustrationen. Für jeden findet sich hier mindestens ein Song, ein Interpret oder eine Story, die ihm gefällt, auch wenn nicht jeder alle kennen wird. Manche Songs wird man nach der Lektüre „mit anderen Ohren hören“, nachdem man mehr darüber weiß. Die Texte sind farblich unterschiedlich. Was Köhler selbst zu erzählen hat, ist in orange gehalten; die eigentlichen Storys sind in schwarzer Schrift. Das unterteilt die Texte optisch sehr gut und beim Nachblättern (das immer mal wieder vorkommt – man liest dieses Buch nicht nur einmal!) hilft, die Texte auseinanderzuhalten. Ich kann mich in den Illustrationen verlieren und das Buch nur ihretwegen durchblättern. Ebenso kann ich nach Fotos suchen oder eben Songs. Hin und wieder finden sich Fotos, die Köhler mit dem jeweiligen Interpreten zeigen und dennoch hat man nicht das Gefühl, er ist ein Selbstdarsteller. Das Buch ist von vorn bis hinten harmonisch und macht Spaß!

Dabei ist Köhler nicht nur lobend, sondern durchaus auch kritisch. Er sagt, was er denkt – und das eben auf eine direkte, dennoch unverletzende, sondern durchgehend faire und ehrliche Weise.

Nicht alle Informationen waren neu für mich, aber so toll zusammengestellt zum immer wieder Nachlesen ist das eine feine Sache. Für mich ist es ein Buch, das jahrelang Freude macht. Dafür gebe ich fünf Sterne!

Veröffentlicht am 13.11.2017

Autsch! Das tut weh!

Happy Aua
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Für mich ist die deutsche Sprache einfach wunderschön, auch wenn sie viele Tücken hat. Fehler laufen mir ständig zu und es macht mich halb wahnsinnig, wenn die Verursacher einfach nur mit der Schulter ...

Für mich ist die deutsche Sprache einfach wunderschön, auch wenn sie viele Tücken hat. Fehler laufen mir ständig zu und es macht mich halb wahnsinnig, wenn die Verursacher einfach nur mit der Schulter zucken. In der Dorfbäckerei steht seit Jahren ein Schild mit „Holzluckenbrot“. Meine Finger jucken, es einfach abzureißen! Wen wundert es also, dass ich über diese Sammlung hellauf begeistert bin?

Bastian Sick ist mein Held – er kämpft für die Einhaltung der Rechtschreibung und macht mir immer wieder Mut. Nein, das meine ich keinesfalls ironisch! Solange es seine Kolumne und seine Bücher gibt, besteht noch die Hoffnung, dass die Leute doch noch ein paar Rechtschreibregeln lernen und/oder zum Wörterbuch greifen, wenn sie unsicher sind. Mal im Ernst: Gurge, Blaubärmarmelade, Bohlingtaschen, Reberaturen und Führsprecher sind schon krass. Falsch gesetzte Apostrophe und mehr oder weniger witzige Schilder gibt es noch on top.

Der Wahnsinn kennt keine Grenzen, denn nicht nur handgeschriebene Fehler sind gesammelt, sondern auch jede Menge Fehler aus Zeitungsberichten und Onlinetexten. Da mir viele dieser Fehler tatsächlich körperliche Schmerzen bereiten ist „Happy Aua“ schon ein doppelt gut gewählter Titel.

Von mir fünf Sterne!

Veröffentlicht am 13.11.2017

Mephy und die Liebe

Dicker Teufel umständehalber in liebevolle Hände abzugeben
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Mephistopheles, kurz Mephy, führt seit seiner Strafversetzung die Hölle vorbildlich. In seiner Freizeit sieht er gerne romantische Komödien. Genau deshalb wächst in ihm der Wunsch, um seiner selbst willen ...

Mephistopheles, kurz Mephy, führt seit seiner Strafversetzung die Hölle vorbildlich. In seiner Freizeit sieht er gerne romantische Komödien. Genau deshalb wächst in ihm der Wunsch, um seiner selbst willen geliebt zu werden. Frauen werfen sich ihm reihenweise an den Hals, doch stets mit dem Hintergedanken, dadurch den Höllenqualen zu entkommen. Das will er nicht mehr, er will echte Liebe. Und so bittet er den Chef um Urlaub. Den will er auf der Erde verbringen und dort sein Glück finden. Mit seinem Diener Azazel macht er sich auf und stellt fest, dass Partnersuche die Hölle ist …

Sebastian niedlich hat eine wunderbare Art, mit Tod und Teufel umzugehen. All seine Bücher haben das gewisse Etwas und sind trotz einer Extraportion Humor nie billig oder niveaulos. Im Gegenteil – er schafft es wie kein Zweiter, respektvoll und humorvoll gleichzeitig zu sein. Trotz aller Kritik an Gott und Teufel, an Himmel und Hölle, an Glaube und Nichtglaube wird er nie moralisch oder pocht auf eine bestimmte Sichtweise. Gerade deshalb kommt man ins Grübeln und ist bereit, seine Einstellungen noch einmal zu überdenken. So bleibt immer ein Stück der Story im Hinterkopf und hallt sehr lange nach.

Der Stil ist lebendig: mal flott und mitreißend komisch, dann wieder ruhiger und besinnlicher. Ganz so, wie das Leben eben gern spielt. Doch auch in den schwierigsten Momenten ist ein kleines Körnchen Humor zu finden, und sei es auch nur durch einen Wortwitz. Diese entstehen quasi von ganz allein und ziehen sich durchs ganze Buch.

Die Figuren sind herrlich gezeichnet. Auch unsympathische Charaktere machen hier Spaß, denn irgendwie erkennt man von jeder Charakterart irgendjemanden aus dem eigenen Leben wieder. Die Gesamtheit der Figuren ergibt ein erstaunlich reales Bild, auch wenn darin einige Himmel- und Höllenbewohner vorkommen. Die Gedankengänge aller Charaktere, ihre Handlungsweisen und die Folgen finde ich jedenfalls absolut nachvollziehbar. Besonders schön ist dargestellt, wie schwer es ist, den richtigen Partner zu finden. Oder ganz krass: überhaupt jemanden, der „kompatibel“ ist. Da lobe ich mir die gute alte Zeit, in der ich völlig ohne Facebook, Partnerbörsen und ähnlichen Katastrophen meinen Mann gefunden habe. Ganz schlicht und ergreifend in einem Music-Pub. Und als Teenager ging das auch so herrlich „technikfrei“. Mephy tut mit da echt leid, hat er doch von vorn herein ganz schlechte Ausgangsvoraussetzungen, noch dazu nur 66 Tage Zeit und – verständlicher Weise – auch ein paar Vorstellungen, wie seine Traumfrau denn sein soll.

Sebastian Niedlich hat es aber zusätzlich geschafft, ganz andere Themen noch mit einzuflechten. Es geht auch um die Frage, ob Gott wohl wirklich so gut und gnädig ist und der Teufel so böse und gemein. Da geraten die Gedanken ins Rotieren und nehmen völlig neue Wege. Nein, ich bin nicht Agnostiker, aber ich frage mich schon, wie ein so gütiger Gott so viel Böses zulassen kann und ob der Teufel tatsächlich so böse ist – straft er doch nur diejenigen, die im Leben Böses getan haben. Doch das nur am Rande!

Viele weitere Themen wurden vom Autor mit eingebaut. Sei es da Transgender, Satanismus, Feminismus, Krankheit oder Arroganz – Sebastian Niedlich legt den Finger immer in die Wunde, aber nicht um zu quälen, sondern um zu heilen!

Mephis Suche und Erkenntnisse gefallen mir extrem gut. Ich bin gespannt, womit Sebastian Niedlich mich mit seinem nächsten Buch verzaubert. Keiner geht Themen dieser Art so außergewöhnlich und respektvoll an, wie er. Ganz klar: fünf Sterne!