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Veröffentlicht am 04.04.2025

Blütenpracht mit düsterem Beigeschmack – konnte mich nicht ganz überzeugen

The Florist
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„The Florist“ von C.L. Pattison hat mich mit seiner atmosphärischen Prämisse sofort neugierig gemacht. Eine eher zurückhaltende Floristin, die sich in einem neuen, elitären Umfeld zurechtfinden muss und ...

„The Florist“ von C.L. Pattison hat mich mit seiner atmosphärischen Prämisse sofort neugierig gemacht. Eine eher zurückhaltende Floristin, die sich in einem neuen, elitären Umfeld zurechtfinden muss und dabei in ein Netz aus Misstrauen, Manipulation und Gewalt gerät – das klang nach einer spannenden Lektüre. Und ja, an vielen Stellen war es das auch. Trotzdem blieb am Ende bei mir ein leicht schales Gefühl zurück.

Amy, die Hauptfigur, ist definitiv kein klassischer Sympathieträger. Und genau das ist Fluch und Segen zugleich: Einerseits fand ich ihre Perspektive interessant, weil sie so vieles verbirgt – vor den anderen und vor uns als Leser*innen. Andererseits fiel es mir dadurch schwer, emotional mitzugehen. Es hat etwas gefehlt, das mich wirklich mitgezogen hätte. Stattdessen war ich oft irritiert und zeitweise sehr genervt von ihren Entscheidungen oder ihrem Verhalten.

Die Geschichte spielt mit Zeitsprüngen und eingestreuten Verhörprotokollen – das ist ein Stilmittel, das ich sehr mag und das der Erzählung eine gewisse Dynamik verleiht. Auch die Kulisse des Londoner Blumenladens, das florale Detailwissen und die geheimnisvolle Stimmung haben mir gut gefallen. Doch der Spannungsaufbau selbst wirkte auf mich nicht durchgängig konsequent. Gerade im Mittelteil hätte ich mir mehr Zug oder auch klarere Konflikte gewünscht – statt unterschwelliger Spannung blieb manchmal einfach nur ein schleichendes „Okay, und jetzt?“-Gefühl zurück.

Der Schluss kommt dann mit Nachdruck, überrascht auch, aber fühlt sich fast ein wenig gehetzt an – als wolle man in den letzten Kapiteln alles reinpacken, was zuvor noch offen war. Mir fehlte da der letzte Feinschliff, das „Aha!“-Erlebnis, das mich staunend zurücklässt.

Alles in allem: Ein solider Psychothriller mit einem ungewöhnlichen Setting und einer etwas sperrigen Protagonistin. Kein totaler Reinfall, aber eben auch kein echter Pageturner. Wer subtile Spannung mag und auch mit weniger greifbaren Figuren leben kann, wird hier sicher auf seine Kosten kommen. Ich persönlich habe mir ein bisschen mehr Tiefe und emotionale Bindung erhofft.

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Veröffentlicht am 24.11.2024

Eine düstere Reise mit Höhen und Tiefen

Fractal Noise
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Christopher Paolini nimmt uns mit Fractal Noise in ein Sci-Fi-Setting voller Versprechen: eine mysteriöse Anomalie auf einem fremden Planeten, ein dysfunktionales Team auf einer scheinbar einfachen Mission ...

Christopher Paolini nimmt uns mit Fractal Noise in ein Sci-Fi-Setting voller Versprechen: eine mysteriöse Anomalie auf einem fremden Planeten, ein dysfunktionales Team auf einer scheinbar einfachen Mission und ein Protagonist, der gegen innere Dämonen kämpft. Leider bleibt die Umsetzung hinter den Erwartungen zurück und konnte mich nicht vollends überzeugen.

Das Cover und der Klappentext versprachen ein fesselndes Abenteuer, und das Setting hält dieses Versprechen zumindest teilweise. Die Beschreibung des unwirtlichen Planeten Talos VII und die unheimliche Präsenz der gigantischen Grube schaffen eine bedrückende Atmosphäre, die neugierig macht. Paolinis Schreibstil punktet durch seine Emotionalität und seine Fähigkeit, den Schmerz und die Zerrissenheit des Protagonisten Alex Crichton intensiv darzustellen. Die philosophischen Fragen, die im Verlauf aufgeworfen werden, verleihen der Geschichte eine gewisse Tiefe.

Die Handlung konzentriert sich fast ausschließlich auf die Reise zum Loch – eine Reise, die von internen Konflikten und Wiederholungen geprägt ist. Die Gruppendynamik im Team wirkt vorhersehbar und anstrengend, da Missgunst und Streit die Handlung dominieren. Dies hemmt den Spannungsaufbau doch sehr. Der Protagonist Alex bleibt über weite Strecken in seiner Trauer gefangen, was zwar nachvollziehbar, aber auf Dauer ermüdend ist. Zudem verläuft die Erkundung des Lochs selbst enttäuschend: Weder werden große Geheimnisse gelüftet, noch kommt es zu bahnbrechenden Entwicklungen.

Mein Fazit:
Fractal Noise ist ein Buch, das sich für Fans von introspektiven, philosophisch angehauchten Geschichten eignet, die auch düstere Töne schätzen. Wer jedoch auf eine spannende und dynamische Handlung hofft, wird hier eher enttäuscht. Das Potenzial der Grundidee und des Settings wird durch die schleppende Umsetzung und die konfliktreiche Teamdynamik nicht vollständig ausgeschöpft. Für mich bleibt es ein solider Roman mit faszinierenden Ansätzen, aber es fehlt an der Spannung, die ich mir erhofft hatte.

Trotz allem könnte es für Liebhaber von Paolinis Infinitum interessant sein, da es als Vorgeschichte fungiert und einige thematische Verbindungen aufweist.

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Veröffentlicht am 08.10.2024

Solider Auftakt mit Potenzial, aber langsamer Erzählfluss

Die Leoniden - Spektrum (#1)
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"Die Leoniden – Spektrum 1" von Nanna Foss bietet einen interessanten Einstieg in eine neue Urban-Fantasy-Reihe, die mit Zeitreisen und einer bunt gemischten Gruppe von Jugendlichen aufwartet. Die Geschichte ...

"Die Leoniden – Spektrum 1" von Nanna Foss bietet einen interessanten Einstieg in eine neue Urban-Fantasy-Reihe, die mit Zeitreisen und einer bunt gemischten Gruppe von Jugendlichen aufwartet. Die Geschichte rund um Emilie und ihre Freunde beginnt vielversprechend, doch der erste Band lässt leider einige Wünsche offen.

Positiv hervorzuheben ist die Darstellung der unterschiedlichen Charaktere, allen voran Emilie, die als introvertierte und kreative Protagonistin gut gezeichnet ist. Die Gruppendynamik entwickelt sich über das Buch hinweg, auch wenn die Einführung von neuen Figuren, wie dem grummeligen Noah, für mich eher anstrengend als spannend war. Der Zeitreise-Aspekt und die mysteriösen Fähigkeiten der Jugendlichen wecken zwar Interesse, doch die Handlung zieht sich über weite Strecken und nimmt erst im letzten Viertel richtig Fahrt auf.

Ein großes Plus ist der unkomplizierte Schreibstil der Autorin, der die Geschichte leicht lesbar macht. Trotzdem bleibt das Gefühl, dass die Handlung zu sehr im Alltag der Jugendlichen verharrt und die Spannung dadurch leidet. Gerade für eine Fantasy-Reihe hätte ich mir frühere Höhepunkte und mehr Action gewünscht.

Alles in allem ein ordentlicher Auftakt, der aber deutlich Luft nach oben hat. Ich hoffe, dass die Fortsetzung mehr Tempo und Spannung bietet und sich die Geschichte stärker auf die faszinierenden Zeitreise-Elemente konzentriert.

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Veröffentlicht am 19.09.2024

"Empire of Sins and Souls 1 – Das verratene Herz: Leider nicht so das Wahre"

Empire of Sins and Souls 1 - Das verratene Herz
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"Empire of Sins and Souls 1 – Das verratene Herz" bietet auf den ersten Blick ein spannendes und düsteres Fantasy-Setting. Die Welt von Xanthia, einem Vorhof der Hölle, und die Idee, Verbrecher für ihre ...


"Empire of Sins and Souls 1 – Das verratene Herz" bietet auf den ersten Blick ein spannendes und düsteres Fantasy-Setting. Die Welt von Xanthia, einem Vorhof der Hölle, und die Idee, Verbrecher für ihre Sünden büßen zu lassen, ist originell und hat mich neugierig gemacht. Der Schreibstil ist flüssig und leicht verständlich, sodass man schnell durch die Seiten kommt. Auch das Cover und die atmosphärische Beschreibung der Welt haben mich von Anfang an überzeugt.

Leider hält das Buch dieses anfängliche Versprechen nicht. Während der Beginn noch fesselnd war und Zoés harte Entscheidungen und Schicksal spannend dargestellt werden, flacht die Geschichte im Mittelteil stark ab. Viele Handlungsstränge wirken unklar und die Einführung der magischen Artefakte ist verwirrend und schlecht erklärt. Auch die Spannung, die am Anfang noch greifbar war, geht in der zweiten Hälfte fast komplett verloren.

Die Charakterentwicklung, insbesondere die von Zoé, bleibt ebenfalls oberflächlich. Obwohl sie als Antiheldin eingeführt wird, wirkt sie oft wie eine "graue Maus" und handelt ohne klare Motivation. Die aufkommende Liebesgeschichte mit Alexei ist enttäuschend. Sie basiert hauptsächlich auf körperlicher Anziehung und bleibt emotional flach, was es schwer macht, sich mit den Charakteren zu identifizieren.

Insgesamt hat "Empire of Sins and Souls" zwar Potenzial, schöpft dieses jedoch nicht voll aus. Die interessante Welt und düstere Atmosphäre werden von einer schwachen Charakterentwicklung und mangelnder Spannung überschattet. Ein solider Auftakt für Fans von dunkler Fantasy, der jedoch nicht das hält, was er verspricht.

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Veröffentlicht am 12.09.2024

„Verbrannte Gnade“: Ein Krimi mit unkonventioneller Heldin, der seine Spannung verliert

Verbrannte Gnade
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„Verbrannte Gnade“ von Margot Douaihy bietet eine interessante Mischung aus Krimi und religiöser Fiktion, die leider nicht ganz überzeugt. Die Geschichte folgt Schwester Holiday, einer unkonventionellen ...

„Verbrannte Gnade“ von Margot Douaihy bietet eine interessante Mischung aus Krimi und religiöser Fiktion, die leider nicht ganz überzeugt. Die Geschichte folgt Schwester Holiday, einer unkonventionellen Nonne mit einer punkigen Vergangenheit, die in einem Kloster in New Orleans lebt. Als ein Brand in der Klosterschule ausbricht und der Hausmeister ums Leben kommt, beginnt Holiday, selbst Ermittlungen anzustellen, da die Polizei auf der Stelle tritt.

Der Einstieg in das Buch ist vielversprechend und die lebendige Beschreibung des Klosters und der schwülen Stadt New Orleans schafft eine ansprechende Atmosphäre. Schwester Holiday, mit ihren Tätowierungen und ihrer rebellischen Haltung, ist eine erfrischend untypische Ermittlerin und bringt frischen Wind in die Geschichte.

Jedoch verliert das Buch im Verlauf an Schwung. Die anfängliche Krimispannung wird zunehmend von religiösen Rückblicken und persönlichen Konflikten der Protagonistin überschattet. Die Ermittlungen geraten ins Stocken und die Auflösung des Falls wirkt abrupt und wenig überzeugend. Die Geschichte entwickelt sich mehr zu einer Erzählung über Glauben und persönliche Erlösung als zu einem packenden Krimi.

Die Rückblenden in Holidays Vergangenheit sind zwar aufschlussreich, tragen aber wenig zur Lösung des eigentlichen Falls bei. Stattdessen wird der Krimianteil in den Hintergrund gedrängt und der Fokus verlagert sich auf die Themen Religion und persönliche Überwindung.

Zusammengefasst ist „Verbrannte Gnade“ eine interessante Lektüre mit einer ungewöhnlichen Protagonistin und einer lebhaften Darstellung von New Orleans. Die Kombination aus Krimi und religiöser Fiktion ist jedoch nicht ganz gelungen und lässt am Ende einige Fragen offen. Wer einen spannenden Krimi erwartet, wird möglicherweise enttäuscht, während Leser, die sich für religiöse und persönliche Themen interessieren, auf ihre Kosten kommen könnten. Daher erhält das Buch von mir drei Sterne.

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