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Veröffentlicht am 13.09.2024

Von Hexen, schwarzen Löchern und Mathemagie

Felina Fingerhut und das verhexte Schwarze Loch
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Felina ist 11 Jahre alt und hat Ferien. Und Langeweile. Und schlechte Laune. Denn sie würde gerne in Urlaub fliegen, eine schwarze Katze haben und wie eine echte Hexe auf einem Besen reiten. Stattdessen ...

Felina ist 11 Jahre alt und hat Ferien. Und Langeweile. Und schlechte Laune. Denn sie würde gerne in Urlaub fliegen, eine schwarze Katze haben und wie eine echte Hexe auf einem Besen reiten. Stattdessen ist die Familienkasse klamm, da das Restaurant der Eltern abgebrannt ist, und Felina muss im Haushalt helfen und Zeitungen austragen. Als eines Tages ein geheimnisvolles Paket, das eigentlich für eine Hexe in der Nachbarschaft bestimmt ist, versehentlich vor Felinas Haustür landet, versteckt Felina das Paket kurzerhand in ihrem Zimmer, anstatt es der rechtmäßigen Empfängerin auszuhändigen. Darin ist ein schwarzes Loch, das zunächst allerlei Unliebsames schluckt – doch irgendwann verschwinden Felinas Eltern darin, und Felina hat ein Problem…

Felina ist ein Kind, mit dem sich die jungen Leser/innen sicher gut identifizieren können: Sie ist gewitzt, aber auch manchmal störrisch, grummelig und egoistisch. Sie hat eine blühende Fantasie, handelt ein bisschen vorschnell und hat einen ausgeprägten eigenen Willen. Genau das macht sie so authentisch. Besonders gut hat mir gefallen, dass sie sich im Laufe der Geschichte weiterentwickelt, Verantwortung übernimmt und lernt, ihre eigenen Bedürfnisse auch einmal zurückzustecken. Dennoch verliert sie dabei nie ihre Träume und ihre Fantasie.

Mit der sympathischen, hilfsbereiten Junghexe Wolke Donnerwetter und dem kauzigen Zauberer Ignatz Stecknadel, der als Mathemagiker ein Faible für Zahlen und Mathematik hat, hat die Autorin zwei herrliche Charaktere erschaffen. Hinzu kommt noch der schwarze Hexenkater Knopf, der die Lieblingsfigur meines Sohnes war.

Bei aller Spannung und Magie kommt auch der Humor nicht zu kurz, und mein Sohn (10) und ich haben uns immer wieder köstlich amüsiert. Die Geschichte ist aber nicht einfach nur eine nette Zauberstory, sondern enthält schöne Botschaften mit Tiefgang. Sie zeigt, dass auch in den kleinen Dingen im Leben Magie steckt, und jeder Mensch auf gewisse Weise über ein bisschen Magie verfügt, wenn er seine Stärken ausschöpft und lernt, auf sich selbst und seine Fähigkeiten zu vertrauen.

Mein Sohn und ich sind schon gespannt auf Felinas nächstes Abenteuer und freuen uns auf die Fortsetzung.

Ein kleiner Tipp zum Schluss: Unbedingt Spaghetti daheim haben – nach der Lektüre möchte man am liebsten welche essen!

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Veröffentlicht am 10.09.2024

Nach "Fünf Winter" wieder ein Spitzen-Thriller von Kestrel!

Bis in alle Endlichkeit
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Nachdem mich letztes Jahr James Kestrel (Pseudonym von Jonathan Moore) mit „Fünf Winter“ total begeistert hatte, wollte ich sein neuestes Buch (das im Original jedoch früher erschienen ist) unbedingt lesen. ...

Nachdem mich letztes Jahr James Kestrel (Pseudonym von Jonathan Moore) mit „Fünf Winter“ total begeistert hatte, wollte ich sein neuestes Buch (das im Original jedoch früher erschienen ist) unbedingt lesen. „Bis in alle Endlichkeit“ gehört klassisch ins Thriller-Sub-Genre des „Hardboiled Detective“.

Der ehemalige Anwalt und Privatermittler Lee Crowe schreckt nicht vor ungewöhnlichen Methoden zurück und sein aktueller Auftraggeber ist ein sehr zwielichtiger Anwalt. Als er in einem wenig einladenden Viertel von San Francisco zufällig auf einen Rolls-Royce stößt, dessen Dach durch ein die Leiche einer festlich gekleideten Frau eingebeult ist, wittert er eine gute Gelegenheit, nebenbei ein paar Dollars zu verdienen, und macht Fotos der Leiche. Dies hat ungeahnte Folgen…

Wie schon bei „Fünf Winter“ hat mich Kestrels sprachgewandter, lebendiger Schreibstil sofort in die Geschichte gezogen. Sehr gut gefiel mir, dass die Handlung relativ unblutig war. Die Charaktere sind toll ausgearbeitet, komplex und ambivalent. Lee Crowe ist eine spannende Figur, aber nicht unbedingt sympathisch. Er steht auf der richtigen Seite, hat aber keine Skrupel, moralisch durchaus fragwürdig zu handeln, um seine Ziele zu erreichen.

Kestrel schafft es, über den gesamten Roman die Spannung hochzuhalten, und jedes Mal, wenn ich dachte, ich hätte die Lösung, kam wieder eine überraschende Wendung, die meine Theorie über den Haufen geworfen hat.

Interessant finde ich, dass Kestrel/Moore selbst Anwalt ist und eine Zeitlang für einen Strafverteidiger als Ermittler gearbeitet hat. Ich habe mich immer wieder gefragt, welche eigenen Erfahrungen ihn zu seinen Geschichten inspiriert haben könnten.

Mich hat auch dieser Thriller von Kestrel atemlos durch die Seiten fliegen lassen und bis zum Schluss gefesselt. Ich hoffe sehr, dass zukünftig noch weitere Titel von Kestrel/Moore bei Suhrkamp erscheinen werden und empfehle dieses Buch und auch „Fünf Winter“ unbedingt weiter.

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Veröffentlicht am 10.09.2024

Ein geniales Kindersachbuch als Graphic Novel

Wölfe - Wahre Geschichten
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Ein Sachbuch als Graphic Novel – kann das funktionieren? Ja, es kann, und wie!

„Wölfe – Wahre Geschichten“ ist ein relativ großformatiges (beinahe A4) und mit 268 Seiten sehr umfangreiches, durchgehend ...

Ein Sachbuch als Graphic Novel – kann das funktionieren? Ja, es kann, und wie!

„Wölfe – Wahre Geschichten“ ist ein relativ großformatiges (beinahe A4) und mit 268 Seiten sehr umfangreiches, durchgehend farbiges Sachbuch, das sich auf spannende, altersgerechte und wissenschaftlich fundierte Weise mit dem Leben der Wölfe befasst. Es räumt mit Vorurteilen und Mythen auf und gibt tolle Einblicke in die Arbeit polnischer Wolfsschützer/innen. Neben gezeichneten Comic-Panels sind auch viele Fotografien enthalten.

Mein Sohn (10) war sofort Feuer und Flamme und hat seine Nase bei schönstem Sommerwetter über Tage in das Buch gesteckt - und das will etwas heißen! Man spürt auf jeder Seite die Begeisterung und das Fachwissen des Wolfsexperten von Michal Figura, die von Aleksandra Mizielinska und Daniel Mizielinski wunderbar in Illustrationen umgesetzt wurden. Durch die Comic-Panels, die im Übrigen auf realen Kameraaufnahmen beruhen, werden selbst trockenere Fakten und technische Geräte wie GPS-Sender-Halsbänder auf so unterhaltsame und spannende Weise erklärt, dass auch eher wenig lesefreudige Kinder ihren Spaß daran haben werden. In acht wahren Geschichten wird somit ganz nebenbei geballtes Wissen vermittelt.

Die Verbindung von Graphic Novel und Sachbuch ist eine geniale Idee, die bei „Wölfe – wahre Geschichten“ voll aufgeht. Völlig zurecht ist „Wölfe – wahre Geschichten“ für den diesjährigen Jugendliteraturpreis nominiert und uns hat dieses Buch absolut begeistert. Wir können es rundum weiterempfehlen. Dank der hochwertigen Gestaltung ist es auch ein ideales Geschenk und sollte zudem in keiner Schulbibliothek fehlen. Unbedingt lesen!

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Veröffentlicht am 03.09.2024

Eine Coming-of-Age-Geschichte zur Zeit der Mauerfalls, sehr schön illustriert

Junge aus West-Berlin
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Bisher kannte ich von Maxim Leo eher seine pointierten, mit hintergründigem Humor gespickten Werke wie jüngst "Frankie" oder "Wir werden jung sein". Die verhältnismäßig kurze Geschichte "Junge aus West-Berlin" ...

Bisher kannte ich von Maxim Leo eher seine pointierten, mit hintergründigem Humor gespickten Werke wie jüngst "Frankie" oder "Wir werden jung sein". Die verhältnismäßig kurze Geschichte "Junge aus West-Berlin" ist hingegen eine sehr nachdenkliche, melancholische Coming-of-age- und Liebesgeschichte, die kurz vor dem Mauerfall weitgehend in Ostberlin spielt. Abwechselnd aus der Perspektive von Marc aus dem Westen und Nele aus dem Osten erzählt, fängt Maxim Leo die besondere Stimmung dieser Zeit ein, gepaart mit den Unsicherheiten des Erwachsenwerdens, den Missverständnissen und der Magie der ersten Liebe.

Kat Menschik hat die Geschichte kraftvoll und detailliert illustriert. Die Zeichnungen sind in Grautönen gehalten, ergänzt um ein kräftiges Pink, und laden dazu ein, ausführlich betrachtet zu werden. Mir gefällt der Stil der Illustrationen sehr gut, er passt hervorragend zur beschriebenen Zeit und die Bilder ergänzen den Text sehr schön.

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Veröffentlicht am 02.09.2024

Eine "Liebe", bei der einen das Grauen packt

Mein Mann
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Die namenlose Ich-Erzählerin liebt, so sagt sie, ihren Mann. Er ist der Mittelpunkt ihres Lebens, Fühlens und Denkens, jede ihrer Handlungen ist auf ihn ausgerichtet. Keine Geste, keine Wirkung wird dem ...

Die namenlose Ich-Erzählerin liebt, so sagt sie, ihren Mann. Er ist der Mittelpunkt ihres Lebens, Fühlens und Denkens, jede ihrer Handlungen ist auf ihn ausgerichtet. Keine Geste, keine Wirkung wird dem Zufall überlassen. Seit 15 Jahren ist sie in einer Intensität in ihn verliebt, dass einen beim Lesen bereits zu Anfang ein diffuses Unwohlsein beschleicht. Dieses nimmt immer weiter zu, steigert sich zur Beklemmung, umso stärker der zwanghafte, besitzergreifende und narzisstische Charakter der Protagonistin zutage tritt. Teilweise wirkt sie regelrecht paranoid. Denn: Liebt ihr Mann sie genauso sehr? Diese Frage beherrscht sie pausenlos. Jede Geste, jede kleinste Äußerung des Ehemannes wird auf die Goldwaage gelegt, interpretiert, bewertet. Und so entwickelt Maud Venturas Buch einen Sog wie ein Psychothriller, dem man sich nicht entziehen kann. Die Geschichte dieser Obsession ist so packend erzählt, so intensiv und zugleich verstörend, dass es mich beim Lesen stellenweise fröstelte. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, weil ich unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht. Ich möchte nichts vorwegnehmen, daher nur so viel: Wirklich meisterhaft gelungen ist der Autorin der Schluss, den ich so nicht erwartet hatte: Einfach phänomenal!

Dieser Roman ist völlig zu Recht ein Besteller in Frankreich geworden, und ich kann ihn nur wärmstens weiterempfehlen!

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