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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.08.2025

Hochaktuelles Thema in nicht ganz überzeugender Umsetzung

Heimat
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Das Cover von Hannah Lühmanns „Heimat“ konnte mich direkt überzeugen, denn das Phänomen Tradwifes finde ich hier gut eingefangen: die Bäume wirken wie aus einem alten Gemälde geschnitten, das bei meinen ...

Das Cover von Hannah Lühmanns „Heimat“ konnte mich direkt überzeugen, denn das Phänomen Tradwifes finde ich hier gut eingefangen: die Bäume wirken wie aus einem alten Gemälde geschnitten, das bei meinen Großeltern hängen könnte. Der rosa Schriftzug Heimat wirkt hingegen eher modern. Altes mit einem modernen Anstrich – das trifft das Thema, ohne zu plakativ zu sein.

Inhaltlich konnte mich das Buch leider nicht ganz so begeistern. Vielleicht hatte ich auch zu hohe Erwartungen, aber ich habe mir irgendwie eine tiefergehende Auseinandersetzung mit dem Thema gewünscht. Lühmanns Stil hat mir grundsätzlich gut gefallen, auch die Aneinanderreihung einzelner Szenenbilder empfand ich als angenehm zu lesen. Insgesamt blieb mir aber vor allem die Protagonistin Jana zu klischeehaft und fade. Das Buch ist recht kurz und ich hätte mir gewünscht, dass der Fokus mehr auf der Freundschaft zwischen Jana und Karolin liegen bleibt. Hier werden immer wieder weitere große Themen, wie zum Beispiel häusliche Gewalt, angedeutet und angeschnitten, sodass die eigentliche Handlung meiner Meinung nach etwas ausfranst. Zu Beginn ist Janas zunehmende Einsamkeit und Überforderung noch überzeugend dargestellt, später kann ich ihren Wandel irgendwie nicht mehr nachvollziehen. Auch die Neubausiedlung wirkt für mich oft eher wie eine konstruierte Kulisse für die Geschichte als überzeugend. Im Gegensatz zum Cover habe ich die Geschichte oft eher als plakativ erfahren und mich beim Lesen gefragt, ob das bewusst so angelegt wurde.

Daher bleibe ich mit gemischten Gefühlen zurück: das Buch behandelt ein hochaktuelles Thema, ist gut und flüssig lesbar, aber bleibt hinter meinen Erwartungen zurück.

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Veröffentlicht am 23.04.2025

Tiefe Wasser – flacher Plot

Die Bucht
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„Die Bucht“ von Liz Webb klangt für mich vielversprechend: Das Setting auf einer düsteren schottischen Insel, ein Ehemann, der nach einem Nahtoderlebnis plötzlich verändert ist, dunkle Geheimnisse, tiefe ...

„Die Bucht“ von Liz Webb klangt für mich vielversprechend: Das Setting auf einer düsteren schottischen Insel, ein Ehemann, der nach einem Nahtoderlebnis plötzlich verändert ist, dunkle Geheimnisse, tiefe Wasser – hier habe ich einen atmosphärischen, psychologisch tiefgehenden Pageturner erwartet.

Leider habe ich dann die gesamte Handlung als eher flach empfunden und war das Buch insgesamt für mich eher eine Enttäuschung. Zunächst einmal ist das Buch schon fast vorbei, wenn alles passiert ist, was auf dem Klappentext schon verraten wird. Das wäre an sich noch nicht schlimm, allerdings konnte ich gar keine Verbindung zu den Protagonist*innen Calder und Nancy aufbauen. Nancy wirkte auf mich die ganze Zeit eher wie Anfang 20 als Ende 30 und ihre Handlungen konnte ich an vielen Stellen absolut nicht nachvollziehen. Dass diese dauernd in Endlosschleifen erklärt werden, macht es nicht besser.

Das Potential rund um Calders Veränderung nach seinem Unfall wurde meiner Meinung nach verschenkt. Hier möchte ich nicht zu viel von der Geschichte verraten, finde jedoch dass die Veränderung sehr platt dargestellt wurde, sodass wenig echte Spannung aufkommen konnte.

Im letzten Drittel des Buches folgt dann plötzlich eine große Menge an Twists und Irrungen und Wirrungen – für mich dann einfach eine unnötige Wendung zu viel, da sie vielfach auch vorhersehbar waren.

Die düstere Stimmung auf der Insel und die karge Landschaft einzufangen, ist Liz Webb allerdings gelungen. Ebenso war das Buch schnell und einfach als Lektüre zwischendurch zu sehen. Daher vergebe ich noch 3 Sterne.

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Veröffentlicht am 23.09.2024

Hohe Erwartungen - leider enttäuscht

Die Unmöglichkeit des Lebens
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Die Unmöglichkeit des Lebens von Matt Haig habe ich sehnsüchtig erwartet – und wurde beim Lesen dann leider enttäuscht.

Die Geschichte klang vielversprechend – eine pensionierte Mathelehrerin erbt ein ...


Die Unmöglichkeit des Lebens von Matt Haig habe ich sehnsüchtig erwartet – und wurde beim Lesen dann leider enttäuscht.

Die Geschichte klang vielversprechend – eine pensionierte Mathelehrerin erbt ein Haus auf Ibiza und erlebt ein spannendes Abenteuer. Vielleicht beginne ich mal beim Positiven und berichte, warum ich insgesamt noch auf eine Wertung von drei Punkten komme. Der typische, trockene Matt Haig Humor ist im Buch deutlich anwesend. Auch die poetische Sprache, die ich so mag. Versteckt im Buch finden sich viele tröstliche Weisheiten und schöne Sätze zum Unterstreichen. Das Thema Mathematik ist gelungen im Buch verwoben und die Protagonistin Grace hat mir nochmal einen ganzen anderen Blickwinkel darauf vermittelt.

Warum es nur drei Punkte sind? Humor und Sprache waren leider meine einzige Motivation, das Buch bis zum Ende zu lesen. Den plötzlichen Sprung zu einer sehr mystischen Handlung hätte ich durchaus so akzeptiert – wenn denn ein roter Faden dagewesen wäre. Gerade im Mittelteil verfranzt sich Haig in vielen Details mit schleppenden Längen. Geht es eher Richtung Krimi oder Science Fiction? Auch mit dem Erzähltempo konnte ich mich nicht anfreunden. Lange passiert eigentlich gar nichts, dann alles auf einmal - und viel zu einfach. Insgesamt konnte das Buch meine (vielleicht zu hohen) Erwartungen nicht erfüllen.

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Veröffentlicht am 27.10.2023

Großartige Illustrationen aber leider klischeebehaftete Rollenbilder

Flitz und Fluse - Gespenster-Training leicht gemacht
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Flitz und Fluse ist ein Kinderbuch über eine Gespensterfamilie, das mich mit gemischten Gefühlen zurücklässt. Gestalterisch fällt es absolut positiv auf: Das Cover verspricht eine niedliche Geschichte ...

Flitz und Fluse ist ein Kinderbuch über eine Gespensterfamilie, das mich mit gemischten Gefühlen zurücklässt. Gestalterisch fällt es absolut positiv auf: Das Cover verspricht eine niedliche Geschichte rund um die beiden Gespensterkinder Flitz und Fluse und gibt einen kleinen Vorgeschmack auf die wunderschönen Illustrationen. Sehr gelungen finde ich die besondere Farbgebung in eher dunklen Orange- und Lilatönen, die einen hohen Wiedererkennungswert haben und eher ungewöhnlich für ein Kinderbuch sind. Hier geben sie absolut stimmig die leicht schaurige Gespensterstimmung wieder. Auch die kleinen Details wie der freundliche Mond und die Eule, und das schaurig krumme Haus können mich überzeugen.
Inhaltlich verspricht die Geschichte ein spannendes Vorleseabenteuer, denn die beiden Gespensterkinder sollen durch ein Gespenstertraining so richtig das Gruseln lernen. Allerdings überzeugt mich das Buch inhaltlich nicht, da ich die dargestellten Rollenbilder klischeebehaftet und als nicht mehr zeitgemäß empfinde. So taucht eine hagere, böse Tante auf, die die Kinder mitnehmen will, wenn sie nicht gruselig genug sind. Sie erwartet „Küsschen“ von den Kindern – dies wird von den Eltern überspielt und nicht klar abgelehnt. Die schwangere Mutter soll möglichst wenig tun und sich schonen, der Onkel typisch „dick & witzig“ und auch der Körper des Vaters wird häufig kritisch bewertet. Uns sind die Regeln: „Mein Körper gehört mir & Wir bewerten die Körper anderer Personen nicht“ sehr wichtig, daher ist dies inhaltlich kein Buch, das ich meinen Kindern vorlesen möchte.
Fazit: Schade, das Buch verschenkt das Potential der besonderen Illustrationen durch den klischeebeladenen Inhalt!

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Veröffentlicht am 24.08.2021

Im Bann der Geschwister...

Das Haus der Libellen
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„Das Haus der Libellen“ von Emma Behrens klang nach einer Geschichte ganz nach meinem Geschmack: Ein exzentrisches Geschwisterpaar in einer alten Villa, ein geheimnisvolles Verschwinden, eine Liebesgeschichte ...

„Das Haus der Libellen“ von Emma Behrens klang nach einer Geschichte ganz nach meinem Geschmack: Ein exzentrisches Geschwisterpaar in einer alten Villa, ein geheimnisvolles Verschwinden, eine Liebesgeschichte – dazu ein außergewöhnlich schönes und modernes Cover mit Blumen und Libellen, dass mich direkt neugierig gemacht hat.

Sophie ist mit den Geschwistern Noah und Emilia aufgewachsen und von Anfang an faziniert von Noah. Sie werden ein Liebespaar – bis er sie plötzlich verlässt. Jahre später ist Noah erneut verschwunden und Sophies Wunden immer noch nicht verheilt. Sie macht sich auf die Suche nach ihm. Dabei erfahren wir parallel zur Geschichte in der Gegenwart in Rückblenden alles zur Vergangenheit der drei Protagnonist:innen. Der Stil der Autorin lässt sich flüssig lesen, man ist schnell in die Welt der Geschwister und Sophie eingetaucht.

Ganz erfüllt wurden meine Erwartungen aber trotzdem nicht. Der Mystery-Faktor und die Spannung kamen für mich im Buch ein bisschen zu kurz und die ersten 2/3 fühlte sich das ganze für mich eher nach Teeniedrama an. Auch hätte ich mir noch ein, zwei spannende Plottwists gewünscht. Die Autorin spricht mit ihrer Sprache alle Sinneseindrücke an – auf Dauer haben sich einige Beschreibungen für mich, aber einfach zu häufig wiederholt (z.B. der salbeiduftene Mann, die gerade gehaltenen Schultern etc. ). Auch fehlte für mich eine Protagonistin mit der ich mich idenfizieren kann, denn den großen Teil des Buches fragte ich mich zu Sophie: Warum tut sie sich das an?

Insgesamt habe ich das Buch aber doch ganz gerne gelesen. Es war für den Urlaub ein schöner Feel Good Roman, der sich entspannt lesen lässt und mir ein paar Stunden Unterhaltung geboten hat. Daher gibt es von mir 3 Sterne.

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