Profilbild von clematis

clematis

Lesejury Star
offline

clematis ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit clematis über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.10.2024

Kostüme

Tod auf Schloss Solitude
0

In ihrem Job in der Werbebranche muss Bea Pelzer so einiges hinnehmen, aktuell Rokokokostüme und turmartige Perücken, während sie interessante Führungen durch das Schloss Solitude in Stuttgart durchführt. ...

In ihrem Job in der Werbebranche muss Bea Pelzer so einiges hinnehmen, aktuell Rokokokostüme und turmartige Perücken, während sie interessante Führungen durch das Schloss Solitude in Stuttgart durchführt. Anschließend plant ihr Chef eine Weinverkostung, um sich selbst vor zahlungskräftigem Publikum in Szene zu setzen. Aber es kommt anders als geplant, Beas Kollegin Pauline, welche schon zuvor nicht auf ihrem Posten anzutreffen ist, wird tot im Gebüsch aufgefunden. Ihrem Naturell entsprechend, will Bea der Polizei unter die Arme greifen und gerät selbst in Gefahr. Ist sie vielleicht gar aufgrund des ähnlichen Kostüms mit Pauline verwechselt worden?

Das malerische Schloss Solitude bildet sich bereits im Titelbild ab und setzt sich samt seiner schönen Umgebung in den konkreten Beschreibungen von Martina Fiess fort. Wissenswerte Details fließen aufgrund der Führungen wie nebenbei ein und verleihen der Kriminalhandlung einen passenden Rahmen. So wird es auch zu Beginn des Romans nicht langweilig, während noch keine Leiche im Spiel ist. Ein angenehmer Schreibstil führt chronologisch durch die Geschichte, welche aus Beas Sicht in der Ich-Form erzählt wird. Verschiedene Theorien zu möglichen Tätern werden aufgegriffen, Bea und Kommissar Gabriel gehen den Hinweisen unabhängig voneinander nach, wobei natürlich Missverständnisse und falsche Schlussfolgerungen nicht fehlen dürfen. Auch der Leser wird mit so mancher Vermutung in gedankliche Sackgassen gelockt und darf miträtseln, was sich im Schlosspark tatsächlich zugetragen hat. Am Ende wartet eine schlüssige Auflösung des Ganzen.

Weniger aufregend als unterhaltsam präsentiert sich Fall Acht rund um Bea Pelzer mit der schönen Schlosskulisse und interessanten Einblicken in die Werbebranche. Vorkenntnisse sind nicht unbedingt nötig, für die Entwicklung der Figur der Bea Pelzer aber auch nicht verkehrt. Ein Buch für vergnügliche Regionalkrimistunden.

Veröffentlicht am 10.10.2024

Flucht

Aschezeichen
0

Privatdetektivin Liv Jensen soll ihrem Bekannten von der Polizei nur eine kleine Information liefern und landet prompt in einem brisanten Fall, der 30 Jahre in die Vergangenheit zurückführt. Vordergründig ...

Privatdetektivin Liv Jensen soll ihrem Bekannten von der Polizei nur eine kleine Information liefern und landet prompt in einem brisanten Fall, der 30 Jahre in die Vergangenheit zurückführt. Vordergründig geht es um einen Mord auf der naturgeschützten dänischen Insel Vorsø, die Nachforschungen deuten aber schnell auf ein Flüchtlingslager im Jahr 1990 hin.

Ein enges Zelt, beschlagene Innenflächen, ein Toter mit brutal durchschnittener Kehle. Wer sind die handelnden Figuren, wie die Umstände? Das herauszufinden, braucht der Leser ein wenig. Inzwischen kommt Liv auf den Plan, die manche schon vom Vorgängerband Glutspur kennen. Wie schon im Band Eins, geht es überwiegend ruhig zu, wenn auch die anklingenden Themen alles andere als ruhig sind: zur Sprache kommen Flüchtlinge, Integration, ein Auffanglager 30 Jahre zuvor, Drogen, Gewalt gegen Frauen, alleingelassene Jugendliche, alles in allem ein recht düsteres Szenario, das sich gekonnt auf die Gefühle des Lesers überträgt. Katrine Engberg zieht Dänemark als Kulisse geschickt heran, um diesen Kriminalroman zu untermalen, ihm die nötige und vor allem passende Atmosphäre zu verschaffen. Auch die Figur der Privatdetektivin spielt hier entsprechend herein mit einer Frau, die Ecken und Kanten hat und durchaus ihre persönlichen Probleme mitbringt ins Geschehen. Ebenso alle anderen Personen hat der Leser sehr gut vor Augen, sei es die Tochter des Opfers, sei es Livs Nachbar, sei es die Psychologin. Das Zusammenspiel zwischen Vergangenheit und Jetztzeit ist spannend, da und dort geht es um Flucht und Problembewältigung, die einer gut, ein anderer weniger gut hinbekommt. Der Fall selber bringt interessante Ermittlungen mit sich, bei denen man falsche Fährten verfolgt, schlussendlich aber eine nachvollziehbare Auflösung bekommt.

Auch Band 2 mit Liv Jensen hat mich gut unterhalten, ich empfehle Aschezeichen gerne weiter an jene Leser, die mit düsterer Atmosphäre und belastenden Themen (siehe oben) gut umgehen können.


Veröffentlicht am 24.09.2024

Brennpunkt

Tode, die wir sterben
0

Im Brennpunktviertel Hermodsdal in Malmö wird ein 13jähriger erschossen. War Rashid tatsächlich das ausgewählte Ziel oder doch eher jemand in der Pizzeria, vor dessen Auslage der Bursche gerade gewesen ...

Im Brennpunktviertel Hermodsdal in Malmö wird ein 13jähriger erschossen. War Rashid tatsächlich das ausgewählte Ziel oder doch eher jemand in der Pizzeria, vor dessen Auslage der Bursche gerade gewesen ist? Ein neu zusammengewürfeltes Team, zwei selbst vom Leben gebeutelte Kriminalisten, Jon Nordh und Svea Karhuu, werden mit der Lösung des Falls betraut.

Aus unterschiedlichen Blickwinkeln wird das Geschehen beleuchtet, sodass der Leser stets einen guten Überblick erhält. Der flotte Schreibstil des Autorenduos lässt die Handlung authentisch und spannend werden. Jon und Svea müssen einander erst kennen und vertrauen lernen, das ist beim privaten und beruflichen Hintergrund der beiden Ermittler allerdings nicht ganz so einfach. Die Themen Brennpunktstadtteil, Bandenkriminalität und Drogen sind sehr gut dargestellt, die Atmosphäre mit dem Gestank von Abgasen, Möwen in der Luft und einem Himmel mit der Farbe von Klärschlamm (siehe kindle, Pos. 2759) bildhaft eingefangen. Während mir die persönlichen Details zu Svea und Jon sehr gut gefallen – auch wenn die zwei manchmal vielleicht schon zu bizarr daherkommen -, so wird es irgendwann etwas zu politisch und unübersichtlich mit den zahlreichen osteuropäischen Namen. Aber auch wenn die Richtung, welche der Krimi einschlägt, nicht zu hundert Prozent meinen Interessen entspricht, so hat mich dieser Krimi aus Malmö sehr gut unterhalten.

Zwei ganz spezielle, auf ihre Weise kaputte Ermittler, eine interessante Handlung in einem Viertel mit hoher Kriminalitätsrate und Verknüpfungen in den Osten – ich möchte Svea und Jon gerne ein weiteres Mal begleiten.

Veröffentlicht am 20.09.2024

Inspirationen

Soul Talk
0

„Die Kunst des klugen Fragens“ ist der Untertitel zu Lilia Vogelsangs überaus hübsch gestaltetem Ratgeber zum Thema Fragen stellen, Menschen (näher) kennenlernen. Der Klappentext hat meine Neugierde geweckt, ...

„Die Kunst des klugen Fragens“ ist der Untertitel zu Lilia Vogelsangs überaus hübsch gestaltetem Ratgeber zum Thema Fragen stellen, Menschen (näher) kennenlernen. Der Klappentext hat meine Neugierde geweckt, werde ich nach der Lektüre sympathischer und lockerer kommunizieren können?

Abgesehen von den wirren Kreisen im Inhaltsverzeichnis und rund um die Kapitelüberschriften ist das Buch sehr übersichtlich gestaltet und angenehm strukturiert. Der Schreibstil Lilia Vogelsangs ist angenehm, der Text verständlich und weder oberlehrerhaft noch besserwisserisch, lediglich manche Genderstruktur (Mediatorinnen, wo wohl beide Geschlechter gemeint sind) oder Mitarbeitende anstelle von Mitarbeitern hätte ich persönlich nicht gebraucht. Während mir die umformulierten Fragen für „Wie geht’s dir?“ und andere typische Plaudereien zu Beginn eher gekünstelt erscheinen, ergeben sich in späteren Kapiteln durchaus interessante und probierenswerte Vorschläge, welche ich im Hinterkopf behalten möchte. Insbesondere die Themen und Ideen zu Eltern, Geschwistern, Autofahren und Partnerschaft finde ich spannend und lebensnah. Die Anregungen können hier jedenfalls dazu beitragen, die betreffenden Personen noch besser und intensiver kennenzulernen.

Besonders gut gefällt mir die Fragensammlung am Ende, welche nach der kurzweilig aufbereiteten Lektüre nochmals alles schön zusammenfasst und sich insbesondere für schnelles Nachschlagen gut eignet.

Alles in allem ein informatives und sinnvolles Buch, das Aspekte anführt, welche man in Gesprächen womöglich bisher noch nicht berücksichtigt hat. Ich denke, es enthält für jeden neue Impulse und Inspirationen, die man gut im Alltag umsetzen kann und vergebe somit gerne vier Sterne.

Veröffentlicht am 19.09.2024

Babyleiche

Die perfekte Mutter
0

Molly Sanderson braucht nach einer Totgeburt Abstand und einen Neubeginn. Da ihr Ehemann Justin eine Professorenstelle an der Universität in Ridgedale erhält, übersiedelt das Paar mit Töchterchen Ella ...

Molly Sanderson braucht nach einer Totgeburt Abstand und einen Neubeginn. Da ihr Ehemann Justin eine Professorenstelle an der Universität in Ridgedale erhält, übersiedelt das Paar mit Töchterchen Ella kurzerhand dorthin und Molly arbeitet als freie Journalistin für die lokale Zeitung. Als sie überraschend im Fall einer Babyleiche am Fluss recherchieren soll, befürchtet Justin, dass alte Wunden wieder aufreißen, aber Molly nimmt die Herausforderung entschlossen an.

Mollys Blickwinkel in der Ich-Form und weitere Sichtweisen der wesentlichen Protagonisten werden klug ergänzt durch Zeitungsartikel und Kommentare im Internet. Das Auftauchen des toten Neugeborenen löst Aufregung aus im kleinen Städtchen, die Polizeiarbeit geht nur stockend voran. Nicht nur Journalistin Molly tappt im Dunklen, auch der Leser hat wenige Anhaltspunkte, wie die einzelnen Handlungsstränge zusammenhängen und was es mit den Informationen aus dem Jahre 1994 auf sich hat. Ein recht sachlicher Schreibstil führt durch die Handlung, die für einen Thriller allerdings mehr Spannung vertragen hätte. Die Figuren sind gut vorstellbar ausgearbeitet und dennoch liegt ein Nebelschleier über allem, der sich erst spät lichtet, aber dann sogar noch im Epilog für Überraschungen sorgt.

Ein Buch mit ungeahnten Verstrickungen und Zusammenhängen, welche sehr lange im Verborgenen bleiben und gleichzeitig den Leser mit den unterschiedlichsten Facetten des Mutterseins konfrontiert. Vier Sterne!