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Veröffentlicht am 07.11.2024

Das Leben geht weiter

Für immer, Darling
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Die drei Freundinnen Gerda, Jule und Ingrid hat das Leben auseinandergerissen, in Kontakt stehen sie, mittlerweile verstreut über Eschenbrunn in Bayern, Frankfurt und fernab in Texas aber immer noch. Die ...

Die drei Freundinnen Gerda, Jule und Ingrid hat das Leben auseinandergerissen, in Kontakt stehen sie, mittlerweile verstreut über Eschenbrunn in Bayern, Frankfurt und fernab in Texas aber immer noch. Die Bande einer innigen Freundschaft lässt man nicht so leicht abreißen, auch wenn die Wege der drei jungen Frauen unterschiedlicher nicht sein könnten. Wie es in den 1960ern, nach der turbulenten Zeit am Badesee und in der Micky Bar, wo sich die amerikanischen Besatzer treffen, weitergeht, erfährt man hier im zweiten Band der „Frauen vom Badesee“.

Wie schon im ersten Teil, erzählt Christina Beer abwechselnde Episoden aus dem Alltag von Gerda, Jule und Ingrid und zeigt dabei höchst unterschiedliche Weltanschauungen und Erwartungen an die eigene Zukunft. Während Gerda nach wie vor die Bodenständige ist, hat sich Ingrid als namhafte Filmschauspielerin etabliert und ist Jule tatsächlich als Ehefrau eines Texaners glücklich in ihrer neuen Heimat. Wie auch das echte Leben so spielt, gibt es Momente des Glücks und Stunden der Trauer, müssen alle Schicksale hinnehmen und kämpfen, um spätere Zeiten von Freude und Glück voll auskosten zu können. Manchmal nur als Streiflicht, manchmal detailliert und tiefergehend spielen natürlich auch die gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen ins Geschehen mit hinein, sodass der historische Zusammenhang entsprechend zu den persönlichen Geschichten passt. Auch wenn es eine extrem berührende Szene gibt im Buch, so hätte ich mir allgemein etwas mehr an Gefühlen gewünscht. Nichtsdestotrotz ist die Entwicklung der drei Freundinnen, mittlerweile tatsächlich „in alle Welt“ verstreut, schön mitanzusehen und mitzuerleben.

Ein angenehmer Schreibstil begleitet drei junge Frauen in ihren Zwanzigern, zeigt gleichzeitig ein wenig vom Weltgeschehen, eingebettet in ganz persönliche Schicksalstage dreier starker Frauen. Vier Sterne.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.11.2024

1,2,3

Mord im Himmelreich
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Am Campingplatz Himmelreich, direkt am See, sucht der ehemalige Schauspieler Björn Kupernikus ein paar Tage Erholung. Ein Hund, der scheinbar allein auf einem Paddleboard am Wasser treibt und eine Leiche ...

Am Campingplatz Himmelreich, direkt am See, sucht der ehemalige Schauspieler Björn Kupernikus ein paar Tage Erholung. Ein Hund, der scheinbar allein auf einem Paddleboard am Wasser treibt und eine Leiche stören jedoch die Idylle: rasch ist der Pensionist unfreiwillig in Ermittlungen verwickelt. Während die Polizei einen Unfall für wahrscheinlich hält, wittern Kupernikus und die weltgewandte Künstlerin Annabelle Schäfer ein Verbrechen.

Unterhaltsam und humorvoll geht es zu in diesem „Wohlfühlkrimi“. Überzeichnete Szenen, Wortwitz und Selbstironie dominieren die einzelnen Kapitel, der Kriminalfall ist zwar Ankerpunkt, aber nicht uneingeschränktes Zentrum des Geschehens. Erzählt wird aus unterschiedlichen Perspektiven, wodurch der Leser ein umfassendes Bild erhält. Besonders hervorheben muss man hier die Detailtreue, welche Winkelmann in seine Zeilen packt und die Lebendigkeit, welche daraus entsteht. Neben dem Hochdeutschen fließen ab und zu auch Berlinerisch und eine eher ungewöhnlich anmutende Jugendsprache mit ein, sodass man sich die unterschiedlichsten Personen sehr gut vorstellen kann. Interessant ist Kupernikus‘ Methode, größere Probleme zu lösen: er erinnert sich gerne an seine Jugendkrimis mit den Drei ??? und stellt sich selbst immer wieder drei Fragen 1,2,3, welche er beantwortet, bevor er den nächsten Teil eines größeren Ganzen in Angriff nimmt. Ob er mit dieser Methode vorankommt, oder ob doch Kriminalkommissar Fass die Nase vorne hat? Das wird hier nicht verraten, eines ist aber gewiss: Hündin Pinguin trägt ihren Teil dazu bei, dass schlussendlich die wahre Ursache für eine turbulente Mördersuche gefunden wird.

Mord im Himmelreich ist der Auftakt zu einer amüsanten Camping-Krimi-Reihe, bei der wahrlich nicht alles glaubwürdig abläuft, welche aber durch Wortwitz und sehr spezielle Figuren punkten kann.

Veröffentlicht am 28.10.2024

Seiden - Raupen

Der Seidenweber
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Im Jahre 1820 erblick Gustav als viertes Kind seiner Mutter das Licht der Welt und gerät in turbulente Zeiten: die Seidenweberei erlebt einen Aufschwung, Telegrafie, Eisenbahn und Dampfmaschinen verändern ...

Im Jahre 1820 erblick Gustav als viertes Kind seiner Mutter das Licht der Welt und gerät in turbulente Zeiten: die Seidenweberei erlebt einen Aufschwung, Telegrafie, Eisenbahn und Dampfmaschinen verändern die Zeit und bald darauf bricht die Konjunktur drastisch ein. Torsten Weiler erzählt aus Gustavs Pullers Leben und damit die Geschichte seiner Vorfahren.

Tatsächlich stellt Weiler historische Figuren in einen Mix aus realen und hinzuerfundenen Elementen, sodass ein schlüssiger Bericht entsteht. Dabei beschränkt sich der Autor auf wesentliche Szenen und Episoden, mitunter mit größeren Zeitsprüngen, sodass keine langatmigen, sich wiederholenden Aufzählungen den Lesefluss stören. Von der Geburt bis zu seinem Tod dürfen wir Gustav begleiten, seine Familie und Freunde kennenlernen. Das Dasein für den Bäckersohn ist einfach, aber nicht unglücklich. Sowohl mit dem ärmeren Webersohn Willi als auch mit den wohlhabenden Kindern von Gut Cracau vergnügt er sich in Kindertagen, entdeckt am Ende seiner Schulzeit die Liebe zu feinen Stoffen und Mustern und erlernt alsdann den Beruf eines Seidenwebers. Die beschwerlichen Tage mit mitunter 16 Stunden Arbeit pro Tag, die Aufstände während des Wirtschaftseinbruches, den Zusammenhalt innerhalb der Familie und vieles mehr verpackt Torsten Weiler in ein abwechslungsreiches Buch, welches uns die Zeit damals sehr gut vor Augen führt. Ein wenig mehr aus der Gefühlswelt der einzelnen Personen hätte mir noch besser gefallen, aber vielleicht zeigt dies genau das, was im 19. Jahrhundert vonnöten war: Lohnkürzungen, Kindstod, Ernteausfälle und andere Schicksalsschläge mutig annehmen und nach vorne schauen, denn das Leben muss einfach weitergehen. Die Entwicklung der Raupe zum Schmetterling wird in diesem Zusammenhang ausgezeichnet in die Handlung eingebettet.

Ein interessanter Querschnitt aus dem Leben einfacher Bürger und Arbeiter in Krefeld, welches für spannende Lesestunden sorgt.

Veröffentlicht am 24.10.2024

Halloween und Hexenzauber

Villa Obscura
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Eine Villa im Harz, der Brockengipfel im Nebel, die Kulisse für eine aufregende Halloweennacht ist perfekt, die Gäste erscheinen in atemberaubenden Kostümen. Aber was als spaßige Party für junge Leute ...

Eine Villa im Harz, der Brockengipfel im Nebel, die Kulisse für eine aufregende Halloweennacht ist perfekt, die Gäste erscheinen in atemberaubenden Kostümen. Aber was als spaßige Party für junge Leute beginnt, endet in einer Geiselnahme von sechs Gästen und entwickelt sich rasch zu einem spannenden Wettlauf um die Zeit. Haben die gruseligen Legenden und Hexenzaubergeschichten aus der Gegend mit der Entführung zu tun?

Unterschiedliche Blickwinkel der Partyteilnehmer sorgen beim Leser für Abwechslung und gute Einblicke ins Geschehen. Erst werden die Kostüme abgelichtet und die handelnden Figuren vorgestellt (welche ich mir aufgrund der Kurzinfo etwas jünger vorgestellt habe), dann erst passieren sonderbare Dinge, wie im Klappentext beschrieben. Interessant ist jedenfalls der Aspekt, dass man über geraume Zeit so gar keine Ahnung hat, was warum geschieht, welche Motive sich hinter all dem verbergen könnten. In große, übersichtliche Abschnitte gegliedert, tasten sich Geiseln und Leser eher langsam an die wahren Beweggründe der Entführer heran und erleben so manche Überraschung, die wiederum Lebendigkeit und aufregende Momente ins Spiel kommen lassen. Ich persönlich hätte jedenfalls nicht mit diesem Verlauf der Dinge gerechnet und bin, speziell im letzten Drittel, noch mit unvorhersehbaren Wendungen konfrontiert worden.

Fazit: ein unterhaltsamer Thriller für Jugendliche ab 14 Jahren, der genau zu den aktuell kürzer werdenden Tagen und der bevorstehenden Halloweennacht passt. 4 Sterne.

Veröffentlicht am 17.10.2024

Kostüme

Tod auf Schloss Solitude
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In ihrem Job in der Werbebranche muss Bea Pelzer so einiges hinnehmen, aktuell Rokokokostüme und turmartige Perücken, während sie interessante Führungen durch das Schloss Solitude in Stuttgart durchführt. ...

In ihrem Job in der Werbebranche muss Bea Pelzer so einiges hinnehmen, aktuell Rokokokostüme und turmartige Perücken, während sie interessante Führungen durch das Schloss Solitude in Stuttgart durchführt. Anschließend plant ihr Chef eine Weinverkostung, um sich selbst vor zahlungskräftigem Publikum in Szene zu setzen. Aber es kommt anders als geplant, Beas Kollegin Pauline, welche schon zuvor nicht auf ihrem Posten anzutreffen ist, wird tot im Gebüsch aufgefunden. Ihrem Naturell entsprechend, will Bea der Polizei unter die Arme greifen und gerät selbst in Gefahr. Ist sie vielleicht gar aufgrund des ähnlichen Kostüms mit Pauline verwechselt worden?

Das malerische Schloss Solitude bildet sich bereits im Titelbild ab und setzt sich samt seiner schönen Umgebung in den konkreten Beschreibungen von Martina Fiess fort. Wissenswerte Details fließen aufgrund der Führungen wie nebenbei ein und verleihen der Kriminalhandlung einen passenden Rahmen. So wird es auch zu Beginn des Romans nicht langweilig, während noch keine Leiche im Spiel ist. Ein angenehmer Schreibstil führt chronologisch durch die Geschichte, welche aus Beas Sicht in der Ich-Form erzählt wird. Verschiedene Theorien zu möglichen Tätern werden aufgegriffen, Bea und Kommissar Gabriel gehen den Hinweisen unabhängig voneinander nach, wobei natürlich Missverständnisse und falsche Schlussfolgerungen nicht fehlen dürfen. Auch der Leser wird mit so mancher Vermutung in gedankliche Sackgassen gelockt und darf miträtseln, was sich im Schlosspark tatsächlich zugetragen hat. Am Ende wartet eine schlüssige Auflösung des Ganzen.

Weniger aufregend als unterhaltsam präsentiert sich Fall Acht rund um Bea Pelzer mit der schönen Schlosskulisse und interessanten Einblicken in die Werbebranche. Vorkenntnisse sind nicht unbedingt nötig, für die Entwicklung der Figur der Bea Pelzer aber auch nicht verkehrt. Ein Buch für vergnügliche Regionalkrimistunden.