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Veröffentlicht am 17.01.2025

Temporeicher Thriller mit hochaktuellem Thema

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Im Internet geht plötzlich ein verstörendes Gewaltvideo viral und die Gesellschaft spaltet sich. Für Ermittlerin Yasira Saad beginnt damit die wohl härteste Ermittlung ihrer Karriere.

Die Geschichte, ...

Im Internet geht plötzlich ein verstörendes Gewaltvideo viral und die Gesellschaft spaltet sich. Für Ermittlerin Yasira Saad beginnt damit die wohl härteste Ermittlung ihrer Karriere.

Die Geschichte, die Marc-Uwe Kling hier zeichnet, ist so brandaktuell und verstörend wie sie nur sein kann. Wer tut so etwas? Warum finden sich keine Spuren zum Opfer oder zu den Tätern? Ein Verwirrspiel mit vielen politischen und gesellschaftlichen Nuancen leitet die Leserin / den Leser temporeich durch eine packende Story.

Auch sprachlich ist es Kling gelungen, mich komplett abzuholen. Ich liebe seinen Stil! Ganz ungewohnt zwar in diesem spannungsgeladenen Kontext (ich kannte bislang nur seine Kinderbücher), aber hervorragend!

Zwei Makel möchte ich dennoch anführen:

1. Das Ende des Buches. Vermutlich scheiden sich daran die Geister. Einerseits habe ich eine gute Vorstellung für das Warum dahinter, andererseits wurmt es mich doch ganz gehörig.
2. Die Ausstattung des Buches. Der dicke Pappumschlag wirkt billig und ist sehr anfällig für Beschädigungen an den Ecken. Unser Exemplar ist zwei Mal gelesen, wir gehen super pfleglich mit unseren Büchern um, und das Exemplar sieht trotzdem schon ziemlich durch aus :-/ Das ist bei einem Kaufpreis von 19,99 Euro doch eine Enttäuschung.

Nichtsdestotrotz, inhaltlich eine absolute Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 04.01.2025

Starker und hochemotionaler Thriller mit packenden Wendungen

Happy End
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Isa lebt im reinsten Glück mit ihrer kleinen Familie. Ein absolutes Idyll umgibt die ehemalige Architektin - bis ihr kleiner Sohn Ben entführt wird und die heile Fassade verheerende Risse bekommt.

Meine ...

Isa lebt im reinsten Glück mit ihrer kleinen Familie. Ein absolutes Idyll umgibt die ehemalige Architektin - bis ihr kleiner Sohn Ben entführt wird und die heile Fassade verheerende Risse bekommt.

Meine Mutter war so begeistert von diesem Buch, dass ich es auch lesen musste - trotz anfänglicher Skepsis, ob die Story nicht doch zu abgedroschen ist. Das Buch ist hervorragend geschrieben, wobei es für mich etwa 200 Seiten brauchte, bis die Spannung so richtig Fahrt aufnahm. Ab diesem Moment gab es aber kein Halten mehr. Der Sog, der sich um Isa und ihren kleinen Sohn Ben bildet ist so dicht und voll von Wendungen - wenigen vorausahnbaren, häufig komplett überraschenden - dass dieser Thriller ein echtes Glanzstück seiner Zunft ist!

An zahlreichen Stellen wird mit subtilen Andeutungen und Verdachtsmomenten gearbeitet, hier und da auch mit offenen Anschuldigungen. Wie sich die Story am Ende auflöst, war für mich in dieser Brisanz schockierend und überraschend.

Ein klein wenig Abzug gibt es meinerseits für die stark glorifizierende Rolle der Mutter (das ist absolut Geschmackssache; für mich war es an einigen Stellen einfach too much heile Welt, wenn Isa in diese Rolle schlüpfte) sowie für die sehr ausufernde und verbal überbordende Schlussszene mit den Bösewichten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass in solch einer Situation ernsthaft noch solche Dialoge in so einer Länge möglich sind.

Abschließend ein definitiv sehr empfehlenswertes Buch für Freunde und Freundinnen nervenaufreibender Spannung!

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Veröffentlicht am 22.12.2024

Bewegende Erzählung aus Zeiten im Umbruch

Damals waren wir frei
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Mina ist ein sympatischer Freigeist, wächst in Geborgenheit bei ihren Eltern in der DDR auf. Doch eines Tages hört sie durch Zufall mit an, wie ihre geliebte Mutter eine unglaubliche Lebenslüge beichtet, ...

Mina ist ein sympatischer Freigeist, wächst in Geborgenheit bei ihren Eltern in der DDR auf. Doch eines Tages hört sie durch Zufall mit an, wie ihre geliebte Mutter eine unglaubliche Lebenslüge beichtet, die auch Mina den Boden unter den Füßen wegzuziehen droht.

Die Story und das Cover haben mich sofort angesprochen, Mina und der Tanzpalat haben mein Herz im Sturm erobert. Die beschriebene Stimmung, hin- und hergerissen zwischen Ost-Alltag, dem unbändigen Wunsch frei sein zu wollen und dabei in einem System eingesperrt zu sein, das sich die meisten Menschen gar nicht ausgesucht haben, erzeugt ein konstantes Spannungsfeld. Diese "Natürlichkeit im Widerspruch" findet sich auch an einigen Stellen bei den Protagonisten dieses Buches wieder. So liebt Mina einerseits die Atmosphäre der Nacht und die durchtanzten Nächte sehr, zugleich weiß sie aber auch um die Erschöpfung, die so ein Leben gegen den natürlichen Rhythmus birgt. Ihre Mutter fand vor Jahren die Liebe ihres Lebens und doch nie den Mut, sich zu ihr zu bekennen, sowie ihr altes Leben und ihre Rolle darin infrage zu stellen.

Sprachlich leicht begleitet die Leserin / der Leser Mina und ihre Familie auf der Suche nach sich selbst und durch Zeiten des Umbruchs. An manchen Stellen fand ich die Satzstellung etwas sperrig, dem allgemeinen Lesefluss und der -freude hat das keinen Abbruch getan. Mehrere Passagen des letzten Drittels waren von Gänsehaut begleitet: Der Abschied von tragenden Charakteren der Geschichte war ebenso bewegend wie das Ende von Minas Suche oder der Mauerfall, der so viele Menschen in Ost und West nach Jahrzehnten der Trennung wiedervereint hat.

Ein wenig gehadert habe ich mit den sehr gefälligen und fast ausnahmslos positiven Wendungen in dieser bewegten Geschichte. Es lief stellenweise schon zu selbstverständlich gut, um noch glaubwürdig zu sein. Aber vielleicht ist dieses Buch genau deshalb ein kleines Bollwerk an Positivität und Zuversicht. Es kann eben doch alles gut werden und es darf auch mal einfach alles gut werden, wenn wir es nur zulassen.

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Veröffentlicht am 12.10.2024

Starke Erzählung über Vertrauen und Verbundenheit

Blue Sisters
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Was geschieht mit dir, wenn plötzlich ein Mensch, dem du sehr nahestandest sein Leben verliert? - Im Falle der ehemals vier Blue Schwestern entwickeln sich die Lebenswege der drei verbliebenen Schwestern ...

Was geschieht mit dir, wenn plötzlich ein Mensch, dem du sehr nahestandest sein Leben verliert? - Im Falle der ehemals vier Blue Schwestern entwickeln sich die Lebenswege der drei verbliebenen Schwestern im Angesicht von Schuld und Scham in teils kaum fassbare Abgründe.

Coco Mellors Buch "Blue Sisters" musste zunächst Überzeugungsarbeit leisten: Es dauerte etliche Wochen, bis aus dem Überlegen, ob ich das Buch wirklich lesen wolle, Gewissheit wurde. Die optisch wunderschön gestaltete 1. Auflage mit dem Farbschnitt und perfekt darauf abgestimmter Farbgebung von Cover und Fonts hat dabei definitiv ihren Beitrag geleistet!

In das Buch einzusteigen, fiel dann sehr leicht. Die Charaktere, aus deren verschiedenen Perspektiven und Lebenswelten die einzelnen Kapitel geschrieben sind, sind dicht und authentisch, die unterschiedlichen Ängste, Schwächen und Untiefen werden schonungslos ins Bild gesetzt. Es ist immer wieder Thema, wie die Eltern der vier Schwestern deren Leben und Blick darauf maßgeblich beeinflusst haben - er alkoholabhängig und sie nie in der Mutterrolle angekommen. Avery, die älteste der Schwestern, übernimmt die Rolle der Mutter und ihre Schwestern finden jeweils ihren Platz in diesem Gefüge.

Wie ein roter Faden zieht sich das Thema Sucht und Abhängigkeit durch das Buch. In irgendeiner Form sind alle Familienmitglieder betroffen und es ist nicht immer angenehm, die krassen Eskapaden und für Außenstehende kaum nachvollziehbaren Entscheidungen zu verdauen.

Zum letzten Drittel des Buches findet dann eine Wendung statt. Anders als zuvor, versuchen die drei Schwestern nicht mehr, ihre individuellen Süchte kleinzureden oder zu leugnen, sondern finden einen anderen Weg, der ungeahnte Möglichkeitsräume für sie öffnet.

Der Schreibstil ist über weite Teile des Buches hinweg sehr angenehm, hier und da mit kleinem Verbesserungspotenzial. Die Geschichte als solche hätte ggfs. gekürzt erzählt werden können - aber das ist Geschmackssache.

Der sehr idealisierte Schluss in Form des Epilogs hat mich leider nicht mehr überzeugt. In der Gesamtschau aber dennoch eine wunderbare und empfehlenswerte Lektüre!

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Veröffentlicht am 28.09.2024

Stark, tiefgründig, erbarmungslos schmerzhaft

Mein drittes Leben
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Der Abgrund, in den Linda sieht, ist endlos. Die Verzweiflung und Machtlosigkeit ebenso. Nach dem Tod ihrer einzigen Tochter existiert sie selbst nur noch als leere Hülle, deren Berechtigung zur Existenz ...

Der Abgrund, in den Linda sieht, ist endlos. Die Verzweiflung und Machtlosigkeit ebenso. Nach dem Tod ihrer einzigen Tochter existiert sie selbst nur noch als leere Hülle, deren Berechtigung zur Existenz mit einem großen Fragenzeichen versehen ist. – Wer ist sie denn noch, wenn ihre Tochter nicht mehr da ist? War sie Sonja eine gute Mutter? Warum hat sie so oft an ihrem Kind gezweifelt? Hätte sie mehr für Sonja tun müssen?

In schlichten und doch klaren und starken Worten nimmt Daniela Krien die Leser:innen ihres Buches mit auf eine zutiefst emotionale Reise. Wie der Verlust eines Kindes, des einzigen Kindes, ein Leben von einem Augenblick auf den nächsten bedeutungslos werden lässt; wie eine Paarbeziehung, eine Ehe plötzlich in Trümmern liegt, weil sie in den Abgrund stürzt, während er allmählich und unter großen Anstrengungen wieder zur Kante emporklimmt. Wie dumpf die Welt und das ganze Dasein empfunden werden kann, weil ein Mensch fehlt…

Das Buch ist schonungslos in den tiefen und depressiven Stimmungen, in die es den Leser / die Leserin führt, es zieht beim Lesen herunter, macht traurig, nachdenklich. Lindas Leid ist übermächtig, was auch die Leser:innen deutlich selbst erspüren. Und dennoch ist es ein schönes, wenn auch sehr trauriges Buch, weil es stimmig ist, weil es wahr ist – und, weil es weh tut.

Achtung, ab hier Spoiler!

Der Moment, in dem Linda ihren Lebenswillen und kleine, aber doch positive Dinge für sich wiederentdeckt, war ein emotionaler Befreiungsschlag! Wie kraftvoll sie ins Leben zurückkehrt, indem sie das Leben anderer lebenswerter macht – durch ihre Gesellschaft und / oder finanzielle Unterstützung, war herrlich mitanzusehen.

Das offene Ende mag Geschmackssache sein, ich empfand es als sehr passend. Ein emotional anspruchsvolles und doch zugleich wunderbares Buch!

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