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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.10.2024

Sexuelle Entdeckungsreise

Co-Fucking
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Anna Weiss ist seit 20 Jahren mit ihrem Mann Alex zusammen und glücklich mit ihm verheiratet. Alex ist bisexuell und offenbart ihr eines Tages, dass er so nicht weiterleben und seine Bisexualität nicht ...

Anna Weiss ist seit 20 Jahren mit ihrem Mann Alex zusammen und glücklich mit ihm verheiratet. Alex ist bisexuell und offenbart ihr eines Tages, dass er so nicht weiterleben und seine Bisexualität nicht verstecken, sondern auch Sex mit Männern haben möchte. Was für viele Paare das Ende der Ehe wäre, ist für Anna und Alex der Beginn eines neuen Weges, denn nach einigen Monaten und zig Gesprächen beschließen sie, ihre Ehe zu öffen und mit anderen Menschen zu schlafen.

In "Co-fucking" erzählt Anna Weiss von der Entscheidung zur offenen Ehe, den aufgestellten Regeln, den Verschiebungen ihrer Grenzen und Absprachen, aber in erster Linie von der (Neu)Entdeckung ihrer Sexualität. Hierbei handelt es sich weniger um ein Sachbuch, sondern um die Schilderungen eigener Erfahrungen, Einschätzungen und Überzeugungen. Allem zugrunde liegt die Wichtigkeit von offener Kommunikation - sowohl innerhalb ihrer Ehe und der getroffenen Absprachen, aber auch in den Begegnungen und sexuellen Kontakten mit neuen Menschen.

Anna Weiss schreibt flüssig und locker, sodass sich das Buch sehr leicht lesen ließ. Was die Schilderungen über die Erlebnisse in den Dating Apps und bei den Sextreffen angeht, konnte ich einiges nicht nachvollziehen, empfand die Ausführungen jedoch als sehr offen, ehrlich und vor allem intim.

Ich kann das Buch allen empfehlen, die entweder selbst überlegen, die Beziehung oder Ehe zu öffnen und nach positiven Erfahrungsberichten und Tipps suchen, und allen, die sich generell für verschiedene Beziehungsformen neben heterosexueller Monogamie interessieren.

Veröffentlicht am 29.09.2024

Krimi mit Schachbezug

Schwarze Dame
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"Schwarze Dame" ist der 24. Fall für die Frankfurter Ermittlerin Julia Durant der Autoren Andreas Franz und Daniel Holbe.

Ein Obdachloser wird ermordet, indem er mit einem Hammer erschlagen wurde, aufgefunden ...

"Schwarze Dame" ist der 24. Fall für die Frankfurter Ermittlerin Julia Durant der Autoren Andreas Franz und Daniel Holbe.

Ein Obdachloser wird ermordet, indem er mit einem Hammer erschlagen wurde, aufgefunden und ruft die Ermittlerin Julia Durant auf den Plan. Gemeinsam mit ihrem Team macht sie sich auf die Suche nach Zeugen und Spuren, doch das gestaltet sich schwierig. Erst als weitere Leichen an abgelegenen Orten gefunden werden und dem Kommissariat ein Stadtplan im Aufbau eines Schachbretts zugestellt wird, ist klar, dass es sich hier um eine Mordserie handelt, die dringend gestoppt werden muss.

Ehrlich gesagt habe ich von Schach gar keine Ahnung und konnte mit den Ausführungen, Verweisen und Erläuterungen diesbezüglich wenig anfangen. Daher empfand ich einige Stellen als Längen und empfand den Spannungsbogen dadurch geschwächt. Ich meine, bisher kein Buch der Reihe gelesen zu haben, weshalb mir auch die Figuren und Julia Durants Privatleben neu waren und ich einige Seiten zum Einfinden brauchte. Die wechselnden Perspektiven, die Rückblicke in die Vergangenheit und insbesondere die Kapitel aus der Täterperspektive haben für Neugier und Spannung gesorgt. Trotz einiger Hinweise emfpand ich die Verwicklungen als zu stark, um früh eine Vermutung äußern zu können, wer hinter den Morden steckt. Ich konnte lange keine Zusammenhänge zwischen den Opfern und den Schachbezügen herstellen und konnte auch Julia Durants Verhalten und Entscheidungen nicht immer nachvollziehen. Die Auflösung hingegen fand ich dann schlüssig und konnte das Buch schließen, ohne mit ungeklärten Fragen zurückzubleiben.

Ein spannender Krimi, der insbesondere für Schachliebhaber*innen oder Fans der Reihe um Julia Durant zu empfehlen ist.

Veröffentlicht am 08.09.2024

Aufwachsen in den 90ern

Geile Zeit
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Niclas Seydack ist 1990 geboren und hat somit seine Kindheit in den 90ern und seine Jugend in den 00ern verbracht. In "Geile Zeit" referiert er nicht nur auf den Song von Juli, den wir wohl alle, die um ...

Niclas Seydack ist 1990 geboren und hat somit seine Kindheit in den 90ern und seine Jugend in den 00ern verbracht. In "Geile Zeit" referiert er nicht nur auf den Song von Juli, den wir wohl alle, die um 1990 geboren sind, kennen, sondern blickt auf das Aufwachsen in den 90ern/00ern zurück.
Seydack erzählt in der Kindheit von den bunten Tüten, dem Abhängen mit Freundinnen draußen, analogen Spielen und einer gewissen Unbedarftheit - die mit 9/11 plötzlich endete, gefolgt von den ersten Amokläufen in Deutschland und der ersten Schwere, die in unseren Köpfen einsetzte. Weiter erzählt er von den ersten Schritten im Internet, Chats auf ICQ und die vermeintliche Möglichkeiten, die wir hatten - allerdings mit der Vorgabe, auf gar keinen Fall eine Lücke im Lebenslauf zu haben.

Gerade in der ersten Hälfte habe ich, geboren 1994, sehr viele Aspekte aus meiner Kindheit und Jugend wiedererkannt. Niclas Seydack hat so viele - in erster Linie positive - Erinnerungen bei mir hochgeholt, hat mich selbst meine Kindheit und Jugend Revue passieren lassen und hat mich mit seinem humorvollen und präzisen Erzählstil absolut abgeholt.
Die zweite Hälfte des Buches schließt unbezahlte Praktika, Corona und die Suche nach Sicherheit sowie die Startschwierigkeiten im Berufsleben ein, was mir einen eher melancholischen Vibe gegeben hat.

"Geile Zeit" ist eine gelungene Autobiographie einer Generation, in der sich die Leser
innen aus Seydacks Generation sicherlich wiederfinden, und alle anderen einen guten Einblick und Verständnis bekommen. Durch den Autor sind die Einblicke und Perspektiven cis-männlich geprägt, weshalb ich mich an einigen Stellen anders erinnere bzw. meine Lebensrealität eine andere war. Im Großen und Ganzen kann ich das Buch auf jeden Fall empfehlen.

Veröffentlicht am 08.09.2024

Zeitschleifendilemma

Death. Life. Repeat.
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In "Death. Life. Repeat" ist der jugendliche Spencer in einer Zeitschleife gefangen. Am Todestag seiner Mutter, die einen tödlichen Unfall hatte, wird er morgens in seinem Auto auf dem Schulparkplatz wach, ...

In "Death. Life. Repeat" ist der jugendliche Spencer in einer Zeitschleife gefangen. Am Todestag seiner Mutter, die einen tödlichen Unfall hatte, wird er morgens in seinem Auto auf dem Schulparkplatz wach, da seine Mitschülerin Clara Hart den Wage touchiert hat. Obwohl er eigentlich keine richtige Lust hat, geht Spencer abends zur Party zu seinem besten Freund Anthony. Dort sieht er, wie Clara bedrängt und missbraucht wird, anschließend benommen aus dem Haus stürzt, von einem Auto überfahren wird und stirbt. Während alle Schülerinnen mehr oder weniger geschockt von dem Unfall sind, wacht Spencer am nächsten Tag wieder auf dem Schulparkplatz auf und stellt schnell fest, dass er diesen Tag wieder und wieder durchlebt. Seine Mission wird klar: Er muss Clara Hart retten.

Da Spencer den Tag immer wieder erlebt und sich die Figuren entwickeln bzw. andere Handlungen geschehen und Spencer mit jedem weiteren Tag anders reagiert, lernen wir sowohl ihn als auch seine Freunde und Mitschüler
innen immer besser kennen. Louise Finch schreibt locker, einfach und sehr derb - gerade die Dialoge unter den Jungs sind sehr vulgär, abwertend und misogyn. Für die Zielgruppe und als Widerspiegelung von Spencers Umfeld und den Dynamiken innerhalb der Gruppe scheint dies authentisch, ich musste mich jedoch daran gewöhnen.
Thematisiert werden toxische Männlichkeit, geschlechtsspezifische Gewalt und kollektives Schweigen sowie Alkohol- und Drogenmissbrauch und Mobbing.
Gerade für ein Jugendbuch und da die Geschehnisse nicht leider nicht unüblich sind und mit Sicherheit auf jeder Party geschehen, finde ich es wichtig, darauf ein Augenmerk zu legen und diverse Umgangsweisen damit aufzuzeigen. Ich kann das Jugendbuch also auf jeden Fall empfehlen!

Veröffentlicht am 14.08.2024

Unerwartete Freund*innenschaft

Das Licht in den Birken
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Nach zwanzig Jahren als Ziegenhirtin in Portugal wagt Thea mit Mitte fünftig noch einmal einen Neuanfang - zurück in ihrer Heimat in Norddeutschland. Mit ihren zwei Ziegen kommt sie auf einem alten Hof ...

Nach zwanzig Jahren als Ziegenhirtin in Portugal wagt Thea mit Mitte fünftig noch einmal einen Neuanfang - zurück in ihrer Heimat in Norddeutschland. Mit ihren zwei Ziegen kommt sie auf einem alten Hof in der Lüneburger Heide bei Benno unter. Sie möchte dort zur Ruhe kommen und sich endlich mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen.
Benno liebt Tiere und Pflanzen, hat sein eingespieltes Leben auf dem Hof. Nur mit anderen Menschen kommt er nicht allzu gut zurecht. Da er auf die Miete angewiesen ist, bietet er Thea einen Unterschlupf und sie nähern sich trotz ihrer unterschiedlichen Wesen langsam an. Als dritte im Bunde stößt Juli, eine Wanderung mit Fußverletzung, zu ihnen und gemeinsam bestreiten sie das Leben auf dem Hof und entwickeln einen Plan, um Bennos Schulden zu begleichen.

"Das Licht in den Birken" erzählt von drei sehr unterschiedlichen Menschen, die aus verschiedenen Gründen zusammenkommen und quasi dazu gezwungen sind, sich mit sich selbst und den anderen beiden auseinanderzusetzen. Aus Fremden werden langsam Freundinnen und eine feste Gemeinschaft. Jeder von ihnen trägt in sich eine gewisse Last aus der Vergangenheit, die es zu bearbeiten und aufzuarbeiten gilt.
Romy Fölck erzählt sehr ruhig von dem Wagnis eines Neuanfangs, der Begegnung mit neuen Gedanken und Einstellungen sowie dem Hinterfragen bestehender Muster. Ich mochte den gelassenen Schreibstil, die lockere Art des Erzählens, inklusive der notwendigen Ernsthaftigkeit, jedoch auch dem Blick für das wesentliche Geschehen.
Ein schöner und berührender Roman über den Neuanfang und entstehender Freund*innenschaften aus einer vermeintlichen Zweckgemeinschaft.