Anstatt meines Jahreshighlights ist es ein Jahres-WARUM
Deep End – Die unausweichliche Unanständigkeit von LiebeBevor ich auf das Buch und meine Rezension eingehe, möchte ich ein paar Worte vorwegnehmen: Nachdem ich Ali Hazelwood persönlich bei einem Meet & Greet getroffen habe und das Buch indirekt vorgestellt ...
Bevor ich auf das Buch und meine Rezension eingehe, möchte ich ein paar Worte vorwegnehmen: Nachdem ich Ali Hazelwood persönlich bei einem Meet & Greet getroffen habe und das Buch indirekt vorgestellt wurde, war ich mir zu 100 % sicher, dass Deep End mein Jahreshighlight 2025 wird. Besonders, weil Ali selbst betonte, dass es sich um ein Herzensprojekt handelt und sich in eine andere Richtung entwickelt als ihre bisherigen Werke.
Scarlett ist keine einfache Protagonistin. Sie hat Schwächen – sie stellt sich selten für sich selbst ein und findet oft Ausreden für andere. Gleichzeitig ist sie aber unglaublich liebenswert und fürsorglich. Sie stellt ihre Bedürfnisse oft hinten an und ist für die Menschen da, die ihr am Herzen liegen. Besonders ihre Leidenschaft für das Wasserspringen wurde von der Autorin wunderbar dargestellt. Die Einblicke in das harte Training und die sportlichen Anforderungen fand ich faszinierend. Scarlett ist außerdem sehr intelligent, aber sie zweifelt viel zu oft an sich selbst. Ihre Traumata prägen sie, machen sie jedoch auch realistisch und greifbar.
Mit Lukas musste ich erst warm werden. Anfangs verstand ich seine Beweggründe und seine Art, sich nach außen zu geben, nicht wirklich. Doch im Laufe der Geschichte wurde klar, dass er einfach jemand ist, der sein Leben im Griff hat und genau weiß, was er will – und wie er es will. Er ist extrem talentiert, aber hat es nicht nötig, mit seinen unzähligen Goldmedaillen oder Titeln zu prahlen. Er schafft es, seine Liebe zum Sport und seine Beziehung in Einklang zu bringen.
Was ist meiner Meinung schiefgelaufen?
Tja… leider starre ich immer noch meine weiße Wand an und bin sprachlos – aber nicht im positiven Sinne. Statt meines Jahreshighlights wurde Deep End zu meinem „Jahres-WARUM?“. Ali hat eine solide Basis für eine großartige Story geschaffen, doch ab der Mitte wurde die Umsetzung schwach.
Überraschenderweise war das, was viele Leser gestört hat – die Menge an Smut – für mich überhaupt kein Problem. Es gibt definitiv Bücher, die deutlich expliziter sind. Tatsächlich mochte ich es hier, weil es sich mal anders angefühlt hat. Und dieses groß angekündigte BDSM-Element? War gar nicht so präsent, wie es anfangs durch die Listen angedeutet wurde.
Mein eigentliches Problem? Die letzten 30-40% des Buches.
In der ersten Hälfte war das „Andere-Frau“-Drama so subtil, dass ich dachte, wir wären sicher. Penelope (Lukas’ Ex und Scarletts Freundin) wirkte total entspannt in Bezug auf ihre Affäre – sie unterstützte sie sogar, weil sie wusste, dass sie ähnliche Vorlieben hatten. Also ging ich davon aus, dass sich die Geschichte nun auf die emotionale Entwicklung zwischen Lukas und Scarlett konzentrieren würde. Aber falsch gedacht.
Ich hatte bei Penelope von Anfang an ein ungutes Gefühl. Und tatsächlich: In den letzten 40 % wird sie extrem klammernd und egoistisch. Nachdem Theo mit ihr Schluss macht, will sie plötzlich Lukas zurück, als wäre er ihr Eigentum. Scarlett steckt zu diesem Zeitpunkt noch in einer unverbindlichen Affäre mit ihm und glaubt, kein Recht zu haben, sich dazu zu äußern. Dabei war die Geschichte an einem Punkt, an dem sie hätte wachsen können – wo Scarlett und Lukas ehrlich über ihre Gefühle hätten sprechen können, um die Beziehung auf eine tiefere Ebene zu heben. Doch stattdessen wurden immer wieder Hindernisse eingebaut, die Scarlett zum Zweifeln bringen und ihre Entwicklung ausbremsen.
Besonders ärgerlich: Penelope fängt an, Scarlett mit subtilen Kommentaren niederzumachen. Und dann das, was sie am Ende sagt? Ich war einfach nur wütend. Anfangs mochte ich sie wirklich, doch das hat das Fass zum Überkochen gebracht.
Ich hätte absolut kein Problem mit diesem „Andere-Frau“-Drama gehabt, wenn es früher in der Geschichte passiert wäre. Hätte man diesen Konflikt in der ersten Hälfte abgehakt, hätte die zweite Hälfte für die emotionale Bindung von Lukas und Scarlett genutzt werden können. Stattdessen bekommen wir ein überhastetes Ende und einen kurzen Epilog – und ich fühle mich um eine tiefere Beziehung der beiden betrogen. Ich wollte mehr von ihnen als Paar, ohne externe Störungen, doch genau das wurde mir verwehrt.
Das ist allerdings nur eine von mehreren fragwürdigen Entscheidungen in diesem Buch. Was sollte es mit dem Labor auf sich haben? Anfangs dachte ich, es sei ein interessanter Ort für Scarlett und Lukas, um sich abseits des Schwimmsports kennenzulernen. Aber nein – diese Möglichkeit wurde überhaupt nicht genutzt. Immerhin gab es ein paar nette Gastauftritte von Olive und Adam.
Auch die Struktur des Buches hat mich an einigen Stellen irritiert. Viele Kapitel – besonders Kapitel 8 – enden abrupt oder wirken zusammenhangslos. Ich wusste oft nicht, wohin Ali mit der Handlung wollte. Eine Zeit lang hatte ich sogar das Gefühl, als würde mir eine Seite im Buch fehlen. Erst ein kurzer Blick in die Buchhandlung meines Vertrauens hat mich beruhigt: Nein, das Buch ist tatsächlich so geschrieben.
Mein persönliches Lowlight?
Ganz klar die Szene, in der Penelope Scarlett mitteilt, dass sie Lukas zurückhaben möchte – und sie am Ende des Wettkampfs vor allen Leuten zur Rede stellt. Warum wurde das so inszeniert? Warum haben Lukas und Scarlett nicht einfach früher öffentlich gemacht, dass sie zusammen sind? Zudem habe ich mich lange gefragt, weshalb es alles so oberflächlich war, wenn Lukas von Anfang an mehr wollte. Wieso haben die beiden nicht miteinander geredet? Nicht geschrieben?
Fazit
Deep End folgt der klassischen Hazelwood-Formel: eine intelligente, aber sozial unbeholfene Protagonistin, ein charismatischer Love Interest und eine Slow-Burn-Romanze. Es ist ein solider, unterhaltsamer Roman mit typischer Hazelwood-Romantik – aber ohne große Überraschungen.
Obwohl das Setting frisch wirkt, bleibt die Handlung insgesamt vorhersehbar. Die Charaktere erinnern stark an Figuren aus Hazelwoods früheren Büchern – ein Wiedererkennungswert, der Fans gefallen könnte, aber auch etwas repetitiv wirken kann.
Das Buch war schnell und mitreißend – genau das, was ich mir erhofft hatte. Während ich die ersten 70 % absolut geliebt habe, mit Charakteren, für die ich mitgefiebert habe, und einer tollen Chemie zwischen ihnen, ließ meine Begeisterung in den letzten 30 % rapide nach. Die letzten Kapitel haben mich ziemlich frustriert, da sie nicht mit dem starken Anfang mithalten konnten. Am Ende wollte ich das Buch einfach nur noch beenden.