Etwas emotionslos, aber im Kern gut
Immortal LongingsDies ist der erste Band einer zusammenhängenden Dilogie. Haltet euch also unbedingt an die Reihenfolge!
Schreibstil:
Egal, was man von der Geschichte halten mag, der Schreibstil ist meiner Meinung nach ...
Dies ist der erste Band einer zusammenhängenden Dilogie. Haltet euch also unbedingt an die Reihenfolge!
Schreibstil:
Egal, was man von der Geschichte halten mag, der Schreibstil ist meiner Meinung nach einwandfrei. Ich konnte der Story super folgen und fand, es war genau die richtige Portion an „neuen“ Begriffen, um die Welt spannend und interessant zu machen. Die POV-Wechsel verliefen nicht unbedingt voraussehbar, was ich sehr gut fand, da sie an die Situationen angepasst waren und dann auch entsprechend passend neue Sichtweisen reinbrachten, die die Story nochmal spannender machten.
Zur Geschichte allgemein:
Der Einstieg ins Buch fiel mir gar nicht mal so leicht. Es sind gleich POVs, in die man sich einlesen muss. Einmal Calla, die ehemalige Prinzessin des Landes, die auf ihrer ganz eigenen Mission fernab von allen durch die Stadt streift. Dann Anton, ebenfalls Einzelgänger und ehemaliger Angehöriger des Hofes, und zuletzt August, der derzeitige Kronprinz, dessen Position aber eigentlich nur symbolisch zu verstehen ist.
Was alle gemein haben: Sie sind auf Rache aus bzw. wollen einen Umsturz herbei zwingen.
Ich musste mich in alle drei gleichermaßen erstmal einfinden. Sie halten alle ihre Vergangenheit vor uns zunächst geheim, weshalb sich alles im Moment abspielt. Das trägt zwar zur Dynamik bei, hatte aber auch zur Folge, dass die Charaktere teilweise etwas kühl rüberkamen und man ziemlich brauchte, um mit ihnen warm zu werden. Gerade bei Calla hatte ich da große Probleme, denn von ihr erfährt man gleich zu Anfang etwas, was man sehr lange Zeit hinweg überhaupt nicht mit der gegenwärtigen Calla überein bringen kann. Stattdessen versucht man ihr zu folgen und ihre Persönlichkeit zu durchdringen.
Was diese große Distanz zu den Figuren natürlich steigert, ist die Spannung, denn man kann nicht wirklich vorausahnen, was die Figuren im nächsten Moment tun werden. Teilweise ging es sogar so weit, dass ich mir nicht sicher war, ob ich den Erzählungen überhaupt glauben durfte. Anfangs fand ich das so noch ganz spannend, mit der Zeit aber hätte ich mir schon einen tieferen Zugang zu den Figuren gewünscht. Gerade, weil das Mitfiebern und die teilweise sehr gefährlichen Ereignisse drum herum dann noch aufregender gewesen wären.
Der Kerninhalt dieses Buches ist ein Wettbewerb, bei dem es darum geht, alle anderen zu töten und als Letzter oder Letzte übrig zu bleiben. Ein gern genommenes Element in Büchern und spätestens seit Panem bei mir auch ein sehr gern gelesenes. Mir hat es hier aber ein ganz klein wenig zu lange gedauert, bis man so richtig verstanden hat, wie das Spiel überhaupt funktioniert. Es hat seine Tücken und ist definitiv gut ausgearbeitet, aber bis ungefähr zur Mitte des Buches bekommt man davon gar nicht so viel mit, sondern wundert sich nur über das sinnlose Töten. Ich weiß, man möchte nie zu viel Drama, aber ein wenig mehr Drama hätte dieser Handlung tatsächlich auf diesem Wege ganz gut getan. Erst als man die verschiedenen Ebenen, die Hintergründe und die verschiedenen Akteure im Hintergrund besser kennenlernte, wurde es so richtig spannend und konnte mich auch berühren.
Neben diesem Spiel geht es aber auch um die eigentliche Mission aller Figuren: den König zu töten. Und auch da fehlte mir manchmal der Grund für diese Motivation. Das kam erst viel später und konnte mich dann aufgrund der Gefühlskälte in dem Buch auch nicht ganz überzeugen. Durch die fehlenden Emotionen, u.a. auch ausgeschriebenen Hass usw. konnte ich einfach nicht so gut nachempfinden, wieso dieser König nun so schlimm sein sollte.
Gleichzeitig kommen auf dieser Ebene immer mehr Faktoren zusammen, die recht undurchschaubar die Handlung nochmal auflockern. Plötzlich steht alles in Frage: Die Magie in dieser Welt, die Weltaufstellung an sich, alle Personen und ihre Funktionen. Ich glaube das ist auch etwas, was mir sehr gut an der Geschichte gefallen hat: das immer weiter entdecken. Erst zum Ende hin hatte man das Gefühl, dass man jetzt langsam so richtig drin ist, weshalb es sich wahrscheinlich auch erstmal so stockig gelesen hat. Von Band 2 erwarte ich mir also noch so einiges.
Aber jetzt zurück zu dem, was hier sonst noch so passiert. Auch wenn es drei Figuren sind, aus deren Sicht erzählt wird, war die eigentliche Hauptprotagonistin für mich Calla. Und die macht hier eine gewaltige Entwicklung durch. Anfangs ist sie kaum sie selbst. Sie hat gelernt zu sein, wie sie ist. Hat sich angepasst oder eben auch nicht und ihre Mission steht ihr klar vor Augen, ohne, dass sie sie überhaupt hinterfragen könnte, weil ihr Willen so sehr darauf fokussiert ist. Nach und nach taut das etwas auf. Sie wird mehr und mehr zu jemandem, den man als sie selbst bezeichnen könnte. Das geschieht super langsam und auch eher stockend. Manchen ist es vielleicht zu langsam, ich aber mochte es so, weil ich richtig miterleben konnte, wie sie eben nicht denkt, wie normale Menschen denken würden. Sondern eben so, wie sie es sich antrainiert hat. Aus diesem Muster auszubrechen fällt ihr schwer und das merkt man auch.
Mit Callas charakterlichen Entwicklung geht die mini Liebesgeschichte einher, die die Handlung ebenfalls bietet. Anfangs ist eigentlich recht schnell klar, wen es betreffen wird. Dennoch war diesbezüglich für mich ebenfalls nichts vorhersehbar. Durch Callas viele Abwehrmechanismen hat Anton es keineswegs leicht und die beiden sind Teil des Spiels um Leben und Tod, in dem nur einer gewinnen kann. Worauf es hinausläuft, ist also durchgehend klar. Und trotzdem schafft es die Autorin, einen mit dem Ende noch zu schockieren und neugierig auf den nächsten Band zu machen. Denn es wurde neu gewürfelt und alle Türen stehen offen.
Fazit:
Für mich hatte das Buch ein paar Schwachstellen. So zum Beispiel im Aufbau – es dauerte, bis man richtig drin war, weil vieles lange Zeit nicht erklärt wurde – und in den Emotionen – es war teilweise etwas kalt geschrieben, weshalb ein bisschen Dramatik verloren ging, die nicht geschadet hätte. Die Lovestory fand ich ganz gut. Manchmal ist weniger tatsächlich mehr. Auch die Story war sehr interessant und wurde immer vielschichtiger und die Spiele waren nochmal wieder was ganz anderes. Ich denke, der zweite Band kann hier, wenn es gut gemacht ist, nochmal richtig was reißen.
3,5 von 5 Sterne von mir.