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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.12.2024

Aussage gegen Aussage

Sie sagt. Er sagt.
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Der Titel lässt es schon vermuten: “Sie sagt. Er sagt.” behandelt einen Gerichtsfall, in dem Aussage gegen Aussage steht. Der Hintergrund: eine erfolgreiche TV-Moderatorin zeigt ihren Ex-Geliebten an, ...

Der Titel lässt es schon vermuten: “Sie sagt. Er sagt.” behandelt einen Gerichtsfall, in dem Aussage gegen Aussage steht. Der Hintergrund: eine erfolgreiche TV-Moderatorin zeigt ihren Ex-Geliebten an, sie vergewaltigt zu haben.
Wie so oft in der Realität gibt es weder Zeugen noch Beweise, nur die Aussagen der zwei Parteien.
An diesem fiktiven Beispiel zeigt Ferdinand von Schirach die Problematik in einem solchen Fall auf. Er lässt einen aber auch seine eigene festgefahrene Meinung überdenken und unvoreingenommen die andere Seite betrachten. Auf diese Weise empfindet man Empathie sowohl für das eventuelle Opfer, welches vielleicht nie wieder in sein altes Leben zurückkehren kann, wenn der Täter nicht verurteilt wird, als auch für den möglicherweise unschuldig Verhafteten.
Der Autor lässt seine Figuren noch einmal alle Fakten, die es in einem solchen Fall zu bedenken gibt, nennen. Dabei fand ich die Stellungnahme der psychologischen Sachverständigen besonders interessant.
Am Ende muss man als Leser*in sein eigenes Urteil fällen. Wieder einmal bringt Ferdinand von Schirach einen zum Nach- und Überdenken der eigenen Voreingenommenheit. ⭐️5/5⭐️

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Veröffentlicht am 20.12.2024

Schonungslos eindringlich

Kukolka
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Lana Lux ist mit “Kukolka” ein sehr ergreifendes Debüt gelungen. Wir erfahren den ganzen Leidensweg Samiras durch sie selbst. Durch ihre Kinderaugen sehen wir die Welt, wie sie sie wahrnimmt. Dabei tut ...

Lana Lux ist mit “Kukolka” ein sehr ergreifendes Debüt gelungen. Wir erfahren den ganzen Leidensweg Samiras durch sie selbst. Durch ihre Kinderaugen sehen wir die Welt, wie sie sie wahrnimmt. Dabei tut ihre kindliche Naivität an manchen Stellen fast weh. Trotz all der Brutalitäten glaubt sie weiter an das Gute in jedem Menschen. Da sie nie in einem behüteten Familienumfeld aufwachsen durfte, weiß sie nicht, was richtig und falsch ist, ja nicht einmal, dass sie Rechte (und sei es nur an ihrem eigenen Körper) hat. Manche Grausamkeiten bleiben vor ihr verborgen, weil sie sie nicht kennt und verstehen kann, wir erwachsene Leser*innen leider schon.
Zwischendurch wollte ich das Buch zuklappen und die Autorin anschreien, dass es doch jetzt endlich mal reiche! Aber sie schickt ihre Protagonistin von einer Misere in die nächste, spielt nicht nur mit deren Gefühlen, sondern auch mit denen ihrer Leserschaft. Jede Hoffnung wird schnell wieder zunichte gemacht.
Damit hat sie eine realistische Darstellung einer fiktiven Biografie erschaffen.
Lana Lux schreibt eindringlich, bewegend und absolut authentisch. Wir werden ebenso wenig verschont wie Samira, leiden und hoffen auf jeder Seite mit ihr mit. Trotzdem ist unsere Protagonistin kein wehrloses “Püppchen” (wie der Spitzname Kukolka vermuten lässt), sondern kämpft um jeden Preis für ihren Traum.
Am Ende gibt es so viel Happy End wie möglich. Absolute Leseempfehlung für alle nicht so zart Besaiteten. ⭐️5/5⭐️

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Veröffentlicht am 21.11.2024

Ratgeber und Biografie

Die Geschichten in uns
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In “Die Geschichten in uns” gibt Benedict Wells erstmals Einblicke in sein Privatleben, die ersten Kapitel lesen sich dadurch wie eine Biografie. Schnell wechselt der Fokus jedoch auf sein Schreiben: wie ...

In “Die Geschichten in uns” gibt Benedict Wells erstmals Einblicke in sein Privatleben, die ersten Kapitel lesen sich dadurch wie eine Biografie. Schnell wechselt der Fokus jedoch auf sein Schreiben: wie er dazu kam, was ihn inspiriert (hat), welche Werkzeuge er nutzt.
Wir erfahren viel über die Entstehungsgeschichte seiner Bücher, was ich persönlich am interessantesten fand.
Außerdem erklärt er anhand vieler eigener und fremder Beispiele, wie er beim Schreiben vorgeht/ worauf er achtet. Dabei spricht er nicht allgemeingültig, sondern betont, dass es sein persönlicher Weg ist. Dennoch sind die angeführten Werkzeuge wohl für jeden angehenden Autorin nützlich.
Nicht nur für solche, sondern auch für Literaturliebhaber
innen, kritische Leser*innen und Fans von Wells’ Büchern ist dieses Buch empfehlenswert. ⭐️5/5⭐️

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Veröffentlicht am 21.10.2024

Atmosphärischer Heide-Roman

Von Norden rollt ein Donner
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Jannes ist 19 und Schäfer in der Lüneburger Heide.
Doch die Idylle wird nicht nur von der Rückkehr des Wolfes getrübt, sondern auch die Sorge um Jannes’ demenzkranken Vater macht ihm zu schaffen.
Als er ...

Jannes ist 19 und Schäfer in der Lüneburger Heide.
Doch die Idylle wird nicht nur von der Rückkehr des Wolfes getrübt, sondern auch die Sorge um Jannes’ demenzkranken Vater macht ihm zu schaffen.
Als er dann noch eine mysteriöse Frauengestalt im Wald sieht, beginnt er, an seinem eigenen Verstand zu zweifeln.

“Von Norden rollt ein Donner” ist vor allem eins: eine Desillusionierung der Heiden-Idylle. Denn der Roman zeigt auf, mit welchen Problemen die Schäferinnen zu kämpfen haben, dass der Ton und die Arbeit hart sind, dass es aus wirtschaftlicher Sicht schon lange nicht mehr reicht, einfach Schafe durch die Landschaft zu treiben.

Hinzu kommt die Wolfsproblematik: in der Gegend gab es schon die ersten Risse, nun wollen die Anwohner
innen ihr Vieh schützen und diskutieren über geeignete Maßnahmen, fühlen sich alleingelassen von der Politik.
Besonders anhand dieses Beispiels behandelt der Autor hier sehr anschaulich ein weiteres Thema: Generationskonflikte. Jannes’ Opa hat noch mitbekommen, wie auf Wölfe geschossen wurde, er sieht dies als die einzig vernünftige Lösung. Aber rechtfertigt Heimatschutz das Töten des gefährdeten Tieres?
Auch bei der Behandlung anderer Schwierigkeiten sieht man die unterschiedlichen Lösungsansätze verschiedener Generationen, z. B. im Rückblick, als Jannes’ Großmutter an Demenz erkrankt.

Außerdem behandelt der Roman die Themen Identität, Herkunft, die Schatten der (NS-)Vergangenheit, den Umgang mit dem immer mehr aufkommendem Tourismus und sogar eine Geistergeschichte findet ihren Platz.
Trotz der ruhigen Erzählweise erschafft Markus Thielemann unterschwellig Spannung, die hohe Dichte an Themen lässt die Stimmung immer düsterer werden.
Ich mochte außerdem die Landschaftsbeschreibungen und die wörtliche Rede sehr gern, durch die regionale Mundart sorgen die Anwohner ganz automatisch für ein atmosphärisches Lokalkolorit.

Am Ende bleiben einige Fragen offen, das Wolfsproblem ungelöst. Viele Erzählstränge werden nicht auserzählt und man muss sie selbst verbinden, um auf eine eigene Lösung zu kommen. ⭐️5/5⭐️

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Veröffentlicht am 17.10.2024

Kindgerechtes Sachbuch

Kuscheln
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"Kuscheln" ist ein Kindersachbuch, welches in elf Kapiteln verschiedene Tierarten beleuchtet. Im Mittelpunkt steht stets das Thema Kuscheln: Warum und auf welche Weise die jeweilige Tierart dies tut. Im ...

"Kuscheln" ist ein Kindersachbuch, welches in elf Kapiteln verschiedene Tierarten beleuchtet. Im Mittelpunkt steht stets das Thema Kuscheln: Warum und auf welche Weise die jeweilige Tierart dies tut. Im letzten Kapitel wird dann darauf eingegangen, warum wir Menschen kuscheln, so haben Kinder noch einen besseren Bezug zu dem zuvor Gelesenen.
Neben dem Thema Kuscheln lernt man aber auch noch ganz viele andere Fakten über Tiere, teilweise waren sie sogar mir neu. Sehr angenehm ist dabei, dass es keinen langen Fließtext gibt, sondern immer nur kleine Textfelder.
Die Informationen werden aus der Sicht eines Jungtiers der jeweiligen Art erzählt, ebenfalls eine sehr schöne Idee. Die Texte sind dabei einfach formuliert und meiner Meinung nach auch schon für jüngere Kinder gut verständlich.
Sehr positiv hervorheben möchte ich noch die wunderschönen und naturnahen Illustrationen von Maria Over. Highlight ist natürlich das kuschelig-weiche Fühlelement auf dem Cover.

"Kuscheln" ist ein absolut gelungenes Kindersachbuch mit vielen spannenden Informationen, tollen Bildern und mit dem man sich lange beschäftigen kann. ⭐️5/5⭐️

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