Profilbild von Eliza

Eliza

Lesejury Star
offline

Eliza ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Eliza über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.11.2024

Eine Hommage an die Gemeinschaft und den Zusammenhalt der Frauen

Der Pakt der Frauen
0

“Wir Frauen müssen doch zusammenhalten.” (S. 315)

Julia Kröhn hat wieder einen beeindruckenden zeitgeschichtlichen Roman geschrieben, der mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird, weil er doch sehr ...

“Wir Frauen müssen doch zusammenhalten.” (S. 315)

Julia Kröhn hat wieder einen beeindruckenden zeitgeschichtlichen Roman geschrieben, der mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird, weil er doch sehr viel mit meinem eigenen Leben zu tun hat.

Im Mittelpunkt des Romans steht die junge Historikerin Katharina Adler, sie ist fest entschlossen ihren eigenen Weg an der Wiener Hochschule zu gehen. Sie will eine wissenschaftliche Karriere machen und ist bereit sich ihren männlichen Kollegen zu stellen. Auf der zweiten Zeitebene spielt ihre Mutter eine entscheidende Rolle. Einst aus Schlesien geflohen kommt immer mehr über ihre Vergangenheit ans Tageslicht und Katharina macht eine ihr bislang unbekannte Entdeckung.

Mir hat der Roman sehr gut gefallen, mein einzige Kritikpunkt ist der kleine Spannungsabfall in der Mitte des Romans, bevor ich am Ende das Buch kaum noch aus der Hand legen konnte.

Themen des Romans sind die Konkurrenz zwischen Männern und Frauen im universitären Betrieb in den 70er Jahren, der zweite Weltkrieg und die damit verbundenen Strafgefangenenlager in Schlesien. Aber es geht auch viel um das Thema Kochen, sodass man bei der Lektüre nicht allzu hungrig sein sollte.

Der Schreibstil der Autorin ist angenehm zu lesen und der jeweiligen Zeit angepasst. Die Perspektiven wechseln nach jedem Kapitel, eine Jahreszahl ist zur Orientierung vorangestellt.

Eine Hommage an die Gemeinschaft und den Zusammenhalt der Frauen in allen Zeiten, auch heute sollten wir uns viel häufiger daran erinnern!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.10.2024

Die Reise ins Ungewisse

Fractal Noise
0

Mit viel zwischenmenschlicher Psychologie und dem Spiel mit der Angst vor dem Ungewissen sorgt dieser Science-Fiction Roman für gute Unterhaltung. Die Menschheit hat Teile des Alls kolonialisiert. Sie ...

Mit viel zwischenmenschlicher Psychologie und dem Spiel mit der Angst vor dem Ungewissen sorgt dieser Science-Fiction Roman für gute Unterhaltung. Die Menschheit hat Teile des Alls kolonialisiert. Sie hat sich im Laufe der Zeit ausgebreitet und kann mit Hilfe von neuen Technologien immer weiter in das All vorstoßen. Ein Wissenschaftsteam wird zu dem unbewohnten Planeten Talos VII gesendet. Dort gibt es eine riesige kreisförmige Grube die regelmäßig einen Impuls ausstößt. Dies lässt nur einen Schluss zu, dass eine sehr intelligente Spezies hinter so einem kolossalen Bau stecken kann.

Der Xenobiologe Alex Crichton wird mit einem Spezialteam auf den Planeten gesendet. Ab da sind sie sich selbst überlassen und die Gefahr nimmt bald ihren Lauf. Alex Crichton wirkt am Anfang sehr ängstlich und die Gründe für seine Angst liegen auch in seiner Vergangenheit. Doch bald muss er Entscheidungen treffen und als einziger Biologe auf der Mission wird sein Fachwissen schnellstmöglich gebraucht. Die handelnden Protagonistinnen und Protagonisten sorgen für Spannung, da ihre Persönlichkeiten doch sehr unterschiedlich sind. Gerade die oft fast schon philosophisch anmutenden Dialoge zwischen zwei von Ihnen haben mir dabei sehr gut gefallen. Die Brisanz in der “menschenfeindlichen Umgebung” sorgt dabei auch für Wertschätzung der “urnatürlichen” menschlichen Bedürfnisse.

Emotional, aber auch sachlich beschreibend mit einer guten Beschreibung der Umgebung ist der Schreibstil des Autors. Die Dialoge sind sehr abwechslungsreich und sorgen für kurzweile beim Lesen. Auch der Spannungsbogen in dem Roman wird sehr gut gestaltet. Das Ende hat mich sehr überrascht und ich bin nicht so ganz mit diesem D’accord gegangen. Trotz dieser kleinen Einschränkung bin ich aber mit dem Roman zufrieden und kann diesen gut empfehlen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.10.2024

Gute Unterhaltung

Mord im Nord-Ostsee-Express
0

Ein Krimi mit kleinen Parallelen zu einem Krimiklassiker, der bei mir für gute Unterhaltung gesorgt hat. Polizeihauptmeister Thies Detlefsen wird von seiner Frau Heike genötigt an der Parisreise eines ...

Ein Krimi mit kleinen Parallelen zu einem Krimiklassiker, der bei mir für gute Unterhaltung gesorgt hat. Polizeihauptmeister Thies Detlefsen wird von seiner Frau Heike genötigt an der Parisreise eines Französischkurses teilzunehmen. Als die beiden mit anderen Bekannten im Zug sitzen, ist aufgrund eines starken Schneesturmes die Fahrt schnell unterbrochen. Kurze Zeit später wird die teilnehmende Lateinlehrerin Agathe Christiansen tot auf der Zugtoilette aufgefunden. Für Thies steht schnell fest, dass es sich um Mord handeln muss. Wird er es schaffen den Mörder oder die Mörderin zu fassen?

Thies Detlefsen ist diesmal ohne sein kongeniale Kollegin Nicole Stappenbek unterwegs und das merkt man ihm als Leser an. Irgendwie fehlt ihm an manchen Stellen die frische Auffassungsgabe seiner Kollegin und er wirkt an manchen Stellen etwas schwerfällig. Der Französisch-Lehrer Jean-Pierre Picon versucht Detlefsen zu helfen schafft dies logischerweise aber nur so semi-professionell. Er sorgt aber für einige humorvolle Momente, auch wenn er Thies an den Rand der Verzweiflung treibt mit seiner Darstellung eines “Poirot für Arme”. Die einzelnen Nebencharaktere sind gut konstruiert worden und die vielen humorvollen Passagen sorgen für ein sehr zeitloses Leseerlebnis. Oma Ahlbeck mit ihrem Kurschatten in der Nebengeschichte hatte ich dabei besonders ins Herz geschlossen.

Sehr gut erzählend und dialogorientiert ist der Schreibstil des Autors. Ich konnte der Erzählung sehr gut folgen und musste des Öfteren einmal schmunzeln. Die Spannung der Geschichte ist gut und sorgt für Kurzweile. Die Handlung wartet mit ein paar Wendungen auf. Auch die zweite Nebengeschichte außerhalb des Zuges sorgt für Fortune bei der Spannung. Trotzdem hätte ich mir einen stärkeren Turn in der Story gewünscht, diese hatte ich hier schmerzlich vermisst. Aber in Summe ist es ein guter Krimi mit viel lokalem Humor, den ich gerne weiterempfehlen kann.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.10.2024

Ein Kommissar der Stille

In tiefen Seen
0

Ein Krimi mit sehr viel lokalem Flair ummantelt mit einer Bergwelt so könnte man diesen Kriminalroman beschreiben. Ein Mann wird grausam zugerichtet aufgefunden. Die zugerufene Polizei aus Bozen um Commissario ...

Ein Krimi mit sehr viel lokalem Flair ummantelt mit einer Bergwelt so könnte man diesen Kriminalroman beschreiben. Ein Mann wird grausam zugerichtet aufgefunden. Die zugerufene Polizei aus Bozen um Commissario Grauner und seinen Kollegen Saptapepe suchen im nahe gelegenen Dorf Antworten auf die Grausame Tat zu finden. Doch dieses Unterfangen erweist sich als äußerst schwierig. Im Dorf herrschen eigene Regeln und Personen von außen werden per se eher misstrauisch beäugt. Bald ergeben sich verschieden Spuren und erst so nach und nach begreifen die Ermittler, dass mehr als nur ein Mord hinter der Sache steckt. Eine interessante Untersuchung beginnt.

Commissario Grauner ist ein Mann der Stille, der am liebsten auf seinem Hof nahe Bozen bei seiner Frau und seinen geliebten Tieren lebt. Er mag keine Hektik und versucht so gut wie möglich in der Einsamkeit seinen Gedanken nachzugehen. Sein Kollege Saltapepe ist aus Neapel nach Südtirol versetzt worden. Er fremdelt arg mit der vorherrschenden Kultur und vermisst das chaotische Neapel. Er ist ein guter Kontrast zu dem vermeintlich manchmal etwas gemütlichen Grauner. Gerade das Zusammenspiel dieser beiden Charaktere war einer der positiven Reize des Kriminalromans.

Gut beschreibend und atmosphärisch ist der Schreibstil des Autors. Ich konnte mich sehr gut in der Handlung einfinden und hatte die Region bildlich vor Augen. Auch wenn ich bisher einmal in Südtirol sein durfte, bedarf es keiner Ortskenntnisse, um sich lesetechnisch sehr gut in der Region mit ihrem ganz besonderen Flair einzufinden. Neben dem Setting wartet die Geschichte mir verschiedenen Erzählpassagen auf, welche die Handlung zusätzlich interessant werden lassen. Auch das Ende der Handlung ist interessant geschrieben. Allerdings war mir das Ende etwas zu schnell für die vorherigen Handlungen herbeigeführt . Aber dies ist nur ein ganz kleiner Kritikpunkt an diesem sehr interessant und schön geschriebenen Kriminalroman. Eine Krimireihe die ich sehr gerne weiterverfolgen werde

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.10.2024

List und Intrigen

Das Strandhotel auf Borkum
0

Ocke Aukes hat einen wunderbaren historischen Inselroman geschrieben, der einen sofort auf die schöne Insel Borkum beamt.

Hermine Flessner ist eine junge patente Frau, die während der Saison auf Borkum ...

Ocke Aukes hat einen wunderbaren historischen Inselroman geschrieben, der einen sofort auf die schöne Insel Borkum beamt.

Hermine Flessner ist eine junge patente Frau, die während der Saison auf Borkum arbeiten möchte, um ihre Familie auf dem Festland zu unterstützen. In Willem Bakker findet sie einen Freund und Unterstützer, der sie unter die Fittiche nimmt und gleichzeitig auch für seine Zwecke benutzt. Denn Willem Bakker hat ein Ziel den Einfluss und Macht auf Borkum weiter auszubauen.

Der Roman besticht vor allen Dingen durch den Lokalkolorit und die vielen Anekdoten rund um die schöne Nordseeinsel Borkum. Es macht unglaublich viel Spaß mit Hermine durch die Straßen zu laufen. Die alteingesessenen Familien bestimmen das Schicksal Borkums und die Karten werden neu gemischt, es geht um die Vergabe von neuen Grundstücken und damit geht einher wer expandiert und wer nicht.

Es geht um Gefälligkeiten, um List und Intrigen. Wer steht auf wessen Seite und wer spielt mit offenen Karten? Aber es geht auch um die Abhängigkeiten der Saisonkräfte von den Hotelbesitzern und den Missbrauch der Macht über die Dienstmädchen etc.

Der Schreibstil der Autorin ist angenehm zu lesen, der Spannungsaufbau hätte für mich noch ein wenig gradliniger sein können, vielleicht noch mit der einen oder anderen weiteren Nebengeschichte. Was mir leider nicht so gut gefallen hat, waren die Andeutungen bzgl. der Zukunft. Ich bin davon kein großer Fan, weiß aber das einige Autor*innen dieses stilistische Mittel gerne nutzen. Ich grüble dann schon immer was dahinterstecken könnte und komme so aus dem Roman ein wenig raus.

Insgesamt aber ein schönes Leseerlebnis. Ich freue mich auf die Fortsetzung, welche im Februar 2025 erscheint (laut Facebook der Autorin).

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere