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Veröffentlicht am 25.01.2025

Sehr lesenswert

Verlassen
1

„Verlassen“ erscheint als 4. Band der Island-Reihe, chronologisch ist es allerdings Band 1 – ein Prequel zu den bisher erschienenen Krimis, denn dieses Buch spielt bevor Elma bei der Polizeistation in ...

„Verlassen“ erscheint als 4. Band der Island-Reihe, chronologisch ist es allerdings Band 1 – ein Prequel zu den bisher erschienenen Krimis, denn dieses Buch spielt bevor Elma bei der Polizeistation in Akranes beginnt. Im Grunde hat „Verlassen“ überhaupt nichts mit der Reihe zu tun und ist ein Stand-Alone. Vom Aufbau und Erzählweise her ist es nämlich komplett anders. Dies ist kein Ermittlerkrimi. Die Polizei kommt hier nur in sehr kurzen Kapiteln von jeweils 2-3 Seiten Länge vor und spielt weder beim Fall, noch bei der Auflösung eine besondere Rolle.

Erzählt wird die Geschichte aus Sicht von vier verschieden Personen. Petra und Lea Snaeberg, Irma einer Hotelangestellten und Tryggvi, der Lebensgefährte von Oddny aus dem Snaeberg Clan.
Die Snaebergs sind eine riesige Familie, der Stammbaum am Anfang des Buches ist auf jeden Fall sinnvoll, um die Orientierung zu behalten.
Anlässlich eines 100. Geburtstags haben sich sämtliche Geschwister, Cousins, deren Nachkommen und Partner versammelt. Nach außen tun alle so, als hätten sie mächtig Spaß. Tatsächlich sind die zwischenmenschlichen Beziehungen allerdings geprägt von einer Menge Spannungen. Es werden ordentlich Alkohol und andere Rauschmittel konsumiert und so kommen Themen auf den Tisch, über die seit Jahren geschwiegen wurde.

Ich fand den Aufbau und die Handlung ausgesprochen fesselnd. „Verlassen“ ist eine Art Kammerspiel, bei dem man lange Zeit nicht genau weiß, wohin die Reise gehen wird.
Es wird zwar von Anfang an gesagt, dass jemand von einer Klippe stürzt, aber wer genau das ist, bleibt bis kurz vor Schluss im Dunkeln.
Zwischendurch kam die ein oder andere Tendenz auf, aber erst in den letzten Kapiteln setzt sich das Puzzle logisch zusammen.
Besonders gefallen hat mir der Charakter Irma, zunächst eine pflichtbewusste Angestellt, die mit der Zeit immer zwielichtiger erschien.

Ich würde sagen, dies war bisher mein Lieblingsband aus der Reihe. Eher ein Thriller als ein Krimi. Das war richtig gute Unterhaltung. 5 Sterne!

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Veröffentlicht am 10.01.2025

Spannender Survival-Thriller

One Perfect Couple
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Mit „One perfect couple“ habe ich seit langem mal wieder ein 5 Sterne Buch gelesen. Von Ruth Ware kenne ich bereits ein paar Thriller und dieser hier ist bis jetzt der Beste für mich!

Die Wissenschaftlerin ...

Mit „One perfect couple“ habe ich seit langem mal wieder ein 5 Sterne Buch gelesen. Von Ruth Ware kenne ich bereits ein paar Thriller und dieser hier ist bis jetzt der Beste für mich!

Die Wissenschaftlerin Lyla steht mit beiden Beinen im Leben. Von Reality-TV hält sie nichts, aber ihrem Freund Nico zu liebe erklärt sie sich bereit, an dem neuen Format „One perfect couple“ teilzunehmen, bei dem mehrere Paare auf einer einsamen Insel um ein Preisgeld kämpfen.
Doch schon in der ersten Nacht richtet ein Sturm verheerende Schäden an, von der Film-Crew, die sich zu der Zeit auf dem Meer befand, fehlt jede Spur und der Kampf ums Überleben beginnt.

Der Thriller hat mich sehr schnell abgeholt und konnte meine Aufmerksamkeit über 400 Seiten halten.
Die Grundidee ist ja nicht neu, der Klappentext erinnert stark an „Die Insel“ von Sarah Goodwin. Aber mir hat Ruth Wares Umsetzung sehr gefallen. Insbesondere die weiblichen Charaktere Lyla, Angel, Santana und Zana sind sehr facettenreiche und interessante Protagonistinnen. Mir waren alle Frauen sympathisch und ich fand es spannend, mit welchem Einfallsreichtum und Überlebenswillen sie sich den Herausforderungen stellen. Die männlichen Charaktere wirken im Vergleich ziemlich blass und vermischen sich rückblickend zu Einheitsbrei. Connor ist der Bösewicht der Geschichte aber die anderen Männer dienen nur dazu, die Handlung und die dramatische Situation immer wieder aufs Neue zu befeuern.
Wie in so einer Situation zu erwarten, lässt der Kampf um die Nahrungsvorräte nicht lange auf sich warten.
Ich konnte so gut in die Geschichte eintauchen, dass ich richtig mitgefiebert habe. Zana konnte ich bis zum Schluss nicht genau einschätzen und habe immer wieder gezweifelt, ob sie zu den Guten oder zu den Bösen gehört.
Das Ende fand ich rund und es bietet nachvollziehbare Erklärungen. Persönlich hatte ich noch mit irgendeinem Twist gerechnet und war war überrascht, wie plötzlich und ruhig alles zu Ende ging.

Alles in Allem hat mir dieser Thriller ausgesprochen gut gefallen und ich empfehle ihn gerne Lesern weiter, die Lust auf eine Survival Geschichte haben.

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Veröffentlicht am 27.10.2024

Sehr berührend

Die Frauen jenseits des Flusses
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Als ich gesehen habe, dass ein neues Buch von Kristin Hannah erscheint, habe ich mich sehr gefreut, war aber beim Thema Vietnamkrieg skeptisch.

Die junge Frankie hat gerade ihre Schwesternausbildung ...

Als ich gesehen habe, dass ein neues Buch von Kristin Hannah erscheint, habe ich mich sehr gefreut, war aber beim Thema Vietnamkrieg skeptisch.

Die junge Frankie hat gerade ihre Schwesternausbildung beendet. Da in ihrer Familie Soldaten von je her als Helden verehrt werden, beschließt sie, als Krankenschwester nach Vietnam zu gehen. Was sie dort erwartet hat nichts mit dem sterilen und geordneten Alltag amerikanischer Kliniken zu tun, sondern ist zutiefst verstörend und blutig.

Kristin Hannah beschreibt schonungslos die Brutalität und Unsinnigkeit des Vietnamkriegs. Die Detailliertheit der Verletzungen und die schrecklichen Zustände unter denen operiert und behandelt wird, gehen beim Lesen sehr unter die Haut. Die Szenen sind schwer zu ertragen und doch ist es wichtig, sie genauso zu vermitteln.
Bevor ich überhaupt 100 Seiten gelesen hatte, kam ich schon das erste Mal an den Punkt, an dem mir die Tränen in den Augen standen. Bis zum Ende des Buches sollte dies noch einige Male mehr passieren.
Frankie ist eine tolle Protagonistin, die die Bezeichnung Heldin absolut verdient hat. Umso herzzerreißender ist es deswegen anzusehen, mit welcher Verachtung und welchem Unverständnis Frankie und die anderen Schwestern nach ihrer Rückkehr in die USA behandelt werden. PTSD war damals für die meisten Ärzte noch ein Fremdwort und so muss jeder sehen, wie er mit dem erlebten Schmerz alleine klarkommt.

„Die Frauen jenseits des Flusses“ hat mich wirklich sehr berührt.
Insbesondere die Zeit in Vietnam sowie die engen Freundschaften zwischen den Schwestern und zu den Soldaten haben den Roman zu etwas Besonderem gemacht.
Frankies Leben nach ihrer Rückkehr fand ich ebenfalls sehr tragisch und authentisch, teilweise dann allerdings ein wenig in die Länge gezogen. Auch das Ende war irgendwie vorhersehbar und ein wenig zu melodramatisch.
Insgesamt war es aber ein absolut lesenswertes Buch und bekommt definitiv 5 Sterne von mir.

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Veröffentlicht am 27.10.2024

Düster und spannend

Wintersonnenwende (Wolf und Berg ermitteln 2)
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„Wintersonnenwende“ ist der zweite Band der Krimireihe mit Tomas Wolf und Vera Berg. „Sommersonnenwende“ habe ich kürzlich gelesen und ich finde es von Vorteil, die Reihenfolge zu beachten, da sonst viel ...

„Wintersonnenwende“ ist der zweite Band der Krimireihe mit Tomas Wolf und Vera Berg. „Sommersonnenwende“ habe ich kürzlich gelesen und ich finde es von Vorteil, die Reihenfolge zu beachten, da sonst viel Background fehlt und es etwas schwierig sein könnte, die Beweggründe der Protagonisten zu verstehen. Ein absolutes Muss ist es allerdings nicht und ich denke, man kommt auch ungefähr klar, wenn man „Wintersonnenwende“ als Stand-alone liest.

Der Krimi spielt Mitte der 90er Jahre und man sollte als Leser nicht unbedingt das zarteste Gemüt haben. Die Brutalität ist ziemlich hoch und der Fall führt tief in die Abgründe der Gesellschaft.

Eine junge Prostituierte belauscht den Mord an einem Freier und taucht unter. Plötzlich ist sie eine viel gesuchte Frau. Neben dem Schützen sind auch die Polizei und Journalistin Vera auf der Suche nach Lucy um sie als Zeugin zu befragen. Tomas Wolfs Weg führt ihn bis zum schlimmsten Straßenstrich Tschechiens und auch Vera Berg begibt sich mehrmals in die Gefahrenzone.
Ich finde Vera ist eine bemerkenswerte Persönlichkeit. Sie kümmert sich aufopferungsvoll um den Sohn ihres Exfreunds und bei ihren Recherchen geht es ihr nicht nur um eine gute Story sondern vor allem um Gerechtigkeit. Dabei geht geht sie oft mutig aber auch völlig leichtsinnig vor und ich konnte mich manchmal über ihr Verhalten nur wundern und war froh, dass sie immer wieder Glück im Unglück hat.

Tomas Wolf ist eine tragische Figur. Ich fand es etwas wiederholend, dass wieder die Frage aufkam, ob er ein Verbrechen begangen haben könnte.

Tomas und Vera mögen sich nicht besonders. Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass die beiden im weiteren Verlauf der Reihe ein Paar werden und würde es mir sogar wünschen.

In diesem Band habe ich außerdem Zingo ins Herz geschlossen, der weit mehr ist, als ein abgestürzter Polizist, sondern auch eine sehr hilfsbereite Seite hat.

Wie schon der Vorgänger hat mich auch dieser Teil mit durchgängiger Spannung, einer interessanten Story und ungewöhnlichen Charakteren überzeugt. Der Fall und der Täter überraschen am Schluss mit einer unvorhersehbaren Wendung.
Ich fand diesen Krimi sehr lesenswert. Hoffentlich dauert es nicht so lange, bis Band 3 in Deutschland veröffentlicht wird.

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Veröffentlicht am 25.08.2024

Ausschweifender Erzählstil, der fesselt

Sommersonnenwende (Wolf und Berg ermitteln 1)
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Wem die Wallander oder Wisting Krimis gefallen, der wird sicherlich auch Freude an „Sommersonnenwende“ haben. Mich haben die knapp 600 Seiten sehr gut unterhalten. Dem Autorenduo gelingt es, sowohl ausschweifend ...

Wem die Wallander oder Wisting Krimis gefallen, der wird sicherlich auch Freude an „Sommersonnenwende“ haben. Mich haben die knapp 600 Seiten sehr gut unterhalten. Dem Autorenduo gelingt es, sowohl ausschweifend und ruhig zu erzählen und trotzdem den Leser an die Handlung zu fesseln. Teilweise passiert gar nicht zu viel, aber mir war zu keiner Zeit langweilig.
Die Liebe zum Detail muss man allerdings mögen. Ich musste manchmal schon schmunzeln, wie genau die Straßen und deren Namen beschrieben werden, in die jemand abbiegt. Ich könnte diese Wege nun problemlos auch selber finden.

Wir haben hier zwei Hauptcharaktere. Zum einen Kommissar Tomas Wolf, der sich nach einem Kriegseinsatz schwer tut, in seinem alten Leben anzukommen. Und zum anderen die Journalistin Vera, die verzweifelt versucht, auf einen grünen Zweig zu kommen, obwohl ihr Geldsorgen und sonstige Probleme immer wieder in die Quere kommen.

„Sommersonnenwende“ ist ein sehr charakterfokussierter Krimi. Wir tauchen tief in das Privatleben von Tomas und Vera ein, dass höchstens am Rande mit dem Kriminalfall zu tun hat. Ich fand es interessant, die beiden so gut kennenzulernen und kann mir vorstellen, dass diese Insights in künftigen Büchern noch wichtig werden. Vera mag ich ausgesprochen gerne. Sie kämpft wie eine Löwin für einen Jungen, der nicht ihr leibliches Kind ist und ist eine überdurchschnittliche engagierte Journalistin. Leider kapituliert sie sich wegen Regelverstößen, die man ihr als Leser nicht übel nehmen kann, immer wieder ins Abseits.
Mit Tomas bin ich leider nicht warm geworden. Die Autoren säen erfolgreich Zweifel an seiner Integrität. Da es allerdings weitere Bände gibt, ist es im Grunde klar, dass er einer von den Guten sein muss.

Der Fall um einige ermordete Flüchtlingsfrauen bleibt lange mysteriös und ich bin erfolgreich auf eine falsche Fährte reingefallen. Im Kontrast zum ansonsten eher gemächlichen Tempo stand der überraschend rasante Showdown, der die Spannungskurve extrem in die Höhe schnellen lässt.

Auch gut gefallen hat mir, dass der Krimi 1994 spielt. Die Atmosphäre von heißen Sommerabenden und der Euphorie während der Fußball-WM wurde ausgesprochen gut eingefangen. Manchmal habe ich beim Lesen kurz vergessen, dass wir uns in den 90er Jahren befinden und musste kurz lachen, wenn mal wieder ein Fax geschickt wurde oder ein Polizist eine Adresse im Telefonbuch nachschlägt.

Nun bin ich auf den zweiten Fall für Vera und Tomas gespannt.

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