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Veröffentlicht am 23.11.2017

fesselnde Dystopie

Fever
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Von Deon Meyer habe ich schon einige Thriller gelesen, auf eine Dystopie aus seiner Feder war ich deshalb besonders gespannt.

Schauplatz Südafrika: Die Welt hat sich verändert, bei einem viralen Tsunami, ...

Von Deon Meyer habe ich schon einige Thriller gelesen, auf eine Dystopie aus seiner Feder war ich deshalb besonders gespannt.

Schauplatz Südafrika: Die Welt hat sich verändert, bei einem viralen Tsunami, einem großen Fieber, wurde 95% der Weltbevölkerung ausgelöscht. Nicolaas Storm und sein Vater Willem gehören zu den Überlebenden, doch das Leben in dieser veränderten Welt ist gefährlich. Bewaffnete Gangs ziehen durch die Gegend, eine andere Bedrohung für die Überlebenden sind die wilden Tiere Afrikas. Vater und Sohn machen sich auf den Weg nach Vanderkloff, wo sie zusammen mit anderen eine neue Stadt gründen wollen. Als sich Nicolaas in Sofia verliebt, keimt das Zarte Pflanzlichen Hoffnung auf eine Zukunft in ihm.

"Fever" ist eine Geschichte, die mich von Anfang an gefesselt hat. Nico hat irgendwann angefangen Tagebuch zu führen und erzählt jetzt seine Geschichte, eine Geschichte die auch vom Tod seines Vaters Willem handelt. Von den Schwierigkeiten, dem Kampf ums überleben, von Rückschlägen aber auch von der Liebe zu Sofia. Willem ist zwar der Ältere, der Vater, aber es ist Nico der erkennt, dass sein Vater zwar ein kluger Kopf, aber schwach ist. So macht es sich Nico zur Aufgabe, seinen Vater zu beschützen. Die neu gegründete Stadt Amanzi wächst und gedeiht, doch die Bedrohung durch Gangs ist nach wie vor groß, immer wieder kommt es zu bewaffneten Auseinandersetzungen.

Auf fast 700 Seiten lernt man die beiden Hauptcharaktere kennen, ihr Verhältnis zueinander, ihren Mut und Willen zu überleben und das Leben neu zu gestalten. Auch andere Bewohner der Stadt kommen zu Wort. Beim lesen fragt man sich unwillkürlich, wie man sich in so einer Situation verhalten würde. Gibt man auf oder kämpft man, bleibt man seinen Grundsätzen treu oder wirft man all seine Moralvorstellungen über Bord und schließt sich Banden an, die sich nicht scheuen, über Leichen zu gehen? Definitiv ein Stoff, der sehr nachdenklich macht. Das Buch ist fesselnd, die Spannung stiegt zum Ende hin an, im Mittelteil gibt es aber auch einige Längen. Insgesamt hat mich "Fever" überzeugt, ich kann es Fans von Dystopien unbedingt empfehlen.

Veröffentlicht am 22.11.2017

eine Vielfalt an Rezepten, mit viel Liebe zum Detail gestaltet

Eingemacht
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Einmachen ist momentan Trend. Der Vorteil liegt auf der Hand, in Zeiten von Warenrückrufaktionen und Lebensmittelskandalen weiß man beim Einkochen genau, welche Zutaten enthalten sind. Für mich ein wichtiger ...

Einmachen ist momentan Trend. Der Vorteil liegt auf der Hand, in Zeiten von Warenrückrufaktionen und Lebensmittelskandalen weiß man beim Einkochen genau, welche Zutaten enthalten sind. Für mich ein wichtiger Punkt, ich bin kein Fan von Konservierungs-, Füllstoffen und Co.


Das Buch auszupacken war für mich ein Aha-Erlebnis, ich habe selten ein Kochbuch gesehen, das mit so viel Liebe zum Detail gestaltet ist. Etwas verspielt, etwas old fashioned und im vintage Style. Zarte Pastellfarben, die Innenseite des Einbandes mit Blümchenmuster und Fotos, die ein besonderer Augenschmaus sind. Die Arrangements aus Gläsern, Blumen, Kristall und Speisen sind großartig, ich kann mich immer noch nicht satt sehen daran.


Wer jetzt denkt es geht nur ums schnöde Einmachen von Marmeladen oder Einlegen von Gürkchen, der irrt. Das Besondere bei "Eingemacht" ist, dass es neben Rezepten für Chutneys, Soßen und Co auch Inspiration gibt, was man aus den eingemachten Schätzen alles zaubern kann.


Die Vielfalt an Rezepten ist groß, Chutneys, Dips und Salsas, BBQ-Saucen, eingelegtes Obst und Gemüse, Marmeladen, Sirups und Liköre, sogar Brot und Kuchenrezepte sind enthalten. Leider ist die heimische Gemüse- und Obstsaison inzwischen vorbei, weswegen ich viele Rezepte erst im kommenden Sommer ausprobieren kann, wenn ich frische Früchte aus dem Garten zur Verfügung habe. Besonders gespannt bin ich auf die Rezepte für Ketchup, mein Favorit ist das Mango-Gelbe-Tomaten-Ketchup.


Ich habe mich quer durchs Buch gekocht: Orangensirup, Karamellsirup, in Sirup eingelegte Nüsse, Pepper-Jelly, Guacamole, Hühnerspießchen mit Erdnuss-Sauce, Chiabatta und einige andere. Die Rezepte sind übersichtlich gestaltet, die Zubereitung gut erklärt, so dass das nachkochen keine Probleme bereitet, und auch geschmacklich haben sie mich überzeugt. Viele Rezepte eigenen sich gut als Mitbringsel zu Feiern oder als Geschenk für Menschen, die Selbstgekochtes zu schätzen wissen. Da Weihnachten mit großen Schritten näher kommt werde ich mich als nächstes an die Liköre wagen. Dekorativ verpackt sind sie ein schönes Weihnachtsgeschenk.


Fazit: "Eingemacht" hat sich zu meinem Lieblingskochbuch gemausert, die Vielfalt an Rezepten ist kaum zu überbieten. Verdiente 5 Sterne, wenn ich könnte, würde ich 10 Sterne vergeben.

Veröffentlicht am 20.11.2017

wieder ein Volltreffer

Schwarzbubenland
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Von Christof Gasser habe ich die beiden Solothurn Krimis gelesen, von denen ich begeistert war. "Schwarzbubenland" ist der erste Teil der neuen Reihe um die Journalistin Cora Johannis und wieder ein Volltreffer.

Diesmal ...

Von Christof Gasser habe ich die beiden Solothurn Krimis gelesen, von denen ich begeistert war. "Schwarzbubenland" ist der erste Teil der neuen Reihe um die Journalistin Cora Johannis und wieder ein Volltreffer.

Diesmal lässt der Autor keinen professionellen Ermittler einen Fall lösen, sondern eine unabhängige Journalistin, die eigenständiger ermitteln kann und sich nicht unbedingt so streng an Gesetze halten muss, wie ihre Kollegen von der Polizei. Auch spielt das Privatleben von Cora hier eine größere Rolle, was mir sehr gut gefallen hat.

Cora ist geschieden, hat zwei Kinder. Ihr Sohn Julian ist bei ihr aufgewachsen, während ihre Tochter Mila nach der Trennung zum Vater kam. Momentan lebt auch sie bei Cora, ist mit der Situation aber nicht glücklich und lässt den pubertierenden Teenie so richtig schön raushängen. Zoff ist an der Tagesordnung. Die Personen sind liebevoll skizziert und wirken authentisch, egal ob sympathisch oder nicht. Da ich ein Fan von skurrilen Gestalten bin, fand ich die Figur des Schtäkkä-Köbi eine echte Bereicherung.

Doch worum geht es eigentlich? Cora erhält einen lukrativen Auftrag von einem ehemaligen Regierungsmitglied. Daniel vom Staals Frau ist vor 12 Jahren von einem Tag auf den anderen spurlos verschwunden. Für die Polizei war der Fall schnell klar, sie ging davon aus dass seine Frau Elisabeth ihn verlassen hat, Ermittlungen wurden nie eingeleitet. Doch Daniel vom Staal hat nie an die Version geglaubt, für ihn steht fest dass seine Frau ihn damals nicht freiwillig verlassen hat, sondern ihr etwas zugestoßen ist. Jetzt will er Klarheit, egal wie das Ergebnis ausfällt. Cora stellt Nachforschungen an und befindet sich bald selbst in Gefahr. Worauf hat sie sich nur eingelassen?

Christof Gassers Schreibstil ist anspruchsvoll, durch gelegentlich eingestreute mundartliche Begriffe und die Beschreibung der Umgebung, der Landschaft des Schwarzbubenlandes, erzeugt er Lokalkolorit. Im Buch spielt ein fiktives Dorf eine große Rolle, es ist perfekt in die Landschaft eingepasst, wenn man die Örtlichkeiten nicht kennt merkt man auch nicht, dass das Dorf nicht existent ist.

Der Fall ist spannend, ich habe Vermutungen angestellt, hatte aber keine Ahnung, in welche Richtung es geht. Wenn man die Krimis aus Gassers Feder kennt, weiß man, dass keine einfache Lösung präsentiert wird. So auch hier, mit diesen Wendungen und dem Ende hätte ich nicht gerechnet. Besonders gut gefallen hat mir, dass Ermittler aus der Solothurn-Reihe Gastauftritte hatten.

Fazit: Perfekter Auftakt zu der neuen Reihe. Wer spannende, anspruchsvolle Krimis mit Lokalkolorit, die aber nicht einfach gestrickt sind, liebt, der ist hier richtig. Für mich bleibt der Autor ein Geheimtipp, ich warte gespannt auf die Fortsetzung.

Veröffentlicht am 16.11.2017

Wer ist der Mörder?

Tannenglühen
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Schauplatz Wien: Anwältin Franziska Ferstl will nur noch kurz in ihre Kanzlei, um letzte Dinge zu ordnen, bevor sie in den Ruhestand geht. Doch dieses Vorhaben scheitert gründlich, denn ein Partner der ...

Schauplatz Wien: Anwältin Franziska Ferstl will nur noch kurz in ihre Kanzlei, um letzte Dinge zu ordnen, bevor sie in den Ruhestand geht. Doch dieses Vorhaben scheitert gründlich, denn ein Partner der Kanzlei, Siegfried Fürstenstein, liegt erdrosselt im Konferenzraum. Erdrosselt mit einer Lichterkette, jemand muss ihn beim schmücken des Weihnachtsbaums überrascht haben. Die hysterische Sekretärin und zugleich Liebchen von Siegfried beschuldigt den dritten Partner, Max Frank des Mordes. Da sein Alibi nicht hieb und stichfest ist, wird er in Gewahrsam genommen. Ziska ist überzeugt, dass ihr langjähriger guter Freund unschuldig ist, da sie nicht allzu viel Vertrauen in die Polizeiarbeit hat, stellt sie selbst Ermittlungen an. Unterstützung erhält sie vom sympathischen Junganwalt Kurt Thesch.


"Tannenglühen" ist der perfekte Krimi für die Weihnachtszeit mit der so sympathischen Protagonisten Ziska. Endlich mal eine Hauptfigur im besten Lebensalter. Ziska ist 60 Jahre alt, hat eine Masse an Lebenserfahrung und ist doch jung geblieben. Sie liebt den Sound ihrer Harley, sogar im Winter brettert sie lieber mit ihr durch die Gegend als die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen. Sie wirkt burschikos, ist unverblümt und direkt. Sie sagt was sie denkt, auch wenn sie manchmal damit aneckt. Dazu verfügt sie über Humor und ist mit ihrer Art einfach liebenswert, eine Frau, die man gern zur Freundin hätte. Doch nicht nur Ziska, auch die anderen Hauptpersonen sind klasse gezeichnet, es sind Charaktere mit Stärken und Schwächen, sie haben Wiedererkennungswert.


So gibt Ziska auch alles, um ihren Freund Max zu entlasten. Dabei muss sie mit einer voreingenommenen Richterin und einem Kommissar kämpfen, der überzeugt ist, den Täter schon geschnappt zu haben. Dazu die hysterische Geliebte und eine adlige, kühle und unsympathische Ehefrau des Toten. Als wäre dies nicht schon genug, gibt es auch noch familiäre Probleme. Ziska ist zwar Single, hat aber ein sehr inniges Verhältnis zu ihrer jüngeren Schwester und deren Familie, die quasi ihre eigene ist. Und trotz allen Widrigkeiten gibt Ziska alles, wird letzlich auch noch von einem russischen Oligarchen bedroht.


Petra K. Gungl zaubert viel Lokalkolorit und etwas Wiener Schmäh, so dass das Wien-Feeling super rüberkommt. Sie schreibt wunderbar leicht, witzige Dialoge lockern die spannende Atmosphäre immer wieder auf. Der Fall scheint verzwickt, noch ist nicht klar ob es sich um eine Beziehungstat handelt, oder ob die Geschäfte der Kanzlei zum Tod von Siegfried geführt haben. Motive gibt es einige, doch wer ist der Täter?


"Tannenglühen" ist ein Krimi, bei dem ich von Anfang an gefesselt war und jede Seite genossen habe. Ich war an Ziska ganz nah dran und habe mit ihr gerätselt. Das Ende ist stimmig und hält eine große Überraschung bereit.


Fazit: Perfekter Regiokrimi mit einer Protagonistin, von der ich gerne noch mehr lesen würde. Verdiente 5 Sterne.

Veröffentlicht am 14.11.2017

Spannung, Action, John Finch!

Der Zerberus-Schlüssel
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"Der Zerberus Schlüssel" ist der vierte Teil der Reihe um den sympathischen Piloten John Finch, ein weiteres spannendes Abenteuer aus der Feder von Gerd Schilddorfer.


Der Anfang des Thrillers führt uns ...

"Der Zerberus Schlüssel" ist der vierte Teil der Reihe um den sympathischen Piloten John Finch, ein weiteres spannendes Abenteuer aus der Feder von Gerd Schilddorfer.


Der Anfang des Thrillers führt uns nach Berlin, wo eine Studentin über eine Leiche stolpert. In einem seit Jahren aufgegebenen Haus hängt sie im Obergeschoss seit Jahrzehnten, inzwischen ist der Leichnam mumifiziert. Währenddessen beschäftigt Kommissar Thomas Calis sich mit rätselhaften Morden. Drei Männer wurden erdrosselt, alles unauffällige Zeitgenossen. Er versucht herauszufinden, was die drei Männer verbindet. John Finch wiederum befindet sich in Berlin bei der Internationalen Luftfahrtausstellung, wo er den neuesten Eurocopter X3 fliegen soll. Sein Freund Llewellyn Thomas erhält ein Paket, das schon vor zwanzig Jahren aufgegeben wurde, in ihm eine mit Blut bedeckte Stichwaffe. Last but not least ist Alexander Reiter auf der Suche nach einem lange verschollenen Buch...


Auf über 800 Seiten begleiten wir John Finch und seine Freunde auf einem spannenden Abenteuer. Es gibt viele unterschiedliche Stränge, auch Handlungsebenen die in der Vergangenheit liegen, nach und nach laufen sie zusammen und werden zu einer dichten Story verwoben. Geheimdienste verschiedener Länder sind in die Geschichte verwickelt, eine Geschichte, deren Anfänge weit in die Vergangenheit zurück gehen, bis in die Zeit des zweiten Weltkrieges, sogar bis in die Zeit der Kolonien. Gerd Schilddorfer hat perfekt recherchiert und verknüpft die einzelnen Stränge geschickt zu einer fesselnden und dichten Story.


Für mich war es wie ein Treffen mit alten, lieb gewonnenen Bekannten, da ich den Vorgänger schon verschlungen hatte. Aber auch einige interessante neue Personen bekommen ihren Auftritt, so z. B. eine schlagfertige schottische Lady. Die Protagonisten sind detailliert gezeichnet und fast durchweg sympathische Charaktere, sie wirken lebendig und authentisch.


Das Buch ist anspruchsvoll und lässt sich aufgrund der vielen Protagonisten und Handlungsstränge nicht mal so nebenher lesen. Es erfordert Aufmerksamkeit und ein gewissens Maß an Konzentration, belohnt dann aber mit einer spannenden sowie actionreichen Handlung. Ich bin begeistert und habe jede Seite genossen, für mich ist der Zerberus-Schlüssel ein Thrillerhighlight 2017.