Profilbild von tweed

tweed

Lesejury Star
offline

tweed ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit tweed über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.01.2018

aktuelle Thematik, spannend umgesetzt

In eisiger Nacht
0

"In eisiger Nacht" ist der vierte Fall für den Londoner Detective Max Wolfe. Es ist Winter, die Temperaturen eisig, als in Chinatown ein verlassener Laster aufgefunden wird. Zuerst wird von einer möglichen ...

"In eisiger Nacht" ist der vierte Fall für den Londoner Detective Max Wolfe. Es ist Winter, die Temperaturen eisig, als in Chinatown ein verlassener Laster aufgefunden wird. Zuerst wird von einer möglichen Bombe ausgegangen, doch der Spürhund gibt Entwarnung. Als der Lastwagen geöffnet wird offenbart sich das schreckliche Geheimnis: Elf tote junge Frauen befinden sich im Laderaum, der auf Minusgrade herunter gekühlt ist. Alle erfroren. Eine Frau lebt noch, stirbt aber kurz darauf an den Folgen der Unterkühlung. Auf die Spur der Schleuser will Max mit dem dreizehnten Pass kommen, der im Führerhaus gefunden wurde. Eine junge Frau muss die Todesfahrt überlebt haben und irgendwo in London untergetaucht sein. Die Suche beginnt und wird für Max und sein Team brandgefährlich.

Ich habe die Reihe von Anfang an verfolgt, in jedem Krimi verarbeitet Tony Parsons ein aktuelles Thema, so auch in diesem. Es geht um Menschenhandel, illegale Migration und die kriminellen Banden, die unter dem liberalen Deckmantel der "offenen Grenzen für alle" für unsägliches Leid und Tote sorgen. Max Wolfe und sein Team ermitteln in dem Fall, doch diesmal geht es nicht ohne Verluste für die Polizei aus. Sie kommen auf die Spur der Schlepper, die sie in ein Flüchtlingslager nach Dünkirchen in Frankreich führt, das von dem zwielichtigen Troy geführt wird.

Ich habe mich gefreut, die bekannten Charaktere wiederzutreffen, vor allem Max Wolfe. Max ist trotz seines Berufs menschlich geblieben, mitfühlend, kümmert sich um andere wo immer es geht. Das macht ihn zu einem liebenswerten Charakter. Er behandelt selbst Gangster respektvoll. Ihm ist bewusst, dass er für seine Tochter Scout mehr Zeit erübrigen müsste, deswegen genießt er jede Minute mir ihr, geht liebevoll mit ihr um. Wenn man die Reihe von Anfang kennt merkt man, wie sich die Charaktere entwickeln und verändern. Das wird in diesem Teil an Max Chefin DCI Whitestone deutlich, die durch das Schicksal, das ihr Sohn erleiden musste, hart geworden ist und nicht immer richtige Entscheidungen trifft.

Die Grundstimmung ist düster und illusionslos, aber sehr atmosphärisch. Lichtblicke zwischen der spannenden Handlung sind die kleinen familiären Szenen mit Max Tochter Scout und dem Familienhund, oder die Szenen in dem Boxclub, in den Max regelmäßig geht.

Insgesamt konnte mich auch dieser Teil der Reihe überzeugen, er punktet mit einem aktuellen Thema, Spannung und sehr gut ausgearbeiteten Figuren. 5 Sterne.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Charaktere
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Spannung
Veröffentlicht am 31.12.2017

Koontz rockt

Suizid
1

Die frühen Thriller von Dean Koontz habe ich alle gelesen, deswegen war ich auf "Suizid" schon sehr gespannt. Der Klappentext hatte mich neugierig gemacht und ja, er hat nicht zu viel versprochen. Im Mittelpunkt ...

Die frühen Thriller von Dean Koontz habe ich alle gelesen, deswegen war ich auf "Suizid" schon sehr gespannt. Der Klappentext hatte mich neugierig gemacht und ja, er hat nicht zu viel versprochen. Im Mittelpunkt der Story steht die FBI-Agentin Jane Hawk, deren Mann vor kurzem Selbstmord verübt hat. Aus heiterem Himmel, ohne erkennbaren Grund hat er sich das Leben genommen und lässt Jane und den gemeinsamen kleinen Sohn Travis alleine zurück. Jane kann sich nicht mit dem Selbstmord abfinden, recherchiert und findet heraus, dass die Selbstmordrate aus unerklärlichen Grünen enorm angestiegen ist. Ihre Recherchen bleiben nicht unbemerkt, als das Leben ihres Sohnes bedroht wird, taucht sie ab, hier kommen ihr ihre FBI-Erfahrungen zugute.

Mit Jane Hawk hat Dean Koontz eine toughe und sympathische Protagonistin geschaffen, die alles macht um ihren Sohn zu schützen und andererseits herauszufinden, was hinter dem unerklärlichen Anstieg der Selbstmordrate liegt. Sie plant akribisch und taktiert, ist lange Zeit als Einzelkämpferin unterwegs, erst gegen Ende findet sie Unterstürzung. Mehr als einmal ist sie in Lebensgefahr, denn ihre Gegner verfügen über unendliche Mittel und sind bestens vernetzt. Jane muss in Notwehr töten, was ihr widerstrebt, sich aber nicht vermeiden lässt.

Die Thematik ist spannend, was hinter den Selbstmorden steckt ist perfide und dabei nicht unbedingt abwegig. Ein Szenario das man sich nicht vorstellen mag. Mehr als einmal hatte ich bei der Vorstellung Gänsehaut.

Koontz schreibt klasse, locker und so detailliert, dass die Personen authentisch wirken. Sowohl Jane als auch die anderen Figuren sind gut gezeichnet, so dass ich eine bildliche Vorstellung hatte. Die Gegenden in Kalifornien sind super beschrieben und bilden eine interessante Kulisse für die fesselnde Story.

Das Ende ist nicht abgeschlossen, die englischsprachige Ausgabe wird als "Jane Hawk Teil 1" bezeichnet, so dass man auf eine Serie hoffen kann. Schade dass das bei der deutschen Ausgabe nicht erwähnt wird.

Fazit: Koontz wie man ihn kennt, toll geschrieben, spannende Thematik und eine Protagonistin, mit der ich mitfiebern konnte. Ich hoffe auf eine Fortsetzung.

Veröffentlicht am 20.12.2017

ein magischer Hexenkrimi

Der Teufel im Bunde
0

"Der Teufel im Bunde" ist der vierte Teil aus der Highland-Hexen-Krimi-Reihe und führt uns Leser wieder in das kleine schottische Örtchen Tarbet. In Mrs. MacDonalds B&B sitzt eine tote junge Frau am Tisch. ...

"Der Teufel im Bunde" ist der vierte Teil aus der Highland-Hexen-Krimi-Reihe und führt uns Leser wieder in das kleine schottische Örtchen Tarbet. In Mrs. MacDonalds B&B sitzt eine tote junge Frau am Tisch. Augenscheinlich ist sie eines natürlichen Todes gestorben. Doch wer ist die junge Frau, die keiner kennt? Die aber eine große Ähnlichkeit mit der jungen Mrs. MacDonald aufweist? Kenna Maxwell ist neu bei der Polizei und wird mit diesem Fall konfrontiert, der ihr Rätsel aufgibt. Ihr Großvater erzählt ihr dann auch noch von einer mysteriösen Mordserie, an die sich außer ihm keiner zu erinnern scheint. Ein anderer Handlungsstrang spielt im Jahr 1934, wir lernen die junge Maryanna kennen, die in einem Zirkus aufgewachsen ist und über eine besondere Gabe verfügt.


In diesem vierten Band, den man übrigens auch gut ohne Vorkenntnisse lesen kann, wird das Geheimnis um Mrs. MacDonald aufgeklärt, das im letzten Teil schon angedeutet wurde. Ich habe mich gefreut, die bekannten Charaktere wiederzutreffen, und hinter Mrs. MacDs Geheimnis zu kommen. Mit Kenna Maxwell kommt ein sehr sympathischer neuer Charakter zur Handlung, auch die Privatdetektiven Abbey ist wieder mit dabei. Die beiden Frauen merken schnell, dass sie zusammen mit den Ermittlungen weiterkommen als alleine und tun sich zusammen.


Ich konnte beim lesen ganz tief in die Geschichte eintauchen, fand vor allen dem Strang in der Vergangenheit sehr fesselnd. Relativ schnell wird klar, wie die beiden Handlungsebenen zusammengehören, es war spannend zu verfolgen wie Abbey und Kenna der Lösung des Rätsels langsam näher kommen.


Fazit: Mir hat das Lesen wieder so viel Spaß gemacht, die Geschichte ist fesselnd und liest sich schön locker, so dass die Seiten nur so dahin fliegen. Ich freue mich schon auf den nächsten Teil.

Veröffentlicht am 15.12.2017

genialer Auftakt zu einer neuen Reihe

Der Todesmeister
0

Schauplatz Berlin: Schon seit Wochen ist die Nichte des Berliner Justizsenators verschwunden, jetzt wird ihre Leiche in der Spree entdeckt. Katharina wurde vor ihrem Tod gefoltert, wie die zahllosen Wunden ...

Schauplatz Berlin: Schon seit Wochen ist die Nichte des Berliner Justizsenators verschwunden, jetzt wird ihre Leiche in der Spree entdeckt. Katharina wurde vor ihrem Tod gefoltert, wie die zahllosen Wunden deutlich machen.

Viktor von Puppe ist neu im LKA, er hat sich aus persönlichen Gründen versetzen lassen. Er stößt als dritter zu dem Team von Kenji Tokugawa und Begüm Duran, die in genau diesem Mordfall ermitteln. Der Fall schlägt hohe Wellen, der Druck von oben und Seiten der Medien ist groß. Als Leser verfolgen wir auch die Perspektive des Mörders und wissen, dass es nicht bei dem einen Opfer bleiben wird...

Erst mal vorweg: ich bin begeistert von diesem spannenden Thriller. Der Schreibstil ist super locker, direkt und zeitgemäß mit lebendigen Dialogen, der Autor nimmt kein Blatt vor den Mund.

Ohne großes Vorgeplänkel ist man in der Geschichte drin und lernt die Protagonisten nach und nach kennen. Thomas Elbel hat mit Ken und Viktor einzigartige Persönlichkeiten geschaffen, zwei ganz unterschiedliche Typen, die zusammen aber ein geniales Gespann abgeben.

Ken ist schon rein äußerlich eine auffällige Figur mit seinem eigenwilligen Klamotten-Stil, und auf den Mund gefallen ist er auch nicht. Mit seinen lockeren Sprüchen ist er das genaue Gegenteil von Viktor, der etwas steif und wie Muttis Liebling wirkt. Allerdings taut er im Verlauf etwas auf, kein Wunder bei diesem Partner. Jeder von ihnen ist auf seine Art ein starker Typ, ein jeder hat sein Päckchen zu tragen. Ergänzt wird das Team von Begüm, die außer ganz zu Anfang meist schlechtgelaunt ist, dafür hat sie ein großes Herz. Neben dem Ermittlerteam haben noch weitere Charaktere einen größeren Auftritt: Die Gerichtsmedizinerin Stella Samson und Futanari, eine schillernde Figur. Skurril ist der Passagier, ein Mann der in der U-Bahn zuhause ist. Allen Figuren ist zu eigen, dass sie mit viel Liebe zum Detail angelegt sind. Gut gefallen hat mir der breit berlinernde LKA Pförtner, sorry, der Mann vom Gebäudefachdienst

Dass die Ermittlungen nicht nach Schema F laufen sollte klar sein, wenn man Ken kennenlernt. Da wird locker auch mal das ein oder andere Gesetz gebogen oder Gefallen eingefordert, um zu einem passablen Ermittlungsergebnis zu kommen. Blöd nur, dass die Ermittlungen von den Bossen torpediert werden. Ich habe die Ermittlungen verfolgt und gerätselt, wer hinter diesen brutalen Morden steckt. Ein kranker Geist, so viel ist klar, doch wer der Todesmeister ist erschließt sich bis zum Ende nicht. Immer wieder kann man einen Blick auf ihn erhaschen, wenn er sich an Szenen aus seiner Kindheit erinnernt. Ich finde diese Einblicke in die Psyche eines Täters immer interessant, so kann man zumindest irgendwie nachvollziehen, wieso sich ein Mensch in eine so kranke Richtung entwickelt.

Es gibt einige brutale Szenen, nichts für Zartbesaitete. Die Beschreibungen sind auch hier sehr detailliert, so dass ich die meiste Zeit über Kopfkino hatte.

Fazit: Für mich war der Thriller bestes Lesefutter. Eine dichte, fesselnde Story, viel Spannung und herrlich schräge, aber liebenswerte Charaktere. Ich freue mich jetzt schon auf die Fortsetzung.

Der Thriller zählt zu meinen Highlights 2017, ich kann ihn Fans des Genre wärmstens empfehlen.

Veröffentlicht am 11.12.2017

Ein neuer Fall für Kommissar Waechter und sein Team

Scherbennacht
0

Schauplatz München: Leo Thalhammer, Ermittler bei der Drogenfahndung wird erschossen aufgefunden. Hannes Brandl, der seit dem letzten Einsatz krank geschrieben ist, muss aus dem Krankenstand um das Team ...

Schauplatz München: Leo Thalhammer, Ermittler bei der Drogenfahndung wird erschossen aufgefunden. Hannes Brandl, der seit dem letzten Einsatz krank geschrieben ist, muss aus dem Krankenstand um das Team um Kommissar Waecher zu unterstützen. Auch wenn er noch lange nicht bereit ist, den Dienst wieder aufzunehmen, muss er in den sauren Apfel beißen.



Die Ermittlungen laufen an, ausgerechnet eine Ermittlerin der Eliteeinheit hat den Ermordeten gefunden, bei der Befragung scheint sie etwas zu verbergen. Wachter, Brandl, Elli Schuster und der Hüter des Schweigens ermitteln in alle Richtungen. Der tote Kollege scheint allseits beliebt gewesen zu sein, doch dann finden sie einen Makel in Thalhammers Vergangenheit.....



"Scherbennacht" ist der dritte Teil der Reihe, ich durfte die Protagonisten schon in "Moorfeuer" kennenlernen, so dass es für mich fast wie eine Wiedersehen mit alten Bekannten war.



Wacheter ist immer noch der einsame alte Wolf, der in seiner Messie-Wohnung lebt, wo ihm "Katze" Gesellschaft leistet. Hannes Frau ist schwanger, seine Tochter aus erster Ehe hat er lange nicht mehr gesehen. Und Elli ist liiert, aber nicht glücklich. Soweit der private Stand der Dinge, denn das Privatleben der Ermittler blitzt immer wieder durch und macht sie als Charaktere lebendig und authentisch. Auch die neuen Figuren sind sehr schön gezeichnet, sie sind facettenreich, mal mehr, mal weniger sympathisch, aber alle unverwechselbar.

Der Fall ist komplex und gibt Rätsel auf, lange Zeit tappen die Ermittler im Dunklen, dazu kommen noch interne Querelen, Machtkompetenzen, die alles noch komplizierter machen. Ein Fall, bei dem man wunderbar eigene Überlegungen anstellen kann. Was steckt hinter dem Mord? Eine Beziehungstat? Ein Zufallsopfer? Drogen? Oder hat Thalhammer seine Vergangenheit eingeholt? Immer neue Fakten lassen den Fall in einem anderen Licht erscheinen, doch die Auflösung kommt erst am Ende. Ich hatte auch bis fast zum Schluss keinen Verdächtigen ausgemacht.



Mir hat der Krimi sehr gut gefallen, er läuft eher ruhig an, indem man am Anfang die einzelnen Personen und ihre Beziehungen kennenlernt, nimmt aber kontinuierlich an Fahrt und Spannung auf, um am Schluss in einem super spannenden Showdown zu enden. Mir haben neben dem undurchsichtigen Fall besonders die persönlichen Verflechtungen gefallen, die Beziehung innerhalb des Teams und das Päckchen, das jeder der Ermittler zu tragen hat.



Der Schreibstil ist locker, zeitgemäß und bietet lebendige Dialoge, hier zeichnet sich Hannes Tochter aus, die mit ihren Kommentaren bei mir für den ein oder anderen Lacher sogte.



Fazit: Perfekter Krimi mit viel Atmophäre und München-Feeling, der mich begeistert hat. Ich warte gespannt auf den nächsten Fall.