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Veröffentlicht am 06.02.2025

Kontrolle und Vertrauen

Deep End – Die unausweichliche Unanständigkeit von Liebe
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„Früher war ich ein Student Athlete mit Topnoten. Früher hatte ich alles unter Kontrolle. Früher habe ich nach Spitzenleistungen gestrebt. Jetzt versuche ich nur noch, explosive Misserfolge zu vermeiden.“ ...

„Früher war ich ein Student Athlete mit Topnoten. Früher hatte ich alles unter Kontrolle. Früher habe ich nach Spitzenleistungen gestrebt. Jetzt versuche ich nur noch, explosive Misserfolge zu vermeiden.“ (S. 21)
Scarlett ist im dritten Studienjahr an der Stanford University und Leistungssportlerin im Wasserspringerin. Vor 15 Monaten hat sie sich bei einem Wettkampf schwer verletzt. Körperlich ist sie längst wieder fit, aber ihr Kopf steht ihr im Weg, wenn sie einen Delphinsprung machen soll. Auch ihre schulischen Leistungen lassen zu wünschen übrig, dabei braucht sie braucht Bestnoten für das Medizinstudium. Und ihr Liebesleben liegt schon lange brach. Sie ist in Lukas verliebt, den besten Schwimmer Stanfords, der mit Disziplin und Leichtigkeit sämtliche Rekorde bricht und eine Goldmedaille nach der anderen erringt. Leider ist er der Freund ihrer Teamchefin Pen, aber dann trennen sie sich, weil sie sexuell nicht harmonieren. Als Pen erfährt, dass Scarlett auf die gleichen Kinks wie Lukas steht, kommt sie auf die Idee, sie für unverbindlichen Sex zu verkuppeln.

Scarlett bleibt gern für sich, ist sehr kopflastig, kann schlecht abschalten und hat neben dem Sprungunfalltrauma auch noch eines aus ihrer Kindheit zu verarbeiten. Sie galt als absolutes Sporttalent, jetzt hat sie Angst, ihren Platz in der Mannschaft zu verlieren.
Lukas ist das genau Gegenteil, der erfolgreichste Sportler der Uni, Mittelpunkt jeder Party, sieht wahnsinnig gut aus, hat viele Freunde – und einen entzückenden schwedischen Akzent, der nicht nur Scarlett schwach werden lässt. Außerdem ist er ein guter Teamführer, nimmt stets auf andere Rücksicht und will, dass sich alle wohl fühlen.
Wider Erwarten werden sie wirklich Sex-Partner. Das Zusammensein nach festen Regeln gibt ihnen die Freiheit und Auszeit von Alltagswahnsinn, die sie brauchen. Doch dann kommt es zu Missverständnissen und ihre Verbindung bleibt nicht ganz so unverbindlich, wie es geplant war.

„Deep End“ verbindet das MINT-Setting mit sehr spicy Sports Romance. Scarlett und ihre MitstudentInnen sind nicht nur hervorragende Sportler, sondern streben auch wissenschaftliche Karrieren an. Dabei die Balance zu halten, fällt ihnen nicht immer leicht und erfordert ausgeklügelte und genau aufeinander abgestimmte Trainings- und Unterrichtspläne. Ich fand es faszinierend, mit welcher Leichtigkeit Ali Hazelwood diese Aspekte in die Handlung einbaut und einen genauen Einblick ins Wasserspringen und die Wettkämpfe gibt. Sie schafft es, dass es trotzdem nie langweilig wird. Ganz im Gegenteil, ich habe die 554 Seiten an nur zwei Tagen inhaliert. Ali Hazelwood schreibt gewohnt witzig, spannend und sehr unterhaltsam. Nur die Sexualpraktiken waren nicht immer meins, aber es müssen ja nicht alle auf das Gleiche stehen.

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Veröffentlicht am 04.02.2025

Der letzte Beweis

Salute - Die letzte Fahrt
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„Tote in Ihrem Café, Sie finden Tote im Wasser… und weil das nicht reicht, kleben Ihre Fingerabdrücke auf Mordwaffen. … Es bleibt stets ein Beigeschmack, ob Sie nicht doch etwas damit zu tun haben.“ (S. ...

„Tote in Ihrem Café, Sie finden Tote im Wasser… und weil das nicht reicht, kleben Ihre Fingerabdrücke auf Mordwaffen. … Es bleibt stets ein Beigeschmack, ob Sie nicht doch etwas damit zu tun haben.“ (S. 292)
Zeitler macht gerade einen gemütlichen Morgenspaziergang als er sieht, wie ein Hundebesitzer in den Gardasee springt, weil jemand im Wasser treibt. Zusammen holen sie den Mann an Land, doch ihre Hilfe kommt zu spät. Der Tote hat eine große Kopfverletzung und jede Menge Bargeld dabei. Ein Raubmord scheint es also nicht gewesen sein. War es ein Unfall? Ist der Mann betrunken von einem Steg oder Boot gefallen? Zeitler ist skeptisch, und auch Commissario Lorenz Lanza, den er seit den Ermittlungen zu dem Toten in seinem Café kennt, tippt, dass da nachgeholfen wurde. Der Tote war für seine ausgeprägte Spielsucht und die horrenden Schulden bekannt, mit der er die Bootsbaufirma, die er mit seinem Bruder hatte, langsam in den Ruin trieb.
Natürlich könnte sich Zeitler zurückhalten und auf sein Café konzentrieren, aber so ganz kann der ehemalige Münchner Kommissar das Ermitteln dann doch nicht lassen.

„Salute – die letzte Fahrt“ ist der zweite Teil der Gardasee-Krimireihe von Friedrich Kalpenstein und punktet neben der traumhaften Kulisse und den spannenden Ermittlungen auch mit dem Zwischenmenschlichen.

Zeitler ist mit seinem Café inzwischen schon eine echte Institution in Bardolino, wahrscheinlich auch, weil er Stammgästen gegenüber zu freigiebig ist, wie ihn die Vorbesitzerin immer wieder warnt. Außerdem könnte er langsam Hilfe brauchen, es ist doch sehr viel Arbeit für einen allein. Der nächste Tourist, der ihn an einem besonders stressigen Tag nach einer hübschen Verzierung im Cappuccino oder einem warmen Snack fragt, bekommt sicher Hausverbot.
Da ist so eine klitzekleine Ermittlung doch eine schöne Abwechslung, zumal er sich dank seiner Nachbarn, Freunde und Bekannten wieder ein umfangreiches Informationsnetzwerk aufgebaut hat. Zu dem gehört auch die Journalistin Antonia, die längst zu ahnen scheint, dass er nicht immer nur Barista war, und ihn gern für ihre Nachforschungen (aus)nutzt – aber das beruht schließlich auf Gegenseitigkeit.

Die Ermittlungen führen zur Konkurrenz der Brüder, ins Casino und zu den Kredithaien, mit denen sich der Tote eingelassen hatte. Es gibt viele Spuren, aber alle scheinen ins Leere zu führen, bis Zeitler etwas ein- bzw. auffällt.

Auch dieser Fall ist wieder sehr spannend, obwohl ich diesmal etwas eher als Zeitler auf die Lösung gekommen bin, wobei mir der letzte Beweis für meinen Verdacht gefehlt hat. Ich bin sehr gespannt, über wessen Leiche er als nächstes stolpert.

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Veröffentlicht am 11.01.2025

Am richtigen Ort, aber zur falschen Zeit

Seven Years From Now
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„Sie hatte behauptet, die Wohnung sei verzaubert, aber mir kam sie nur einsam vor.“ (S. 40) Nach dem Tod ihrer Tante Analea erbt Clementine deren New Yorker Wohnung. Als eines Morgens ein fremder junger ...

„Sie hatte behauptet, die Wohnung sei verzaubert, aber mir kam sie nur einsam vor.“ (S. 40) Nach dem Tod ihrer Tante Analea erbt Clementine deren New Yorker Wohnung. Als eines Morgens ein fremder junger Mann aus ihrem Schlafzimmer kommt und Clementine auf den Kalender sieht, entdeckt sie, dass Analea recht hatte. Sie ist 7 Jahre in die Vergangenheit „zurückgereist“.
Iwan ist neu in New York, will Sternekoch werden und becirct Clementine dem Zitronenkuchen seines Opas. „Mit Essen kann man Dinge sagen, die man mit Worten manchmal nicht ausdrücken kann.“ (S. 129) Es prickelt zwischen ihnen, aber sie können kein Paar werden, denn sobald sie die Wohnung verlässt, ist sie wieder in der Gegenwart.

„Seven Yeras From Now“ ist eine ungewöhnliche Zeitreise-Rom-Com. Einen Sommer lang weiß Clementine nie, welche Zeit gerade in ihrer Wohnung ist, Gegenwart oder Vergangenheit. Aber sie beginnt schnell, auf die Vergangenheit zu hoffen, weil dann Iwan da ist und Analea noch lebt, auch wenn sie auf Reisen ist.

Ihre Tante war ihr großes Vorbild, wild, junggeblieben, exzentrisch, unberechenbar. Jeden Sommer sind sie spontan zusammen verreist, haben schon die halbe Welt gesehen. Nach ihrem Tod fühlt sich Clementine verloren und einsam, hat die Freude am Reisen verloren und konzentriert sich ganz auf ihren Beruf. Ihre einzige Ablenkung sind die Treffen mit Iwan. Vielleicht kann sie ihn ja in der Gegenwart wiederfinden?

Ich fand das Buch traurig-schön, mit gleich zwei bitterzarten, hinreißenden Liebesgeschichten. Ashley Poston schreibt sehr empathisch über Verlust und Trauer, hat spannende Geheimnisse in die Handlung eingewoben und überrascht mit einem unerwarteten Ende.

Auch das Setting hat mir sehr gut gefallen. Ein Großteil der Handlung spielt in einem charmanten alten Appartementhaus am Central Park mit krimilesendem Portier, wie man es aus Filmen kennt (und wo man auch gern mal leben würde).

4,5 Sterne

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Veröffentlicht am 24.11.2024

Ein gutes Kochbuch für alle Ernährungsbewussten

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Maryvonne Lazaridis ist Pilatestrainerin und Ernährungsberaterin und hat mit und für ihre Kunden dieses Buch mit gesunden, vielseitigen und alltagstauglichen Rezepten entwickelt.
Was als erstes positiv ...

Maryvonne Lazaridis ist Pilatestrainerin und Ernährungsberaterin und hat mit und für ihre Kunden dieses Buch mit gesunden, vielseitigen und alltagstauglichen Rezepten entwickelt.
Was als erstes positiv auffällt, wenn man sich die Rezepte ansieht, sind die detaillierten Nährwertangaben, die heutzutage in anderen Büchern leider oft nicht mehr mit angegeben werden. Da ich, wie die Autorin, eine Immunerkrankung habe und auf den Eiweißgehalt meiner Nahrung achte, ist das
Außerdem erklärt sie genau, was eine ausgewogene Ernährung ist und worauf man achten sollte, erläutert u.a. die verschiedenen Arten von (un)gesättigten Fetten, erklärt, dass Kohlenhydrate besser sind, als ihr Ruf – wenn man die richtigen zu sich nimmt, wofür Proteine, Ballaststoffe und Vitamine wichtig sind. Diese theoretischen Erläuterungen werden anhand konkreter Lebensmittel noch mal genauer erklärt.

Die Rezepte sind dann in die Kategorien Frühstück, mit Gemüse, mit Fleisch, mit Fisch und Süßes gegliedert, sodass für jeden Geschmack und jede Vorliebe etwas dabei sein sollte.

Wir haben uns durch fast alle Kategorien probiert und das sind unsere Lieblinge:
Für das Ofenrisotto mit Kürbis braucht man nur einen Schmortopf oder eine Pfanne, dadurch hat man kaum Abwasch, es ist kinderleicht nachzukochen, lecker und gesund.

Der Apfelquarkauflauf ist was für den „süßen Zahn“, wie mein Mann sagt. Er besteht hauptsächlich aus Quark, Eiern und Äpfel, die sowohl in den Teig als auch oben drauf kommen, ist schnell gemacht und warm aus den Ofen oder auch kalt am nächsten Tag ein echter Genuss.

Wenn die Temperaturen morgens an der 0°C-Marke kratzen, darf es zum Frühstück gern auch mal was Warmes seine. Da habe ich zwei Rezepte kombiniert, die Overnightoats und das Haferporridge, indem ich die Haferflocken abends schon vorbereitet und morgens dann erwärmt habe. Dazu noch getrocknete Beeren und ein frisch geriebener Apfel, und man ist sehr lange sehr satt.

Frische, selbst gebackene Sonntagsbrötchen zum Frühstück in ca. 30 min? Kein Problem mit den Quarkbrötchen. Die Zutaten für den Teig werden kurz verknetet, während der Ofen vorheizt (das nächste Mal probiere ich die im Airfryer), danach kann man die Rohlinge z.B. noch in Saaten und Körnern wälzen, oder sie süß verfeinern, backen und fertig. Schon habt ihr leckere, gesunde und schnell sättigende Brötchen mit einem hohen Eiweißgehalt auf dem Tisch.

Ein gutes Kochbuch für alle, die sich gesund und bewusst ernähren wollen.

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Veröffentlicht am 03.11.2024

Flammen der Wüste und Schwestern der Geschwindigkeit

Sturmflirren
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„… in der Wüste sind alle auf gleiche Art verwundbar, auf gleiche Art vollkommen und auf gleiche Art menschlich.“ (S. 176)
Bisher war Rea immer in allem die beste, aber in letzter Zeit bekommt sie Panikattacken, ...

„… in der Wüste sind alle auf gleiche Art verwundbar, auf gleiche Art vollkommen und auf gleiche Art menschlich.“ (S. 176)
Bisher war Rea immer in allem die beste, aber in letzter Zeit bekommt sie Panikattacken, versagt bei wichtigen Aufgaben und Prüfungen und zerstreitet sich deswegen sogar mit ihrer besten Freundin. Als sie dann erfährt, dass ihr Vater, ein Diplomat, nach Doha in Katar versetzt wurde, bricht ihre Welt zusammen. Was soll sie in einem Land, dessen Sprache sie nicht spricht und strenge moralische und religiöse Regeln sie nicht kennt bzw. versteht?! Sie ahnt nicht, dass sie dort das größte Abenteuer ihres Lebens erwartet.

Doha erweist sich als Temperatur- und Kulturschock. Die Skyline, der zur Schau gestellte Reichtum, aber auch die Wohnung, in der sie leben werden, erschlagen Rea. Schon auf dem Flughafen fällt ihr eine junge Frau in einem pinken Lamborghini auf, die zwar traditionell verschleiert ist, aber trotzdem modern, stylisch und aufmüpfig wirkt. Später trifft sie Farah wieder und wird in deren größte Geheimnisse eingeweiht: Sie ist nicht nur die reichste Frau Katars und muss diesen Status jeden Tag verteidigen, sie fährt auch mit anderen Frauen in der Wüste Autorennen und übt atemberaubende Autostunts.
Außerdem lernt Rea Shabah kennen, der immer dann auftaucht, wenn sie Hilfe braucht. Er berührt ihr Herz und ihm scheint es ähnlich zu gehen. Doch er macht ihr unmissverständlich klar, dass sie kein Paar sein dürfen.

Wie schon „Tokioregen“ ist auch „Sturmflirren“ ein sehr aufwühlender Coming of Age Roman, ein Plädoyer für Frauenbewegung, Gleichberechtigung und selbstbestimmte Liebe. „Sei mutig! Lebe und liebe wie ein Sturm!“ (S. 294)

Rea versteht erst in Katar, wie privilegiert sie in Deutschland lebt. Sie muss ihren Vater nicht fragen, wenn sie ausgehen oder den Führerschein machen will, darf Alkohol trinken und ihren Partner und Beruf selber wählen. In Katar ist alles streng geregelt, Frauen haben sich Männern unterzuordnen. Auch Farah ist verlobt, damit sie geschützt ist. Denn sie ist zwar unermesslich reich, wird aber von Gesetzen, Regeln und Moralvorstellungen eingeschränkt. Sie und ihre Freundinnen brauchen das Autofahren als Ventil, als Flucht aus dem Alltag – es ist diese eine Sache, die ihnen (hoffentlich) niemand nehmen kann. Sie nennen sich Accelerate – Flammen der Wüste und Schwestern der Geschwindigkeit.

Ich mochte die starken katarischen Frauen sehr, die nach außen so demütig, angepasst und ängstlich wirken, in Wirklichkeit aber ein Netzwerk aufgebaut haben und sich gegenseitig helfen und unterstützen.
Rea lässt sich zu Beginn viel zu sehr von ihren Ängsten und Panikattacken einschränken, ohne dass man erfährt, warum sie die eigentlich hat. Katar und ihre neuen Freundinnen helfen ihr, diese zu überwinden und neuen Mut zu fassen.
Shabah ist ein faszinierendes Phantom, dessen Geheimnis man unbedingt ergründen will. Er taucht immer unvermittelt auf und verschwindet genauso schnell wieder. Und er ist einer der wenigen, den die Accelerate Frauen tolerieren.

Darüber hinaus schildert Yasmin Shakarami Doha und die Wüste so farbenprächtig und beeindruckend, dass man sofort hinreisen möchte. Ich würde die Mischung aus futuristischen Gebäuden und traditionellen Souqs gern mit eigenen Augen sehen, in die mystische Wüste fahren und den Sand singen (und pupsen) hören. Ich kann ihre Faszination für das Land nach dem Lesen des Buch voll nachvollziehen.

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