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Veröffentlicht am 10.08.2025

Erinnerungen zwischen Japan und Deutschland

Onigiri
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Laut KI wird die japanische Erzählweise so charakterisiert:
„Japanische Autoren verwenden oft eine Erzählweise, die sich durch Zurückhaltung, Detailgenauigkeit und eine tiefe Verbindung zur Natur auszeichnet. ...

Laut KI wird die japanische Erzählweise so charakterisiert:
„Japanische Autoren verwenden oft eine Erzählweise, die sich durch Zurückhaltung, Detailgenauigkeit und eine tiefe Verbindung zur Natur auszeichnet. Es gibt eine Vorliebe für das Unausgesprochene, für Stimmungen und Atmosphären, die oft subtil und implizit vermittelt werden, anstatt durch direkte Erklärungen. Viele Werke zeichnen sich durch eine ruhige, fast beiläufige Erzählweise aus, die Raum für die Entfaltung von Charakteren und die Entwicklung von Beziehungen lässt.“
Vieles davon trifft auch auf das von der in München geborenen Yuko Kuhn verfasste Werk „Onigiri“ zu. Es ist eine ganz ruhige, fast beiläufig erzählte, fein beobachtete Geschichte. Gefühle und Gedanken werden irgendwie ausgeblendet. Und vielleicht genau deshalb bleibt mir die Erzählerin Aki völlig fremd.
Aki reist noch einmal mit ihrer dementen Mutter nach Japan, um - ja warum eigentlich? Die Beweggründe sind für mich leider nie klar geworden. Will sie ihrer Mutter ein paar Erinnerungen ermöglichen? Will sie sich selbst ihrer Familiengeschichte sicherer werden? Will sie Abschied nehmen von der kürzlich verstorbenen japanischen Großmutter, die ihr so viele Lebensweisheiten mitgab? Dieses für mich ungeklärte Warum macht mir tatsächlich den Zauber der Erzählung kaputt. Ich frage mich die ganze Zeit, warum bringt man eine demente Frau ans „Ende der Welt“? Wieviel Selbstzweck steckt eigentlich hinter dieser ganzen Aktion?
Und gleichzeitig bin ich sehr gerührt von der Geschichte der Mutter, die als junge Frau aus Japan loszog, um die Welt kennenzulernen. Mutig, frei und neugierig. Und die dann irgendwie hängen blieb in Deutschland, in einer geschiedenen Ehe, von den Schwiegereltern nie anerkannt. Die sich nicht wirklich gut zurecht fand im deutschen Alltag und doch mit den Kindern geblieben ist, weil sie eben auch in Japan nicht mehr wirklich zu Hause ist.
Und noch berührender sind die Momente, in den Yuko Kühn die Demenz der Mutter zum Thema macht. Die immer gleichen Fragen. Das Vergessen, das zwischendurch ganz glücklich Sein in dieser kleiner werdenden Welt. Die Momente, in denen Akis Mann die Mutter genau so nimmt, wie sie gerade ist. In diesen Momenten kann ich Doris Dörries Zitat „… zum Heulen schön“ hundertprozentig unterschreiben.
Und so lässt mich das Buch sehr ambivalent zurück.

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Veröffentlicht am 09.03.2025

Solide Unterhaltung

Middletide – Was die Gezeiten verbergen
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Elijah und Nakita sind eigentlich seit ihrer Jugend füreinander bestimmt. Doch sie verlieren sich aus den Augen. Nach Schicksalsschlägen treffen sie einander wieder. Anstatt nun gemeinsam glücklich durchs ...

Elijah und Nakita sind eigentlich seit ihrer Jugend füreinander bestimmt. Doch sie verlieren sich aus den Augen. Nach Schicksalsschlägen treffen sie einander wieder. Anstatt nun gemeinsam glücklich durchs Leben zu ziehen, geraten sie in ein Geschehen, dass Elijah sogar als Mordverdächtigen da stehen lässt.
Nun ja und darin besteht schon ein Teil der Schwächen dieses Buches. Es ist einerseits ein Roman, in dem es um Liebe, Vertrauen, Freundschaft geht und andererseits ein Krimi, in dem ein Todesfall aufgeklärt werden muss. Diesem Spagat wird die Autorin meines Erachtens nicht wirklich gerecht. In die Liebesbeziehung kann ich mich nur so halbwegs hinein fühlen, da die Charaktere blass bleiben und die Dialoge, die die Liebe bezeugen sollen, sehr schwülstig gefasst sind (und sich wiederholen). Der Krimiplot ist fein überlegt, die Aufklärung hat jedoch deutliche Schwächen.

Was mir wirklich gut gefallen hat an diesem Buch, sind die Beschreibungen der Landschaft. Ich kann mir alles sehr bildhaft vorstellen und wandere praktisch mit den Protagonisten durch ihr Land. Das hat insbesondere die erste Hälfte des Buchs lesenswert gemacht.

Die Autorin bedient sich des derzeit sehr beliebten Stilmittels der Zeitsprünge. Das führt am Anfang zu leichten Verwirrungen. Gegen Ende nehmen die Zeitsprünge ab und das Buch liest sich immer flüssiger.

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Veröffentlicht am 16.02.2025

Die Themen der Jugend

Das Leben fing im Sommer an
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Chris ist 15 und auf dem Weg vom Kind zum jungen Erwachsenen. Er sehnt sich danach, eine Freundin zu haben, cool zu sein, dazuzugehören. Seine Schwärmerei für Debbie wird erhört und er hat ein erstes Date.
Wir ...

Chris ist 15 und auf dem Weg vom Kind zum jungen Erwachsenen. Er sehnt sich danach, eine Freundin zu haben, cool zu sein, dazuzugehören. Seine Schwärmerei für Debbie wird erhört und er hat ein erstes Date.
Wir begleiten Chris durch 3 Tage im Sommer, die sein Leben verändern und doch wieder nicht. Die erste Liebe, erste Enttäuschungen, ein großes Abenteuer und die Gewissheit, sich auf seine Freunde verlassen zu können, egal, was außerhalb dieses engen Kreises passiert. Mir gefällt, dass die Freundschaft der drei Jungen einen so großen Raum im Buch einnimmt. Und ich mag die Erinnerung, wie man als Jugendlicher so schön Zeit versandeln kann.
Dennoch bin ich nicht richtig warm geworden mit der Geschichte. Vielleicht, weil die Zeit, in der Chris jung war, nicht meine war. Vielleicht auch, weil Chris die Jugendzeit mit erwachsenen Worten und Reflexionen erzählt. Vielleicht auch, weil mir die Gefühle mit viel zu vielen unterschiedlichen Metaphern beschrieben werden. Das wirkt auf mich wiederholend, nicht mitnehmend.

Zum Ende des Buches, als Chris dann tatsächlich ein Fazit aus heutiger Sicht zieht und die Zeit bewusst reflektiert, passt die Sprache für mich plötzlich. Da ist diese erwachsene Sicht wunderbar lesbar.

Ich bin mir nicht sicher, welche Zielgruppe mit dem Buch angesprochen werden soll. Das Cover und der Klappentext wirken auf mich, als sollte eher eine erwachsene Leserschaft in den Bann gezogen werden. Die Botschaften im Buch zielen für mich auf jugendliche Leser ab. Mir gefällt, dass Chris die Themen, die Jugendliche oft umtreiben (das Aussehen, die Frage, ob man auf Partys unbedingt Alkohol trinken muss, …), ganz selbstverständlich macht. Ich könnte mir vorstellen, dass das auch andere in seinem fiktiven Alter erleichtert.

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Veröffentlicht am 05.01.2025

Titel und Klappentext führen etwas in die Irre

Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben
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Dem Klappentext folgend, erwarte ich ein Buch, dass die Beziehung zwischen einer knapp 50jährigen und ihrem deutlich jüngeren Freund thematisiert. Und so startet das Buch auch. Mit Humor und einer großen ...

Dem Klappentext folgend, erwarte ich ein Buch, dass die Beziehung zwischen einer knapp 50jährigen und ihrem deutlich jüngeren Freund thematisiert. Und so startet das Buch auch. Mit Humor und einer großen Leichtigkeit beschreibt Anika Decker das erste Zusammentreffen zwischen Nina und David. Ich spüre das Prickeln und die Anziehungskraft zwischen beiden. Doch Nina mag dem Glück nicht trauen und gibt den eigenen und fremden Zweifeln an der Konstellation immer mehr Raum.
Diese Geschichte würde für mich ausreichend Stoff für einen Roman geben. Doch plötzlich übernehmen andere Themen die Handlung:
- Sexuelle Übergriffe in der Film-Produktionsfirma, in der Nina arbeitet
- Die Geschichte von Ninas Mutter, die vor ca. 30-40 Jahren den Tod ihres Mannes verarbeiten und sich als Alleinerziehende durchschlagen musste – aufgearbeitet durch einen Unfall der Mutter
- Der Blick hinter die Kulissen einer jungen Mutter, die versucht, sich als Influencerin zu etablieren
- Die Wandlung der Schwester von Nina von einer Geschäftsfrau zu Ehefrau/Mutter/Hausfrau und deren Re-Emanzipation
Warum müssen so viele gesellschaftskritisch absolut relevante Themen in einem Buch abgehandelt werden? Dadurch bleibt jedes Einzelne sehr oberflächlich und das Buch verliert nicht nur Tiefgang, sondern auch seinen humorvollen Charme, der zu Beginn so wirksam ist. Für mich ist hier eindeutig zu viel gewollt. Die Rolle der Männer ist recht einseitig. Lediglich David scheint ein Prachtexemplar zu sein.
Der Aufbau des Buchs gefällt mir außerordentlich gut. In den einzelnen Kapiteln wird jeweils die Perspektive eines anderen Protagonisten gewählt. Dadurch bekommt insbesondere die Beziehung der beiden Schwestern Würze, werden doch Szenen aus beiden Sichten beleuchtet. Durch dieses Stilmittel hätte das Beziehungsthema so viel intensiver wirken können. Schade, denn so passt für mich auch der Titel nicht wirklich zur Gesamtstory.

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Veröffentlicht am 24.11.2024

Eine Gaunergeschichte

Der König
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Als Fan von Jo Nesbø habe ich einen spannenden, gut konstruierten Krimi erwartet, der in die Abgründe der Menschen schaut. Letzteres geschieht tatsächlich, denn der Weg der Brüder Carl und Roy ist mit ...

Als Fan von Jo Nesbø habe ich einen spannenden, gut konstruierten Krimi erwartet, der in die Abgründe der Menschen schaut. Letzteres geschieht tatsächlich, denn der Weg der Brüder Carl und Roy ist mit Toten gepflastert. Ihre Geschichte wird aus Sicht von Roy, des älteren Bruders erzählt. Seine Rolle scheint die des Beschützers und Aufräumers zu sein. Doch im Laufe der Zeit entsteht eine Rivalität zwischen den Brüdern. Nur einer kann König von Os, ihrer Heimatstadt werden.
Roys Darstellung ist irgendwie distanziert, leicht ironisch und in sehr einfacher Sprache. Ich konnte keine Bindung zu ihm aufbauen, weder Sympathie noch Antipathie. Bei einigen Redewendungen habe ich mich gefragt, ob sie nur im Norwegischen funktionieren und fast nicht übersetzbar sind. Dadurch holperte es manchmal etwas.
Im Grunde lesen wir immer wieder über die Vergangenheit der beiden Männer und ihre rivalisierenden Zukunftspläne. Dabei wird ein Mord und dessen raffinierte Vertuschung nach dem anderen erklärt. Die Geschehnisse werden sehr oft wiederholt, weil sie – leicht abgewandelt – immer wieder unterschiedlichen Personen erzählt werden. Die ganze Zeit schwirrte bei mir im Hinterkopf ein anderer Buchtitel herum, nämlich „Wie ich fälschte, log und Gutes tat“. So würde sich für mich das Geschehen – eher als eine Gaunergeschichte denn ein Kriminalroman - beschreiben lassen.
Sehr gut gefällt mir die Umschlaggestaltung. Hier ist es hervorragend gelungen, das Buch wiederzuspiegeln.

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