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Veröffentlicht am 03.02.2025

Süß, aber auch ausbaufähig

Mismatch
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Im Jahr 2024 habe ich einige neue deutschsprachige Autoren im New Adult-Genre entdeckt und offenbar geht das auch 2025 so weiter. So habe ich meine erste Begegnung mit Laura Willud gehabt, deren Figuren ...

Im Jahr 2024 habe ich einige neue deutschsprachige Autoren im New Adult-Genre entdeckt und offenbar geht das auch 2025 so weiter. So habe ich meine erste Begegnung mit Laura Willud gehabt, deren Figuren in „Mismatch“ von Rebecca Veil und Max Hoffmann gelesen werden.

Nachdem ich bei Emily Alves und „You Are My Hurricane” zuletzt American Football hatte, geht es bei Willud nun zum Basketball, was ich in diesem Genere doch bislang eher selten zu lesen bekommen habe, dabei ist „One Tree Hill“ als meine erste Lieblingsserie (außerhalb von Kinderformaten) eng mit Basketball verknüpft. Dementsprechend ging es ein wenig zurück zu den Wurzeln. Insgesamt würde ich aber beispielsweise im Vergleich zu Alves sagen, dass der Anteil zum Sport hier nicht so dominant war. Dabei waren die Voraussetzungen durch Austin und Joyce sehr hoch, denn beide leben für den Sport. Er als Spieler, sie als Sportjournalistin. Aber ich habe doch wahrgenommen, dass es eher um eine andere Ebene ging, die für mich auch gut funktioniert haben, weil Austin auf der einen Seite eine sehr sensible und aufmerksame Persönlichkeit ist und weil auf der anderen Seite Joyce als lautere Figur dennoch im Umgang mit ihm so sanft und verständnisvoll ist, sodass die beiden für mich menschlich hervorragend funktioniert haben. Für mich wurde das in der Hörbuch-Version durch Veil und Hoffmann auch echt gut aufgegriffen, weil man die intensiven Gefühle der Figuren füreinander stets greifen konnte.

Da wir mit Joshua, Joyces Bruder, noch eine weitere Figur haben, die Basketball spielt, ist mir im Vergleich doch stark aufgefallen, dass er und Austin sehr unterschiedlich zu dem Sport stehen. Während Joshua alles auf die Spielkarte Sport setzt und dementsprechend fast schon eine krankhafte Besessenheit entstehen lässt, ist Austin angesichts des lange zurück gehaltenen Geheimnisses ganz anders dazu eingestellt. Er hat deutlich gelernt, dass Basketball nicht alles ist und dementsprechend ist seine Ausstrahlung. In dem Sinne ging es zwischen Austin und Joyce auch weniger um Basketball. Wenn sie dann aber auf ihren Bruder traf, da hat man am ehesten die Liebe für den Sport gemerkt, aber es ist eindeutig kein Schwerpunkt, zumal auch bei Joyces Leidenschaft zu merken ist, dass es nicht nur um Basketball geht. Sie hat so eine ausgeprägte Neugier, will immer was Neues lernen und sie hat dann auch eine Art, diese Informationen aufzuarbeiten, indem sie sie niederschreibt. Diese Art würde sie aber zu allen Themensektoren prägen, das war deutlich zu merken.

Mir ist auch klar, dass Joyces Journalisten-Ader rüberkommen sollte, aber ich fand es gerade in der ersten Hälfte doch auch irritierend, wie sie sich in Austins Vergangenheit eingebissen hat. Die ganze Art von Austin hat demonstriert, dass er nicht aus Flirterei sich mit Infos zurückgehalten hat, sondern dass seine Gedanken dazu tiefer und verletzlicher sind. Deswegen fand ich Joyces Art da zunächst deplatziert. Es hat zwar zu lustigen Momenten geführt, wie beispielsweise beim Trinkspiel, aber sie konnte echt kaum locker lassen. Daher war ich fast froh, als Austins Vergangenheit bekannt war, weil dann genau das zum Tragen kam, was ich weiter oben beschrieben habe. Vielleicht war aber auch das Geheimnis etwas zu überdramatisiert. Auch wenn es sicherlich kein schönes Erlebnis für ein Team ist, aber die Folgen wirkten doch etwas unrealistisch. Damit will ich unterm Strich sagen, dass ich Willuds Stärken als Autorin schon sehe, dass ich aber auch die Tendenz sehe, dass sie noch zu sehr auf Klassiker zugreift, um die Handlung am Laufen zu halten. Dabei gibt es genug dramatische Wendungen, die sich viel natürlicher anfühlen können. Aber damit hat sie eindeutig Wachstumspotenzial.

Fazit: Ich habe „Mismatch“ gerne gehört, würde aber insgesamt sagen, dass es noch viel Ausbaupotenzial gibt. Während die Figurenzeichnung an sich sehr sympathisch ist und auch das Miteinander einfach nur süß-ehrlich rüberkommt, so würde die Handlung mehr natürliche Dramatik vertragen. Denn bei so bodenständigen Figuren muss es nicht wie eine Daily Soap wirken.

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Veröffentlicht am 30.01.2025

Mit erzählerischen Schwächen

Golden-Heights-Reihe, Band 2 - Unlock My Truth
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Was war ich doch froh, Saskia Louis letztes Jahr mal wieder richtig entdecken zu kennen. Nachdem ich sie länger aus den Augen verloren hatte, war die Golden Heights-Reihe genau das richtige Momentum, um ...

Was war ich doch froh, Saskia Louis letztes Jahr mal wieder richtig entdecken zu kennen. Nachdem ich sie länger aus den Augen verloren hatte, war die Golden Heights-Reihe genau das richtige Momentum, um wieder zurückzukehren und ich hatte am ersten Band rund um Lexie und Logan auch großen Spaß. Nun geht es also zurück, um diesmal die Geschichte von Ty und Carly zu lesen.

Es ist schon durchaus amüsant, dass wir zwei Charaktere wie Ty und Carly haben und aufgrund des ersten Bandes denkt man, ach, er ist der mit den sieben Siegeln und sie das offene Buch. Umso überraschter war ich, dass gleich durch die Rückblende zu Beginn des Buchs verraten wird, dass Carly die mit den vielen Geheimnissen ist. Das ist auch wenig das vorherrschende Thema von „Unlock my Truth“, weswegen der Titel auch echt perfekt passt. Ty und Carly haben jeweils für sich große Geheimnisse. Carlys lernen wir früh kennen und warten dann nur noch ab, was kommt wie raus, während es bei Ty umgekehrt ist, dass er sich nach und nach anvertraut, nur um dann doch noch eine Sache aus dem Nichts rauszuhauen. Eigentlich fand ich es auch positiv, wie offen beide Figuren mit dem Thema Geheimnisse waren, weswegen es dann explizit für mich schade war, dass es dennoch am Ende für den großen ‚Streit‘ genutzt werden musste. Auch wenn es offensiv alles angesprochen wird, aber hier fand ich es einfach schade, dass es eine selbsterfüllende Prophezeiung wurde. Ich denke schon, dass man Carlys Geheimnisse noch anders hätte aufdecken können und dann auch im Kontext ganz anderer Konsequenzen. Der erste Band hatte auch einen richtigen Showdown, der auch etwas Düsteres hatte. Das Potenzial war in Band 2 ebenfalls vorhanden, weswegen es hier etwas lasch alles aufgelöst wurde, dabei hätte man so eine düstere Atmosphäre auch bestens für den Knall um Carly nutzen können.

An diesem Kritikpunkt hat man wohl schon ein bisschen bemerkt: hier gibt es ein paar Baustellen. Auch wenn ich das Buch wieder sehr flüssig lesen konnte und es auch unterm Strich sofort als empfehlenswerte Unterhaltung einstufen würde, so ist es im direkten Vergleich und vor allem als Louis-Kennerin doch etwas schwächer. Mit fehlte allgemein etwas der Zug in der Geschichte. Gerade am Anfang fehlte das Gasgeben, weil wir uns nicht deutlich entfernt haben von dem Status zu Ty und Carly, den wir schon kannten. Dazu muss ich auch sagen, dass Carly eigentlich genau die Figur ist, die am besten auf die Erzählstimme von Louis passt, wie ich sie schon mehrfach erlebt habe. Es gab auch Szenen, in denen das gut auf die Spitze getrieben wurde, weil ich da echt meinen Spaß an Carly hatte. Aber es wirkte oft genug wie zwei verschiedene Persönlichkeiten. Natürlich hat auch jeder mit dem Schalk im Nacken eine sehr ernste Seite, aber es wirkte doch so, als habe Louis nur sehr dosiert ihren Humor auf die Seiten losgelassen, dabei wäre das mit Carly so viel intensiver möglich gewesen.

Nach diesem Meckern möchte ich jetzt aber festhalten, dass mich Ty und Carly als Paar durchaus gepackt haben. Mit dem Auftauchen von Tys Vater und dann dem Zusammenziehen kam richtig Schwung rein und ich mochte viele der gemeinsamen Momente. Man hat bei ihnen auch richtig die Ebene gemerkt, auf der sie einander gut tun und dass sie sich trotz ihrer Geheimnisse auch kennen. Ich mochte auch speziell Tys Entwicklung, der immer so pessimistisch und nüchtern an alles herangeht und mit seinem Vater ist dann auch noch die Personifikation davon direkt vor ihm und ausgerechnet in dieser Phase dann dank der Liebe immer mehr loslassen zu können, super! Ich fand auch, dass seine ganzen Beweggründe sehr viel dringlicher und aufeinander aufbauend dargestellt wurden. Umgekehrt heißt das nicht, dass es mit Carly eine Barriere gab, aber es war nach Geschlechtern eher überraschend verteilt.

Fazit: „Unlock my Truth“ ist bei der Dilogie für mich der schwächere Band. Auch wenn ich beide Figuren individuell und auch zusammen mochte, aber es war in den kleinen Aspekten nicht immer ideal gewählt, sodass ich immer an eine Vision der Geschichte denken musste, die deutlich mehr hätte strahlen können.

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Veröffentlicht am 27.11.2024

Ausgewogen in Schwächen und Stärken

Nachtwald
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Da ich im Herbst wesentlich mehr Thriller als sonst lese, entdecke ich dort auch oft neue Autorenstimme. So bin ich dann auch auf „Nachtwald“ von Tríona Walsh gestoßen, eine irische Autorin. Ich fand das ...

Da ich im Herbst wesentlich mehr Thriller als sonst lese, entdecke ich dort auch oft neue Autorenstimme. So bin ich dann auch auf „Nachtwald“ von Tríona Walsh gestoßen, eine irische Autorin. Ich fand das Cover ganz gut gestaltet, aber der Klappentext klang auch vielversprechend.

Ich bin durch das Geschehen von „Nachtwald“ durch die Sprecherin Christiane Marx begleitet worden, die mir nun schon öfters begegnet ist und ich kann mich wirklich immer schnell und gut mit ihr arrangieren und mich so fallen lassen. Vielleicht hat sie einer Figur zu viel Persönlichkeit mitgegeben, weil ich im Nachhinein schon dachte, es war irgendwie offensichtlich, worauf es hinausläuft, aber es ist zugegeben auch sehr tricky, weil man natürlich als Sprecherin auch den unterschiedlichen Figuren (je Geschlecht noch zusätzlich) etwas mitgeben will, damit man sie sofort tonal auseinanderhalten kann. Während das bei vielen anderen Genres dann endgültig völlig egal ist, so ist es bei Krimis/Thrillern doch etwas anderes, denn man ist ohnehin schon ständig am spekulieren und da steigert sicherlich auch die Sensibilität. Genauso kann es aber auch sein, dass sonst niemand das kritisieren würde, weil gerade auf akustischer Ebene natürlich auch Vorlieben eine Rolle spielen und ich reagiere sicherlich auf manche Tonhöhen anders als andere.

Nach diesem Hörbuch-Abschnitt kommen wir aber zu „Nachtwald“ selbst. Ich musste schon relativ früh daran denken, dass es in eine Richtung von Lucy Clarke geht, die in den letzten Jahren einiges an Hype erfahren hat. Aber es sind schon große Parallelen in dem Sinne, dass ein konkreter Personenkreis abgelegen zusammenkommt und jede Menge Geheimnisse ans Licht kommen und Mysterien ausgeklärt werden müssen. Ein größerer Unterschied war die Perspektivengestaltung. Clarke arbeitet mit vielen parallel, was ich persönlich sehr großartig finde, Walsh verzichtet aber darauf, so dass wir alles nur durch Lizzies Perspektive erleben. Es ist sicherlich so, dass eine Perspektive es leichter macht, die Geheimnisse der anderen verdeckt zu halten, aber Clarke hat mir eben bewiesen, dass es hier Mittel und Wege gibt. Gerade so im Vergleich wird auch offensichtlich, dass Walsh es nicht so ideal gelingt, die Gefühlsleben aller anderen Hauptfiguren zu gestalten. Lizzie war für mich schnell völlig transparent und ich finde sie in der Gesamtsicht auch mit weitem Abstand am besten gestaltet. Sie ist nach ihrem Entzug sicherlich noch in einem labilen Zustand, aber unterm Strich fand ich, dass sie an diesem Wochenende auf dem Anwesen den besten Überblick über alles hatte. Man hat auch ihre Therapie deutlich gemerkt, weil so viel Reflexion dabei war und sowas weiß ich immer sehr zu schätzen. Bei den anderen war alles undurchsichtiger und das auch schon bei Lizzies eigenen Verwandten, die ihr eigentlich näher sind und die man so leichter hätte aufbereiten können. Aber dennoch ist die Figurenausarbeitung eher Meckern auf hohem Niveau, denn die Charaktere war unterschiedlich genug und sie haben auf jeden Fall Zug ins Geschehen hineingebracht.

Was ich eher kritischer sehen will, das ist die Entwicklung der Handlung. Es ist bei Walsh durchaus gelungen, dass es immer wieder Spannungsausschläge nach oben gibt. In dem Sinne bleibt man also in jedem Fall am Ball, weil ständig etwas passiert, auch weil Lizzie sich mutig hinter alle Hinweise setzt. Gleichzeitig passiert aber extrem früh ein echter großes Ausrufezeichen, hinter dem ich schon gewisse Fragezeichen der Glaubwürdigkeit gesetzt habe, aber man konnte immerhin mit arbeiten. Aber wie sich danach alles entwickelt hat? Das fand ich gruselig, wie ruhig bis auf Lizzie alle geblieben sind. Ich wäre wohl richtig ausgetickt und dort herrschte völlig entspannte Atmosphäre. Selbst wenn es verdeckte Pläne jeweils gab, aber angesichts eines solchen Schreckens hätte ich die auch sofort aufgegeben. Es war also wirklich befremdlich, wie alles weitergelaufen ist. Lizzie war da echt mein Kompass, weil sie meine Stimmung am besten aufgegriffen hat. Dass sie für ihre Familie geblieben ist, klar, aber alle anderen, echt seltsam und hat mich beim Lesen immer wieder irritiert. Wer letztlich hinter allen Taten steckte, ja, es war für mich klar, aber ich denke auch ohne das Hörbuch wäre ich wohl drauf gekommen. Denn der Personenkreis war nun wahrlich nicht üppig, so dass das Ausschlussverfahren auch enorm geholfen hätte. Auch wenn am Ende alles an Spannung und Action hochgefahren wurde, aber es war auch fast wieder zu viel. Ich denke mir bei Thrillern oft, dass es einen schmalen Grat bei der Psychologie des Täters gibt. Denn hier war es zu viel, in vielen anderen ist es zu wenig. Aber ich will ungerne hinterher das Gefühl einer Gehirnwäsche haben.

Fazit: „Nachtwald“ hatte seine Stärken. Das war sicherlich die Atmosphäre, es waren konstant angebotene Höhepunkte mit Spannung am Anschlag, aber dem gegenüber stehen auch gewisse Defizite bei den Charakteren, eine merkwürdige Unglaubwürdigkeit und letztlich auch eine Vorhersehbarkeit. Kann man also lesen, muss man aber nicht.

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Veröffentlicht am 28.08.2024

Mehr Selbstfindung als Liebegeschichte

Zwei in einem Leben
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Nachdem es in diesem Frühjahr bei Netflix eine Serienadaption zu „Zwei an einem Tag“ gegeben hat, ist mir der Name David Nicholls nochmal richtig in Erinnerung gerufen worden. Ich habe ihn tatsächlich ...

Nachdem es in diesem Frühjahr bei Netflix eine Serienadaption zu „Zwei an einem Tag“ gegeben hat, ist mir der Name David Nicholls nochmal richtig in Erinnerung gerufen worden. Ich habe ihn tatsächlich nach seinem riesigen Erfolg etwas aus den Augen verloren, aber die Serienadaption hat mich eindeutig noch einmal darin bestätigt, dass „Zwei an einem Tag“ damals wirklich etwas Besonderes war. Nun ist „Zwei in einem Leben“ mit dem Titel ganz eindeutig auch von Marketing her eine Verbindung dazu und deswegen war es für mich jetzt an der Zeit, noch einmal bei Nicholls zuzuschlagen.

Auch wenn „Zwei an einem Tag“ schon sehr lange her ist, dass ich das Buch gelesen habe, so habe ich doch gleich einiges in „Zwei in einem Leben“ wiederentdecken können. Das sind eindeutig eckige und kantige Figuren, die viele ungewöhnliche Details mitbekommen und damit nicht sofort nahbar sind, die aber dadurch gleich im Kopf bleiben und sich langsam entfalten können. Aber es ist sicherlich auch der Humor, der Hang zu Monologen bei der Frauenfigur. Also es war definitiv so, dass ich für mich sagen konnte, ja, wo Nicholls drauf steht, da ist er auch drin. Ansonsten sind es aber dennoch zwei sehr unterschiedliche Geschichten. Während „Zwei an einem Tag“ einfach diesen besonderen Kniff hatte, dass eine Geschichte über einen speziellen Juli-Tag hinweg erzählt wurde, hat „Zwei in einem Leben“ diesen speziellen Faktor nicht. Dennoch ist sich mit der Aufmachung Mühe gegeben worden, weil die Karten, die den Wanderweg für den jeweiligen Tag zeigen, eine nette Idee ist, um sich bei entsprechendem Interesse selbst kundig zu machen, sich einen Atlas hinzuziehen etc. oder wenn man selbst schon in der Gegend war, sich zu orientieren. Abseits davon ist es aber eine gewöhnliche Liebesgeschichte.

Wobei Liebesgeschichte auch ein Begriff ist, den ich für „Zwei in einem Leben“ erst auf zweiter Ebene sehen würde. Denn für Marnie und Michael ist es jeweils keine Liebe auf den ersten Blick, dafür sind beide auch noch zu sehr mit sich selbst beschäftigt, weil sie ein großes Kapitel aus der Vergangenheit noch nicht beschlossen haben. Deswegen sind die ersten Begegnungen und Kontakte auch eher von Skepsis und Vorurteilen geprägt. Dann kommt hinzu, dass Marnie und Michael eben sehr speziell mit einigen Eigenschaften sind, so dass es auch wenig zu einer romantischen Stimmung beiträgt. Deswegen habe ich es lange so empfunden, dass der Wanderweg in erster Linie wirklich eine Selbstfindung war und die Liebe dann eher zufällig noch aufgesprungen ist. Dass zwischen Marnie und Michael nicht sofort eine Chemie war, hat das Buch an einigen Stellen für mich etwas zäh gemacht, was ich schade fand. Teilweise waren die inneren Monologe auch sehr lang. Ich musste mich also wirklich erst bewusst davon verabschieden, nicht in erster Linie eine Liebesgeschichte zu haben.

Mit einer etwas anderen Einstellung war es eindeutig auch leichter, Marnie und Michael für sich schätzen zu lernen. Marnies missbräuchliche Beziehung, die sie in einem sehr langen Gespräch mit Michael aufarbeitet, hat mich durchaus berührt, weil viele Menschen in solchen Beziehungen feststecken bleiben, auch weil sie glauben, dass sie es verdient haben und es da draußen nichts anderes gibt. Bei Michael wiederum ist es eine schleichend zu Ende gegangene Beziehung, bei der im Urkern aber vieles stimmte, so dass es ihm dementsprechend schwer gefallen ist, loszulassen. Es war auf jeden Fall gut, dass sie sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht haben und dennoch Verständnis füreinander zeigen konnten, auch weil sie letztlich der Wunsch nach Zweisamkeit geeint hat. Auch wenn die irgendwann sich im Spiel befindenden Gefühle für mich etwas zu abrupt kamen, aber ich fand das letzte Viertel noch einmal mit am stärksten. Da war dann doch das Hinfiebern, dass es diese beiden packen.

Fazit: „Zwei in einem Leben“ ist einerseits mit „Zwei in einem Tag“ auf stilistischer Ebene zu vergleichen, andererseits dann auch wieder nicht. Aber letztlich ist „Zwei in einem Leben“ vor allem mehr individuelle Selbstfindung und dann Liebesgeschichte. Neben zähen Passagen gibt es auch noch andere Aspekte zum Durchkämpfen, aber letztlich habe ich sehr gut Frieden mit diesem Buch schließen können.

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Veröffentlicht am 26.08.2024

Etwas zu viel von allem

Diviners – Aller Anfang ist böse
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Ich kann mich noch vage an die ursprünglichen Cover der Erstveröffentlichung von „Diviners“ nach Libba Bray erinnern. Vielleicht erinnere ich mich auch nur an die Art der Gestaltung, da viele historische ...

Ich kann mich noch vage an die ursprünglichen Cover der Erstveröffentlichung von „Diviners“ nach Libba Bray erinnern. Vielleicht erinnere ich mich auch nur an die Art der Gestaltung, da viele historische Romane diesen Stil pflegten und es ist ein Genre, in dem ich wirklich sehr selten etwas lese. Vielleicht sind die Diviners deswegen 2015 etc. nicht bei mir rübergekommen. Nun von dtv eine Neuauflage, das Cover geändert und schwupps, da hatte es meine Aufmerksamkeit. Auch wenn für mich nun nicht zu erkennen ist, was die Neuauflage bewogen hat, vielleicht auch der Erfolg von „Only Murders in the Building“? Aber mich hatte man ja jetzt auf jeden Fall am Haken.

Der erste Band hat sehr viele Seiten, was mir schon aufgefallen ist, da doch viele Bücher eines Genres sich inzwischen auf einen Durchschnittswert eingependelt haben, auch wenn es natürlich immer Ausreißer nach oben geht. Solche Seitenzahlen reizen natürlich vor allem dann, wenn man sich schon in eine Reihe verliebt hat und einfach nicht genug bekommen kann. Hier ist es aber der Einstieg und ich habe mir tatsächlich zwischendurch gewünscht, dass es ruhig etwas weniger Seiten sein könnten. Gleichzeitig könnte ich im Rückblick auf das Geschehen aber auch nicht sagen, was man hätte streichen können, was mich dann eher zu dem Gesamteindruck führt, dass das Buch einfach an sich sehr voll war. Es war voll an Genres, voll an Ansätzen, voll von Charakteren, einfach ein extrem inhaltsschwerer Eintopf. Das ist einerseits ein Lob an Bray und ihre offenbar sprudelnde Fantasie, aber es ist auch zum Einstieg wirklich viel. Fangen wir daher erstmal bei den Genres an. Damals der Stil der historischen Cover war sicherlich nicht verkehrt, denn das Geschehen spielt im New York der 1920er Jahre. Ich fand es von der ganzen Atmosphäre her auch gut getroffen, gerade auch im Spannungsfeld verschiedener gesellschaftspolitischen Auseinandersetzungen. Dann wiederum wirkte manches auch sehr modern, das war dann eher irritierend, aber alles in allem kam schon gut rüber, in welcher Epoche das Geschehen sich ereignet.

Dann haben wir auch ein Whodunit-Muster, denn Evie und die Männer an ihrer Seite jagen einen Serienmörder. Ich hatte oben in der Einleitung schon „Only Murders in the Building“ angesprochen und ich musste da wirklich mehrfach dran denken. Evie war zwar durch Jericho und Sam mehr mit Gleichaltrigen unterwegs, aber die etwas unkonventionelle Art der Ermittlung und der Umgang miteinander passte durchaus gut. Die Suche nach dem Serienmörder ist auch wirklich das Herzstück des ersten Bandes und wird immer wieder konstant vorangetrieben. Zum einen durch die sehr kurzen Abstände, in denen der Täter zuschlägt, aber auch durch die Opferperspektiven. Letztlich haben wir dann noch Fantasy, durch die Diviner, die übernatürliche Fähigkeiten haben. Das sind schon relativ große Blöcke, die selbstredend ineinander übergehen. Für mich am stärksten war eindeutig der Fall. Denn an diesem Ende wurde konsequent erzählt. Auch wenn es manchmal etwas seltsam war, wenn die Erzählung andere Schwerpunkte suchte, vor allem bei Evie, die ja mittendrin steckte und dennoch dann unverständliche Unbeschwertheit gezeigt hat, so war es der intensivste rote Faden.

Das Historische ist ohnehin der Deckel, aber was für mich noch sehr holprig war, das war das Fantasy-Anteil. Auch wenn es schon früh mit Evies Demonstration auf der Party losging, aber teilweise ging fast verloren, dass sie eine Gabe hat. Auch bei Sam war es oft der Gedanke „ach, da war noch was“. Dann haben wir auch noch Memphis, seinen Bruder und andere, die ebenfalls Diviners sind, aber es ist ein Bereich, der mit vielen Vorurteilen und auch Abscheu verbunden ist, weswegen niemand aktiv Antworten sucht. Auch Onkel Will wirkte teilweise sehr zurückhaltend, obwohl ich mir von ihm mehr Initiative gewünscht hätte. Insgesamt hatte ich stark den Eindruck, dass bei den Diviners nur wenig aufgebaut wird, um das Mysterium für den nächsten Band zu haben. Das erzeugt insgesamt natürlich den Eindruck, dass die Diviners ein größeres Mysterium sind, aber nicht der eigentliche Hauptfokus. Als sei so ein Fall pro Buch die Struktur, was nochmal eine besondere Form durch die Diviner bekommt. Das hätte ich so im Vorfeld eher nicht erwartet. Ich hätte die Diviner wahrscheinlich viel konkreter in den Fokus gepackt, auch um die verschiedenen Formen zu verstehen und so Lust zu machen. Die Wahl durch Bray hier war keinesfalls falsch, aber zwischendurch konnte ich auch mal vergessen, dass es auch um die Diviners geht.

Auch etwas ungünstig fand ich den Klappentext. Das fällt mir in letzter Zeit häufig auf. Um eine gewisse Lesergruppe anzuziehen, werden Liebesdreiecke angedeutet, die dann aber in der eigentlichen Erzählung gar nicht so dominant sind. Das ist hier auch so. Ich habe „Diviners“ sehr lange nicht als Liebesgeschichte empfunden und habe es auch nicht vermisst. Sowohl mit Jericho als auch mit Sam kann noch Spannendes passieren, aber es ist noch nicht wirklich aufgebaut worden. Der Unterschied zwischen den beiden ist aber auf jeden Fall eine gute Voraussetzung. Da wir schon bei den Charakteren sind. Jericho und Sam gefallen mir beide und ich sehe auch Potenzial, aber sie sind angesichts von Evies Persönlichkeit doch eher im Schatten. Evie dominiert alles. Auch wenn es so viele Perspektiven gibt, aber sie in einer Szene und irgendwie sind alle sprachlos. Evie war unfassbar anstrengend. Bei ihr musste ich auch ständig denken, dass sie sich eigentlich wie eine Protagonistin der Generation Alpha verhält. Alles drehte sich nur um sie selbst, ich fand sie sehr, sehr unsensibel und es fiel mir doch schwer, zu ihr einen Draht aufzubauen. Auf die Menschen um sie herum schaut sie herab, dabei ist sie erst 17! Will hat sie immerhin ab und zu in die Schranken weisen können, aber ansonsten puh. Sie muss auf jeden Fall etwas runtergeschraubt werden. Auch ein Memphis ist sehr faszinierend, dazu auch Theta und Henry. Da ist noch einiges, mit dem man arbeiten kann, wenn Bray nicht für Band 2 schon die Leser verloren hat.

Fazit: Es ist sicherlich einen zweiten Versuch wert, „Diviners“ an die Leserschaft zu bringen, weil viel Modernes drinsteckt. Doch es sind schon viele Seiten und auf diesen auch unfassbar Inhalt. Die Ermittlungen gegen den Täter sind der rote Faden, der Rest ist noch etwas chaotisch und groß aufgezogen, ohne aber mehr Highlights anzubieten. Dazu die anstrengende Evie… Mir war alles etwas zu viel, aber ich habe dennoch unter all dem die Ansätze gesehen, die sehr gut funktioniert haben.

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