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Veröffentlicht am 09.12.2024

Rückkehr ins dunkle Nimmerland

Hooked – Dunkles Nimmerland (mit gestaltetem Farbschnitt)
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“Wendy, Darling” von A.C. Wise war die bisher erste und einzige Märchenadaption, die ich gelesen habe. Die düstere Interpretation der Geschichte um Peter Pan hatte mir tatsächlich gut gefallen. Jetzt bin ...

“Wendy, Darling” von A.C. Wise war die bisher erste und einzige Märchenadaption, die ich gelesen habe. Die düstere Interpretation der Geschichte um Peter Pan hatte mir tatsächlich gut gefallen. Jetzt bin ich nochmal ins dunkle Nimmerland zurückgekehrt, um endlich auch die Geschichte von Kapitän Hook kennenzulernen
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Darum geht’s: Kapitän James Hook ist der unsterbliche Pirat von Nimmerland. Jetzt hat ihn Peter Pans Bestie in London aufgespürt. Hook will das Monster ein für alle Mal auslöschen. Zufällig begegnet er dabei Wendy Darling - eine weitere Überlebende, die weiß, wie dunkel der Schatten von Nimmerland ist…
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A.C. Wise hat mich wieder mit ihrem opulenten Schreibstil begeistert. Auch ihr zweites düsteres und gruseliges Nimmerland-Märchen liest sich einfach wunderschön. Wise macht aus einer harmlosen Kindergeschichte eine bedrohliche Version für Erwachsene. In ihrer Lesart ist Nimmerland alles andere als ein fantastischer Sehnsuchtsort. Stattdessen lenkt sie den Blick der Leser*innen auf schaurige Abgründe. Was im ersten Band funktioniert hat, hat bei mir auch noch ein weiteres Mal funktioniert. Nachdem sich meine Sicht auf Peter Pan bereits verschoben hat, lerne ich jetzt auch Kapitän Hook von einer anderen Seite kennen. Wer hätte gedacht, dass hinter der Bösewicht-Fassade noch so viel mehr steckt. Hook wird in dieser Version als gebrochener Charakter dargestellt. Er ist getrieben von Schuldgefühlen und Trauer um eine verlorene Liebe.
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A.C. Wise Neuinterpretation ist faszinierend und interessant. Die eingefahrenen Perspektiven ändern sich. Das Gute wird zum Bösen und im Bösen keimt plötzlich das Gute auf. Trotz einiger Längen hat mir das, was Wise aus der Vorlage macht, wieder gut gefallen. Ich empfehle die Dilogie allen, die damit klarkommen, Peter Pan anschließend nicht mehr mit kindlicher Naivität sehen zu können. Wenn ihr Nimmerland dagegen als schönen, heiteren und unbeschwerten Ort im Herzen behalten wollt, solltet ihr diese düstere Märchen-Adaption lieber nicht lesen.

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Veröffentlicht am 29.11.2024

Vielschichtiger Reihenauftakt

STARCK und der erste Tag
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Mit „Starck und der erste Tag“ beginnt eine neue Thriller-Trilogie von Christian Jaschinski. Der Titel ist Programm. Dreh- und Angelpunkt ist Protagonist Andreas Starck, ein ehemaliger Oberstaatsanwalt, ...

Mit „Starck und der erste Tag“ beginnt eine neue Thriller-Trilogie von Christian Jaschinski. Der Titel ist Programm. Dreh- und Angelpunkt ist Protagonist Andreas Starck, ein ehemaliger Oberstaatsanwalt, der fünf Jahre unschuldig im Gefängnis gesessen hat. Wir starten mit ihm an Tag 1 wieder in Freiheit. Starck rollt seinen eigenen Fall nochmal neu auf. Schnell wird deutlich: Die Sache ist komplex und weit verzweigt. Und so reicht ein Buch wahrlich nicht aus, um die Geschichte vollständig zu erzählen. Teil 1 ist also erst der Appetizer, der Lust auf mehr macht.
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Jaschinski ist es sofort gelungen, mich in die Geschichte hineinzuziehen. Der Schreibstil ist leicht zu lesen. Kurze Kapitel treiben die Handlung sehr dynamisch voran und es geht gleich gut zur Sache. Es gibt auch etliche interessante Charaktere. Protagonist Starck ist ein tragischer Held, dem ich dabei zur Seite stehe, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen und die Wahrheit aufzudecken. Hinzu kommt eine Fülle weiterer Figuren, die allesamt toll gezeichnet sind. Ganz besonders mochte ich Starcks Knastkumpan Duncan. Auch die Szenen aus der Sicht der neugierigen Frau Nachbarin Moira St. John-Smythe (was für ein Name!) habe ich sehr gerne gelesen. Ihr Sohn, der Kommissar Jobst Stukenbröker, ist auch ne ganz spezielle Type. Dann gibt es den mysteriösen Auftragsmörder sowie diverse Groß- und Kleinkriminelle. Und jeder trägt einen wichtigen Teil zur Geschichte bei. Die ist ebenso vielfältig wie die Charaktere. Es werden viele Fässer aufgemacht. Die unterschiedlichen Thematiken haben mich mal mehr, mal weniger angesprochen. Das, was ganz nah und persönlich an Starck dran ist, ist für mich der bisher interessanteste Part der Handlung. Wie Starck wieder bei seiner Mutter einzieht, die Eltern seiner verstorbenen Frau aufsucht und seine Tochter wiedersehen will – diesen Teil der Geschichte habe ich als besonders intensiv empfunden und mit Begeisterung gelesen. Andere Aspekte rund um das Bankenwesen, Wirtschaftskriminalität und Korruption mit vielen suspekten Gestalten war für mich auf Anhieb weniger leichtgängig. Ich habe mich hier in einer für mich undurchschaubaren und komplizierten Welt bewegt, die ihre Geheimnisse, wenn überhaupt, nur sehr langsam preisgibt. Da musste ich mich erst mal drauf einlassen und die verschiedenen Ansatzpunkte zwischendurch teilweise in Ruhe sortieren. Daraus ergibt sich dann ein großes Ganzes, von dem ich in Band 1 vermutlich gerade mal die Spitze des Eisberges gesehen habe.
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Der Thriller ist temporeich und intensiv. Der Reihenauftakt macht neugierig auf mehr. Noch ist nicht ansatzweise irgendwas geklärt. Entsprechend gespannt bin ich, wie die Starck-Reihe noch weitergeht.

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Veröffentlicht am 29.11.2024

Vom Schneesturm in den Nachtwald

Nachtwald
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Triona Walsh kann Atmosphäre. Das hat sie vor einem Jahr bereits mit SCHNEESTURM unter Beweis gestellt. Jetzt legt sie mit ihrem neuen Thriller NACHTWALD nach.
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Ein Herrenhaus mitten im Wald. Ein unerwarteter ...

Triona Walsh kann Atmosphäre. Das hat sie vor einem Jahr bereits mit SCHNEESTURM unter Beweis gestellt. Jetzt legt sie mit ihrem neuen Thriller NACHTWALD nach.
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Ein Herrenhaus mitten im Wald. Ein unerwarteter Gast. Ein Wochenende, das zum Albtraum wird… Der Beginn des Klappentextes sagt schon das Wichtigste. Und ja, das hat man so oder so ähnlich schon x-mal gelesen. Aber wenn es gut gemacht und geschrieben ist, lese ich so etwas eben gerne auch noch x weitere Male. Und Triona Walsh macht es hier definitiv gut.
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Was mir positiv aufgefallen ist: Die Autorin hat sich weiterentwickelt und an entscheidenden Stellen nachgebessert. Im Vergleich zum Vorgänger kommt die Geschichte in NACHTWALD deutlich schneller zur Sache. Sie hat auch insgesamt etwas mehr Drive, wie ich finde. Außerdem gibt es diesmal keine ungewöhnlichen irischen Begriffe und Namen, die einen beim Lesen unnötig aufhalten. Das geht einerseits zu Lasten der irischen Atmosphäre, ist aber andererseits gut für den Lesefluss.
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In anderer Hinsicht bleibt Walsh ihrem Stil treu. Sie arbeitet auch in NACHTWALD mit einem überschaubaren Personenkreis. Wir haben sieben Charaktere, die in einem atmosphärisch inszenierten Setting platziert sind. Das hat mich auch diesmal wieder an Agatha Christie erinnert. Obwohl NACHTWALD ein Thriller und kein Krimi ist, erinnert die Machart schon irgendwie an einen klassischen Locked Room-Mystery – nur eben in die Moderne transportiert. Der Handlungsverlauf macht entsprechend großen Spaß. Die Autorin hat Spuren gelegt, denen ich folgen konnte. Teilweise haben sie mich in die Irre geführt. Aber es gibt auch zahlreiche scheinbar lapidar eingestreute Hinweise, durch die man tatsächlich auf die Lösung kommen kann. Man hat also eine reelle Chance zum Mitraten.
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Mit NACHTWALD hat Triona Walsh einen gelungenen zweiten Thriller veröffentlicht. Ich mag den Schreibstil der Autorin und die Art, wie sie ihre Geschichten aufbaut. Die Handlung verläuft insgesamt eher ruhig. Dabei wird aber durchweg ein gewisses Spannungslevel gehalten. Und die Wendungen, die der Plot nimmt, sind für meinen Geschmack auch gelungen.
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NACHTWALD ist ein lesenswerter Thriller und hat mir gut gefallen. Ich glaube, dass Triona Walsh aus dem Setting und den Charakteren sogar spielend noch mehr hätte rausholen können. Vielleicht gelingt es ihr beim nächsten Mal, da noch eins draufzusetzen.

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Veröffentlicht am 25.11.2024

Grusel für Einsteiger

Geister in Blackwood House
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Herzlich Willkommen im Grusel-Genre! Rechtzeitig vor Jahresende habe ich hier nochmal außerhalb meiner Komfortzone gelesen. Mit „Geister in Blackwood House“ habe ich das für mich vermutlich perfekte Buch ...

Herzlich Willkommen im Grusel-Genre! Rechtzeitig vor Jahresende habe ich hier nochmal außerhalb meiner Komfortzone gelesen. Mit „Geister in Blackwood House“ habe ich das für mich vermutlich perfekte Buch für den Einstieg ausgewählt.
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Darum geht’s: Mara braucht dringend eine neue Bleibe. Blackwood House wird zu einem Spottpreis verhökert. Der Grund: Hier hat ein Serienmörder gelebt. Neue Besitzer haben allesamt nach kürzester Zeit die Flucht ergriffen. Mara hat jeglichem Aberglauben abgeschworen. Also kauft sie Blackwood House, um daraus ein wohligs Zuhause zu machen…
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Auf der Suche nach Büchern aus dem Grusel-Genre, kommt man am Festa-Verlag nicht vorbei. Auch der Name Darcy Coates ist in meiner Buch-Bubble immer wieder aufgeploppt. Um mich nun endlich mal an das Genre heranzuwagen, habe ich direkt zu ihrem neusten Buch gegriffen. Das war für mich eine gute Entscheidung, denn „Geister in Blackwood House“ ist kein Schocker. Das hätte mich überfordert. Schließlich möchte ich mich erstmal herantasten und langsam herausfinden, wohin die Reise in diesem Genre für mich führen könnte.
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Zunächst ein Wort zur Aufmachung des Buches. Hut ab, lieber Festa-Verlag. Hier habt ihr euch etwas tolles einfallen lassen. Ein Buch in dieser Haptik, die ihr selbst als lederartig bezeichnet, stand bisher noch nicht bei mir im Regal. Und der Einband hält, was ihr versprecht: Das Buch ist nach dem Lesen noch wie neu. Außerdem gefällt mir auch eure Idee, das Buch als Rezensionsexemplar persönlich mit Namen zu stempeln. Das hat was. Die Covergestaltung ist spooky und erinnert an Schauergeschichten im alten Stil. So eine Geschichte in die Moderne verlegt, habe ich hier bekommen.
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Gleich zu Beginn habe ich gemerkt, dass ich den Schreibstil von Darcy Coates mag. Er ist eingänglich und bildhaft und hat mich sofort mitgenommen. Das Kopfkino ist angesprungen und es war beim Lesen tatsächlich, als würde ich einen Film anschauen. Weil ich zunächst nicht einschätzen konnte, was mich erwartet, habe ich es langsam angehen lassen und abends auch vorsichtshalber erst mal mit dem Lesen aufgehört. Ein Schaukelstuhl, der sich von selbst bewegt und Schritte auf dem Dachboden haben bei mir für Gänsehaut gesorgt. Wo soll das noch hinführen, habe ich mich gefragt. Es wird aber weniger extrem, als erwartet. Das Buch ist kein Horrortrip – auch wenn eine Film-Version spielend einen daraus machen könnte. Würde ich mir dann allerdings nicht angucken. In der vorliegenden Form war das Buch für mich aber gut lesbar. Es ist trotz Geistergeschichte fast schon bodenständig. Dazu tragen auch die Romance-Elemente in der Handlung bei. Mara und ihr Freund Neil sind noch recht frisch zusammen. Neil ist lieb, treuherzig und steht Mara in allen Belangen teilweise schon fast treudoof zur Seite. Jedenfalls angesichts der Tatsache, wie sie in zuweilen behandelt. Herrje, die Gute hat manchmal in Sekundenschnelle Wutausbrüche, die sich gewaschen haben und sie nicht gerade sympathisch machen. Aber gut, in ihrer Situation wäre ich vermutlich auch angespannt und hätte eine kurze Zündschnur. Ich konnte Mara also wiederum auch irgendwie verstehen. Wie sich die Geistergeschichte im Einzelnen entwickelt, müsst ihr natürlich selbst lesen. Alles weitere dazu wäre gespoilert und ihr könntet euch das Buch sparen. Ich möchte euch aber natürlich neugierig darauf machen.
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Mein Fazit: „Geister in Blackwood House“ hat mich auf jeden Fall ermutigt, mich im Grusel-Genre langsam weiter vorzutasten. Ich ahne, was da noch alles möglich ist und hier vergleichsweise massentauglich verpackt wurde. Für mich war es für den Einstieg nicht zu viel des Guten. Letztendlich kann ich sagen, dass ich sogar noch ein bisschen mehr Grusel und Gänsehaut abgekonnt hätte. Deshalb könnte ich mir vorstellen, dass Kenner des Genres hier vielleicht schon weniger auf ihre Kosten kommen. Mir als Neuling hat es aber gefallen.

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Veröffentlicht am 13.11.2024

Ein viktorianischer Thriller

Das Korsett
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Das Buch ist mit etwas mehr als 500 Seiten schon etwas dicker ausgefallen. Trotzdem hatte ich es ziemlich schnell durch. Das spricht schon mal für den Schreibstil von Laura Purcell. Aber auch für die Geschichte. ...

Das Buch ist mit etwas mehr als 500 Seiten schon etwas dicker ausgefallen. Trotzdem hatte ich es ziemlich schnell durch. Das spricht schon mal für den Schreibstil von Laura Purcell. Aber auch für die Geschichte. Beides sorgt für einen richtig guten Lese-Flow.
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Darum geht’s: Dorothea Truelove besucht regelmäßig Insassinnen des Oakgate Gefängnisses. Sie erforscht, ob ihre Schädelform etwas über ihr Wesen aussagt. Als sie die junge Schneiderin Ruth Butterham kennenlernt, stellt sich zudem die Frage, ob ihre Stiche eine übernatürliche Kraft haben…
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Laura Purcell spielt mit Ängsten. Sie thematisiert den Aberglauben der damaligen Zeit und stellt ihm wissenschaftliche Erkenntnisse gegenüber. Die Geschichte ist düster und beklemmend. Geheimnisvoll und intensiv. Man bekommt ein paar schockierende Bilder vor Augen geführt. Szenen, die gleichermaßen drastisch wie auch auf seltsame Art und Weise faszinierend sind. Soll man hin- oder doch lieber wegschauen? Soll man sich dem Grauen stellen oder nicht? Genau dieser Zwiespalt macht den besonderen Reiz der Erzählung aus. So habe ich vor allem die erste Hälfte der morbiden Handlung sehr gespannt, aber auch extrem angespannt verfolgt. Im folgenden gibt es ein paar Längen. Purcell setzt aber immer wieder feine Spitzen, die zeigen, dass da noch etwas kommt. Fulminante Wendungen. Ein dramatisches Finale. Das Ende schlägt nochmal mit voller Kraft zu.
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Laura Purcell hat mich beeindruckt. Sie knüpft an alte Meisterwerke der Gothic Fiction an. “Das Korsett” ist ein Schauerroman vom Feinsten. Eine außergewöhnliche Abwechslung im Thriller-Genre.

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