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Veröffentlicht am 12.12.2024

Stimmen eines historischen Jahres

1945
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Es war das Jahr des Endes und des Neuanfang: 1945 endete mit den Niederlagen Nazi-Deutschlands und Japans der Zweite Weltkrieg. In dem Buch "1945" lässt Volker Heise Menschen zu Wort kommen, die das Jahr ...

Es war das Jahr des Endes und des Neuanfang: 1945 endete mit den Niederlagen Nazi-Deutschlands und Japans der Zweite Weltkrieg. In dem Buch "1945" lässt Volker Heise Menschen zu Wort kommen, die das Jahr an den verschiedenen Fronten, in Berlin, im Hinterland, in den einstigen deutschen Ostgebieten erlebt haben, als allierte oder deutsche Soldaten, Teenager, Menschen, die in Opposition zum Dritten Reich standen und überzeugte Nazis. Dementsprechend unterschiedlich die Stimmen und Erfahrungen: Was für die einen eine unvorstellbare Katastrophe war, war für andere die ersehnte Befreiung, verbunden mit Hoffnungen auf eine andere Gesellschaft, auf das Wiedersehen mit Angehörigen. Doch gerade im Fall der im Untergrund lebenden Berliner Juden war dies eine Hoffnung, die für viele mit schrecklichen Gewissheiten enden sollte.

Die Todesmärsche der KZ-Häftlinge sind ebenso Thema der zitierten Aufzeichnungen wie die jugendlichen Flakhelfer, die als letztes Aufgebot verheizt wurden, die Erfahrungen der von Soldaten der Roten Armee vergewaltigten Frauen kommen in Tagebuchaufzeichnungen und Erlebnisberichten, aber auch Protokollen der Ärztlichen Dienste ebenso zu Wort wie das Elend der Flüchtlinge, die sich als menschliches Strandgut durch halb Europa schleppten.

Als Chronik zum Kriegsende sind es vor allem die Stimmen ganz alltäglicher Menschen, auch wenn etwa mit Erich Kästners Tagebuchaufzeichnungen und zitierten Durchhaltereden von Goebbels bekannte Namen auftauchen. Fast 80 Jahre nach Kriegsende ist zwischen Parolen und Resignation, naivem Hoffnung an den "Endsieg" und verzweifeltem Wunsch, dass der Schrecken endlich ein Ende haben solle, ein Darstellung entstanden, die angesichts der vielen historischen Ereignisse dieses historischen Jahres nur selektiv sein kann. Schwerpunkt sind die Geschehnisse in und um Deutschland. Das ist für mich ein wenig die Schwäche des Buches, weil so viele Perspektiven und Erfahrungen fehlen. Dennoch lesenswert, um den bekannten historischen Fakten menschliche Bezüge zu geben.

Veröffentlicht am 01.12.2024

In zwölf Schritten zum Leben ohne Morde

Assassins Anonymous
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Man nennt ihn das fahle Pferd, dessen Reiter in der biblischen Apokalypse der Tod ist. Mark, der Ich-Erzähler von "Assasssins Anonymous" von Rob Hart, hat in seinem Leben allerdings selbst reichlich für ...

Man nennt ihn das fahle Pferd, dessen Reiter in der biblischen Apokalypse der Tod ist. Mark, der Ich-Erzähler von "Assasssins Anonymous" von Rob Hart, hat in seinem Leben allerdings selbst reichlich für Tote gesorgt - sei es als Navy Seal, sei es als Auftragsmörder im Dienste einer Agentur, die vor allem unliebsame Zeitgenossen ausschaltet, aber eben Whistleblower oder unliebsame Journalisten. Doch damit ist Schluss. Rob hat sich in New York einer kleinen Selbsthilfegruppe ehemaliger Auftragsmörder angeschlossen. Nach dem Vorbild des Zwölf-Schritte-Programms für Anonyme Alkoholiker und andere Suchtkranke wollen sie sich gemeinsam auf dem Weg in ein mordfreies Leben unterstützen. Das Problem: Es gibt genügend Menschen, die die geläuterten Killer tot sehen wollen.

Vom Klappentext her hatte ich einen Kriminalroman mit schwarzem Humor erwartet. Tatsächlich reiht sich "Assassins Anonymous" mit seinen Gewalt- und Tötungsszenen eher in die Tradition der hard boiled Krimis mit Noir-Elementen ein. Also ganz anders als ich ursprünglich dachte, aber keineswegs schlecht. Die Handlung springt zwischen Gegenwart und Vergangenheit, um zu erklären, wie sich Rob zu dem Ausstieg aus dem Killerleben entschloss.

In der Gegenwart muss er herausfinden, wer der unbekannte Russe ist, der ihm ans Leben wollte - und vor allem, in wessen Auftrag er handelte. Mit der Hinterzimmer-Ärztin Astrid, die ihn nach dem Messersangriff wieder zusammengeflickt hat, und seinem Kater P. Kitty, tritt Rob eine Reise ins Ungewisse an, die ihn unter anderem nach Singapur und London führt. Dabei hat er ein Problem, das in seinem Job lebensentscheidend sein kann: Wem kann er überhaupt trauen? Hat er sich die Freundschaft zu seinem Sponsor Kenji nur eingebildet, der plötzlich nicht mehr auf Kontaktversuche reagiert? Oder versucht jemand, Ex-Killer auszuschalten?

Auf der von Zwischenfällen und engen Auswegen in letzter Minute geprägten Reise wird Rob auf so manche unerwartete Wendung stoßen. Dass ein ziemlich spektakulärer Showdown unausweichlich ist, ist bei diesem Job nicht anders zu erwarten. Doch wie schafft es Rob, zu überleben, ohne andere zu töten? Das ist, neben der Ermittlung in eigener Sache, die große Herausforderung.

Ein ungewöhnlicher Spannungsroman mit einem Protagonisten zwischen Schuld und Sühne.

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Veröffentlicht am 16.11.2024

Tödliche Therapie

Miss Merkel: Mord in der Therapie
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Es geht wieder tödlich zu in Klein Freudenstadt in der Uckermark, dem fiktiven Ruhesitz von Angela Merkel, oder, wie sie in David Safiers Cozy-Krimis besser bekannt ist: Miss Merkel. Im nunmehr vierten ...

Es geht wieder tödlich zu in Klein Freudenstadt in der Uckermark, dem fiktiven Ruhesitz von Angela Merkel, oder, wie sie in David Safiers Cozy-Krimis besser bekannt ist: Miss Merkel. Im nunmehr vierten Band der Reihe hadert die Ex-Kanzlerin allerdings gewaltig mit dem Ruhestand - dabei kann sie vom Ampel-Aus zu diesem Zeitpunkt noch gar nichts ahnen. Das Schreiben an ihrer Autobiographie hatte allerdings eine ernüchternde Wirkung: Fehler wurden gemacht, manches ist liegengeblieben, so manche Einschätzung erwies sich im Nachhinein als falsch, ja schädlich. Da hilft auch die bevorstehende Hochzeit der besten Freundin Marie mit Bodyguard Mike nichts gegen den Altkanzlerin-Blues.

Die Lieblingsmenschen kriegen das Stimmungstief natürlich auch mit - und wissen eine Lösung: Psychologische Hilfe ist gefragt in "Mord in der Therapie". Über die erste Sitzung Gruppentherapie kommt die Ex-Kanzlerin allerdings nicht hinaus. Das liegt nicht nur an negativen Schwingungen innerhalb der Gruppe, der unter anderem ein Wutbürger und eine Klimakleberin angehören, also nicht gerade Merkel-Fans. Die Explosion eines Bootes mit dem Psychologen an Bord bedeutet vielmehr: Ermittlungen statt Therapie. Aber das Detektiv-Spielen hat Merkel ja bereits in den vorangegangenen drei Bänden gegen Renten-Frust geholfen.

Dass die Ex-Kanzlerin bei ihrer Therapiegruppe selbst als Verdächtige gilt, ist allerdings eine neue Erfahrung. Wobei auch sie schnell vermutet: Der Täter oder die Täterin muss sich in der Gruppe befinden. Kein Wunder, dass Bodyguard Mike seine Chefin einmal mehr nicht bremsen kann bei Sologängen, die er doch eigentlich verhindern will. Doch zwischen Hochzeitsvorbereitungen und Stress mit den angereisten Spät-Hippie-Eltern kann der Security-Experte schnell mal den Überblick verlieren. Außerdem wissen wir ja - Männer tun sich mit Multitasking eher schwer.

Safier folgt einmal mehr dem bewährten wie erfolgreichen Muster, die Ex-Kanzlerin mit exzentrischen Mitbürgern und turbulenten Situationen zu umgeben. Mitunter für meinen Geschmack zu klamaukig, Allerdings wird das durch Sprecherin Nana Spier aufgehoben, die so wunderbar "merkelt" Für ihre Interpretation des Buches ist glatt noch ein Extra-Stern angebracht. aber unterhaltsam. Am besten ist die Roman-Merkel immer dann, wenn sie sich süffisant mit Politiker-Kollegen und Krisen auseinandersetzt, die offensichtlich eine Schule fürs Leben waren. Das nützt dann auch in der Uckermark.

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Veröffentlicht am 10.11.2024

Lafers Lieblingsrezepte

L wie Lafer
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Wenn jemand mehrere Jahrzehnte als Meisterkoch vorweisen kann, hat er viel Wissen, Tricks und Küchengeheimnisse weiter zu geben. In "L wie Lafer" stellt Johann Lafer eine Zusammenstellung von 100 seiner ...

Wenn jemand mehrere Jahrzehnte als Meisterkoch vorweisen kann, hat er viel Wissen, Tricks und Küchengeheimnisse weiter zu geben. In "L wie Lafer" stellt Johann Lafer eine Zusammenstellung von 100 seiner Lieblingsrezepte vor. Die Mischung ist bunt: Regionale Spezialitäten und Kochinspirationen aus aller Welt, einige eher einfach klingende Rezepte, andere, die schon beim Lesen Raffinesse versprechen, auch Variationen bekannter Gerichte. Da wird etwa eine Frikadelle durch Wildfleisch veredelt.

Manche der vorgestellten Rezepte sind alltagsgeeignet, etwa der lauwarme Salat von Schinkenknödeln, der mich an den Semmelknödelsalat meiner Oma erinnert - Restverwertung und so lecker! Oder der steirische Kartoffel-Gurkensalat, genau das Richtige für einen Sommertag. Deftig sind Rheinischer Sauerbraten und Szegediner Gulasch, aber auch der asiatische Schweinebauch oder Elsässer Sauerkraut. Und auch ein Rösti a la Lafer schmeckt jederzeit.

Andere Rezepte klingen aufwändiger oder aufgrund der Zutaten eher für einen besonderen Anlass, etwa Parmesan Mousse mit Bittersalat und Wachtelei. Auch die Hummerklöße auf Blattspinat sind nicht gerade für jeden Tag. Auch die Petit Fours aus dem Dessertkapitel sind deutlich zeitaufwändiger als beispielsweise der ebenfalls vorgestellte Mohnschmarrn

International sind etwa vietnamesische Reisröllchen, Ceviche, Pad Thai, ein sehr lecker klingendes kreolisches Fischragout, Tajine mit Hähnchen oder Schweinefleisch süßsauer. Daneben gibt es international inspirierte Fusionsgerichte, beispielsweise Garnelen-Cevapcici mit Mangoreissalat oder Vindaloo mit Riesengarnelen und Ananas, Fischragout Stroganoff oder gebratener Tofu auf Curryspätzle oder ein süßes Wasabi-Kürbiskern-Parfait - auf diese Geschmackskombination muss man erst mal kommen.

Die einzelnen Kapitel sind aufgegliedert in die Themenbereiche Suppen, Kleine Gerichte, Fisch, Fleisch, vegetarische Gerichte und Desserts, das Buch ist reichlich bebildert und am Ende vieler Gerichte steht noch ein Meister-Tipp. Geschmacklich dürfte für jeden etwas dabei sein. Ich freue mich jedenfalls schon aufs Nachkochen.

Veröffentlicht am 09.11.2024

Gebrauchslyrik und Punk

Kästner, Kraftwerk, Cock Sparrer
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Manchmal genügt ein Name, um einen Hörsaal garantiert zu füllen. So auch bei Andreas Frege an der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität, sehr viel besser bekannt unter dem Namen Campino. Der Sänger und ...

Manchmal genügt ein Name, um einen Hörsaal garantiert zu füllen. So auch bei Andreas Frege an der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität, sehr viel besser bekannt unter dem Namen Campino. Der Sänger und Frontmann der Toten Hosen äußert sich immer wieder nicht nur auf der Bühne, sondern auf Demonstrationen oder anderen öffentlichen Auftritten pointiert zu gesellschaftlichen Themen, zu Rasssimus, Rechtsextremismus usw. Ein Hörsaal war bisher eher nicht die gewohnte Umgebung des Düsseldorfer Musikers. Entsprechend groß war die Neugier auf seine beiden Gastvorlesungen. Wer den live-Auftritt verpasst hat, kann Campinos "Liebeserklärung an die Gebrauchslyrik" nun nachlesen.

Unter dem Titel "Kästner, Kraftwerk, Cock Sparrer" zeigt sich Campino als Fan von Erich Kästners Gedichten, geht auch auf Heinrich Heine, den Namenspaten der Universität und dessen Gedichte ein, die er im Laufe der Jahre zu schätzen gelernt hat und schlägt natürlich auch den Bogen zur Musik und dem Liedertexten. Wer die Bandgeschichte der Toten Hosen bisher nicht so eng verfolgt hat, erfährt so manches über die Ursprünge der Gruppe, ihre Arbeit und ihr Engagement außerhalb der Bühne. Auch manches Persönliche wie die Beziehung zu seinen Eltern kommt in Campinos Vorlesung zur Sprache.

"Eisgekühlter Bommerlunder" und "Bis zum bitteren Ende" sind zwar nach wie vor beliebte Rausschmeißer bei Konzerten der "Hosen", aber Sauf- und Spaßlieder sind schon seit vielen Jahren nicht mehr typisch für die Band und die oft nachdenklichen Texte Campinos, die immer wieder den Finger in Wunden der gegenwärtigen Gesellschaft legen. In der ersten Gastvorlesung geht es so denn auch um die Entstehungsgeschichte von Liedern, die sich mit Verlust, Rechtsextremismus oder Missbrauch auseinandersetzen, wie "Unser Haus", "Willkommen in Deutschland" oder "Böser Wolf".

Nachdenklich ist auch die zweite Gastvorlesung, in der sich Campino mit KI auseinandersetzt und den Chancen, aber auch den Bedrohungen, die Künstliche Intelligenz für Musiker, Schauspieler oder Schriftsteller bietet. An einigen Beispielen demonstriert er, was die Programme jetzt schon können, etwa wenn die KI den Auftrag erhält, einen Liedertext zu verfassen, der die Stile von Campino, Kästner und Heine vereint. Das Ergebnis verblüfft - und wirft die Frage auf, wieviel Raum KI in der Zukunft in kreativen Prozessen einnehmen könnte -und sollte.

Nicht nur für "Hosen"-Fans viel Stoff zum Nachdenken, und die Erkenntnis: Auch im Hörsaal weiß Campino zu überzeugen.