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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.12.2017

Überzeugendes Thriller-Debüt mit einem Ermittlerpaar, das man sich merken sollte

Die perfekte Gefährtin
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Detective Luc Callanach hat sich gerade erst von Interpol zur Polizei nach Edinburgh versetzten lassen, als dort schon eine mysteriöse Serie brutaler Frauenmorde auf ihn wartet. Er bekommt es mit einem ...

Detective Luc Callanach hat sich gerade erst von Interpol zur Polizei nach Edinburgh versetzten lassen, als dort schon eine mysteriöse Serie brutaler Frauenmorde auf ihn wartet. Er bekommt es mit einem Mörder zu tun, der keine Spuren hinterlässt und scheinbar auch keine Fehler macht. Auch die Zusammenarbeit mit seinem neuen Team verläuft nicht wirklich reibungslos. Gut, das er sich wenigstens auf seine Kollegin Ava Turner verlassen kann, die ihn nach Kräften unterstützt, obwohl sie gerade selber in einem komplizierten Fall ermittelt.

Mit Luc Callanach und Ava Turner schickt die Autorin Helen Fields bei ihrem Thrillerdebüt zwei Ermittler ins Rennen, die das Zeug zu echten Serienhelden haben. Callanach braucht dabei ein wenig, um an Kontur zu gewinnen, er steht so lange Zeit ein wenig im Schatten von Ava Turner, die von Beginn an eine ordentliche Präsens an den Tag legt. Beim großen Showdown darf dann aber auch Luc zeigen, was in ihm steckt, zumal bis dahin auch die Beweggründe für seinen überstürzten Wechsel nach Edinburgh geklärt sind, die ihn lange Zeit in einem etwas zwielichtigen Licht dastehen lassen.

Obwohl die Identität des Mörders schon früh enthüllt wird, hält die Autorin die Spannung auf einem hohen Niveau und lässt den Lesern mit ihrem packenden Schreibstil kaum Zeit zum Luftholen. Die Jagd auf den Mörder wird so schnell zu einem Zweikampf, der den Ermittlern alles abverlangt und bei dem die Rollen zwischen jäger und Gejagtem immer mehr verschwimmen.
Im Mittelteil liegt der Fokus stellenweise vieleicht etwas zu sehr auf dem Fall der Babyleichen, den Ava Turner bearbeitet, doch dann bekommt die Geschichte schnell wieder die Kurve und macht in seinem dramatischen Finale den kleinen Durchhänger mehr als wieder wett.
Die Charakterisierung der einzelnen Protagonisten ist bis in die Nebenfiguren hinein äußerst gelungen und sehr lebendig gestaltet. Die Figuren sind ziemlich vielschichtig angelegt und kommen weitestgehend ohne die oftmals so üblichen Klischees des Genres aus.

Eine Autorin und zwei Ermittler, die man sich merken sollte. Auf den nächsten Band der Reihe bin ich auf jeden Fall schon sehr gespannt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Spannung
  • Charaktere
  • Atmosphäre
  • Originalität
Veröffentlicht am 12.12.2017

Spannende Mördersuche vor dem Hintergrund des Kulturkampfes im Jahre 1874

Der Werwolf von Münster
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In diesem historischen Kriminalroman führt uns das Autorenpaar Maria Rhein und Dieter Beckmann zurück in das Münster des Jahres 1874. Vor dem Hintergrund des Kulturkampfes zwischen der preußischen Politik ...

In diesem historischen Kriminalroman führt uns das Autorenpaar Maria Rhein und Dieter Beckmann zurück in das Münster des Jahres 1874. Vor dem Hintergrund des Kulturkampfes zwischen der preußischen Politik und der katholischen Kirche, der in Münster besonders heftig geführt wurde, erzählen sie die Geschichte einer spannenden Jagd auf einen unheimlichen Mörder.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Heinrich Maler, ein Agent der preußischen Geheimpolizei, der zurück in seine Heimatstadt Münster geschickt wird, um den Bischof der Stadt, einen alten Freund seines Vaters auszuhorchen. Zur Tarnung tritt er dabei die Stelle eines Polizeikommissars an. Doch dann wird Maler mit einer Serie grausamer Morde konfrontiert, die seine ganze Aufmerksamkeit verlangt.
Als er im Zuge der Ermittlungen die junge Witwe Katharina Kaufmann, die im Kreise des immer stärker aufkommenden Spiritismus verkehrt, kennen- und liebenlernt, gerät sein Weltbild immer mehr ins Wanken und er beginnt, an seinem ursprünglichen Auftrag zu zweifeln.

Den Autoren gelingt hier ein spannender Kriminalroman, der die Stimmungslage der damaligen Zeit hervorragend einfängt und die historischen Ereignisse gut in die laufende Handlung einbindet. Die sorgfältige Recherchearbeit der Autoren merkt man dem Buch dabei jederzeit an.
Auch die Krimihandlung weiß zu überzeugen und liefert eine spannende Suche nach dem (entgegen dem Titel ganz und gar irdischen) Mörder mit einer überzeugenden Auflösung.
Gut charakterisierte Protagonisten in den Haupt- und Nebenrollen und ein packender Schreibstil tun ihr Übriges, um für ein rundherum gelungenes Lesevergnügen zu sorgen.

Veröffentlicht am 08.12.2017

Psychologisch ausgefeilter Hamburg-Krimi, der in die dunkelsten Tiefen der menschlichen Seele führt

Stille Wasser
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Mit diesem Buch legt die Hamburger Autorin Angelique Mundt den inzwischen dritten Fall mit der Psychotherapeutin Tessa Ravens und dem Hauptkommissar Torben Koster vor. Man kann dieses Buch aber auch ohne ...

Mit diesem Buch legt die Hamburger Autorin Angelique Mundt den inzwischen dritten Fall mit der Psychotherapeutin Tessa Ravens und dem Hauptkommissar Torben Koster vor. Man kann dieses Buch aber auch ohne Vorkenntnisse aus den ersten beiden Büchern problemlos lesen und verstehen.
Die Autorin arbeitet wie ihre Hauptfigur als Psychotherapeutin und engagiert sich ebenfalls ehrenamtlich im Kriseninterventionsteam des Deutschen Roten Kreuzes, dieses Insiderwissen merkt man dem Buch auch an. Die Autorin weiß, worüber sie schreibt und bindet ihre Kenntnisse gut in die laufende Handlung ein, ohne dabei ihre Figuren und den Kriminalfall aus den Augen zu verlieren.

Ausgangspunkt der Geschichte ist eine anonyme Bombendrohung gegen ein Passagierschiff im Hamburger Hafen. Während sich Tessa um die evakuierten Passagiere kümmert, wird an Bord die Leiche einer jungen Frau gefungen. Torben Koster und sein Partner Michael "Liebchen" Liebetrau übernehmen die Ermittlungen. Tessa wird in den Fall verwickelt, da sich mit dem etwas seltsamen Walter Petersen auch ein Patient von ihr zum Zeitpunkt des Mordes auf dem Schiff befand. Die Spuren führen Tessa und die Ermittler in die dunkelsten Tiefen der menschlichen Seele.

Das Buch kommt ohne große Actionszenen und besonders blutige Schockmomente aus. Ruhig und psychologisch ausgefeilt treibt die Autorin die gut aufgebaute Geschichte voran und steuert so mit einem packenden Schreibstil schnurstracks auf den spannenden Showdown mit der überraschenden und absolut stimmigen Auflösung des Falles zu.
Die Protagonisten sind dabei bis in die Nebenfiguren absolut überzeugend gezeichnet und agieren sehr glaubwürdig.
Besonders der ständig etwas kränkelnde Liebchen ist mir im Laufe der Geschichte doch ziemlich ans Herz gewachsen.

Wer auf eher ruhige Krimis steht, die ihre Spannung in erster Linie aus der Psychologie der Protagonnisten beziehen, wird hier bestens bedient und vorzüglich unterhalten.

Veröffentlicht am 30.11.2017

Spannender und äußerst blutiger Horror-Thriller mit drastischer Sprache und explziten Gewaltszenen

Über uns die Hölle
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In seinem Debütroman legt der Autor Simon Lokarno einen rasanten und gut konstruierten Horror-Thriller vor, der sich durch eine drastische Sprache und explzite Gewaltbeschreibungen, die wenig bis nichts ...

In seinem Debütroman legt der Autor Simon Lokarno einen rasanten und gut konstruierten Horror-Thriller vor, der sich durch eine drastische Sprache und explzite Gewaltbeschreibungen, die wenig bis nichts auslassen, auszeichnet und mich dabei auf ganzer Linie überzeugen konnte.
Der Hinweis, das dieses Buch nur für Leser ab 18 Jahren zu empfehlen ist, ist dabei mehr als berechtigt.

Im Mittelpunkt steht der Hamburger Kommissar Falko Thurner, der mit seinem Partner Müller in mehreren Fällen von äußerst blutigen Amokläufen ermittelt. In der Presse wird schnell der Begriff vom "Amok-Virus" geprägt und in der Stadt bricht langsam aber sicher Panik aus.
Als sich die beiden Exorzisten Pater Marciano und Pater Penrose im Auftrag des Vatikans in die Ermittlungen einschalten und die Ermittler von ihrer Theorie überzeugen wollen, überschlagen sich die Ereignisse urplötzlich und das Grauen bricht endgültig über Hamburg herein.

Die Charaktere des Buches sind dabei äußerst vielschichtig gezeichnet und weisen reichlich Ecken und Kanten auf, die für das Genre üblichen Gut-und-Böse-Shemata werden immer wieder überzeugend aufgebrochen.
Mit hohem Erzähltempo und einigen überraschenden Wendungen treibt der Autor seine Geschiche voran und steuert das Geschehen so schnörkelos auf seine schockierende und unerwartete, aber dennoch überzeugende Auflösung zu, bei der sich das Schicksal der Protagonisten in einer blutigen Schlacht mit großen Verlusten entscheidet.

Kleinere Abzüge gibt es für das Lektorat, dem etwas mehr Sorgfalt gut zu Gesicht gestanden hätte.
Dieser kleine Makel trübt meinen insgesamt mehr als positiven Gesamteindruck aber nur wenig.

Fans von blutigen Horror-Thrillern kommen hier auf jeden Fall voll auf ihre Kosten.

Veröffentlicht am 23.10.2017

Spannender Kriminalroman mit einer menschlich anrührenden Geschichte

Unter Fremden
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Der Autorin Jutta Profijt gelingt hier ein spannendes Buch, das viel mehr ist als ein einfacher Kriminalroman, sondern zudem auch noch eine menschlich anrührende Geschichte erzählt.

Im Mittelpunkt steht ...

Der Autorin Jutta Profijt gelingt hier ein spannendes Buch, das viel mehr ist als ein einfacher Kriminalroman, sondern zudem auch noch eine menschlich anrührende Geschichte erzählt.

Im Mittelpunkt steht die junge Syrerin Madiha, die in einer Flüchtlingsunterkunft lebt und sich von dort aus auf die Suche nach dem spurlos verschwundenen Harim begibt. Harim war ihr auf dem beschwerlichen Weg nach Deutschland eine große Hilfe und so fühlt sich Madiha ihm gegenüber verpflichtet, sein Verschwinden aufzuklären. Auch wenn sie die deutsche Sprache beherrscht, fällt es ihr bei ihren Ermittlungen alles andere als leicht, sich in der für sie fremden Welt zurechtzufinden.

Die Autorin erzählt die Geschichtung durchgehend aus der Perspektive von Madiha und so können wir mit ihren Augen einen Blick auf das Geschehen und die Verhältnisse in Deutschland werfen, erleben dabei vor allem auch ihre Ängste und Zweifel ungefiltert und aus nächster Nähe.
Die eingestreuten Rückblenden offenbaren zudem immer wieder neue Details aus ihrer Vorgeschichte, so das sich wie bei einem Puzzle erst nach und nach das Gesamtbild zusammensetzt.
Die eigentliche Krimihandlung braucht ein wenig, bis sie richtig in die Gänge kommt, weiss dann aber durchaus zu überzeugen und liefert reichlich Spannungsmomente und eine schlüssige, nachvollziehbare Auflösung.
Getragen wird die Geschichte zudem von seinen gut gezeichneten Charakteren, die auch bei den Nebenfiguren absolut stimmig geraten sind, auf die üblichen Klischees wird hier weitestgehend verzichtet.

Ein wichtiger Beitrag zur aktuellen Situation in unserem Land, der einem eindringlich vor Augen führt, das hinter allen abstrakten Diskussionen über Obergrenzen und Flüchtlingskontingente in erster Linie immer noch Menschen stehen.