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Veröffentlicht am 20.01.2025

Siegen um jeden Preis?

The Favourites
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Layne Fargo erzählt uns die mitreißende Geschichte eines jungen Eistanz- und Liebespaares, vom steinigen Aufstieg in höchste Höhen, die Sportler erreichen können, bis hin zum ernüchternden tiefen Fall ...

Layne Fargo erzählt uns die mitreißende Geschichte eines jungen Eistanz- und Liebespaares, vom steinigen Aufstieg in höchste Höhen, die Sportler erreichen können, bis hin zum ernüchternden tiefen Fall und dem folgenden kräftezehrenden Comeback. Werden Kat und Heath den ersehnten Olympiasieg doch noch schaffen?

Das glamouröse, vorwiegend in Gold gehaltene Cover zieht die Blicke auf sich. Nur die Frau des Eistanzpaares ist zu sehen. Vom männlichen Part sieht man hauptsächlich die Hand, die ihre Taille umfängt und stützt. Damit wird die Botschaft des Buches bereits übermittelt. Obwohl wir scheinbar die Geschichte eines Eistanzpaares vor uns haben, geht es tatsächlich im Wesentlichen um sie, Katharina Shaw.

Schon als Vierjährige entdeckt sie ihre Leidenschaft für den Eistanz. Als sie Heath kennenlernt, der aus ähnlich bescheidenen Verhältnissen wie sie selbst stammt und bei Pflegeeltern aufwächst, sieht sie eine Möglichkeit, ihren Traum zu realisieren. Sie überredet Heath, statt Eishockey Eistanz zu betreiben. Obwohl sie kein Geld haben, finden die beiden eine Trainerin. Als Heath zu anderen Pflegeeltern soll, überredet Kat ihren Vater, die Vormundschaft für ihn zu übernehmen. So können sie weiter trainieren. Dann kommt der nächste Schlag, Katharinas Vater stirbt. Da sie noch zu jung ist, um ihr Erbe anzutreten, muss sie bei ihrem Bruder leben, der Alkohol- und Drogenprobleme hat. Er hasst Heath und macht Kat das Leben zur Hölle. Trotzdem trainieren die beiden unbeirrbar weiter und schaffen es tatsächlich, zu den nationalen Meisterschaften zu kommen. Ihre Karriere nimmt an Fahrt auf und Kats Idol, die Doppelolympiasiegerin im Eistanz, Sheila Lin wird auf sie aufmerksam. Nach vielen Aufs und Abs erreichen sie ihr großes Ziel, die Olympiateilnahme in Sotschi …

Die Geschichte zieht den Leser schnell in ihren Bann. Layne Fargo schreibt flott und bildhaft. Ihre Charaktere wirken in Haupt- und Nebenrollen weitgehend lebendig und glaubwürdig. Selten wurde die Welt des Hochleistungssports in der Spitzengruppe in ihrer Dramatik, Härte und mit ihren Skandalen, so packend beschrieben. Der ständig vorhandene Druck unter dem die Sportler stehen, die umfassende Beobachtung und Verfolgung durch Presse und Paparazzi und die allgegenwärtigen Intrigen. Ständige Forderungen von Trainern, Verbänden, Fans und Sponsoren an die Athleten. Es wundert nicht, dass sich immer wieder Dramen in dieser Blase abspielen. Dazu kommt noch, dass Kat und Heath seit ihrer Jugend eine sogenannte „Amour Fou“ verbindet. Ihre Leidenschaft verschafft ihnen für ihren sportlichen Werdegang Vor-, aber auch Nachteile.

Der Roman ist aus der Perspektive von Kat geschrieben. Der Wechsel zwischen Interviews/Kommentaren diverser Eistanzgrößen und erzählenden Abschnitten erweist sich als kluger Coup und schafft zusätzliche Spannung. Es hat mich nicht überrascht, dass die Autorin vor ihrer Schriftstellerkarriere u.a. als Dramaturgin tätig war. Die Kommentare zwischen den Kapiteln lassen die Erzählung noch authentischer wirken.

Mein Fazit

„The Favourites“ liest sich spannend und hat mich gut unterhalten. Die Einblicke in die Welt des Spitzensports sind faszinierend und verstörend zugleich. Man spürt die gute Recherche der Autorin, die uns hinter die Fassade des Glamours blicken lässt und die Schmerzen und Emotionen beschreibt, die im Rampenlicht einfach weggelächelt werden. Gegen Ende nimmt der Roman nochmals richtig an Fahrt auf und lässt Intrigen und Manipulationen eskalieren ...

Am meisten imponiert hat mir die Entwicklung Kats von der zielorientierten Eiskönigin zu einer einfühlsamen Frau, die ihren Weg im Leben und in ihrer Partnerschaft letztendlich gefunden hat.

Manchen Passagen am Anfang und im Mittelteil hätten ein paar Seiten weniger gutgetan, der eine oder andere Nebencharakter könnte etwas mehr Tiefe haben, speziell die Konkurrenten neben den Lins. Aber wer sich für Leistungsport und Leidenschaft interessiert, kommt an diesem Buch nicht vorbei.

„Der Roman, über den 2025 alle reden werden“, mit diesem Satz wird der Roman vorab gehypt. Ob das zutreffen wird? Ich bin gespannt, wie die Leserschaft entscheiden wird.

Von mir bekommen „The Favourites“ 4,5 von 5 Sternen.

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Veröffentlicht am 04.01.2025

Ein schwieriges Erbe

Das geheimnisvolle Testament
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Graf Heinrich Ferdinand von Kirchhoff-Aisterthal hat sein Leben an der Seite von Ehefrau und Söhnen gründlich satt. Die Gesellschaft seiner jungen Geliebten Stanzi zieht er eindeutig vor. Doch wie kann ...

Graf Heinrich Ferdinand von Kirchhoff-Aisterthal hat sein Leben an der Seite von Ehefrau und Söhnen gründlich satt. Die Gesellschaft seiner jungen Geliebten Stanzi zieht er eindeutig vor. Doch wie kann er sein Leben diesen Wünschen anpassen, ohne gesellschaftlichen Selbstmord zu begehen? Der Graf entwickelt einen perfiden Plan, der darin gipfelt, dass sich seine bedauernswerte Gemahlin und die beiden Söhne Emil und Helmuth mittellos am Gemüsemarkt von Mayfair wiederfinden. Wie soll es nun für sie weitergehen?

„Das geheimnisvolle Testament“ ist ein Spin-Off der Regency-Heroes-Reihe von Sophia Farago. Der Roman kann gut für sich allein gelesen werden und deshalb wählte ich ihn für meinen Ausflug in ein neues Genre aus.

Das Regency umfasst die Zeit von 1810 bis 1820 in Großbritannien und Irland. In dieser Zeit starker sozialer, politischer und industrieller Umbrüche spielt die Geschichte von Emil und Harriet. Durch einen verantwortungslosen Vater gerät der junge Adelige samt Bruder und Mutter unverschuldet in eine prekäre Lage. Mittellos in einem fremden Land gelingt es ihm und seinen Angehörigen nur mit Mühen zu überleben. Dank ihrer Eigeninitiative und durch ihr gewinnendes Wesen, gelingt es den Dreien, Freunde und deren Unterstützung zu gewinnen. Auch vor der ungewohnt harten Arbeit auf einem Gemüsemarkt schrecken die Jungen nicht zurück. Auf diese Weise bekommen sie allmählich ihr Leben wieder in den Griff. Doch lange Zeit wissen sie nicht, wem sie ihre missliche Lage zu verdanken haben und wie ihre Zukunft aussehen wird.

Harriet dagegen gerät durch das für Frauen perfide damalige Erbrecht in eine scheinbar unerträgliche Situation. Da sie nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters, eines Earls, nicht erbberechtigt ist, wird ein weit entfernter Verwandter neuer Earl, Nutznießer des Vermögens und ihr Vormund. Als dieser will er sie schnellstmöglich an den Meistbietenden verschachern.

Sophia Farago versteht es, ihre Leser ins Regency zu versetzen und das Schicksal der beiden Jugendlichen hautnah miterleben zu lassen. Mit ihrem authentischen Schreibstil und den glaubwürdig gezeichneten Charakteren gelingt es ihr, einen Spannungsbogen aufzubauen und das Interesse an der Geschichte des jungen Paares zu wecken. Geschickt bindet sie die Helden ihrer erfolgreichen Regency-Heroes-Reihe in das Geschehen ein. Die Einblicke in die Gesellschaft und die Umstände der damaligen Zeit fand ich sehr aufschlussreich. Man spürt die gründliche Recherche der Autorin. Das Personenverzeichnis am Buchende erleichtert es dem Leser, sich zurechtzufinden. 

Gern hätte ich mehr über das weitere Schicksal der großherzigen Wirtin erfahren, die der ausländischen Grafenfamilie hilft, ganz im Gegensatz zu einigen Mitgliedern deren eigener Gesellschaftsschicht. Ohne die uneigennützige Hilfe dieser Frau wäre es Emil und den Seinen noch sehr viel schlechter ergangen.

Ich vergebe 4,5 von 5 Punkten und eine Leseempfehlung an alle Fans von Regency Romance.

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Veröffentlicht am 14.12.2024

Ein Kommissar namens Bambus

Kom.Ba. / Kommissar Bambus
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Nach einem schweren terroristischen Anschlag der Hamburger Unterwelt auf die Polizei überlebt Kommissar Gabriel Landgraf nur knapp. Einige seiner Kollegen sterben oder werden schwer verletzt. Physisch ...

Nach einem schweren terroristischen Anschlag der Hamburger Unterwelt auf die Polizei überlebt Kommissar Gabriel Landgraf nur knapp. Einige seiner Kollegen sterben oder werden schwer verletzt. Physisch wie psychisch massiv angeschlagen, muss Gabriel erkennen, dass er nicht mehr so weitermachen kann wie bisher ...

„Kom.Ba. / Kommissar Bambus: Band 1 Phönix“ ist der Auftakt einer Trilogie um Hauptkommissar Landgraf, den sein Schicksal von Hamburg zurück nach Niederbayern führt. Zuerst hat das ungewöhnliche Cover meine Neugier geweckt. Die hübsche Zeichnung zeigt den Donaustrand bei Deggendorf. Da ich auch (woanders) an der Donau lebe, war mein Interesse geweckt.

Gabriel Landgraf ist ein echter Workaholic, ja fast ein Adrenalin – Junkie. Einen ersten gesundheitlichen Warnschuss ignoriert er, ebenso begreift er nicht, dass sich seine Frau Jahre später unter anderem deshalb von ihm trennt, um ihn wachzurütteln. Obwohl der Kommissar die Scheidung sehr bedauert, macht er stur weiter wie vorher. Erst der Terroranschlag zwingt ihn zum Innehalten und Nachdenken. In der Reha findet er Leidensgenossen, denen er sich mit der Zeit öffnen kann. Seiner hochgeschätzten Therapeutin verspricht er, etwas zu ändern. Und nach einem kurzen Rückfall zieht er diese Entscheidung tatsächlich durch. Mit seiner neu gewonnen Entschlossenheit hat mich der Hauptcharakter sehr beeindruckt. Auch als es an der neuen Arbeitsstätte zunächst überhaupt nicht klappt, gibt er nicht auf und holt sich sogar Hilfe. Er findet wieder Kraft und Energie für seinen Beruf und sich selbst. Nach Überwindung seiner Startschwierigkeiten erzielt er erste Erfolge am neuen Wirkungsort ...

Auch die anderen Charaktere in den Haupt- und Nebenrollen sind gut getroffen. Ob das originelle Sprayer-Trio, Tante Erika und ihre Damenriege oder Marlene, die Möchtegern-Miss Marple. Sie alle überzeugen und veranschaulichen, wie wichtig Gabriel inzwischen sein persönliches Umfeld, über die Familie hinaus, geworden ist. Die Kollegen bleiben außer seinem Chef Wiegand Brandl noch etwas blass, doch das wird sich in Band 2 sicher ändern.

Nach anfänglicher Routinearbeit beschäftigen den Kommissar ein Cold Case mit drei ungelösten Morden sowie gefährliche Anschläge auf das Personal der Onkologie des städtischen Krankenhauses. Für Spannung ist also gesorgt. Den Täter, der seine Bekannte, die junge Gabrijela, mit Manipulationen an ihrem Rad beinah umbringt, kann er trickreich schnell ermitteln.

Mein Fazit.

Mich hat Kommissar Bambus, den Spitznamen erwirbt er sich in Deggendorf, bestens unterhalten. Ich habe ihn mit Interesse und Anteilnahme in sein neues Leben begleitet, mit ihm ermittelt und neue Erkenntnisse gewonnen. Das nach einem furiosen Beginn eher gemächliche Tempo hat mir ebenso gut gefallen wie der sorgfältige Schreibstil und die gute Recherche. Im Mittelpunkt des Geschehens steht Gabriel Landgraf, als Kommissar, aber auch als Privatmensch. Verschiedene Themen wie Krankheit, Alternativmedizin, Esoterik oder die Verquickung von Politik und Lobbyismus beschäftigen ihn und sprengen oder dehnen zumindest die gewohnten Grenzen eines traditionellen Kriminalromans. Eine weitere Besonderheit des Buches sind die zum aktuellen Stand der Geschichte passenden Gedichte, die jedes Kapitel einleiten.

Am Ende finden die Handlungsstränge zusammen und Kommissar Bambus kann seine Fälle nachvollziehbar lösen. Dass die eine oder andere Frage, noch, offen bleibt, versteht sich beim Auftaktband einer Trilogie von selbst. Ebenso verbleibt einigen der Protagonisten noch Entwicklungspotenzial. Es bleibt also interessant am Donaustrand von Deggendorf. Ich freue mich auf die Fortsetzung und vergebe 4,5 von 5 Sternen und eine Empfehlung an alle, die einen guten, etwas anderen Krimi schätzen.

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Veröffentlicht am 10.12.2024

Hollywood is calling!

Not your Darling
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Die zwanzigjährige Margaret geht in Liverpool an Bord eines Passagierdampfers, um ihn als Loretta in New York wieder zu verlassen. Der Erfüllung ihres Lebenstraums ist sie mit dieser Fahrt ein beachtliches ...

Die zwanzigjährige Margaret geht in Liverpool an Bord eines Passagierdampfers, um ihn als Loretta in New York wieder zu verlassen. Der Erfüllung ihres Lebenstraums ist sie mit dieser Fahrt ein beachtliches Stück näher gekommen, aber die größten Schwierigkeiten stehen ihr noch bevor ...

Das gelungene Cover zeigt uns, wen wir hier begleiten. Eine kesse junge Dame, die weiß, was sie will. Noch trägt sie nicht die angesagte Audrey-Hepburn-Frisur, aber als das Chamäleon, das sie auch ist, wird sie sich schnellstens an den aktuell gefragtesten Look anpassen.

Katherine Blake hat mit „Not Your Darling“ eine spannende Geschichte geschrieben, die einen frechen Frauenroman mit historischen Fakten verbindet. Falls das wirklich ihr Debüt als Autorin ist, bin ich beeindruckt.

Blakes Protagonisten überzeugen. Loretta, die ihre Geheimnisse für sich behält und lernen musste, sich nur auf sich selbst zu verlassen. Eliot, der um seine Frau trauert und sich wohltuend vom gängigen Männertyp Hollywoods unterscheidet. Sally, die ihre Angst vor dem Alter und dem beruflichen Abstellgleis mit Alkohol und herrischem Auftreten kaschiert. Der Blender Raphael, der alles für eine Rolle opfert, aber nicht die hellste Kerze auf der Torte ist. Der undurchsichtige Petraś, der es geschafft hat, eine Legende zu werden, ohne seine Wurzeln zu vergessen. Grace, die bildhübsche Schauspielerin, die von allen unterschätzt wird und sich nicht verschaukeln lässt. Die Prostituierte Primrose, die Loretta ihren Start erleichtert und ihr eine treue Freundin wird.

Mir gefällt Katherine Blakes flotter, direkter Schreibstil. Mit Witz und Humor beschreibt sie das Lebensgefühl der 50er, ohne die Schattenseiten zu beschönigen. Die kurzen Kapitel ermöglichen ein gutes Lesetempo. Auf den zahlreichen Karten, die Loretta an ihre Schwester Enid schickt, beschreibt sie scheinbar ihre Erlebnisse und Eindrücke, die sie mit Anmerkungen in Klammern für den Leser kommentiert. Ein guter Kniff, der mir ihre Denkweise näher brachte. Mit den Karten hat es eine Bewandtnis, die erst spät klar wird.

Mein Fazit

Ich hatte einen frechen Frauenroman erwartet und wurde nicht enttäuscht. Zunächst zeigt sich Margaret als ziemlich unverfrorene junge Frau, die ihren Verehrer Jimmie manipuliert, ausnützt und zuletzt auch noch bestiehlt. Der Zweck scheint bei ihr die Mittel zu heiligen. Alles, was ihrem Plan als Visagistin in Hollywood Karriere zu machen dient, wird getan. Mit ihrem Namen scheint sie ihre Vergangenheit und frühere Identität abzulegen. Als Loretta Darling marschiert sie forsch und zielorientiert voran. Erst als sich eine Party als Orgie erweist und sie beinahe vergewaltigt wird, zeigen sich erste Risse in ihrer Rüstung. Es erweist sich, dass sie doch nicht alles ihrer Karriere opfern will. Sexuelle Übergriffe, die im von Männern dominierten oder eigentlich diktatorisch beherrschten Hollywood, alltäglich und allenfalls ein Kavaliersdelikt sind, kommen für sie nicht infrage. Hier zieht sie die Grenze und versucht auch andere zu schützen. Bald muss sie erkennen, dass sie als Einzelkämpferin untergehen wird. Sie schließt Freundschaften und gewinnt Verbündete. Doch warten noch weitere Herausforderungen auf sie.

Katherine Blakes historischer Roman bietet Einblicke ins Hollywood der Fünfziger Jahre. Wir treffen Stars und Sternchen. Produzenten und Regisseure erweisen sich als herrschende Kaste, erst danach kommen die Schauspieler. Die Dominanz des männlichen weißen Geschlechts und dessen „Bedürfnissen“ werden nicht hinterfragt. Schwangerschaftsabbrüche mitunter von den Studios bezahlt. Alkohol und Drogen sind in diesen Kreisen nichts Ungewöhnliches. Der Blick hinter die klapprigen Kulissen der schillernden Metropole desillusioniert. Die Autorin beschreibt eine Atmosphäre, die gleichzeitig fasziniert und verstört. Gern hätte ich noch mehr davon gespürt.

Obwohl es mir ein wenig an Spannung gefehlt hat, wurde ich von „Not Your Darling“ gut unterhalten und habe es in flottem Tempo gelesen. Loretta hat mich mit einigen ihrer Handlungen überrascht. Manche waren im besten Fall fragwürdig und doch nachvollziehbar. Gerade diese Widersprüchlichkeit hat sie mir nähergebracht.

Ich vergebe 4,5 von 5 Sternen. Meine Leseempfehlung geht nicht nur an Frauen, sondern auch an die Männer, die sich für Frauen ernsthaft interessieren.

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Veröffentlicht am 06.12.2024

Mörderisches Siebenbürgen?

Tödlicher Winter
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Siebenbürgen und Rumänien überhaupt waren bisher noch weiße Flecken in meiner Krimiwelt. Außer Grusel-Ikone Dracula landete bisher nichts aus diesem Genre in meinem Regal. „Tödlicher Winter“ von Lioba ...

Siebenbürgen und Rumänien überhaupt waren bisher noch weiße Flecken in meiner Krimiwelt. Außer Grusel-Ikone Dracula landete bisher nichts aus diesem Genre in meinem Regal. „Tödlicher Winter“ von Lioba Werrelmann sollte diese Lücke schließen.

Der Journalist Paul, ein Siebenbürger Sachse, hat als 14-jähriger Rumänien für immer verlassen. Er ist ein typischer „Heruntergekommener“, so werden in Siebenbürgen Auswanderer, die zu Besuch zurückkommen, genannt. Nach seinem ereignisreichen Aufenthalt vor sechs Monaten und 13 Tagen kommt er wieder nach Transsylvanien. Doch der Empfang dort verläuft völlig anders als erwartet. Die angebetete Maja, die auf Paul warten sollte, ist inzwischen verheiratet, sein Freund Sorin unglücklich. Gemeinsam besaufen sich die beiden Freunde, was die Lage nicht verbessert. Am nächsten Morgen wird Paul wegen Mordverdachts verhaftet. Ohne Haftbefehl, ohne die Möglichkeit, einen Anwalt zu kontaktieren. Während eines heftigen Sturms wird er ins zugige Ehegefängnis der Kirchenburg gesperrt. Derweil werden immer wieder Tote im Wald gefunden. Nicht nur Majas Ehemann Petre, sondern auch mehrere Waldarbeiter sollen Unfällen zum Opfer gefallen sein. Obwohl ihn seine Gefühle für Maia beinahe überwältigen, erwacht die journalistische Neugier in Paul. Er beginnt zu recherchieren, ohne zu ahnen, dass er sich dadurch in Lebensgefahr begibt …

"Tödlicher Winter" ist das erste Buch von Lioba Werrelmann, das ich lese. Da mir Siebenbürgen bisher völlig unbekannt war, hat dieser Kriminalroman mein Interesse geweckt.

Paul Schwartzmüller ist ein spannender Charakter, mit dem ich so meine Schwierigkeiten hatte. Grundsätzlich sympathisch, hat mir seine mangelnde Empathie zu schaffen gemacht. Scheinbar agiert er stets unüberlegt, ohne Rücksicht auf andere (große Ausnahme: Maia), um sich in der Rückschau dann Vorwürfe zu machen und sich schuldig zu fühlen. Erst im Laufe der Geschichte konnte ich erkennen, dass Paul offensichtlich nicht gedankenlos handelt, sondern Schwierigkeiten hat, sich in andere hineinzuversetzen. Also nicht gleichgültig, rücksichtslos ist. Der zweite spannende Charakter ist Pušomori. Sie agiert meist im Verborgenen, hilft Paul aber in schwierigen Situationen. Ihre Fähigkeiten sind beachtlich. Dank ihrer Intelligenz kann sie hervorragend kombinieren. Sie ist eine gewiefte Hackerin, die sich diese Fertigkeit selbst angeeignet hat. Noch beeindruckender ist, dass sie sich nahezu unsichtbar machen kann und über eine exzellente Beobachtungsgabe verfügt. Auch die übrigen Protagonisten, ob in Haupt- oder Nebenrollen, überzeugen.

Der Autorin gelingt es, ihre Leser schnell in die Geschichte hineinzuziehen. Sie schreibt sehr bildhaft und mit viel Lokalkolorit. Man spürt ihre Leidenschaft für diese Region und ihre Bewohner. Dadurch schafft sie die entsprechende Atmosphäre, die es dem Leser ermöglicht, sich in diese fremdartig anmutende Landschaft einzufinden und sich den ungewohnten Protagonisten zu nähern.

Mein Fazit

Lioba Werrelmann hat mich mit ihrem Kriminalroman "Tödlicher Winter" sehr gut unterhalten. Die Erzählung ist fesselnd und die Auflösung stimmig. Ein spannender Krimi mit sehr viel Atmosphäre und Lokalkolorit in einem mir bis dahin unbekannten Ambiente. Land und Leute werden so beschrieben, dass man Lust bekommt, diese Region näher zu entdecken, ganz abseits von Dracula und anderen Vampirgeschichten. Transsylvanien hat offensichtlich viel mehr zu bieten. Diese Erkenntnis verdanke ich der Autorin, die mir diesen Landstrich und seine Bevölkerung sehr viel näher gebracht hat.

Ich vergebe 4,5 von 5 Sternen und eine Leseempfehlung an alle Krimiliebhaber, die einmal in einer Region ermitteln möchten abseits der gewohnten Schauplätze des Genres.

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