Als Frau eine Ausnahmeerscheinung ihrer Zeit
Wer aus dem Schatten trittMelanie Metzenthin hat zwar bereits zahlreiche Romane veröffentlicht, arbeitet aber außerdem als Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie und das merkt man dem Buch auch deutlich an.
Die Handlung ...
Melanie Metzenthin hat zwar bereits zahlreiche Romane veröffentlicht, arbeitet aber außerdem als Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie und das merkt man dem Buch auch deutlich an.
Die Handlung des Buches spielt im Jahr 1958. Voller Elan tritt die junge Ärztin Renate ihre erste Stelle in der Psychiatrie an. Sie merkt jedoch schnell, dass sie als Frau nicht mit offenen Armen empfangen wird. Der Oberarzt würde sie am liebsten an den Herd verbannen, ihr Kollege aus der Nachbarabteilung behandelt sie eher wie eine Assistentin, jedenfalls nicht wie eine gleichberechtigte Kollegin.
Renate lässt sich das zu Beginn ihrer Arbeit in der Abteilung auch noch gefallen, stellt aber mit der Zeit fest, dass die Methoden ihrer Kollegen veraltet sind und nicht mehr in die Zeit passen. Eine große Rolle spielt dabei die Zeit des Nationalsozialismus, den am liebsten alle vergessen würden, der aber gerade bei den Kranken oft die Ursache für ihr Leiden ist.
Für mich was das Buch kein Liebesroman, auch wenn Renate im Laufe der Handlung tatsächlich in Matthias den Mann fürs Leben findet. Viel wichtiger und eindrücklicher waren die Erlebnisse auf der Krankenstation, die Erfahrungen mit den Patienten und ihre Gespräche mit ihnen. Der zweite Weltkrieg lag zwar 1958 bereits 13 Jahre zurück, trotzdem spielte er immer noch in alle Gedanken hinein und die Gräueltaten an der Front hatten ihre psychischen Verletzungen hinterlassen, sowohl bei den Opfern als auch bei den Tätern.
Renate war eine Ausnahmeerscheinung ihrer Zeit oder auch einfach ihrer Zeit um einige Jahre voraus. Die Mehrheit der Frauen ließen sich nach dem Krieg wieder zurück in ihre Mutter- und Ehefrau-Rolle drängen, erst das Umdenken in den 70er Jahren brachte hier mehr Selbstvertrauen. Wichtig war auch, dass der Ehemann nun nicht mehr über die beruflichen Pläne seiner Frau entscheiden durfte.
Das Buch hat sich sehr flüssig gelesen und war für mich auch sehr angenehm nüchtern und nicht gefühlsbeladen. Wie bereits erwähnt, fand ich es gut, dass die Autorin als Ärztin Krankheitsbilder genau beschreiben kann und auch zwischen den Krankheitsbildern differenziert. Das plätschert bei einem Laien-Autor doch immer mehr an der Oberfläche entlang.
Was mir allerdings durch den Kopf geht, ist, dass wir uns heute nur noch ganz schwer in den Zeitgeist der 50er Jahre versetzen können. Renate erscheint mir sehr modern in ihren Ansichten und dem was sie tut, sie würde genauso gut in die heutige Zeit passen.
Dennoch gebe ich gerne eine Leseempfehlung.