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Veröffentlicht am 02.12.2017

Mäßig gruselig aber witzig

House of Ghosts - Der aus der Kälte kam
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"House of Ghosts - Der aus der Kälte kam" von Frank M. Reifenberg ist ein unterhaltsames Kinderbuch und der zweite Band der "House of Ghosts"-Reihe.


Leider habe ich Band eins nicht gelesen, trotzdem ...

"House of Ghosts - Der aus der Kälte kam" von Frank M. Reifenberg ist ein unterhaltsames Kinderbuch und der zweite Band der "House of Ghosts"-Reihe.


Leider habe ich Band eins nicht gelesen, trotzdem konnte ich der Handlung in Band zwei gut folgen und habe das Abenteuer genossen. 
Melli hat im ersten Band eine Villa von ihrer Urgroßschwiegercousine (oder so ähnlich) geerbt, damit auch die Verantwortung einer Hüterin der Pforte ins Jenseits. Sie muss also Geister aus unserer Welt hinüber ins Jenseits bugsieren. Dabei helfen ihr die Geister Lodovico und Erasmus, aber auch der Nachbarsjunge Hotte (einem waschechten Freiherrn), der ein Gespensterexperte werden will. Und wo treffen sie auf einen Geist, den sie retten sollen: Im Kühlhaus der ortsansässigen Metzgerei! Der arme Aldwyn war mit einer Polarexpedition unterwegs und ist eingefroren - sein Geist ist das auch immer noch. 
Ein Abenteuer und ein grandioser Spaß!


Das Buch ist nicht wirklich gruselig, dadurch dass von vorne herein klar ist, dass es Geister gibt und dass Melli ihnen helfen muss. Etwas unheimlich ist lediglich der böse Widersacher, der Einäugige, der immer versucht die Geister mit sich ins böse Jenseits zu ziehen.
Der Schreibstil ist angenehm, die Sprache locker und gut verständlich. Ab und zu wird ein Kapiel aus der Sicht des Geistes geschildert, das hilft dabei, sich in seine Geschichte hineinzuversetzen. Am Ende geht natürlich alles gut aus.


Die Illustrationen sind herzallerliebst und sehr witzig!


Mir hat das Buch gut gefallen! Für Kinder gut zum Vorlesen oder zum Selberlesen für fortgeschrittenere Leser, die sich auch an ungewöhnlichen Wörtern versuchen wollen.

Veröffentlicht am 02.12.2017

Nicht ganz was ich erwartet hatte...

Die Schlange von Essex
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"Die Schlange von Essex" von Sarah Perry ist ein Roman, der im viktorianischen England spielt und das Leben einer Frau und ihrer Bekannten nachzeichnet.


----- Vorsicht, entgegen meiner normalen Art, ...

"Die Schlange von Essex" von Sarah Perry ist ein Roman, der im viktorianischen England spielt und das Leben einer Frau und ihrer Bekannten nachzeichnet.


----- Vorsicht, entgegen meiner normalen Art, spoilert diese Rezension ein wenig, einfach, weil es für mich so schwer war, mir eine Meinung zu bilden. -----


Cora Seaborne lebt mit ihrem Mann, einem deutlich älteren Anwalt und Politiker, ihrem Sohn Francis und der Haushälterin Martha in London. Als ihr Mann stirbt ist sie nicht sehr traurig, denn die Ehe, in die sie sich sehr jung und verliebt gestüzt hatte, war für sie die Hölle. Nun hat die junge Witwe endlich die Freiheit erlangt, die sie braucht um sich selbst zu verwirklichen und glücklich werden zu können. 
Sie zieht aufs Land um im Boden zu graben und Fossilien zu suchen. Ihrem Freund, dem junge Arzt Luke Garrett, gefällt das gar nicht, hatte er doch gehofft sie nach dem Tod ihres Mannes, den er behandelt hatte, für sich zu gewinnen. So bald es geht reist er mit seinem wohlhabenden Freund Spencer hinterher um sie erneut zu erobern. Cora ist sich seiner Liebe bewusst, behandelt ihn aber wie einen normalen Freund, war Luke zunehmend frustriert. Cora hat in der Zwischenzeit auf dem Land den Dorfpfarrer William kennen- und schätzen gelernt. Dessen Frau Stella missfällt deren Freundschaft nicht, sie fördert sie auch noch. Vielleicht fühlt sie am Anfang nicht, dass die beiden mehr wollen als eine Freundschaft. Stella wird im Laufe der Zeit immer kränker und weiß auch ohne ärztlichen Beistand genau was ihr fehlt und dass es zu Ende gehen wird. Von da an, als sie das erkennt, fördert sie die Freundschaft zwischen William und Cora noch mehr, wohl weil sie hofft, dass Cora ihn nach ihrem Tod trösten wird. Die Geschichte wird immer verstrickter, es wechselt zwischen London und Essex hin und her, Martha kann ihre sozialistischen Bestrebungen ausleben und findet Unterstützer, die ihr helfen wollen, die Wohnungsproblematik in London zu verbessern. Cora und William kommen sich immer näher und streiten sich aber auch immer heftiger. Luke wird endgültig zurückgewiesen und wird immer deprimierter. 
Am Ende werden wir mit einem vagen Gefühl zurückgelassen, dass sich an der ganzen Situation wenig geändert hat und dass die Probleme keine Auflösung gefunden haben. 


Insgesamt hielt der Roman in keinster Weise das, was der Klappentext und  die Leseprobe, oder die eigenen Erwartungen daraus versprachen. Die angedeutete unglückliche Ehe Coras wird nie näher erklärt, ihre Traumata weder genau beschrieben noch geheilt. Ihre Fossiliensuche war nur Grund aufs Land zu ziehen, wird jedoch kaum mehr thematisiert, sie findet auch nichts besonderes. Doch das interessiert sie auch nicht mehr. Cora emanzipiert sich zwar, ermutigt durch ihr Witwendasein, ihre finanziellen Mittel und ihre Freiheit. Doch sie wird dadurch eher zunehmend selbstsüchtig und verletzt die Gefühle ihrer Freunde, sie spielt grausam mit ihnen, sei es ohne es zu merken oder weil es ihr egal ist. Es sind verschiedene Figuren in Cora verliebt, sie selbst liebt nur William und will ihn, teilweise ohne an dessen schwerkranke Frau Stella zu denken. Stella wird immer kränker, körperlich und geistig, doch selbst als Ärzte Heilungsmethoden vorschlagen wird sie nicht behandelt. Martha liebt Cora, die sich dessen aber wahrscheinlich nicht bewusst ist, trotzdem geht sie am Ende eine Partnerschaft mit einem Mann ein. Francis, Coras autistisch veranlagter Sohn, wird beinahe sich selbst überlassen, obwohl er noch ein Kind ist. Niemand versucht ihm zu helfen, keiner nimmt sich seiner an. Cora versucht zwar ihn zu lieben, unternimmt aber keinen Versuch, seine andersartige Denkweise und Gefühlswelt zu verstehen. Die Schlange von Essex, die durch den Titel zentrales Thema wird, wird gefunden, dann doch wieder nicht und ist eher psychisch in allen Gehirnen der Dörfler und Besucher zu suchen. 


----- Spoiler Ende -----


Ich hatte etwas ganz anderes erwartet. Für mich war "Die Schlange von Essex" letzten Endes nur ein historischer Liebesroman, der noch dazu, für mein Empfinden, eher unbefriedigend endet. Ich fand die Schilderung der Personen, die Sprache und Erzählweise und den abwechselnden Stil mit normaler Erzählung und Briefen und Tagebucheinträgen sehr gut. Aber inhaltlich hätte ich mir am Ende mehr Veränderung, mehr Aufklärung und mehr Positives gewünscht.  
Ich streite noch mit mir selbst, wie viele Punkte ich vergeben will. Sprachlich und stilistisch liegt der Roman für mich bei 4 bis 5 Sternen. Inhaltlich haben die Personen für mich am Ende noch zu viele Probleme, die nicht bewältigt wurden, außerdem standen während der ganzen Handlung nur die Personen und ihre Gefühlswelt und keine sachlichen, wissenschaftlichen oder philosophischen Themen im Mittelpunkt, wie ich es gehofft hätte, deswegen eher 3 Sterne. Aber das Buch hat mich während des Lesens bewegt und mich wirklich mitfühlen und mitleiden lassen. Deswegen werden es insgesamt doch noch 4 Sterne.


Letztes Fazit: Wer keine Scheu hat, einen Roman zu lesen, der im innersten eigentlich nur Liebesroman ist und wer auch keine Angst vor halbgaren und eher unglücklichen Enden hat, für den ist "Die Schlange von Essex" perfekt. 

Veröffentlicht am 20.08.2025

Niedlich, aber ausbaufähig

In sieben Koffern um die Welt
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"In sieben Koffern um die Welt" ist ein Kinderbuch von Roberta Schneider mit Illustrationen von Katja Spitzer.
Wir erfahren alles über die "Ladenhüter" in der kleinen Gepäckaufbewahrung am Hafen. Alle ...

"In sieben Koffern um die Welt" ist ein Kinderbuch von Roberta Schneider mit Illustrationen von Katja Spitzer.
Wir erfahren alles über die "Ladenhüter" in der kleinen Gepäckaufbewahrung am Hafen. Alle Koffer, die hier mit Absicht oder unabsichtlich sehr lange bleiben, werden geöffnet und untersucht. Und wir lernen auch die lustige, interessante oder traurige Geschichte hinter jedem Sammelsurium kennen.

Die Altersempfehlung ab 5 Jahren finde ich nicht richtig, dafür ist das Buch schon ein bisschen arg einfach. Ich würde es eher ab 3 oder 4 Jahren empfehlen. Und mit meinem Sohn werde ich es dann auch lesen, wenn er ungefähr 3 Jahre alt ist. Dann schauen wir, ob meine Einschätzung richtig war.

Insgesamt ist es ein interessantes Kinderbuch mit schönen Illustrationen, aber man hätte, meiner Meinung nach, noch mehr draus machen können. Zum Beispiel Wimmelbild-Fragen, wo welche Gegenstände im Koffer zu finden sind, Ratespiele, was in dem Koffer noch passen würde oder Sachen zum Aufklappen hätten das Buch für kleine Kinder (denn für die ist es inhaltlich) noch spannender gemacht. Für die offizielle Altersempfehlung (ab 5 Jahre) hätte durchaus ein tiefergehender, erklärender Text sein dürfen. Meiner Nichte (5 Jahre alt) war das Buch zu simpel.

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Veröffentlicht am 16.05.2020

Keine Tipps fürs Leben auf dem Lande, sondern ein Erziehungsratgeber

Alles Mist? Eine Familie zieht aufs Land
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"Alles Mist? Eine Familie zieht aufs Land" von Susanne Veit ist ein erzählerisches Sachbuch, das mich leider nicht überzeugt hat.
Ich bin auf dem Lande, zwischen Bauernhöfen aufgewachsen und als ich den ...

"Alles Mist? Eine Familie zieht aufs Land" von Susanne Veit ist ein erzählerisches Sachbuch, das mich leider nicht überzeugt hat.
Ich bin auf dem Lande, zwischen Bauernhöfen aufgewachsen und als ich den Titel und die Beschreibung dieses Buches gelesen hatte, habe ich mich auf ein Buch gefreut, das Tipps gibt, wie man naturnah und konsumfern leben kann; wie man Gemüse selbst anbaut, vielleicht Hühner hält oder etwas Ähnliches. Das wäre es gewesen, was mich interessiert hätte.
Leider enthält das Buch bis ca. zur Hälfte, denn weiter bin ich nicht gekommen, nichts davon. Die Familie mit Kindern lebt am Waldrand, wo ein Gemüseanbau usw. wegen des Schattens kaum möglich ist. Die einzigen naturnahen Erfahrungen sind die drei Kaninchen der Familie und die Bäume in der Nähe. Ab und zu kommen vielleicht noch ein paar Vögel oder eine verirrte Fledermaus vor. Ansonsten ist das Buch leider nur ein Erziehungsratgeber, der zu 80% daraus besteht, warum Kinder keine Computer brauchen und keine Computerspiele spielen sollten.
Das ist nun gar nicht das, was ich mir erhofft hatte. Ich gebe dem Buch trotzdem drei Sterne, denn es ist schön und unterhaltsam geschrieben, und für jemanden, der einen Erziehungsratgeber möchte, bestimmt gut.
Für mich war es das falsche Buch.

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Veröffentlicht am 13.08.2019

Verrückt nach Karten

Verrückt nach Karten
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"Verrückt nach Karten : geniale Geschichten von fantastischen Ländern", herausgegeben von Huw Lewis-Jones, erschien am 15.06.2019 im Verlag wbg Theiss und umfasst 256 Seiten mit zahlreichen Abbildungen ...

"Verrückt nach Karten : geniale Geschichten von fantastischen Ländern", herausgegeben von Huw Lewis-Jones, erschien am 15.06.2019 im Verlag wbg Theiss und umfasst 256 Seiten mit zahlreichen Abbildungen und mehreren Aufsätzen.
Diese Aufsätze stammen von Autorinnen und Autoren, aber auch anderen Kunstschaffenden (z.B. des Films), die ihr Verhältnis zu Karten beschreiben, und wie und welche Karten sie in ihrem Tun beeinflusst haben.
Dabei ist festzustellen, dass v.a. Stevensons Schatzinsel-Karte, Baums Der Zauberer von Oz und Tolkiens Mittelerde genannt werden.
Dies zeigt, dass das Gros (wenn nicht sogar alle) Autoren des Buches aus dem angloamerikanischen Raum stammen - durchaus eine kleine Kritik, denn auch aus anderen Ländern sind Autoren bekannt, die Karten in ihre Werke einbauten (Walter Moers Zamonienromane oder Uderzos und Gosciynys Asterix-Bände (Asterix wird tatsächlich erwähnt (S. 74f und 114), bei Moers bin ich mir nicht sicher - zumindest hat er keinen Registereintrag)).
Obwohl alle Buchteile, die wiederum die einzelnen Aufsätze beinhalten, Überschriften tragen wie: Teil eins - täuschend echt oder Teil drei - Karten erstellen, erhält man meist nicht das, was man sich darunter vorstellt.
Im Grunde sind alle Aufsätze ähnlich. Es handelt sich immer um die persönliche Einstellung der Autorin/des Autors zu Karten, welche sie oder ihn beeinflusst haben und wie sie/er diesen Einfluss in ihrem/seinem Werk umsetzt.
Dabei handelt es sich nicht nur um Schriftsteller, die ihren Blick auf Karten preisgeben, sondern z.B. auch eine Mitarbeiterin vom Set der Harry-Potter-Filme, die an der Karte des Rumtreibers tätig war.

Interessant war auch, dass den Begriff Mental Map alle zwar irgendwie umschreiben, aber nur (nach meiner Erinnerung) in einem Aufsatz konkret so vorkommt. Interessant ist dies deswegen, da all diese Autoren von dieser Theorie beeinflusst sind.
Eine Mental Map ist eine Karte, die ein Individuum sich von einer Region macht, beeinflusst durch die eignen Vorstellungen, von Erzählungen die sie über diese Region gehört oder gelesen hat, von anderen Karten die sie gesehen hat, von persönlichen Erfahrungen in dieser Region, und die wir zeichnen oder beschreiben können - sei es als bloße Linien oder als druckreife Karte.
Nehmen sie z.B. den Weg zum Bäcker oder zur Arbeitsstelle oder zur Schule o.ä. - Sie können sich den Weg vorstellen, ihn beschreiben, aufzeichnen, aber sie können nie die Realität abbilden. Manche Details werden nicht stimmen, aber so stellen Sie sich diesen Weg vor - so ist diese Karte mental in Ihnen gespeichert.

Doch nicht nur fiktive Welten und Karten beeinflussten die Autorinnen und Autoren, sondern auch historische Karten wie die Mappa Mundi oder die Ebstorfer Weltkarte.

Insgesamt ein interessantes Buch mit sehr vielen Abbildungen von Karten und Kartenausschnitten.
Leider versprechen die Überschriften häufig mehr, als tatsächlich beinhaltend und insgesamt geht es immer ums gleiche - der Einfluss einer oder mehrerer Karten auf mein Werk.
Durchaus interessant und schön zu lesen, jedoch hatte man das Gefühl, dass wenn man einen Aufsatz gelesen hatte, alle gelesen hatte.
Toll sind jedoch die abgedruckten Karten und, falls jemand eine/n der Autorinnen oder Autoren kennt und wissen will, wie sein künstlerisches Schaffen konkret beeinflusst wurde, kann man durchaus mehrere Aufsätze lesen - ich persönlich kannte niemanden.