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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.12.2017

Singen fürs Selbstbewusstsein

Der Frauenchor von Chilbury
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"Der Frauenchor von Chilbury" von Jennifer Ryan ist ein wunderschönes, hoffnungsvolles, aber auch ein herzzerreißend trauriges Buch. 
Die Männer des Dorfes Chilbury sind fast alle im Krieg, da beschließt ...

"Der Frauenchor von Chilbury" von Jennifer Ryan ist ein wunderschönes, hoffnungsvolles, aber auch ein herzzerreißend trauriges Buch. 
Die Männer des Dorfes Chilbury sind fast alle im Krieg, da beschließt der Vikar ganz einfach, dass der Chor aufgelöst wird, weil er ja nach nichts mehr klingt. Die Frauen des Chores sind nicht begeistert, sie hätten gerne weitergesungen in dieser deprimierenden Kriegszeit, neben all der Arbeit als Krankenschwestern usw., aber sie trauen sich nicht. 
Da kommt die Musikprofessorin Prim gerade recht, sie gibt den Frauen den Mut, den Chor wieder auf die Beine zu stellen und alleine zu singen. 
Im Laufe der Geschichte bekommen die Frauen durch ihre gemeinsamen Aktionen und den Rückhalt in der Gemeinschaft viel mehr Selbstbewusstsein und wagen immer mehr. Man erfährt viel aus dem Leben der erzählenden Frauen, alle haben ihr eigenes Schicksal, ihre Hoffnungen und Probleme. Es geschehen auch tragische Dinge, aber sie rappeln sich immer wieder auf und am Ende gibt es fast Happy Ends, wenn man das im Krieg überhaupt so nennen will. 

Mir haben der Schreib- und der Erzählstil sehr gut gefallen. Durch die Briefromanstruktur erfährt man die Geschehnisse in jedem Kapitel aus einem anderen Blickwinkel und bekommt viele verschiedene Meinungen und Gedanken mit. Manche der Frauen des Dorfes schreiben Briefe, andere in ihre Tagebücher, und wir dürfen überall mitlesen. 
Ich muss gestehen, dass es Phasen gab, in denen ich tagelang nicht weiterlesen konnte, weil es so traurig war, aber der Roman spielt nunmal zur Kriegszeit. 

Insgesamt ein Roman der mich sehr berührt und bereichert hat. Man fühlt sich als Frau bestärkt und fühlt mit den tapferen Damen von Damals. 
Unbedingt lesenswert!

Veröffentlicht am 02.12.2017

Horror vom Feinsten!

Palast der Finsternis
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Ein Buch wie dieses habe ich, glaube ich, noch nie gelesen. 
"Palast der Finsternis" von Stefan Bachmann kommt in seinem typischen Diogenes-Design und mit dem Untertitel "Roman" ganz brav daher, aber es ...

Ein Buch wie dieses habe ich, glaube ich, noch nie gelesen. 
"Palast der Finsternis" von Stefan Bachmann kommt in seinem typischen Diogenes-Design und mit dem Untertitel "Roman" ganz brav daher, aber es ist ein Horror-Roman, der, wenn man über die nötige Vorstellungskraft verfügt, viele Horrorfilme in den Schatten stellt.
Wir begleiten Anouk, die trotz ihres zarten jugendlichen Alters Kunstgeschichte studiert und schon viele Teile der Welt für längere Zeit bereist hat. Wir merken schnell, dass sie eine einsame Außenseiterin ist und selbst von ihrer Familie gemieden wird - warum erfährt man erst sehr spät im Laufe der Geschichte. 
Sie wird gemeinsam mit vier weiteren Jugendlichen für eine besondere Mission ausgewählt, scheinbar weil sie hochbegabt ist. Sie sollen einen unterirdischen Palast aus der Zeit der Französischen Revolution erforschen, der erst kürzlich in Frankreich entdeckt wurde. 
Achtung Spoiler ab hier:
Sie werden mit Privatjet eingeflogen und mit viel Luxus empfangen - doch das hört bald auf: Nach dem Abendessen bekommen sie eine Kapsel zu essen, die sie bewusstlos macht. Als sie wieder erwachen liegen sie in einem stockdunklen engen Spiegel-Raum. Anouk erwacht als erste, sie kann die anderen rechtzeitig wecken und dazu bringen dem Raum zu entkommen - alle, bis auf Hayden, der nicht aufwacht. Als sie aus ihrem sicheren Versteck beobachten, wie die Leute, die sie für ihre "Mission" hergebracht haben, in den Raum eindringen und Hayden kurzerhand grausam ermorden (!) erkennen sie, dass nichts so ist, wie vorher behauptet wurde. Von da an sind sie auf der Flucht vor ihren Verfolgern durch den labyrinthischen unterirdischen Palast, der in vielen Räumen tödliche Fallen bereithält. Es geschehen immer abstrusere Sachen, sie treffen auf einen Mann, der ihnen helfen will zu entkommen, tödlich verwundet ist und angeblich schon seit dem 18. Jahrhundert hier lebt. Außerdem werden auch viele ihrer Verfolger von fremder Hand getötet. Wer ist die unheimliche dritte Partei? Werden sie je wieder entkommen? Und warum sind sie wirklich hier?
All das will ich noch nicht vorweg nehmen. Lest selbst, das Buch ist wirklich lesenswert, wenn man einigen Grusel verträgt!

Insgesamt war ich zuerst geschockt, wie sehr ich mich in meiner ersten Meinung über das Buch (immerhin nach einer 100-seitigen Leseprobe) getäuscht hatte. Es war kein harmloses Fantasy-Abenteuer sondern waschechter Horror. Aber ich konnte nicht mehr aufhören zu lesen, so spannend war es! Der Text ist wundervoll geschrieben, man kann sich gut in die Erzählerin Anouk hineinversetzen, obwohl sie einen recht seltsamen Charakter hat, fühlt man intensiv mit ihr mit und erlebt jeden Augenblick der Geschichte mit den Jugendlichen so, als wäre man dabei.
Ein wirklich bemerkenswertes Buch, das man nicht nach seinem Äußeren beurteilen darf!

Veröffentlicht am 02.12.2017

Gemüsig lecker

Gemüseliebe
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"Gemüseliebe" von Tina Ganser ist ein Kochbuch, das Gemüsefans in ihrem Glauben bestätigt und Gemüseverweigerer dazu bringt, es doch noch einmal miteinander zu versuchen.


Das Buch ist großformatig und ...

"Gemüseliebe" von Tina Ganser ist ein Kochbuch, das Gemüsefans in ihrem Glauben bestätigt und Gemüseverweigerer dazu bringt, es doch noch einmal miteinander zu versuchen.


Das Buch ist großformatig und wunderschön, mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Es gibt genügend große und appetitanregende Fotos, zu jedem Rezept, mindestens eine Seite Abbildung. Außerdem ist der Text intelligent und einheitlich konzipiert, denn zu jedem Rezept gibt es am Rand eine Spalte mit zusätzlichen Tipps und eine Kopfzeile oben mit den wichtigsten Anfangsinfos, wie Schwierigkeitsgrad, Zubereitungszeit und Hauptgemüsezutat. 


Das Kochbuch unterteilt sich in die folgenden Kapitel: Snacks und kleine Gerichte, Tinas 30-Minuten-Küche, Moderne Klassiker, Aufgetischt, Die Nachhaltigen, All-In-One, To Go und Süße Schmankerln mit Gemüse. Zusätzlich gibt es noch einige einleitende und informative Kapitel und außerdem am Ende Register, um die richtigen Rezepte zu finden und ein Glossar, um sich von den österreichisschen Begriffen nicht verwirren zu lassen. Das habe ich auch manchmal gebraucht, obwohl ich mit meinem Bayerisch nicht so weit davon weg bin. :)


Insgesamt hat mir das Kochbuch sehr gut gefallen, sowohl als Bilder- und Lesebuch, als auch beim Nachkochen. Alles hat gut geklappt, wenn man sich genau an die Angaben hält, nur manchmal darf man ein bisschen stärker würzen, aber das ist ja Geschmackssache. 


Ich habe nur einen einzigen Kritikpunkt: Ich finde, dass bei den Rezepten oft zu viele Arbeitsschritte in einen Unterpunkt gepackt wurden. Ich bin jemand, der schon nach der Reihenfolge im Rezept kocht, und dann denkt, dass man alles, was unter einem Abschnitt steht, auch in einem Rutsch erledigen kann, aber das würde hier sehr stressig. Aber wenn man alles in Ruhe, schön nacheinander macht, dann klappt alles wunderbar.

Veröffentlicht am 02.12.2017

Spannendes Kinderbuch mit viel Magie

Die drei Magier - Das magische Labyrinth
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"Die drei Magier - Das magische Labyrinth" ist ein herzerwärmendes Kinderbuch. Conrad und Vicky müssen nachsitzen und das an einem brütendheißen Sommertag. Natürlich habe sie da besseres vor: Sobald der ...

"Die drei Magier - Das magische Labyrinth" ist ein herzerwärmendes Kinderbuch. Conrad und Vicky müssen nachsitzen und das an einem brütendheißen Sommertag. Natürlich habe sie da besseres vor: Sobald der Lehrer verschwunden ist verduften sie und gehen, gemeinsam mit Conrads Schwester Mila, am See baden. Da passiert es: Sie werden von magischen kleinen Leuchtwesen entführt, in eine fremde, magische Welt, in der sogar Bäume und Steine sprechen können. Sofort merken sie auch, wer das Böse in dieser Welt verkörpert: Ein gemeiner Zauberer namens Rabenhorst, der fiese Trolle für sich arbeiten lässt.
Die Kinder kommen in das Cafe von Fia Feu und erfahren: Sie sind die drei auserwählten Magier, die Algravia, die Welt in der sie sich befinden, retten sollen! Dabei sind sie weder Magier noch wissen wie sie all das anstellen sollen. Doch dabei hilft ihnen der Kater Kasimier.
Ich will noch nicht mehr von der Geschichte vorweg nehmen, denn das war eh schon einiges. Lest lieber selbst, es lohnt sich!


Mir hat die Art und Weise, wie die Geschichte erzählt wird gut gefallen. Es wird spannend, aber nicht so, dass die Kinder richtig Angst bekommen müssten. Die Sprache hat mir auch gut gefallen, mit einer Ausnahme: Manchmal finde ich die Sprache der Kinder zu flapsig und unhöflich, aber das ist wahrscheinlich nur realistisch. :D 


Die zahlreichen Bilder und Illustrationen haben mir auch sehr gut gefallen. Der Zeichner findet genau das richtige Maß zwischen Feinheit und Grobheit der Linienführung, sodass auch die unheimlichsten Bilder noch ein wenig lustig wirken. Die grafische Gestaltund in Zusammenspiel mit dem Text ist gut durchdacht und abwechslungsreich.


Insgesamt ein wunderbares Kinderbuch, das man schnell verschlungen hat. Ich kann es nur weiterempfehlen und freue mich auf den nächsten Teil!

Veröffentlicht am 02.12.2017

Klassische Krimi-Spannung

Geheimnis in Rot
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Mavis Doriel Hay kann man ohne zu zögern in die Reihe klassischer Englischer Krimi-Autorinnen einreihen. 
Ihr Krimi "Geheimnis in Rot" war mein erstes Buch von ihr, aber es wird bestimmt nicht das letzte ...

Mavis Doriel Hay kann man ohne zu zögern in die Reihe klassischer Englischer Krimi-Autorinnen einreihen. 
Ihr Krimi "Geheimnis in Rot" war mein erstes Buch von ihr, aber es wird bestimmt nicht das letzte bleiben. 
Wir werden in das idyllisch gelegene Anwesen Flaxmere versetzt, in dem sich Jahr für Jahr zur Weihnachtszeit alle Familienmitglieder so gar nicht idyllisch versammeln. Der Hausherr und Vaterr/Schwiegervater Sir Osmond ist stolz auf seinen einstigen Erfolg und sein Vermögen und will es nur an die Kinder vererben, die genau tun, was er sagt, d.h. auch heiraten, wen er will. Damit hat er sich in der ganzen Familie nur Feinde gemacht, denn die einen haben sich durchgesetzt und gegen seinen Willen geheiratet - mussten dafür ohne sein Geld auskommen, die anderen haben nach seinen Wünschen geheiratet und dafür andere Liebschaften aufgegeben und sind nun unglücklich. 
Am Weihnachtstag wird Sir Osmond schließlich erschossen aufgefunden und nur die Hausgemeinschaft hatte Motiv und Gelegenheit. Der benachbarte Colonell und die Polizei beginnen sofort zu ermitteln und werden abwechseln in die Irre geführt und unterstützt. 


Ein klassischer englischer Krimi, mit einer "geschlossenen Gesellschaft" in der der Mörder zu suchen ist. Spannend geschrieben, mit reich ausgestalteten Charakteren und nicht vorhersehbar. Der Schreibstil ist Briefromanartig, es wird von verschiedenen Personen aus verschiedenen Perspektiven erzählt, der Hauptteil jedoch aus der Sicht des ermittelnden Colonell, das schafft Kontinuität. 


Das einzige, was mich gestört hat, ist der offensichtlich falsche Text außen auf dem so stimmungsvoll gestalteten Flexcover-Buch: Die genannte Stimmung der goldenen Zwanziger ist in einem Buch, bei dem schon im ersten Kapitel die aktuelle Jahreszahl 1935 genannt wird, einfach nicht vorhanden. 


Insgesamt ein spannendes Buch, passend für graue Herbst- und Frühwintertage und ideal um in Weihnachtsstimmung zu kommen. Für Cosy-Crime-Fans sehr zu empfehlen.