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Veröffentlicht am 13.01.2025

✎ Ursula Wölfel - Fliegender Stern

Fliegender Stern
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Das Buch ist bei uns eingezogen, weil es an unserer Schule scheinbar als Schullektüre in der 3. Klasse genutzt wird. Ich wollte mir daher einen Überblick über die Geschichte schaffen, denn rein vom Cover ...

Das Buch ist bei uns eingezogen, weil es an unserer Schule scheinbar als Schullektüre in der 3. Klasse genutzt wird. Ich wollte mir daher einen Überblick über die Geschichte schaffen, denn rein vom Cover her, welches bereits Klischees abbildet, hätte ich es niemals in die Hand genommen.

Ursula Wölfel versucht ein Stück amerikanische Geschichte auf knapp 100 Seiten kindgerecht unterzubringen.
Ich bin rein von der Erzählung her nicht gänzlich überzeugt. Es tauchen zu viele Fragen auf und es muss zu viel erklärt werden. Wenn das Unterrichtsmaterial dies hergibt, ist es ok. Ich als Mama kann das aber kaum abfangen, denn ich bin nicht in der Materie drin. Mir scheint dieses Thema zu komplex für einen einfachen Lesenachmittag.

Hinzu kommt, dass die Autorin meint, von „Schwarzfuß-Indianern“ zu berichten.
Ich habe versucht, herauszufinden, von wem sie redet, doch allein dieses Gebiet ist umfassend genug, um lange darüber berichten zu können.

Dennoch gibt die Lektüre den Kleinen einiges mit:
Sie begleiten Fliegender Stern beim Aufgenommenwerden in den Kreis der Großen; erleben mit, dass er in seiner kindlichen Naivität Verantwortung übernimmt; erfahren, dass nicht alle Menschen einer Gattung nur gut oder böse sind; lesen, dass nicht alle Personen das Leben leben dürfen, wie sie es gerne möchten.

Für mich persönlich wäre das vorliegende Buch nicht die erste Wahl, wenn ich meinem Kind etwas über die Ureinwohner Amerikas erzählen wollen würde. Ich bin gespannt, ob und wie kontrovers es (in 2 Jahren) in der Schule besprochen wird.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 02.01.2025

✎ Bonnie Leben - Eine Bonnie kommt niemals allein

Eine Bonnie kommt niemals allein
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Ich habe mich bereits früh mit dissoziativer Identitätsstörung beschäftigt. Spätestens, als mir „Aufschrei“ von Truddi Chase in die Hände fiel - ein Werk, welches mich bis heute nicht loslässt -, wurde ...

Ich habe mich bereits früh mit dissoziativer Identitätsstörung beschäftigt. Spätestens, als mir „Aufschrei“ von Truddi Chase in die Hände fiel - ein Werk, welches mich bis heute nicht loslässt -, wurde mein Interesse geweckt …

Vor dem vorliegenden Buch kannte ich den Instagramaccount der Bonnie Leben nicht. Ich bin also völlig unbefangen an diese Lektüre herangegangen, ohne Stimmen im Hinterkopf oder jegliche Informationen über ihre Personen.

Anfangs war ich sehr interessiert. Verschiedene Personen kommen zu Wort und sie werden gekennzeichnet, indem man ihren Namen nennt.
Oft habe ich dann in den Anhang geblättert, um zu schauen, welches Alter sie hat, um das Geschriebene irgendwie ein bisschen einordnen zu können.

Nur mit „Emely, ca. 4 Jahre, einsam, im Innen eingesperrt“ hatte ich die ganze Zeit meine Probleme.
Im Vorwort heißt es: »Das kann sich auch in ihrer Rechtschreibung bemerkbar machen. Gerade bei jüngeren Personen haben wir uns dazu entschieden, ihre Texte nur zu korrigieren, wenn es für das Verständnis nötig ist.«
Emely schreibt wie sie spricht. Aber: Wie kommt Emely, die im Innen eingesperrt ist, überhaupt dazu, am Text mitzuwirken? Und wie kann eine ca. 4 Jährige schreiben?

Für mich passt da irgendetwas nicht zusammen bzw. fehlt mir hier einfach ein erklärendes Wort.

Dadurch, dass jede Person, die wollte, ihre Worte zu Papier bringen durfte und das auch einige getan haben, kommt es manchmal zu Wiederholungen. Somit hat sich das Lesen für mich streckenweise in die Länge gezogen.

Dass die Namen nicht erklärbar sind, leuchtet mir ein. Trotzdem habe ich mich manchmal dabei erwischt, mich zu fragen, wie man auf den Namen „46“ (vier sechs) kommt.

Im Anhang gibt es ein Q&A, bei dem oft gestellte Fragen nochmals beantwortet werden. (von wem, wird dabei nicht erwähnt)
Auch Begrifflichkeiten werden aufgegriffen und erläutert.

Im Untertitel heißt es: »Meine Leben mit dissoziativer Identitätsstörung.« In meinen Augen ist es eher ein Aufklärungsbuch für Betroffene und Interessierte. Die Bonnies erzählen zwar viel, doch vor allem bestärken sie. Sie bestärken Betroffene, sich bemerkbar zu machen. Doch sie bestärken ebenso Außenstehende, genau hinzuschauen.

»Schrei nicht erst, wenn du denkst, endlich gehört zu werden.
Schrei, bis du gehört wirst.
Irgendwann wirst du auf Menschen treffen, die auch dein Schweigen verstehen.« (Alice)

©2025 Mademoiselle Cake


weitere Zitate:

»Wir nutzen lieber den Begriff Dissoziative Identitätsstruktur.
Wir sind nicht krank. Wir sind die Folge von kranken Umständen und deshalb anders strukturiert.
Heute unterstütze ich es aber auch, die DIS eine Störung zu nennen.
Es stört uns.
Wir sind nicht gerettet, weil wir viele sind, und nun glücklich und frei.
Wir sind eingeschränkt, weil wir viele sind.« (Fiona)

»Doch die eigene Bedeutungslosigkeit zu spüren, wenn man sich zuvor für den Protagonisten seines Lebens gehalten hatte, war ein Schlag ins Gesicht.« (Isa)

»Wir sind keine Überlebenden. Wir sind schon oft gestorben. Es war danach nur nicht vorbei.« (Ilke)

»Man kann um alte Zeiten trauen, ohne sie sich zurückzuwünschen.
Man darf vermissen, auch wenn es sich falsch anfühlt.
Denn eigentlich vermissen wir nicht unser altes Leben, sondern die Person, die wir hätten sein können, wenn es anders gewesen wäre.« (46)

»Es gibt kein Danach. Nur ein Damit.« (Alice)

»Es ist nie ein Fehler, wenn man sich für sich entscheidet.« (Delia)

»Wer dieses Buch liest und nicht selbst viele ist, lässt sich auf einen Perspektivwechsel ein.
Offenheit und die Fähigkeit, sich selbst zu hinterfragen, sind der Grundstein für eine Verbesserung der Lebensqualität Betroffener.
Wissen kann man schaffen. Die Bereitschaft, es aufzunehmen, muss jeder selbst einbringen.« (Fiona)

»Hilfen sind da, um in Anspruch genommen zu werden.Wenn es sie gibt und es niemanden weh tut, sie zu gewähren, warum gestaltet sich der Weg dorthin oft steinig?« (46)

»Wir zerbrechen innerlich, doch brechen nicht zusammen. […]
Manchmal möchten wir nicht stark sein. Manchmal möchten wir uns weinend in vertraute Arme verkriechen und gesehen werden, während wir uns verstecken.
Lieber möchten wir laut leben und leise weinen, als laut schreien und leise sterben.
Wir leben und das ist alles, was zählt.« (Alice)

»Im Wir zählt jedes Ich. Doch ohne das Wir ist auch das größte Ich machtlos.« (Fiona)

Veröffentlicht am 17.12.2024

✎ Frank Maria Reifenberg - Murmelschreck und der Pantoffelfresser

Murmelschreck und der Pantoffelfresser
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Ja, es darf / muss auch lustige und überspitzte Geschichten geben.
Nein, wir brauchen keine Reproduktion von Klischees und Vorurteilen.

Wenn eine Elfe mit einem Troll und eine Wahrsagerin mit einer Amsel ...

Ja, es darf / muss auch lustige und überspitzte Geschichten geben.
Nein, wir brauchen keine Reproduktion von Klischees und Vorurteilen.

Wenn eine Elfe mit einem Troll und eine Wahrsagerin mit einer Amsel verheiratet sind, eine Frau mit Bart auftaucht und sich zwei Männer ineinander verlieben, dann haben wir schon eine recht bunte und diverse Gruppe. Doch das ist nur ein Bruchteil der Charaktere, die auf dem Rummelplatz arbeiten.
Dracula, der kopflose Ritter, eine Moorleiche, Bruno mit dem Loch im Bauch und viele andere bereichern das Spektakel.

Doch bereits auf den ersten zwei Seiten wird ein Wesen permanent beleidigt. Für uns war das nicht lustig. Wir hatten Mitleid mit ihm.
Hinzu kommen Beschreibungen mancher Persönlichkeiten, die Stereotype darstellen, derer es nicht bedarf.

Auch einige Wortspiele und Erklärungen sind zu umständlich. Da verliert man irgendwann den Faden.
Der ABC-Zauberer hingegen hat uns zu eigenen Sprachspielereien animiert und sehr amüsiert.

Der Verlag vergibt eine Altersempfehlung ab 5. Ich denke, das könnte klappen, doch mehr Spaß werden die Kinder ab Lesealter haben, wenn sie die Wortspielereien selbst erlesen können.
Meine 6-Jährige hatte leider nicht so viel Spaß an den Geschichten. Sie trafen einfach nicht unseren Humor.

©2024 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 13.12.2024

✎ Stefanie Steenken - Anto 2 Eichhörnchenversprechen

Eichhörnchenversprechen
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Anto haben wir bereits in „Eichhörnchenbrüder“ kennenlernen dürfen. Daher waren wir gespannt, wie es mit ihm weiterging. Leider entspricht „Eichhörnchenversprechen“ nicht ganz meinen Vorstellungen …

Von ...

Anto haben wir bereits in „Eichhörnchenbrüder“ kennenlernen dürfen. Daher waren wir gespannt, wie es mit ihm weiterging. Leider entspricht „Eichhörnchenversprechen“ nicht ganz meinen Vorstellungen …

Von einem Kinderbuch ab 4 Jahren erwarte ich, dass es in leichter Sprache geschrieben wurde, verständlich ist und Themen beinhaltet, die in diesem Alter einfach relevant sind.
„Eichhörnchenversprechen“ möchte in meinen Augen zu viel auf einmal …

Bereits mit dem Anfang habe ich so meine Probleme.
Warum Anto auf einmal die Frage „Was ist Liebe?“ stellt, wird Lesenden nicht mitgeteilt.
Was für eine Art von Liebe meint er? Freundschaftliche Liebe? Liebe zwischen Teenagern / Erwachsenen? Liebe zwischen Eltern und Kind(ern)? Da es unendlich viele Möglichkeiten gibt, hätte ich mir bereits zu diesem Zeitpunkt eine klare Einordnung gewünscht.

Anto geht in die Schule und wird demnach um die 6, 7 Jahre sein. Also gingen wir von freundschaftlicher Liebe aus, da auch ziemlich schnell ein neuer Charakter in die Geschichte integriert wird.

Antos (Balz)Verhalten jedoch impliziert, dass dort mehr sein soll.
Am Ende stellte sich für uns dann doch wieder heraus, dass Anto lediglich einen neuen (besten) Freundin suchte. Absolut angemessen und für das Alter nachvollziehbar, doch der Weg dorthin war durch zu viele Sackgassen gekennzeichnet.

Irgendwann wird noch eingebracht, dass Lili zwei Mamas hat. Völlig in Ordnung. So sehen Kinder, dass Liebe zwischen vielen verschiedenen Menschen bestehen kann.
Das Thema ist aber in einen Kontext gepackt, den ich persönlich so nicht gutheißen kann / möchte.
Es wird 1. als „cool“ bezeichnet. (als ob es heißt, Mama und Papa zu haben, nicht cool zu sein) Und dann gibt es noch die Aussage - auf das „Cool“ bezogen -, dass man das nicht den Papa hören lassen soll.
Das ist so in den Raum hinein geworfen, dass selbst ich als Erwachsene erstmal ins Stocken geraten bin.
Als mein Kind dann auch noch fragte, warum die Mama das zu Anto sagt, bin ich ganz verstummt, weil ich einfach keine Erklärung gefunden habe. (die es im Buch auch nicht gibt)

Der Schluss ist mir ebenso ein Mysterium: Wie kann man jemanden versprechen, dass man ihn/sie vermisst, wenn er/sie nicht bei einem ist?

Uns hat „Eichhörnchenbrüder“ deutlich besser gefallen, da der Fokus dort sehr viel deutlicher bearbeitet wurde. In „Eichhörnchenversprechen“ gibt es zu viele Themen, die angeschnitten, jedoch nicht vertieft wurden sind.

©2024 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 05.12.2024

✎ Walko - Hase und Holunderbär 10 Das wunderbare Weihnachtsfest

Hase und Holunderbär - Das wunderbare Weihnachtsfest (Hase und Holunderbär)
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Bis zu „Das wunderbare Weihnachtsfest“ kannte ich die Reihe rund um Hase und Holunderbär nicht. Ob wir sie weiterverfolgen, bin ich mir nicht sicher …

Woher die Tiere (Holunderbär, Ritter Freund (Hase) ...

Bis zu „Das wunderbare Weihnachtsfest“ kannte ich die Reihe rund um Hase und Holunderbär nicht. Ob wir sie weiterverfolgen, bin ich mir nicht sicher …

Woher die Tiere (Holunderbär, Ritter Freund (Hase) ihre Namen haben, wird - zumindest in dieser Ausgabe - nicht erwähnt. Daher stellte sich zurecht bei uns die Frage, was genau ein Holunderbär ist.
Leider findet auch Bodyshaming seinen Platz, indem vom „dicken Jakob“ gesprochen wird. Zum einen spielt die Körperfülle keine Rolle in der Geschichte. Zum anderen fand meine 6-Jährige den Hasen gar nicht dick.

Irgendwie wird auch alles erstmal ins Negative gezogen, bevor dann eine Tat folgt, die etwas Positives hervor bringt. Das fühlte sich jedes Mal wie ein Fingerzeig an, den es nicht benötigte.

Die Traurigkeit von Jakob wird massiv heruntergespielt.

„Sei doch wieder fröhlich, Jakob", sagte der kleine Hase.
„Heute ist Weihnachten! Und du bist unter Freunden, hast genug zu essen und ein Dach über dem Kopf!"

Ihm wird sein Gefühl abgesprochen. Als ob es nicht existieren darf, obwohl er gerade sein zu Hause verloren hat. Nicht einmal sehe oder lese ich, dass jemand Jakob in den Arm nimmt. Ich höre lediglich Vorwürfe und Befehle, was er zu tun oder wie er zu sein hat.

Pädagogisch hat der Text keinen hohen Anspruch. Er soll in erster Linie Spaß machen. Das ist nicht verkehrt, doch der ein oder andere Ausbruch ist in meinen Augen fehl am Platz.

Trotz dieser Kritikpunkte erzählt und illustriert Walko eine gemütliche Weihnachtsgeschichte rund um die Werte Freundschaft, Zusammenhalt und Hilfsbereitschaft.
Besonders haben es uns die Zeichnungen angetan, bei denen wir oft verweilt sind. Es gibt viele Kleinigkeiten, die man bei genauerem Betrachten entdecken kann.

©2024 Mademoiselle Cake