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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.01.2025

besondere Stimmung und Erzählweise

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Der Island-Krimi vermittelt von Beginn an eine tolle Atmosphäre. Man fühlt sich als Leserin sofort mit den Charakteren vertraut und hat das Gefühl, ein Teil der Großfamilie zu sein. Zu Beginn werden die ...

Der Island-Krimi vermittelt von Beginn an eine tolle Atmosphäre. Man fühlt sich als Leserin sofort mit den Charakteren vertraut und hat das Gefühl, ein Teil der Großfamilie zu sein. Zu Beginn werden die einzelnen Familien kurz vorgestellt und schon bald befindet man sich gemeinsam mit der Großfamilie im abgeschiedenen Hotel zur Feier anlässlich des Geburtstages des Familienoberhauptes wieder. Die Stimmung schwankt sehr stark, mal ist sie gut, mal schleppend und anstrengend und zusätzlich fließt der Alkohol in Strömen.
Der Handlungsstrang wird langsam aufgebaut, aber es wirkt unaufgeregt und trotzdem spannend. Interessant finde ich hier, dass nicht die Ermittler
innen und ihre Sichtweise über die Aufklärung des Mordfalles im Vordergrund stehen, sondern die Geschichten der Familienmitglieder. Es werden bestimmte Situationen aus ihrer Sicht geschildert, auch vergangene Ereignisse werden wieder ans Tageslicht geholt und neu betrachtet, vor allem durch das Erfahren von damals nicht bekannten Fakten. Zusätzlich kommt durch die neuen Familienmitglieder etwas Elan in die Feiergruppe und die Ereignisse schaukeln sich hoch. Was ganz harmlos beginnt, wird plötzlich ein großes Thema.
Am Ende werden die einzelnen Familienmitglieder über ihre Sichtweise auf das gemeinsame Wochenende und die Geschehnisse befragt, aber auch hier stehen die einzelnen Personen mit ihren Problemen und Geschichten im Vordergrund und nicht die Ermittlungen. Diese besondere Art, einen Kriminalfall aufzuklären hat mir besonders gut gefallen und die gesamte Stimmung des Krimis war spannend und emotional einbeziehend, sodass man sich als Leser*in involviert fühlt.

Veröffentlicht am 15.01.2025

Revenge

Grenzfall – Ihre Spur in den Flammen
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Der fünfte Fall der Serie mit Alex Jahn und Bernhard Krammer dreht sich diesmal um eine komplizierte Serie an Brandstiftung, mit und ohne Todesfolgen. Inhaltlich ist der Fall zwar in sich abgeschlossen, ...

Der fünfte Fall der Serie mit Alex Jahn und Bernhard Krammer dreht sich diesmal um eine komplizierte Serie an Brandstiftung, mit und ohne Todesfolgen. Inhaltlich ist der Fall zwar in sich abgeschlossen, allerdings würde ich empfehlen, auch die Vorgänger-Teile vorab zu lesen. So reichen beispielsweise die Ergebnisse des vorigen Teiles auch noch in diesen Teil hinein und auch die Hauptcharaktere sind dann schon bekannt, sowie ihre Beziehungen zueinander und ihre Privatleben. Ich finde es schön mitzuerleben, wie sich Charaktere im Laufe der Zeit verändern oder sich Beziehungen verschieben, manche werden enger, manche entfernen sich voneinander. Alexas Freundin Line hat mir in diesem Teil etwas gefehlt, sie kommt zwar kurz zum Einsatz, indem sie Marie nach dem Feuer in ihrem Heim zur Seite steht, ansonsten leider nicht so oft. Wovor sie solche Ängste hat, dass sie sich Alexas Hund Oskar ausborgt, wird ebenfalls nicht geklärt. Dafür nähern sich Alex und Bernhard vorsichtig an, bei ihnen sind die genetischen Merkmale, die sie miteinander verbinden immer augenscheinlicher. Alexa und Florian werden als Team auch stärker, obwohl Florian diesmal sehr mit seinen privaten Problemen beschäftigt ist und Alexa nicht so gut unterstützen kann. Trotzdem deckt sie ihn vor den Vorgesetzten und dies zeigt schon, dass sie nicht mehr in Konkurrenz zueinanderstehen, wie zu Beginn ihrer beruflichen Zusammenarbeit. Bräuche und ländliche Traditionen haben ebenso Platz wie detaillierte Beschreibungen der örtlichen Gegebenheiten, dies gefällt mir sehr gut.
Die Brandfälle und die Aufklärung ist diesmal sehr komplex und verbunden mit Geschehnissen und dramatischen Erlebnissen aus der Vergangenheit, die zwischen den Kapiteln häppchenweise preisgegeben werden und am Ende dann zu einem runden Abschluss finden.

Veröffentlicht am 10.01.2025

düstere Kunstwerke

Das zweite Kind
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Der Thriller hat eine besondere, düstere und einnehmende Grundstimmung, die mir sehr gut gefallen hat. Zudem passen auch das Cover und die Eigenschaften der Charaktere sehr gut dazu. Das Flair der Toskana ...

Der Thriller hat eine besondere, düstere und einnehmende Grundstimmung, die mir sehr gut gefallen hat. Zudem passen auch das Cover und die Eigenschaften der Charaktere sehr gut dazu. Das Flair der Toskana zeigt sich diesmal von einer anderen Seite, auch die Intrigen, Bestechungen und Vertuschungen innerhalb des Polizeiapparates und der reichen Elitegesellschaft werden aufgezeigt. Valentina kämpft lange Zeit fast allein gegen Windmühlen, einzig Costa ist zeitweise an ihrer Seite und ein junger Polizist, der noch neu und unerfahren im Dienst ist. Interessant ist es zu sehen, wie sie gerade trotz der Hürden nicht aufgibt und aus sich herauswächst, sich an brisante Themen traut und dies unter höchster Lebensgefahr.
Die Verbrechen selbst, die sich an der „Kunst“ orientieren, sind äußerst grausam, unvorstellbar für die beteiligten Familien und Hinterbliebenen, aber auch genau und gut ausgetüftelt und konstruiert, also in gewisser Weise auch „Kunstwerke“.
Ich hatte zuerst meine Bedenken, ob der Thriller, die schon am Anfang aufgebaute Spannung und Grundstimmung auch über das Ausmaß und die Länge des Buches durchhalten kann, aber diese Bedenken waren unbegründet. Es kommen kaum Längen oder Wiederholungen vor und auch die Grausamkeiten werden von Situation zu Situation immer wieder getoppt. Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen, hauptsächlich aufgrund der Stimmung, aber auch aufgrund der authentischen Charaktere und der ungewöhnlichen Szenarien und Herangehensweisen.

Veröffentlicht am 15.12.2024

gesellschaftskritischer Roman zum Nachdenken

Wo der Wald beginnt
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Der Gesellschaftsroman beginnt ruhig und beschreibend mit Alltagssituationen aus dem Leben von Kim in Berlin und ihrer Freundin Anne, die aufs Land gezogen ist. Mit der Zeit wird die Stimmung allerdings ...

Der Gesellschaftsroman beginnt ruhig und beschreibend mit Alltagssituationen aus dem Leben von Kim in Berlin und ihrer Freundin Anne, die aufs Land gezogen ist. Mit der Zeit wird die Stimmung allerdings immer bedrückender und ernster und auch die Themen werden hitziger. Anne und ihre Familie kapseln sich von der Dorfgemeinschaft ab, haben einen hohen Zaun um ihr Haus errichtet und fürchten sich vor dem Wolf, der vielleicht im Wald herumstreunt, aber genauso vor dem Neuen und vor ihnen fremden Leuten. Anne ist bei ihrem kurzen Besuch den Dorfbewohner*innen gegenüber offener und findet sogleich Gesprächsthemen und versucht Anne und ihre Familie zu integrieren. Doch mit der Zeit bemerkt sie, dass sich Anne verändert hat oder vielleicht war sie schon immer anders als sie und hat es nur damals nicht so zum Ausdruck gebracht? Die vormals gemeinsamen Visionen sind zerplatz, Anne hat nun komplett andere Ziele oder hat sie ihre Ziele aufgegeben? Auch die Freundschaft von Anne und Kim wird auf eine harte Probe gestellt und die lange überfällige Aussprache wird endlich in Angriff genommen. Der Roman zeigt sehr gut, wie wir uns vor gewissen Dingen zu drücken versuchen, uns hinter Ausreden verstecken und die Konfrontation mit unangenehmen Situationen scheuen. Wenn man hinter die Kulissen blickt, dann sind Menschen oft ganz anders als es den Eindruck erweckt. Ein intensiver und sehr schön geschriebener, gesellschaftskritischer Roman, der Zum Nachdenken anregt.

Veröffentlicht am 13.12.2024

Wohnfamilie

Wohnverwandtschaften
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Vier Personen, unterschiedlich alt, in verschiedenen Berufen und mit völlig unterschiedlichen Sichtweisen auf das Leben, wohnen als Erwachsene in einer WG zusammen und unterstützen sich bei ihren Alltagsproblemen. ...

Vier Personen, unterschiedlich alt, in verschiedenen Berufen und mit völlig unterschiedlichen Sichtweisen auf das Leben, wohnen als Erwachsene in einer WG zusammen und unterstützen sich bei ihren Alltagsproblemen. Mir gefällt es sehr gut, dass die einzelnen Situationen aus der Sicht der vier Charaktere geschildert werden und teilweise auch eine Situation von mehreren Personen unterschiedlich wahrgenommen wird. Spannend ist hier auch, dass die Autorin jeder Person den eigenen Platz gelassen hat und niemand dominiert, sondern alle vier etwa gleichwertig gesehen werden. Der Roman behandelt unter anderem auch das Thema Demenz auf sensible, einfühlsame Weise und zeigt zu Beginn die schönen Seiten, aber dann immer mehr die nicht so schönen und traurigen Seiten auf. Jörg, dem die Wohnung gehört, verschwindet immer schneller in die Erkrankung seiner Demenz und seine drei Freunde kümmern sich rührend um ihn und ermöglichen ihm eine fast normale Teilhabe am Alltagsleben. Doch mit der Zeit wird es immer schwieriger und sie stellen sich die Fragen: Wie lange kann es so noch weitergehen und was passiert danach? Das Ende ist bewusst offengehalten, sodass man als Leser*in selbst interpretieren und die Gedanken schweifen lassen kann. Der Roman ist sehr schön geschrieben, aber auch sehr emotional aufwühlend und traurig.