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Veröffentlicht am 14.02.2025

Wahrheiten einer Ehe

Es geht mir gut
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„Es geht mir gut“ von Jessica Anthony wurde aus dem Amerikanischen übersetzt von Andrea Stumpf und Gabriele Werbeck.
Verlag: Kein&Aber

Die Autorin erzählt in ihrem Roman über eine Ehe im Jahr 1956.
Virgil ...

„Es geht mir gut“ von Jessica Anthony wurde aus dem Amerikanischen übersetzt von Andrea Stumpf und Gabriele Werbeck.
Verlag: Kein&Aber

Die Autorin erzählt in ihrem Roman über eine Ehe im Jahr 1956.
Virgil hatte sich im Krieg den Knöchel verstaucht, jedoch die Lüge eines gebrochenen Knöchels daraus gemacht, und nutze die Chance nach Hause geschickt zu werden. Er hinkte noch etwas, um bei den Mädchen Eindruck zu schinden und lernte auf Krücken gestürzt die große, schlanke und erfolgreiche Tennisspielerin Kathleen in der Bibliothek der University of Delaware kennen.
Kathleen wusste schon damals, dass er ein Schwindler war.

Die beiden heirateten und führten von Beginn an eine Ehe mit Geheimnissen, Lügen, Täuschungen und unerfüllten Sehnsüchten. Die Autorin lässt uns einen schonungslosen Blick auf die fragile Dynamik der Ehe werfen, die auf unausgesprochenen Wahrheiten beruht. Jessica Anthony zeigt uns durch ihre präzise Sprache und subtile Beobachtung ein tiefgründiges Porträt einer Ehe.

Die Komplexität menschlicher Beziehungen wird durch diesen Tag im November aufgezeigt. Kathleen steigt in den Pool und verlässt diesen nicht mehr. Im Wasser treibend, aufgedunsen und doch unglaublich klar lässt sie ihr Leben Revue passieren. Und stellt sich die Frage, ob es so bleiben soll?
Aber zuerst muss Virgil sprechen, er bekommt seine Chance zuerst die Wahrheit zu sagen. Kathleen hat mehr Ausdauer und die Dinge werden sich ändern, ob sie es will oder nicht.

„Kathleen war noch nicht bereit, aus dem Pool zu steigen. Sobald sie draußen war, würde alles wieder so sein wie immer, normal, und normal war nicht mehr länger hinnehmbar.“ (Pos. 1559)

Virgil kümmert sich nicht ernsthaft um seine Frau, geht dem gewohnten sonntäglichen Kirchgang und Golfspiel nach. Er versucht verzweifelt seine Ehe aufrecht zu halten. Seine Frau soll funktionieren, er liebt sie und doch lässt ihn dieser Tag nachdenken. Er möchte endlich die Wahrheit sagen, die Vergangenheit aufarbeiten und in die Zukunft blicken. Er war bereit oder?

Die Autorin zeichnet ein einfühlsames und zugleich unbehagliches Buch. Die Geschichte dieser Ehe zeigt auf, wie schwer es ist, die Wahrheit in Beziehungen zu finden oder zu akzeptieren.

Ich habe das Buch in einem Ruck durchgelesen, der Schreibstil war klar und präzise, die Charaktere gut ausgearbeitet und die Tatsache, dass sich alles an diesem einen Tag abspielt sehr faszinierend und unglaublich gut zur Geltung gebracht. Eine Beziehung aus dem Jahr 1956 und doch nicht in der Vergangenheit behaftet.

Jessica Anthony zeigt mit diesem schmalen Roman auf, dass unter der Oberfläche alltäglicher Beziehungen oft ein ganzes Universum an Emotionen, Geheimnissen und Lügen verborgen liegt.

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Veröffentlicht am 16.12.2024

Gute Unterhaltung

Nachtwald
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„Nachtwald“ ein Thriller von Triona Walsh wurde übersetzt von Birgit Schmitz und gelesen von Christiane Marx
Verlag: Fischer
Hörbuchdauer: 11 Stunden und 7 Minuten
Hörbuchverlag: Argon Verlag

Der spannende ...

„Nachtwald“ ein Thriller von Triona Walsh wurde übersetzt von Birgit Schmitz und gelesen von Christiane Marx
Verlag: Fischer
Hörbuchdauer: 11 Stunden und 7 Minuten
Hörbuchverlag: Argon Verlag

Der spannende Prolog gleich zu Beginn des Buches zieht mich als Hörer:in in den Bann. Was ist passiert und warum werden Lizzy und ihre Mutter wie Wild durch den Wald gejagt?

Lizzy wurde nach Monaten trocken aus der Entzugsklinik entlassen; ihre Mutter Claire, ihr Bruder Liam und George, der neue Mann ihrer Mutter, holen sie ab, um ein Familienwochenende in Butler Hall, dem Familienbesitz von George zu verbringen. Unverhofft taucht dort auch seine Tochter Freya mit ihrem frisch angetrauten Ehemann Hudson auf. Das Herrenhaus ist teilrenoviert und liegt tief im Wald. Es ist nur zu Fuß erreichbar und komplett von der Außenwelt abgeschnitten. Handyempfang hat man nur bedingt am Ende des weitläufig Grundstücks.

Ein ungebetener Gast erscheint und als am nächsten Morgen eine Leiche entdeckt wird, steht fast jeder in Verdacht. Doch zu Lizzy‘s Entsetzen möchte man den Mord vertuschen und hier sind alle einer Meinung. Was passiert auf Butler Hall? Warum benimmt sich ihr Bruder Liam so komisch?
Lizzy steht vor einem Rätsel und als sie ein Gespräch belauscht, versucht sie verzweifelt ihre Mutter zur Abreise zu bewegen. Doch Claire glaubt Lizzy nicht und hat selbst ein Geheimnis zu verbergen.

Lizzy findet alte Briefe der Familie Butler und entdeckt dort sorgfältig verborgen einen Mord. Ihr Unbehagen wird immer größer, die Angst vor George setzt ihr sehr zu. Hat er die Briefe versteckt? Hat er diese als Vorlage für seine Zwecke genutzt?
Wie steht dies alles in Zusammenhang und warum bleiben alle anderen Besucher des Herrenhauses so ruhig?

Die Autorin hält von Beginn an den Spannungsbogen weit oben. Das Setting und die düstere Atmosphäre ziehen mich in die Story. Triona Walsh beschreibt uns einen dunklen Ort im
Wald, ohne Netz, mit nur einer bestimmten Auswahl an Personen und einem Mord. Niemand kann entkommen, es gibt keine Gelegenheit zur Flucht. Durch den dunklen Wald ohne Ortskenntnisse ist zu riskant. Die Zivilisation ist weit entfernt und genau diese Situation nutzt die Autorin und schürt die Angst.

Sie stellt die Charaktere sehr authentisch dar, die Protagonisten sind alle undurchschaubar und niemand kann dem Gegenüber vertrauen.
Der Thriller wird mit sehr vielschichtigen, raffinierten, aber auch sehr gewagten und teils nicht schlüssigen bzw. nachvollziehbaren Plots aufgewertet.
Im Finale wurde nochmals sehr viel eingefügt und meines Erachtens machte dies den Thriller eher unglaubwürdig. Sehr schade, deshalb ein Punkt Abzug.

Wer gerne düstere Thriller in einem abgelegenen Setting bevorzugt ist hier genau richtig.
Triona Walsh zieht bis zuletzt die Fäden, die Irreführungen werden aufgelöst.

Die Sprecherin Christiane Marx konnte sehr gut die düstere Atmosphäre vermitteln. Ihre ruhige Art zog mich als Hörerin tief in die Story.

Mit diesem Thriller wurde ich sehr gut unterhalten.

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Veröffentlicht am 29.11.2024

Berührende Geschichte

Das kleine Café der zweiten Chancen
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„Das kleine Café der zweiten Chancen“ von Shiori Ota, aus dem Japanischen von Anemone Bauer.
Verlag: Droemer

Die Autorin schreibt einen berührenden Roman über ein kleines, unglückliches Mädchen, welches ...

„Das kleine Café der zweiten Chancen“ von Shiori Ota, aus dem Japanischen von Anemone Bauer.
Verlag: Droemer

Die Autorin schreibt einen berührenden Roman über ein kleines, unglückliches Mädchen, welches eine großartige Klavierspielerin werden sollte. Als kleines Kind konnte das Mädchen, Himari Misaki, nach Gehör alles nachspielen und wurde ein „Wunderkind“ genannt. Klavierspielen machte ihr Spaß, aber leider verlor sich ihre Gabe nach der Grundschule.
Die Mutter weigerte sich, dies hinzunehmen und schickte das kleine Mädchen alleine nach England in ein Musikinternat. Bis ein schrecklicher Unfall passierte, welcher dem Mädchen die Finger der linken Hand fast abriss. Die Finger konnten angenäht werden, doch eine Karriere als Klavierspielerin war vorbei. Das Mädchen durfte wieder zurück zu ihrer Mutter nach Japan reisen.

Der erste Tag in der neuen Schule verunsicherte das Mädchen. Auf dem Schulweg kam sie mit einer sonderlichen alten Frau ins Gespräch. Diese machte ihr Mut und der erste Schultag wurde wider Erwarten gut. Das Mädchen wollte die alte Dame Sugiura-san wieder besuchen, aber anstatt deren Haus, findet sie einen Parkplatz vor. Sie erinnert sich daran, dass die Dame von einem Café sprach und machte sich auf die Suche.

Tase Hayari und Herr Higure führen gemeinsam das Café Tacet, in welchem man bei einem „French Press“, ein Kaffee, der nach dem berühmten Werk 4‘33 von John Cage benannt wurde, in die Vergangenheit reisen darf. Die Mischung ist perfekt für diese Zeitspanne, das heißt in 4 Minuten und 33 Sekunden hat man Zeit, die Vergangenheit zu ändern.

Der erste Kaffee geht an Herrn Kobayashi, der Zeit seines Lebens und vor allem im Leben seiner Frau versäumte, ihr den Wunsch nach einem Blumenstrauß zu erfüllen. Heute bringt er Blumen an ihr Grab und grämt sich, dass er ihr den Wunsch nicht erfüllte.

Der zweite Kaffee geht an eine wunderschöne, jedoch verbitterte Frau, die sehr abfällig über andere spricht.

Die dritte Tasse bekam die Konditorin Frau Takanashi, die zwecks falschen Kindheitserinnerungen und einem toxischen Elternhaus, schmerzlich ihre Mutter vermisst.

Die vierte Tasse bekam Ryuta, der Bruder ihrer Freundin Tsukko Kazami und mit dieser Reise veränderte sich alles für das Mädchen Himari. Denn auch sie ist eine „Zeitwächterin“ , die selbst ihre Vergangenheit nicht ändern kann und auch in andere Vergangenheiten nicht eingreifen soll.
Was dies für Auswirkungen haben kann, werden ihr schmerzlich aufgezeigt.

Poetisch und ruhig erzählt Shiori Ota über die verschiedenen Schicksale und deren Verlangen, etwas zu verändern oder eben nicht. Nicht jeder will die Zukunft ändern, wenn er Gelegenheit dazu hat. Sehr atmosphärisch wird das Café und dessen Besitzer:in beschrieben. Die Charaktere der einzelnen Personen konnte die Autorin feinfühlig und intensiv beschreiben.
Der Roman inspiriert die Leser:in über Versäumnisse nachzudenken. Kleine Entscheidungen können uns einen ganz anderen Weg aufzeigen.
Die Autorin verarbeitet mit der Reise in die Vergangenheit die Gefühle der Reue, des Schmerzes und der Ängste. Eine Veränderung in den 4 Minuten und 33 Sekunden ergeben in der Gegenwart ein anderes Leben. Nichts bleibt, wie es war und auch diese Einmischung in das vergangene Leben sollte wohl überlegt sein. In klaren Worten und kurzen Sätzen nimmt uns die Autorin mit auf eine wundervolle, berührende Reise. Wäre es wirklich wünschenswert die Vergangenheit zu ändern?

Als Leser:in roch ich den bitteren Kaffeeduft, konnte mich im Café wohlfühlen und die Atmosphäre aufsaugen und doch wünschte ich mir, mehr über die einzelnen Protagonisten und das Mädchen mit der „kaputten“ Hand zu erfahren.

Ein Leseerlebnis, welches zum Nachdenken anregt.

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Veröffentlicht am 19.11.2024

Emotionales Hörbuch

Dem Sturm entgegen
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„Dem Sturm entgegen“ von Cecelia Ahern, Übersetzer: Ute Brammertz und Carola Fischer; gelesen von Sandrine Mittelstädt. 

Verlag: Osterwold Audio

Dauer: 11 Stunden 27 Minuten

Der Schicksalsroman von ...

„Dem Sturm entgegen“ von Cecelia Ahern, Übersetzer: Ute Brammertz und Carola Fischer; gelesen von Sandrine Mittelstädt. 

Verlag: Osterwold Audio

Dauer: 11 Stunden 27 Minuten

Der Schicksalsroman von Cecelia Ahern berührt mich als Hörbuchhörerin und die tiefen Emotionen von Schuld, Verlust und Trauer sind greifbar.

Die Ärztin Enya ist mit ihrem Fahrzeug in einer Dezembernacht auf dem Nachhauseweg. Es regnet, die Sicht ist auf der kurvenreichen Straße sehr schlecht. Ein Mann winkt plötzlich auf der verlassenen Bergstraße, ein Junge liegt verletzt auf der Strasse. Enya versucht den Jungen, der sie unglaublich an ihren Sohn Finn erinnert, wiederzubeleben. Der Teenager liegt nun im Koma. 


Man fahndet immer noch nach dem flüchtigen Fahrer.

Enya wird seit dieser Nacht von heftigen Emotionen überwältigt, die Vergangenheit holt sie ein und ihre Ängste lassen die Ärztin fliehen.

Enyas Mutter ist mit 47 Jahren beim Schwimmen im Meer an einem Herzinfarkt gestorben. Sie selbst ist bald in diesem Alter und kämpft mit ihren Ängsten: Wird sie auch sterben? Wie kann sie ohne den Wegweiser, dem Vorbild ihrer Mutter weiterleben?

Diese Ängste schnüren ihr die Kehle zu, sie bekommt keine Luft und Panikattacken breiten sich in ihr aus. Um den vermeintlichen Verlust für ihre geliebten Menschen erträglich zu machen, zieht sich Enya vorsichtshalber zurück.

In einem Dorf wird dringend Ersatz für eine Landarztpraxis gesucht. Ihr Vorgänger überlässt ihr sein Haus mit einem uralten Rag Tree Baum. Der irische Wunschbaum zieht Menschen aus allen Teilen der Welt an und die irischen Traditionen veranlassen Enya, sich der Vergangenheit und dem Verlust ihrer Mutter zu stellen. Diese war tief verwurzelt mit der Spiritualität der irischen Mythologie.

Auf dem Weg durch die Trauer, der Ängste und auch der Hoffnung findet Enya einen Weg, ihren Sohn wiederzugewinnen. Dieser lebt bei seinem Vater in Dublin und er versucht ihn vor Enya zu beschützen, von ihren Panikattacken fernzuhalten. Und doch geht er einen Schritt zu weit, Finn ist kein Kleinkind mehr. Er kann ihn nicht von seiner Mutter fernhalten, nicht sein Leben koordinieren.

Finn trägt ein schrecklich belastendes Geheimnis in sich und besucht seine Mutter.
Oder ist er nur wegen dem Rag Tree gekommen? Er fleht den Baum an, seinen Wunsch zu erfüllen. Dieser hat mit dem verletzten Jungen, seinem Klassenkameraden Ross zu tun.

Tiefgründig und sehr sensibel werden die Themen Trauer, Verlust und Ängste in diesem stürmischen, emotionalen Buch behandelt. Hoffnung, Vertrauen und Mut wird aufgezeigt und nur die Wahrheit wird inneren Frieden bringen. Jedes Geheimnis und jedes verschwiegene Wort zieht uns in ein Konstrukt aus Lügen, welches uns immer tiefer ins Dunkel zieht.

Die Autorin versteht es fabelhaft die Geschehnisse fesselnd und detailliert mitzuteilen. Der flüssige, packende Schreibstil und die warme, angenehme Stimme von Sandrine Mittelstädt lassen mich als Hörerin nicht los. Obwohl es immer wieder düstere Abschnitte gibt, konnte Cecelia Ahern die Hoffnung immer wieder durchscheinen lassen.

Ein berührendes, emotionales (Hör-)Buch, welches ich gerne empfehle.

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Veröffentlicht am 11.11.2024

Außergewöhnliches Buch

Es sind nur wir
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„Es sind nur wir“ von Martin Peichl
Verlag: Haymon
In diesem Roman, erzählt in der Ich-Form des namenlosen Protagonisten, handelt von einem Informatik-Lehrer, der durch den Suizid seines Schülers Paul ...

„Es sind nur wir“ von Martin Peichl
Verlag: Haymon
In diesem Roman, erzählt in der Ich-Form des namenlosen Protagonisten, handelt von einem Informatik-Lehrer, der durch den Suizid seines Schülers Paul aus der Bahn geworfen wird. Seine Schuldgefühle und seine Trauer nehmen überhand, sein Leben wird immer ausschweifender. Er beginnt abstruse Affären, setzt Sex-Beziehungen unter Alkoholeinfluss fort und überlebt als Entwickler von Computerspielen. Auch arbeitet er sporadisch an einem „Wörterbuch der Verluste“ , welches er auf Karteikarten festhält. Er versucht herauszufinden, auf wie viele Arten man scheitern kann.
Mascha ist Biologin und Prepperin; sie breitet sich in einem Haus mit Bunker am Waldrand auf das Unausweichliche vor.
Eine Füchsin besucht Mascha, das Haus und ihn. Die Füchsin kommt und geht, Mascha beschützt das Tier vor Jägern und die drei gehen eine ungewöhnliche Beziehung ein. Er kommt immer wieder zurück zu Mascha. Ihre Art, ihre Gedanken und unrealistischen Aktionen lassen ihn nicht mehr los. Die beiden ziehen sich immer öfter zurück in das Haus, in den Bunker.
Zwischenzeitlich leert sich die Wohnung unseres Ich-Erzählers in der Stadt; sein Besitz wird immer weniger, nur seine sexuellen Ausschweifungen kann er noch nicht unterbinden.
Der Autor beschreibt in poetischer Sprache ein Szenario des Verlustes, der Obsession und der Trauer. Über eine Welt, die wir nicht sehen möchten; von den Tieren und ihrem Nutzen. Er beschreibt den Kreislauf des Lebens in einer Welt voller Katastrophen, Krisen, Ängsten und Verlusten. Real und surreal wird in flüssigem Schreibstil erzählt, Kapitel um Kapitel zieht uns der Autor in den Bann dieser unglaublichen, fantastischen und zugleich surrealen Geschichte.
Mascha und der Lehrer finden auf ihre Art zusammen und nur die Füchsin findet noch den Weg zu den beiden. Überlebt der namenlose Protagonist den angeblichen Weltuntergang? Nur die Füchsin erhält Gewissheit, doch kratzt die tagelang an der Metalltür und niemand öffnet.
Zwischendrin spürt man die Liebe des Erzählers zur dementen Mutter, zu den Frauen in seinem Leben und Paul, dem jungen, der zu früh gestorben ist.
Martin Peichl beschreibt uns einen Alltag mit Verlusten, den aktuellen Themen des Klimawandels und das politische Geschehen mit seinen Kriegen auf der Erde. Das Ende lässt der Autor geschickt offen, die Gedanken der Leser:innen sind frei und man spekuliert, was nun tatsächlich geschah.
„Wie aber nennt man Das Gegenteil von Massenhysterie, wenn die Welt jeden Tag ein Stück weiter untergeht, wir unbeirrt weitermachen mit dem, was schon seit Jahren nicht mehr funktioniert, wie nennt man diese Ruhe, auf die kein Sturm folgt, nur noch Stille, wie? Vielleicht haben wir noch nicht die Sprache gefunden für das, was uns bevorsteht.“ (Seite 49)
Sehr beeindruckend erzählt mit einem eigenwilligen, unterhaltsamen Schreibstil fesselt der Autor die Leser:innen an die Erzählung.
Realität oder traumhaft-unwirklich, wer kann das schon beurteilen. Mir liegt es fern, hier eine Wahrheit zu finden; ich kann nur sagen, es ist ein außergewöhnliches Buch.

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