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Veröffentlicht am 06.01.2025

Viel Inhalt auf nur wenigen Seiten

Triebwasser
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In diesem nur 175 Seiten langen Roman von Sandra Altmann steckt jede Menge Inhalt. Die Autorin hat sich rund um das historisch belegte Ereignis um den Bau des Kraftwerkes am Walchensee eine sehr authentische ...

In diesem nur 175 Seiten langen Roman von Sandra Altmann steckt jede Menge Inhalt. Die Autorin hat sich rund um das historisch belegte Ereignis um den Bau des Kraftwerkes am Walchensee eine sehr authentische fiktive Geschichte ausgedacht, die leichte Krimielemente birgt.

Wir sind kurz nach dem ersten Weltkrieg im fiktiven bayrischen Dorf Desselgrub. Die Einwohner stehen dem Bau des neuen Kraftwerkes mehr als skeptisch gegenüber. Das Elektrizitätskraftwerk soll auch in das Tal endlich elektrischen Strom bringen. Doch die alteingesessenen Dorfbewohner wollen weder Strom, noch Zuzügler. Alte Bräuche, Aberglaube und harte Arbeit spielen in Desselgrub die Hauptrolle und Neuerungen sind nicht gern gesehen. Kompromissloses Festhalten am Althergebrachten ist im Bergdorf Alltag. Genauso möchte man auch keine Menschen im Dorf haben, die "nicht hierher gehören".

Sandra Altmann gelingt ein sehr authentischer Einblick in das schwere und harte Leben in einem abgeschiedenen Bergdorf kurz nach dem Ende des ersten Weltkrieges. Während die Kinder trotz Hilfe am Hof noch Kinder sein dürfen, werden die Erwachsenen schnell in das enge Korsett gezwungen. Wenn man nicht in die Dorfgemeinschaft passt, hat man es schwer. Der Ton ist rau und hart.

Der Schreibstil ist der damaligen Zeit angepasst. Die Autorin beschreibt die Gegend und vor allem die verschiedenen Charaktere wahnsinnig bildhaft und lebendig. Man findet sich als Leser schnell mittendrin in der dörflichen Gemeinschaft, deren Los harte Arbeit ist. Der mühsame Alltag voller Plackerei und der Aberglauben, der Anfang des 20. Jahrhunderts noch in den Bergdörfern herrscht, ist jederzeit greifbar.
Wir lernen einige der Familien aus Desselgrub besser kennen und ich muss zugeben, dass mir nur wenige sympathisch waren. Vieles ist mir aus anderen historischen Romanen bekannt, einiges kenne ich noch selbst und andere Verhaltensweisen kann ich so gar nicht nachvollziehen.

Zum Ende hin spitzt sich die Lage im Dorf immer mehr zu und man spürt das drohende Unheil kommen. Dieses kommt schlussendlich aber aus einer ganz anderen Richtung, als gedacht....

Fazit:
Viel Inhalt auf wenigen Seiten, tolle Charakterdarstellungen und ein überraschendes Ende machen diesen historischen Roman zu einer tollen Unterhaltung. Ich hätte mir allerdings noch ein paar Seiten mehr gewünscht und ein paar Fakten zum Ende, welches ein paar Fragen offen lässt.

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Veröffentlicht am 04.01.2025

Komplexer und spannender Krimi

Der Zögling
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In Cumbria tötet ein Serienmörder ältere Männer in Steinkreisen. Dabei foltert er sie und lässt sie bei lebendigen Leibe verbrennen. Bei seinem dritten Opfer wird durch eine spezielle Untersuchung der ...

In Cumbria tötet ein Serienmörder ältere Männer in Steinkreisen. Dabei foltert er sie und lässt sie bei lebendigen Leibe verbrennen. Bei seinem dritten Opfer wird durch eine spezielle Untersuchung der spärlichen Reste der Name "Washington Poe 5" gefunden, den er dem Opfer anscheinend vorher eingeritzt hat. Der Name gehört einem Detective bei der SCAS, der Serious Crime Analysis Section, der zur Zeit suspendiert ist. Seit 18 Monaten läuft eine interne Ermittlung gegen ihn. Nun wird er in den Polizeidienst zurückbeordert. Ist er womöglich das fünfte Opfer?

"Der Zögling" wird bei uns als Vorgeschichte zu "Der Botaniker" angeführt, welcher zuerst auf Deutsch übersetzt wurde. Im Englischen ist jedoch "Der Zögling" eindeutig der erste Band und überraschender Weise ist "Der Botaniker" bereits der fünfte Band der Reihe. Warum der Verlag die Thriller nicht der Reihe nach übersetzt hat, ist mir ein Rätsel. Aber ähnliches gab es ja auch schon bei den Büchern von Steve Cavanagh. Ich bin jedoch froh, dass ich nun mit dem ersten Band angefangen habe und Washington Poe kennenlerne.

Der Fall rund um den Serientäter, der seine Opfer verbrennt, ist komplex. Der Mörder ist den Ermittlern immer eine Stück voraus und der Plot ist grandios ausgedacht. Bis man erkennt, wie die Morde zusammenhängen und welches Konstrukt dahintersteckt, dauert es, denn der Autor hat zahlreiche Twists eingebaut. Der Hintergrund ist erschreckend und brutal.

Die Charaktere sind teilweise eigenwillige Persönlichkeiten. Washington Poe ist ein Einzelgänger, ein großartiger Ermittler, aber er nimmt auch kein Blatt vor den Mund. Außerdem schert er sich nicht im Geringesten um Gesetze. Gerechtigkeit ist ihm wichtig. Sein erstes Zusammentreffen mit Tilly Bradshow läuft nicht ganz so, wie gedacht....
Daraus entwickelt sich jedoch eine ganz besondere Freundschaft und die beiden werden ein richtig tolles Ermittlerteam. Die Dynamik zwischen Washington und Tilly hat mir richtig gut gefallen.

Mit Tilly Bradshow hat der Autor einen tollen und sehr interessanten Charakter entworfen. Während ihre zwischenmenschlichen Fähigkeiten sehr unterentwickelt sind, ist sie als Datenanalystin eine echte Koryphäe. Sie zeigt autistisches Verhalten und nimmt alles wortwörtlich. Ihre Entwicklung hat mir besonders gut gefallen.
Aber auch die anderen Figuren wurden lebendig beschrieben und man konnte sich ein gutes Bild der Charaktere machen. Das Setting in Cumbria war ebenfalls bildhaft dargestellt und ich konnte mir die raue Landschaft im Norden Großbritanniens sehr gut vorstellen.
Trotz einiger sehr grausam beschriebenen Szenen kommt auch der trockene englische Humor durch, den ich sehr mag.

Der Schreibstil ist fesselnd und atmosphärisch. Probleme hatte ich jedoch mit dem Wort "Brandopferer". Gibt es das Wort im Deutschen überhaupt? Ich bin jedes Mal beim Lesen irgendwie darüber gestolpert und es hat mich aus dem Lesefluss gerissen.

Am Ende wird es rasant und die Lage spitzt sich zu. Der Spannungsbogen führt stetig bergauf und man legt den Thriller nur schwer weg.

Fazit:
Ein klassischer Ermittlerkrimi mit grausamen Sequenzen, einem komplexen Plot und einigen Twists, die überraschen. Ich werde in der Reihe sicher weiterlesen und empfehle "Der Zögling" gerne weiter.

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Veröffentlicht am 21.12.2024

Wichtiger Beitrag #gegendasvergessen

Suche liebevollen Menschen
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In diesem Buch erfahren wir mehr über eine etwas andere Art der Kinderverschickung in den 1930iger Jahren. Vielen von euch, die sich mit der Zeit des Zweiten Weltkrieges beschäftigen und auch darüber lesen, ...

In diesem Buch erfahren wir mehr über eine etwas andere Art der Kinderverschickung in den 1930iger Jahren. Vielen von euch, die sich mit der Zeit des Zweiten Weltkrieges beschäftigen und auch darüber lesen, wissen Bescheid über die ersten Kinderverschickungen nach Großbritannien.

Doch schon zuvor waren einige jüdische Eltern klug und haben, wie die Großeltern von Journalist Julian Borger, im "Manchester Guardian" Kleinanzeigen geschaltet. Sie suchten nach Menschen, die ihre Kinder aufnehmen, um sie vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Sicherheit zu bringen. Obwohl sie ahnten, dass sie ihre Kinder eventuell nie mehr wiedersehen würden...

Ein kleiner Teil dieser Kleinanzeigen wurde auch für den Titel des Buches ausgewählt ("Seek a kind person, who will educate my intelligent Boy, aged 11, Viennese of good family. Borger 5/12 Hintzerstrasse, Vienna 3)
Im Jahre 1938 hat sein Großvater Leo genau diesen Text für seinen Sohn Robert Borger gewählt. Nach dem Tod seines Vaters Robert 1983 hat sich Journalist Julian Borger auf die Spurensuche betreffend seiner Familiengeschichte begeben. Niemand in der Familie wusste über seine Zeit als jüdisches Kind in Wien und sein Leben nach der Ankunft in Großbritannien. Julian Borger recherchierte akribisch. Dabei erfuhr er auch über dieses Inserat seines Großvaters und beginnt nachzuforschen. Im Verlauf seiner Recherche versuchte er mehr über die Schicksale der weiteren sechs Kinder herauszufinden, die am selben Tag in den Kleininseraten im "Manchester Guardian" ausgeschrieben wurden. Dies war alles andere als einfach und hat gedauert. Borger hat nach den Nachkommen der damaligen Kinder gesucht und versucht Kontakt aufzunehmen.
Was alle damaligen Kinder ihr ganzes Leben lang "verfolgte", war die "Schuld des Überlebens". Gleichzeitig fühlten sie sich auch unwürdig gegenüber Überlebenden aus den Konzentrationslagern, weil sie relativ sicher den Holocaust überlebt haben. Diese Traumata führten auch zum Selbstmord von Borgers Vater.

Was mir doch einige Schwierigkeiten bereitet hat, waren Julian Borgers oftmalige Wechsel von Personen und Zeit. Oft schwenkt der Autor mitten in seiner Erzählung von einer Person zu einer anderen und streut Fakten aus deren Leben ein. Das verwirrt zusätzlich, nachdem die Erzählungen auch zeitlich nicht chronologisch sind. Man benötigt deshalb hohe Konzentration und trotzdem sind mir oftmals die Schicksale mancher Menschen durcheinander gekommen. Trotz der wirklich akribischen Recherche und den berührenden Schicksalen, konnte ich deswegen manches Mal keine wirkliche Beziehung zu einigen der Figuren herstellen. Diese abrupten Wechsel und sich ins uferlose Verlieren, nimmt der biografischen Erzählung etwas an Tiefe. Das hätte vermieden werden können. Trotzdem sind die Erzählungen berührend. Man möchte sich gar nicht vorstellen, dass man seine eigenen Kinder alleine auf den Weg in ein fremdes Land schickt, deren Sprache sie nicht sprechen und sich einer ungewissen Zukunft entgegen sehen. Ich möchte nicht in dieser Haut der Eltern stecken, die sich entscheiden müssen....einfach grausam und auch heute noch genauso ein Thema!

Zwischen den einzelnen Kapiteln "lockern" schwarz-weiß Bilder der beschrieben Personen, die doch oftmals sehr emotionalen Schilderungen, auf.

Obwohl es sich bei seiner Erzählung nicht um eines der sechs Kinder handelt, die damals in den Kleinanzeigen vorkamen, hat mich die Geschichte um Borgers Großtante Marci und deren Schicksal fast am meisten berührt.


Fazit:
Dieses Buch ist sowohl eine Familienbiografie, als auch eine Art Enthüllungsstory. Auf jeden Fall aber ein wichtiger Beitrag zum Thema #gegendasvergessen - besonders in der heutigen Zeit, in der die Zeitzeugen von damals verstorben sind und der Rassismus eine neue Hochsaison erlebt.

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Veröffentlicht am 19.12.2024

Der Preis des Kautschuks

Das weiße Gold des Amazonas
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Bisher habe ich von Mirjam Kul noch nichts gelesen, die normaler Weise im Fantasy Bereich schreibt. Nun ist im Gmeiner Verlag dieser historische Roman der Autorin erschienen, der uns zurück ins 19. Jahrhundert ...

Bisher habe ich von Mirjam Kul noch nichts gelesen, die normaler Weise im Fantasy Bereich schreibt. Nun ist im Gmeiner Verlag dieser historische Roman der Autorin erschienen, der uns zurück ins 19. Jahrhundert nach Brasilien führt. Es ist die Zeit der Kautschukgewinnung durch europäische Plantagenbesitzer, die sich in Manaus angesiedelt haben. Sie unterdrücken die indigene Bevölkerung, die sie wie Sklaven behandeln, obwohl die Sklaverei bereits abgeschafft wurde. Die indigenen Einwohner wurden damals innerhalb kurzer Zeit von den Weißen stark dezimiert.

Einer der schlimmsten und mächtigsten ist der Preuße Heinrich Lorenz, ein tyrannischer und skrupelloser Kautschukbaron, der nach noch mehr Macht und Gewinn strebt.
Seine beiden Söhne Karl und Paul sollen später in seine Fußstapfen treten. Doch Paul wurde von Heinrichs herzensguten Frau als Säugling aus dem Fluss gerettet und hat indigenes Blut. Außerdem hat er ein Fledermaus Tattoo auf der Brust. Er steht als junger Erwachsener zwischen den beiden Kulturen und wird auch von beiden Seiten nicht wirklich akzeptiert.

Auch Taya gehört zu einem der indigen Stämme, deren männliche Familienmitglieder in den Kautschukwäldern geschunden werden. Sie trifft als Kind auf Paul, der wie Taya ein Fledermaus Tattoo hat. Der Junge bekommt seit diesem Treffen Taya nicht mehr aus seinen Gedanken.
Als sie als junge Erwachsene wieder aufeinander treffen, entwickelt auch Taya mit der Zeit Gefühle für Paul. Doch eine Liebe zwischen dem (adoptierten) Sohn des Kautschukbarons und einer indigen Sklavin darf nicht sein.....

"Die Fremden zerstören die Wälder, vergiften mit ihren riesigen Schiffen die Flüsse und töten Tiere, obwohl sie längst gesättigt sind. Sie haben keine Ehrfurcht vor der Schöpfung und dem Leben. Sie sind gierig und neidisch. Sie werden erst merken, dass man Geld nicht essen kann, wenn sie Mutter Erde zerstört haben."
Diese Sätze musste ich mir notieren, denn sie sprechen mir aus der Seele und sind auch 130 Jahre später genauso relevant, wie damals - wenn nicht sogar zukunftsweisend.

Mirjam Kul schreibt fesselnd und sehr bildgewaltig. Man erfährt viel über die damalige Zeit in diesem Teil der Welt und wie überheblich und grausam die europäischen Siedler gegenüber den Einwohnern waren. Es erinnert an die Besiedelung Amerikas, die ungefähr zweihundert Jahre zuvor ebenso grausam vonstatten ging.
Die Autorin bringt auch immer wieder Gedanken ein, die sich auf die Zerstörung der Natur und die Ausbeutung von Menschen beziehen.

Neben den Hauptfiguren sind auch die Nebencharaktere lebendig und vielschichtig dargestellt. Einige - auch tierische! - haben sich ganz besonders in mein Herz geschlichen.
Ich bin durch die Geschichte geflogen und habe mit Paul mitgelitten, der als Sohn des Kautschukbarons erzogen wurde, aber mit seiner Hautfarbe nicht akzeptiert wird.

Der historische Roman liest sich fesselnd und interessant. Man fühlt sich während des Lesens direkt vor Ort in Brasilien.

Warum keine 5 Sterne?
Die Geschichte endet sehr abrupt und ließ mich ernüchternd zurück, denn sie hört für mich einfach mitten drin auf. Ich habe zwar beim großen A... gesehen, dass beim Titel "Die weißen Tränen Saga" steht, was auf eine Fortsetzung hoffen lässt, jedoch findet man keinerlei weitere Hinweise auf einen zweiten Band. Da ich offene Enden wirklich so überhaupt nicht leiden kann, muss ich deshalb einen Stern abziehen.

Fazit:
Ein fesselnder historischer Roman über die Versklavung indigener Völker, den Preis des Kautschuks und einer Liebe, die nicht sein darf. Bis auf das relativ offene Ende war die Geschichte sehr gut, aber der abrupte Schluss hat mich sehr gestört. Deshalb einen Stern Abzug! Wem offene Enden nicht stören, dem empfehle ich diese interessante Geschichte auf jeden Fall. Ich hoffe, dass es einen weiteren Teil geben wird.

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Veröffentlicht am 30.11.2024

Emotionaler Jugendroman um Trauerbewältigung

Das Verhalten ziemlich normaler Menschen
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Ein weiteres Buch, welches ich mit der lieben Caroline vom YouTube Kanal "Marie's Salon de livre" im November gemeinsam gelesen habe. Diesmal ist es ein Jugendbuch und das Thema war nicht unbedingt ein ...

Ein weiteres Buch, welches ich mit der lieben Caroline vom YouTube Kanal "Marie's Salon de livre" im November gemeinsam gelesen habe. Diesmal ist es ein Jugendbuch und das Thema war nicht unbedingt ein Leichtes.
Der 17jährige Asher hat seine Mutter vor zwölf Monate, drei Wochen und einem Tag verloren. Sie wurde bei einem Autounfall getötet, als sie für ihn neue Fußballschuhe kaufen wollte. Seitdem quält ihn nicht nur die endlose Trauer, sondern auch Schuldgefühle. Der betrunkene Fahrer des Sattelschleppers, der das Auto seiner Mutter gerammt und zertrümmert hat, wurde vom Gericht frei gesprochen, was Asher nur umso wütender macht. Die Trauer frisst ihn auf und es erscheint ihm unmöglich in den normalen Alltag zurückzukehren. Zurück blieben außerdem sein Vater und die vierjährige Schwester Chloe. Trotzdem fühlt sich Asher alleine und die Angst, dass seiner kleinen Schwester etwas passieren könnte, wächst umso mehr. Das Urvertrauen, dass man ewig lebt, ist verschwunden und wird durch Angst ersetzt. Ashers Vater schickt ihn deshalb in eine Trauergruppe. Asher landet jedoch in einer Seniorengruppe. Dort lernt er Henry kennen, der seine Frau verloren hat und ebenfalls nicht wieder ins Leben zurückfindet. Zusätzlich schließt sich Asher einer zweiten Trauergruppe in seinem Alter an. Dort trifft er auf Sloane, die ihren Vater an den Krebs verloren hat und Will, dessen kleiner Bruder ebenfalls am Krebs verstorben ist. Asher schmiedet den Plan, sich an den Fahrer des Sattelschleppers zu rächen und ihn zu töten. Er plant eine Reise nach Memphis und wird von Henry, Sloane und Will begleitet, die keine Ahnung haben, was Asher vor hat. Und so begeben sich die vier, gemeinsam mit der Urne von Henrys Frau Evelyne, auf einen Roadtrip quer durch die USA....

Ich muss zugeben, dass ich zu Beginn Probleme hatte in die Geschichte zu kommen. Die Sätze sind teilweise sehr lang und es gibt sehr viele Wiederholungen. Manche dienen aber auch dazu Ashers Trauer wirklich begreiflich zu machen. Wir bekommen seine Gedanken schonungslos vorgesetzt und sind immer dabei, wenn er zur Trauertherapie geht. Mich zog die Handlung jedoch richtig hinab, bis etwas Humor in die Geschichte kommt, als der Roadtrip beginnt. Bis dahin spürt man allerdings keinerlei Optimismus und versinkt in die schier endlose Trauer von Asher und seinen Freunden.

„Akzeptiere, dass das Leben nur rückwärts verstanden werden kann, leben muss man es aber vorwärts.“ (S. 333, frei nach Søren Kierkegaard)

Dabei gelingt es aber der Autorin wahnsinnig gut, diese Verzweiflung darzustellen. In jugendlicher Sprache und mit der Aussage, dass jeder anders trauert und alles erlaubt ist, gibt sie ihren Lesern Hoffnung, denn jede Trauer ist individuell. Sie hat kein Ablaufdatum, sondern verändert sich.

Der Vergleich von trauernden Menschen mit einem Löwenzahn, der sich einen Riss durch den Beton sucht und langsam ans Licht findet, während andere unter dem Beton vergraben bleiben, fand ich großartig und berührend.

Als der eigentliche Roadtrip beginnt, schlägt die Stimmung etwas um. Die lange Reise lässt die Vier zusammenwachsen und einen Weg aus der Trauer finden. Dies geht eher langsam vonstatten, ist aber sehr authentisch dargestellt. Dabei muss man das eine oder andere Mal auch richtig schmunzeln.
Nur zum Ende hin, fand ich die Geschichte dann doch etwas zu überspitzt.

Der Roman hat Jugendliche als Zielpublikum, ist jedoch auch für Erwachsene sehr gut geeignet. Denn irgendwann kommt jeder zu diesem Punkt, wo er einen geliebten Menschen verliert.

Fazit:
Ein hochemotionaler Jugendroman, der aber auch für Erwachsene gut geeignet ist und viel über Trauerbewältigung erzählt. Denn diese ist individuell und hat kein fixes Ablaufdatum.

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