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Veröffentlicht am 13.01.2025

Wieder ein Pageturner

Sie kann dich hören
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Band 2 der Housemaid Trilogie hat ja im Vorfeld bereits einige Diskussionen ausgelöst. Die meisten fanden das Buch schwächer, als den ersten Band, einige aber auch besser. Wem schließe ich mich nun an?
Die ...

Band 2 der Housemaid Trilogie hat ja im Vorfeld bereits einige Diskussionen ausgelöst. Die meisten fanden das Buch schwächer, als den ersten Band, einige aber auch besser. Wem schließe ich mich nun an?
Die Geschichte hat mir gut gefallen, auch wenn ich mir nicht vorstellen konnte, was es nach dem Ende des ersten Bandes noch zu berichten gäbe. "Sie kann dich hören" hat mich aber super unterhalten, jedoch schließe ich mich denjenigen an, die Band 2 schwächer fanden. Das ist aber auch keine Kunst, denn "Wenn sie wüsste" hat von mir 5 Sterne bekommen und die sind bei mir ja eher rar gesät. Der Thriller ist sehr ähnlich aufgebaut, was mich ebenfalls etwas skeptisch gemacht hat.

Inzwischen sind ein paar Jahre vergangen und Millie hat angefangen zu studieren. Um sich ihr Studium leisten zu können, arbeitet sie wieder als Hausmädchen bei den Garricks, einem reichen Upper Class Pärchen in Manhattan. Gott sei Dank will Douglas Garrick nichts über ihre Vergangenheit wissen - doch ist das nicht eher seltsam? Außerdem bekommt Millie seine Frau Wendy kaum zu Gesicht, die die meiste Zeit in ihrem Zimmer sitzt und aus dem sie Wendy oftmals weinen hört. Milly ist klar, dass sie der Frau helfen muss.....sie darf aber laut Vertrag nicht mit Wendy sprechen....

Der Epilog mit seinem ersten Satz "Heute Nacht werde ich ermordet" haut schon einmal richtig rein. Man wird sofort gepackt und will wissen, wer die Person ist, die diesen Satz sagt.
Danach geht es eher gemächlich weiter, steigert sich jedoch sehr schnell wieder zu einem Pageturner.

"Sie kann dich hören" wird wieder aus zwei Perspektiven erzählt. Wir treffen wieder auf Enzo, dem Gärtner aus dem Vorgänger, lernen aber auch neue Figuren kennen. Manchmal konnte ich Millies Handlungen nicht wirklich verstehen, was aber sicher auch von der Autorin gewollt zu sein scheint. Freida McFadden schreibt auf jeden Fall richtig gut und beherrscht ihr Metier perfekt. Sie weiß Spannung zu erzeugen und führt den Leser gekonnt in die Irre. Überraschende Plottwists und kurze Kapitel begünstigen den Lesefluss. Kaum angefangen zu lesen, kann man nicht mehr aufhören. Man fliegt durch die Seiten und trotzdem fand ich die Geschichte diesmal etwas schwächer.

Fazit:
"Sie kann dich hören" ist nach einem sehr ähnlichen Muster gestrickt, wie mein Highlight aus dem Jahre 2023. Der Thriller lässt sich genauso schnell weg lesen, wie der Vorgänger und enthält einige Twists und überraschende Wendungen. Deshalb empfehle ich auch diesen zweiten Band gerne weiter.

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Veröffentlicht am 06.01.2025

Viel Inhalt auf nur wenigen Seiten

Triebwasser
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In diesem nur 175 Seiten langen Roman von Sandra Altmann steckt jede Menge Inhalt. Die Autorin hat sich rund um das historisch belegte Ereignis um den Bau des Kraftwerkes am Walchensee eine sehr authentische ...

In diesem nur 175 Seiten langen Roman von Sandra Altmann steckt jede Menge Inhalt. Die Autorin hat sich rund um das historisch belegte Ereignis um den Bau des Kraftwerkes am Walchensee eine sehr authentische fiktive Geschichte ausgedacht, die leichte Krimielemente birgt.

Wir sind kurz nach dem ersten Weltkrieg im fiktiven bayrischen Dorf Desselgrub. Die Einwohner stehen dem Bau des neuen Kraftwerkes mehr als skeptisch gegenüber. Das Elektrizitätskraftwerk soll auch in das Tal endlich elektrischen Strom bringen. Doch die alteingesessenen Dorfbewohner wollen weder Strom, noch Zuzügler. Alte Bräuche, Aberglaube und harte Arbeit spielen in Desselgrub die Hauptrolle und Neuerungen sind nicht gern gesehen. Kompromissloses Festhalten am Althergebrachten ist im Bergdorf Alltag. Genauso möchte man auch keine Menschen im Dorf haben, die "nicht hierher gehören".

Sandra Altmann gelingt ein sehr authentischer Einblick in das schwere und harte Leben in einem abgeschiedenen Bergdorf kurz nach dem Ende des ersten Weltkrieges. Während die Kinder trotz Hilfe am Hof noch Kinder sein dürfen, werden die Erwachsenen schnell in das enge Korsett gezwungen. Wenn man nicht in die Dorfgemeinschaft passt, hat man es schwer. Der Ton ist rau und hart.

Der Schreibstil ist der damaligen Zeit angepasst. Die Autorin beschreibt die Gegend und vor allem die verschiedenen Charaktere wahnsinnig bildhaft und lebendig. Man findet sich als Leser schnell mittendrin in der dörflichen Gemeinschaft, deren Los harte Arbeit ist. Der mühsame Alltag voller Plackerei und der Aberglauben, der Anfang des 20. Jahrhunderts noch in den Bergdörfern herrscht, ist jederzeit greifbar.
Wir lernen einige der Familien aus Desselgrub besser kennen und ich muss zugeben, dass mir nur wenige sympathisch waren. Vieles ist mir aus anderen historischen Romanen bekannt, einiges kenne ich noch selbst und andere Verhaltensweisen kann ich so gar nicht nachvollziehen.

Zum Ende hin spitzt sich die Lage im Dorf immer mehr zu und man spürt das drohende Unheil kommen. Dieses kommt schlussendlich aber aus einer ganz anderen Richtung, als gedacht....

Fazit:
Viel Inhalt auf wenigen Seiten, tolle Charakterdarstellungen und ein überraschendes Ende machen diesen historischen Roman zu einer tollen Unterhaltung. Ich hätte mir allerdings noch ein paar Seiten mehr gewünscht und ein paar Fakten zum Ende, welches ein paar Fragen offen lässt.

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Veröffentlicht am 04.01.2025

Komplexer und spannender Krimi

Der Zögling
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In Cumbria tötet ein Serienmörder ältere Männer in Steinkreisen. Dabei foltert er sie und lässt sie bei lebendigen Leibe verbrennen. Bei seinem dritten Opfer wird durch eine spezielle Untersuchung der ...

In Cumbria tötet ein Serienmörder ältere Männer in Steinkreisen. Dabei foltert er sie und lässt sie bei lebendigen Leibe verbrennen. Bei seinem dritten Opfer wird durch eine spezielle Untersuchung der spärlichen Reste der Name "Washington Poe 5" gefunden, den er dem Opfer anscheinend vorher eingeritzt hat. Der Name gehört einem Detective bei der SCAS, der Serious Crime Analysis Section, der zur Zeit suspendiert ist. Seit 18 Monaten läuft eine interne Ermittlung gegen ihn. Nun wird er in den Polizeidienst zurückbeordert. Ist er womöglich das fünfte Opfer?

"Der Zögling" wird bei uns als Vorgeschichte zu "Der Botaniker" angeführt, welcher zuerst auf Deutsch übersetzt wurde. Im Englischen ist jedoch "Der Zögling" eindeutig der erste Band und überraschender Weise ist "Der Botaniker" bereits der fünfte Band der Reihe. Warum der Verlag die Thriller nicht der Reihe nach übersetzt hat, ist mir ein Rätsel. Aber ähnliches gab es ja auch schon bei den Büchern von Steve Cavanagh. Ich bin jedoch froh, dass ich nun mit dem ersten Band angefangen habe und Washington Poe kennenlerne.

Der Fall rund um den Serientäter, der seine Opfer verbrennt, ist komplex. Der Mörder ist den Ermittlern immer eine Stück voraus und der Plot ist grandios ausgedacht. Bis man erkennt, wie die Morde zusammenhängen und welches Konstrukt dahintersteckt, dauert es, denn der Autor hat zahlreiche Twists eingebaut. Der Hintergrund ist erschreckend und brutal.

Die Charaktere sind teilweise eigenwillige Persönlichkeiten. Washington Poe ist ein Einzelgänger, ein großartiger Ermittler, aber er nimmt auch kein Blatt vor den Mund. Außerdem schert er sich nicht im Geringesten um Gesetze. Gerechtigkeit ist ihm wichtig. Sein erstes Zusammentreffen mit Tilly Bradshow läuft nicht ganz so, wie gedacht....
Daraus entwickelt sich jedoch eine ganz besondere Freundschaft und die beiden werden ein richtig tolles Ermittlerteam. Die Dynamik zwischen Washington und Tilly hat mir richtig gut gefallen.

Mit Tilly Bradshow hat der Autor einen tollen und sehr interessanten Charakter entworfen. Während ihre zwischenmenschlichen Fähigkeiten sehr unterentwickelt sind, ist sie als Datenanalystin eine echte Koryphäe. Sie zeigt autistisches Verhalten und nimmt alles wortwörtlich. Ihre Entwicklung hat mir besonders gut gefallen.
Aber auch die anderen Figuren wurden lebendig beschrieben und man konnte sich ein gutes Bild der Charaktere machen. Das Setting in Cumbria war ebenfalls bildhaft dargestellt und ich konnte mir die raue Landschaft im Norden Großbritanniens sehr gut vorstellen.
Trotz einiger sehr grausam beschriebenen Szenen kommt auch der trockene englische Humor durch, den ich sehr mag.

Der Schreibstil ist fesselnd und atmosphärisch. Probleme hatte ich jedoch mit dem Wort "Brandopferer". Gibt es das Wort im Deutschen überhaupt? Ich bin jedes Mal beim Lesen irgendwie darüber gestolpert und es hat mich aus dem Lesefluss gerissen.

Am Ende wird es rasant und die Lage spitzt sich zu. Der Spannungsbogen führt stetig bergauf und man legt den Thriller nur schwer weg.

Fazit:
Ein klassischer Ermittlerkrimi mit grausamen Sequenzen, einem komplexen Plot und einigen Twists, die überraschen. Ich werde in der Reihe sicher weiterlesen und empfehle "Der Zögling" gerne weiter.

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Veröffentlicht am 21.12.2024

Wichtiger Beitrag #gegendasvergessen

Suche liebevollen Menschen
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In diesem Buch erfahren wir mehr über eine etwas andere Art der Kinderverschickung in den 1930iger Jahren. Vielen von euch, die sich mit der Zeit des Zweiten Weltkrieges beschäftigen und auch darüber lesen, ...

In diesem Buch erfahren wir mehr über eine etwas andere Art der Kinderverschickung in den 1930iger Jahren. Vielen von euch, die sich mit der Zeit des Zweiten Weltkrieges beschäftigen und auch darüber lesen, wissen Bescheid über die ersten Kinderverschickungen nach Großbritannien.

Doch schon zuvor waren einige jüdische Eltern klug und haben, wie die Großeltern von Journalist Julian Borger, im "Manchester Guardian" Kleinanzeigen geschaltet. Sie suchten nach Menschen, die ihre Kinder aufnehmen, um sie vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Sicherheit zu bringen. Obwohl sie ahnten, dass sie ihre Kinder eventuell nie mehr wiedersehen würden...

Ein kleiner Teil dieser Kleinanzeigen wurde auch für den Titel des Buches ausgewählt ("Seek a kind person, who will educate my intelligent Boy, aged 11, Viennese of good family. Borger 5/12 Hintzerstrasse, Vienna 3)
Im Jahre 1938 hat sein Großvater Leo genau diesen Text für seinen Sohn Robert Borger gewählt. Nach dem Tod seines Vaters Robert 1983 hat sich Journalist Julian Borger auf die Spurensuche betreffend seiner Familiengeschichte begeben. Niemand in der Familie wusste über seine Zeit als jüdisches Kind in Wien und sein Leben nach der Ankunft in Großbritannien. Julian Borger recherchierte akribisch. Dabei erfuhr er auch über dieses Inserat seines Großvaters und beginnt nachzuforschen. Im Verlauf seiner Recherche versuchte er mehr über die Schicksale der weiteren sechs Kinder herauszufinden, die am selben Tag in den Kleininseraten im "Manchester Guardian" ausgeschrieben wurden. Dies war alles andere als einfach und hat gedauert. Borger hat nach den Nachkommen der damaligen Kinder gesucht und versucht Kontakt aufzunehmen.
Was alle damaligen Kinder ihr ganzes Leben lang "verfolgte", war die "Schuld des Überlebens". Gleichzeitig fühlten sie sich auch unwürdig gegenüber Überlebenden aus den Konzentrationslagern, weil sie relativ sicher den Holocaust überlebt haben. Diese Traumata führten auch zum Selbstmord von Borgers Vater.

Was mir doch einige Schwierigkeiten bereitet hat, waren Julian Borgers oftmalige Wechsel von Personen und Zeit. Oft schwenkt der Autor mitten in seiner Erzählung von einer Person zu einer anderen und streut Fakten aus deren Leben ein. Das verwirrt zusätzlich, nachdem die Erzählungen auch zeitlich nicht chronologisch sind. Man benötigt deshalb hohe Konzentration und trotzdem sind mir oftmals die Schicksale mancher Menschen durcheinander gekommen. Trotz der wirklich akribischen Recherche und den berührenden Schicksalen, konnte ich deswegen manches Mal keine wirkliche Beziehung zu einigen der Figuren herstellen. Diese abrupten Wechsel und sich ins uferlose Verlieren, nimmt der biografischen Erzählung etwas an Tiefe. Das hätte vermieden werden können. Trotzdem sind die Erzählungen berührend. Man möchte sich gar nicht vorstellen, dass man seine eigenen Kinder alleine auf den Weg in ein fremdes Land schickt, deren Sprache sie nicht sprechen und sich einer ungewissen Zukunft entgegen sehen. Ich möchte nicht in dieser Haut der Eltern stecken, die sich entscheiden müssen....einfach grausam und auch heute noch genauso ein Thema!

Zwischen den einzelnen Kapiteln "lockern" schwarz-weiß Bilder der beschrieben Personen, die doch oftmals sehr emotionalen Schilderungen, auf.

Obwohl es sich bei seiner Erzählung nicht um eines der sechs Kinder handelt, die damals in den Kleinanzeigen vorkamen, hat mich die Geschichte um Borgers Großtante Marci und deren Schicksal fast am meisten berührt.


Fazit:
Dieses Buch ist sowohl eine Familienbiografie, als auch eine Art Enthüllungsstory. Auf jeden Fall aber ein wichtiger Beitrag zum Thema #gegendasvergessen - besonders in der heutigen Zeit, in der die Zeitzeugen von damals verstorben sind und der Rassismus eine neue Hochsaison erlebt.

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Veröffentlicht am 19.12.2024

Der Preis des Kautschuks

Das weiße Gold des Amazonas
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Bisher habe ich von Mirjam Kul noch nichts gelesen, die normaler Weise im Fantasy Bereich schreibt. Nun ist im Gmeiner Verlag dieser historische Roman der Autorin erschienen, der uns zurück ins 19. Jahrhundert ...

Bisher habe ich von Mirjam Kul noch nichts gelesen, die normaler Weise im Fantasy Bereich schreibt. Nun ist im Gmeiner Verlag dieser historische Roman der Autorin erschienen, der uns zurück ins 19. Jahrhundert nach Brasilien führt. Es ist die Zeit der Kautschukgewinnung durch europäische Plantagenbesitzer, die sich in Manaus angesiedelt haben. Sie unterdrücken die indigene Bevölkerung, die sie wie Sklaven behandeln, obwohl die Sklaverei bereits abgeschafft wurde. Die indigenen Einwohner wurden damals innerhalb kurzer Zeit von den Weißen stark dezimiert.

Einer der schlimmsten und mächtigsten ist der Preuße Heinrich Lorenz, ein tyrannischer und skrupelloser Kautschukbaron, der nach noch mehr Macht und Gewinn strebt.
Seine beiden Söhne Karl und Paul sollen später in seine Fußstapfen treten. Doch Paul wurde von Heinrichs herzensguten Frau als Säugling aus dem Fluss gerettet und hat indigenes Blut. Außerdem hat er ein Fledermaus Tattoo auf der Brust. Er steht als junger Erwachsener zwischen den beiden Kulturen und wird auch von beiden Seiten nicht wirklich akzeptiert.

Auch Taya gehört zu einem der indigen Stämme, deren männliche Familienmitglieder in den Kautschukwäldern geschunden werden. Sie trifft als Kind auf Paul, der wie Taya ein Fledermaus Tattoo hat. Der Junge bekommt seit diesem Treffen Taya nicht mehr aus seinen Gedanken.
Als sie als junge Erwachsene wieder aufeinander treffen, entwickelt auch Taya mit der Zeit Gefühle für Paul. Doch eine Liebe zwischen dem (adoptierten) Sohn des Kautschukbarons und einer indigen Sklavin darf nicht sein.....

"Die Fremden zerstören die Wälder, vergiften mit ihren riesigen Schiffen die Flüsse und töten Tiere, obwohl sie längst gesättigt sind. Sie haben keine Ehrfurcht vor der Schöpfung und dem Leben. Sie sind gierig und neidisch. Sie werden erst merken, dass man Geld nicht essen kann, wenn sie Mutter Erde zerstört haben."
Diese Sätze musste ich mir notieren, denn sie sprechen mir aus der Seele und sind auch 130 Jahre später genauso relevant, wie damals - wenn nicht sogar zukunftsweisend.

Mirjam Kul schreibt fesselnd und sehr bildgewaltig. Man erfährt viel über die damalige Zeit in diesem Teil der Welt und wie überheblich und grausam die europäischen Siedler gegenüber den Einwohnern waren. Es erinnert an die Besiedelung Amerikas, die ungefähr zweihundert Jahre zuvor ebenso grausam vonstatten ging.
Die Autorin bringt auch immer wieder Gedanken ein, die sich auf die Zerstörung der Natur und die Ausbeutung von Menschen beziehen.

Neben den Hauptfiguren sind auch die Nebencharaktere lebendig und vielschichtig dargestellt. Einige - auch tierische! - haben sich ganz besonders in mein Herz geschlichen.
Ich bin durch die Geschichte geflogen und habe mit Paul mitgelitten, der als Sohn des Kautschukbarons erzogen wurde, aber mit seiner Hautfarbe nicht akzeptiert wird.

Der historische Roman liest sich fesselnd und interessant. Man fühlt sich während des Lesens direkt vor Ort in Brasilien.

Warum keine 5 Sterne?
Die Geschichte endet sehr abrupt und ließ mich ernüchternd zurück, denn sie hört für mich einfach mitten drin auf. Ich habe zwar beim großen A... gesehen, dass beim Titel "Die weißen Tränen Saga" steht, was auf eine Fortsetzung hoffen lässt, jedoch findet man keinerlei weitere Hinweise auf einen zweiten Band. Da ich offene Enden wirklich so überhaupt nicht leiden kann, muss ich deshalb einen Stern abziehen.

Fazit:
Ein fesselnder historischer Roman über die Versklavung indigener Völker, den Preis des Kautschuks und einer Liebe, die nicht sein darf. Bis auf das relativ offene Ende war die Geschichte sehr gut, aber der abrupte Schluss hat mich sehr gestört. Deshalb einen Stern Abzug! Wem offene Enden nicht stören, dem empfehle ich diese interessante Geschichte auf jeden Fall. Ich hoffe, dass es einen weiteren Teil geben wird.

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