Profilbild von Buchgespenst

Buchgespenst

Lesejury Star
offline

Buchgespenst ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Buchgespenst über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.08.2025

Düster, fesselnd und rasant – Eine tolle Geistergeschichte

Unheilige Zeiten
0

Eine Welt wie unsere – und doch nicht, denn Geister gehören zum Alltag und stellen für jeden Menschen eine reale Bedrohung dar. Gut, dass es Menschen mit einer besonderen Gabe gibt, die sich dieser Bedrohung ...

Eine Welt wie unsere – und doch nicht, denn Geister gehören zum Alltag und stellen für jeden Menschen eine reale Bedrohung dar. Gut, dass es Menschen mit einer besonderen Gabe gibt, die sich dieser Bedrohung stellen können: die Totenbändiger. Aus unbekannten Gründen und auffallend gezeichnet, mit dieser Fähigkeit geboren und von den gewöhnlichen Menschen gleichermaßen gehasst wie gefürchtet wie gebraucht.
Camren Hunt gehört zu den Totenbändigern, doch er ist etwas Besonderes: vor 13 Jahren, der letzten Unheiligen Zeit, in der die Geister am gefährlichsten sind, wurde er als Kleinkind gefunden: inmitten von Leichen mit durchschnittenen Kehlen. Niemand weiß, was dort passiert ist, doch jetzt in der neuen Unheiligen Zeit, scheinen sich die Ereignisse zu wiederholen und die Totenbändiger stehen vor einer großen Herausforderung.

Eine fesselnde, düstere Geistergeschichte, die sich komplex, mysteriös und sehr originell aufbaut. Fernab von gängiger John Sinclair-Manier, die sich gerne in Splatter und Obszönitäten verliert, wird hier mit viel Talent eine Urban-Fantasy-Welt aufgebaut, mit glaubwürdig ausgearbeiteten Figuren, vielen Facetten und Andeutungen, dass sich an allen Ecken und Enden weitere Geschichten entwickeln (können) ohne, dass der Leser überfordert wird oder ein Erzählstrang zu kurz käme.

Das Figurenpersonal ist groß, aber nicht unübersichtlich, was zur Komplexität der Geschichte passt. Die Geschichte selbst ist düster, bringt das Unaussprechliche aller Verbrechen auf den Punkt ohne in Splatter oder Voyeurismus abzudriften.

Wie es sich für einen guten ersten Band gehört endet die Geschichte in einem fiesen Cliffhanger. Es gibt natürlicherweise nicht viele Antworten, aber diverse Mysterien und viel Raum für Spekulationen.

Mir gefiel das Buch sehr gut, wenn mir auch die Gegenspieler so gegen den Strich gingen, dass ich ihre Szenen kaum lesen konnte. Intoleranz, Selbstgerechtigkeit und eine arrogante Einfältigkeit, die in verstörender Brutalität gipfeln können haben mir oft fast die Luft zum Atmen genommen.
Mit dem Gegenentwurf der Hunt-Familie, die als Totenbändiger unterwegs ist, .wurde allerdings ein sehr gutes Gegengewicht aufgestellt. Für ihre Szenen habe ich gelebt.

Alles in allem eine rund erzählte Geschichte, die mich gepackt hat und neugierig auf die Fortsetzung macht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.04.2025

Ein spannender Blick ins Mittelalter

Die Gerüche der Kathedrale
0

Antwerpen war einst eine blühende Handelsmetropole und vielen Kirchen, religiöser Toleranz und unglaublicher gesellschaftlicher Vielfalt. Gemälde und schriftliche Zeugnisse, die heute allgemein bekannt ...

Antwerpen war einst eine blühende Handelsmetropole und vielen Kirchen, religiöser Toleranz und unglaublicher gesellschaftlicher Vielfalt. Gemälde und schriftliche Zeugnisse, die heute allgemein bekannt sind, geben ein nur ungenaues Bild vom Leben der Menschen Ende des 15./ Anfang des 16. Jahrhunderts wider, schon weil diese Zeugnisse oft erheblich jünger sind. Wendy Wauters nimmt den Leser mit und lässt ihn eintauchen in diese Welt, die einst Gegenwart war und heute so fern erscheint. Doch dann rückt uns das Leben der Menschen wieder ganz nah, denn immer wieder schlägt Wauters Brücken ins 19., 20. Und auch 21. Jahrhundert. Nicht von ungefähr werden Pest- und Corona-Zeiten miteinander verglichen und zeigen verblüffende Parallelen. Damit erscheint uns das Mittelalter trotz aller Fremdheit plötzlich sehr vertraut.

Anhand der Kathedrale von Antwerpen wird hier ein komplexes und in vielerlei Hinsicht sehr plastisches Bild der spezifischen niederländischen Handelsmetropole, aber auch der der Geschichte der Gesellschaft, politischen Ereignisse, Religiosität und der beindruckenden, komplexen Nutzung und Veränderung des Verständnisses von Kirchengebäuden. Das Leitmotiv, das den Leser durch das Buch führt ist der Geruch. Und ja, das bedeutet alles, was man sich darunter vorstellt: wie rochen die Menschen, die Straßen, die Kirchen? Welche Rolle spielte der Geruch im Alltag, im Selbstverständnis und im Glauben?

Ein umfassender, farbiger Bildteil, auf den im Text immer wieder Bezug genommen wird, illustriert die lebendig präsentierte Geschichte. Besonders interessant sind die Erläuterungen zu den Gemälden, die zeigen, dass Kirchen damals viel komplexer genutzt wurden als man heute annehmen würde.

Dieses Sachbuch lässt das Mittelalter auf vielerlei Arten lebendig werden. Ein durchaus anspruchsvolles Sachbuch, das es versteht, den Leser die Geschichte hautnah erleben zu lassen. Man steht neben der Hausfrau und dem Händler in der Kirche, umweht von Körpergerüchen, müffelnder Kleidung, Parfüms, Weihrauch und ausgestreuten Kräutern – von der Straße kommt der Duft von Pferden und Kot herein – ein stetes Kommen und Gehen von Händlern, Bettlern und Pilgern – man ist als Leser mittendrin.

Ein großartiges Sachbuch, das das Mittelalter lebendig macht!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.02.2025

Eine eindrucksvolle Aufarbeitung eines historischen Kriminalfalls

Mordsache Caesar
0

Die Iden des März – ein Begriff der viele gleich an den Mord an Gaius Julius Caesar denken lässt, getötet unter anderen von seinem Sohn. Man kennt die Tat, man kennt die Täter, man hat nur einen Begriff ...

Die Iden des März – ein Begriff der viele gleich an den Mord an Gaius Julius Caesar denken lässt, getötet unter anderen von seinem Sohn. Man kennt die Tat, man kennt die Täter, man hat nur einen Begriff dafür: Mord. Aber wie kam es zu der Tat? Was war das Motiv? Wer waren die Täter, die hinter den lateinischen uns heute so nichtssagenden Namen stehen und was trieb sie an? Haben sie überhaupt erreicht, was sie mit dem Mord beabsichtigten, denn es war ja keine pure Rachetat? Michael Sommer begibt sich auf Spurensuche und geht dabei weit zurück. Um zu verstehen was hinter der Tat steckt und wie es dazu kam, muss man wissen, wer Caesar war und wie er zu dem wurde. Ja, noch mehr: Das Selbstverständnis Roms, das Konzept eines Reiches und seine Geschichte vor und nach der Tat, muss verstanden sein, um den Mord zu begreifen.

Auf Basis historischer Quellen, von Appian, Plutarch bis zu Cicero und Caesar selbst, aber auch mit Zugriff auf die Geschichtsforschung bietet Michael Sommer ein lebendiges Bild einer Zeit, die uns heute so fremd ist. Neben geschichtlichen Ereignissen zu Kriegen und Senatsumstürzen erfährt der Leser auch viel über das kulturelle Leben des alten Roms, das einen großen Einfluss auf die Politik hatte. Nach und nach begreift man wie komplex die Hintergründe sind, die zum Ende Caesars führten.

Michael Sommer zeichnet ein lebendiges Bild eines untergegangenen Reiches, eines Reiches im Umbruch, im Widerspruch, in persönlichen Verstrickungen und kriegerischen Auseinandersetzungen. Spannend zu lesen und brillant recherchiert!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.12.2024

Eine interessante, spannende Vampirgeschichte

Carmilla
0

Die junge Laura lebt mit ihrem Vater in einem einsamen Schloss in einer beschaulichen ländlichen Gegend. Das Leben plätschert ereignislos vor sich hin bis ihr Vater die bildhübsche, geheimnisvolle Carmilla ...

Die junge Laura lebt mit ihrem Vater in einem einsamen Schloss in einer beschaulichen ländlichen Gegend. Das Leben plätschert ereignislos vor sich hin bis ihr Vater die bildhübsche, geheimnisvolle Carmilla aufnimmt, damit diese sich von einem Kutschenunfall erholen kann. Laura ist begeistert eine gleichaltrige Freundin gefunden zu haben und die beiden Mädchen schließen sich immer enger aneinander. Doch dann wird die Gegend von einer geheimnisvollen Krankheit heimgesucht, der immer mehr junge Mädchen zum Opfer fallen. Ein unheimliches Gerücht macht die Runde, das niemand glauben möchte, doch dann erkrankt auch Laura.

Ein wunderbarer Klassiker, der zu Unrecht hinter dem Dracula-Hype verschwunden ist. Statt des verführerischen, dämonischen Fremden ist es hier eine bildhübsche junge Frau, deren erotische Reize sehr subtil mit der Gestalt des Vampirs verschmelzen. Äußerst interessant finde ich das schon hier junge Mädchen zu Opfern werden statt dass sich der weibliche Vampir auf Männer konzentrieren würde.

Die Geschichte baut sich wunderbar auf. Von der beschaulich-ländlichen Idylle zum unheimlichen isolierten Spuk-Ort. Dabei wirkt die Geschichte erstaunlich frisch und originell – fernab von sämtlichen Klischees, die heute mit Vampirliteratur verbunden sind.

Der Schluss hat mich allerdings enttäuscht. Es ging dann plötzlich sehr schnell und wurde nur als rückblickende Zusammenfassung präsentiert, was der bis dahin schön schauerlichen Szenerie die Dramatik nahm und die aufgebaute Spannung verpuffen ließ.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.12.2024

Die Vergangenheit holt uns ein

Todeskeller. Das Cold-Case-Team Berlin ermittelt
0

Eigentlich war es ein nicht ganz ernst zu nehmender Hinweis in einem Entführungsfall, doch plötzlich stehen die beiden Ermittler des neu ins Leben gerufenen Cold-Case-Teams von Europol, in einem Keller ...

Eigentlich war es ein nicht ganz ernst zu nehmender Hinweis in einem Entführungsfall, doch plötzlich stehen die beiden Ermittler des neu ins Leben gerufenen Cold-Case-Teams von Europol, in einem Keller voller Knochen. Die Ermittlungen decken ein schauerliches Verbrechen aus den düsteren Zeiten des DDR-Regimes auf. Sophie Steinbach wird unerwartet mit alten Kindheitserlebnissen konfrontiert während ihr Kollege David Martin mit seinem eigenen Trauma zu kämpfen hat. Dass der Fall nicht ganz so einfach mittels alter Akten zu lösen ist, muss das gesamte Cold-Case-Team schmerzlich erfahren – und dabei steht noch mehr auf dem Spiel, denn das Team selbst muss sich bewähren und seine Daseinsberechtigung unter Beweis stellen.

Ein großartiger Auftakt zu einer neuen Krimireihe meiner Lieblingsautoren! Ich mag Cold-Case-Krimis, deswegen musste ich auch hier gleich zugreifen. Es hat sich gelohnt. Spannend von der ersten Seite an. Ich bin nur so durch das Buch geflogen. Immer wieder gab es unerwartete Twists und überraschende Charakterentwicklungen. Wie von dem Autorenduo gewohnt haben sie noch auf den letzten Seiten überrascht, alles über den Haufen geworfen, was man zu wissen meinte und lachend gezeigt wie sie gekonnt mit den gängigen Erwartungen eines Krimilesers gespielt haben.

Dieses Buch bietet beste Unterhaltung von der ersten bis zur letzten Seiten. Ich freue mich jetzt schon auf den nächsten Band. Wenn ich auch nicht mit jedem Mitglied des Cold-Case-teams warm geworden bin, haben mir doch die meisten sehr gut gefallen und ich bin schon gespannt auf ihre eigenen Geschichten.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere