Düster, fesselnd und rasant – Eine tolle Geistergeschichte
Unheilige ZeitenEine Welt wie unsere – und doch nicht, denn Geister gehören zum Alltag und stellen für jeden Menschen eine reale Bedrohung dar. Gut, dass es Menschen mit einer besonderen Gabe gibt, die sich dieser Bedrohung ...
Eine Welt wie unsere – und doch nicht, denn Geister gehören zum Alltag und stellen für jeden Menschen eine reale Bedrohung dar. Gut, dass es Menschen mit einer besonderen Gabe gibt, die sich dieser Bedrohung stellen können: die Totenbändiger. Aus unbekannten Gründen und auffallend gezeichnet, mit dieser Fähigkeit geboren und von den gewöhnlichen Menschen gleichermaßen gehasst wie gefürchtet wie gebraucht.
Camren Hunt gehört zu den Totenbändigern, doch er ist etwas Besonderes: vor 13 Jahren, der letzten Unheiligen Zeit, in der die Geister am gefährlichsten sind, wurde er als Kleinkind gefunden: inmitten von Leichen mit durchschnittenen Kehlen. Niemand weiß, was dort passiert ist, doch jetzt in der neuen Unheiligen Zeit, scheinen sich die Ereignisse zu wiederholen und die Totenbändiger stehen vor einer großen Herausforderung.
Eine fesselnde, düstere Geistergeschichte, die sich komplex, mysteriös und sehr originell aufbaut. Fernab von gängiger John Sinclair-Manier, die sich gerne in Splatter und Obszönitäten verliert, wird hier mit viel Talent eine Urban-Fantasy-Welt aufgebaut, mit glaubwürdig ausgearbeiteten Figuren, vielen Facetten und Andeutungen, dass sich an allen Ecken und Enden weitere Geschichten entwickeln (können) ohne, dass der Leser überfordert wird oder ein Erzählstrang zu kurz käme.
Das Figurenpersonal ist groß, aber nicht unübersichtlich, was zur Komplexität der Geschichte passt. Die Geschichte selbst ist düster, bringt das Unaussprechliche aller Verbrechen auf den Punkt ohne in Splatter oder Voyeurismus abzudriften.
Wie es sich für einen guten ersten Band gehört endet die Geschichte in einem fiesen Cliffhanger. Es gibt natürlicherweise nicht viele Antworten, aber diverse Mysterien und viel Raum für Spekulationen.
Mir gefiel das Buch sehr gut, wenn mir auch die Gegenspieler so gegen den Strich gingen, dass ich ihre Szenen kaum lesen konnte. Intoleranz, Selbstgerechtigkeit und eine arrogante Einfältigkeit, die in verstörender Brutalität gipfeln können haben mir oft fast die Luft zum Atmen genommen.
Mit dem Gegenentwurf der Hunt-Familie, die als Totenbändiger unterwegs ist, .wurde allerdings ein sehr gutes Gegengewicht aufgestellt. Für ihre Szenen habe ich gelebt.
Alles in allem eine rund erzählte Geschichte, die mich gepackt hat und neugierig auf die Fortsetzung macht.